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Leserunden => Leserunden-Archiv => Jennifer Benkau - Es war einmal Aleppo => Thema gestartet von: Inge78 am 13. Dezember 2016, 08:00:31

Titel: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Inge78 am 13. Dezember 2016, 08:00:31
Hier bitte nur den Inhalt der angegebenen Kapitel beposten  :brav:
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Inge78 am 13. Dezember 2016, 10:30:50
Guten Morgen zusammen

Ich freue mich auf die Leserunde mit Euch
Ich habe das Buch ja bereits gelesen deshalb muss ich mich sehr zusammen reißen nicht zu viel zu schreiben und zu spoilern

Aber ich habe direkt mal eine Frage:

Wenn ihr in der Situation wie Toni wärt , ihr kommt aus einem Urlaub nach Hause und quasi vor eurer Nase hätten sie eine Flüchtlingsunterkunft gebaut, wie würdet ihr reagieren?

Ich habe mich das beim Lesen ständig gefragt und frage mich das auch jetzt noch

Und es ist traurig zu sagen dass ich glaube ich auch erst mal ein ungutes Gefühl hätte ... vor Allem weil ich Sorge vor Ärger und Randale hätte
Nicht nur von Seiten der Flüchtlinge sondern eben auch von Seiten "rechter Wutbürger" die dann ja auch vermehrt dort auftauchen könnten

Andererseits bin ich schon auch neugierig und interessiert an anderen Kulturen
Aber ich komme kaum in Kontakt mit Flüchtlingen bzw Asylbewerbern
Wie ist das bei Euch?
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Christiane am 13. Dezember 2016, 20:50:14
Hallo Inge,

ja, die Frage stellt man sich natürlich als erstes. Und ich glaube, wenn man ehrlich ist geht es den meisten wie Dir - man hätte schon ein ungutes Gefühl. Das liegt an verschiedenen Dingen, und einige davon haben mit Ablehnung der Flüchtlinge nicht oder wenig zu tun. 'Zuhause' ist ja das was man kennt, was einem vertraut ist. Und gerade wenn so eine Veränderung unangekündigt und in meiner Abwesenheit passiert und ich so garkeine Mitsprachemöglichkeit hatte, dann reicht allein das schon für dies Gefühl.
Dann kann man sich natürlich auch schöneres vorstellen als so einen Zaun direkt vor der eigenen Nase, egal was da eingezäunt wird.
Weiter glaube ich, dass es nie gut ist, viele Menschen so in eine Art 'Ghetto' zu stecken. Noch dazu, wenn diese Menschen ohnehin unter extremen Belastungen stehen. Das muss bei den Menschen untereinander fast zwangsläufig zu Spannungen führen, schon weil es zu wenig Privatsphäre gibt, der Streß sich Ventile sucht,... Und die Konstellation macht es den Ortsansässigen schwer, den Einzelnen zu sehen, die Leute kennenzulernen, Kontakt aufzunehmen.
Deine Bedenken, dass zusätzlich Randale von Seiten rechter Wutbürger und Neonazis zu befürchten ist, teile ich ebenfalls. Und das würde ich eigentlich als größte Gefahr für mich und meine Familie sehen. Denen, wenn sie in Gruppen auftreten, möcht ich ganz sicher nicht im Dunkeln begegnen und ich möchte mir auch nicht vor meinem eigenen Haus überlegen, ob ich sagen kann was ich denke, ohne dass mich die Wutbürger aufs Korn nehmen.

Direkten Kontakt zu (einigen wenigen) Flüchtlingen habe ich seit etwa einem guten halben Jahr. An der Schule meiner Kinder sind im Frühjahr die ersten Flüchtlinge eingeschult worden. Sie bekommen zwar einen Deutschintensivkurs, gehen daneben aber auch in ihre jeweiligen 'normalen' Schulklassen. Ich helfe an zwei Tagen pro Woche in dem Deutschkurs, da der öffentlich finanzierte Betreuungsschlüssel leider katastrophal schlecht ist. Eine Lehrkraft mit 20 Schülern aus x Nationen, unterschiedlichem Alter, unterschiedlichem Bildungsstand aus ihrem Herkunftsland und ebenso unterschiedlichen Deutschkenntnissen - dazu Kinder, die erstmal (wieder) lernen müssen, wie Schule funktioniert.
Ja, und so kenn ich jetzt eben eine handvoll Flüchtlinge persönlich. Und es sind genauso nette, pfiffige, freche, faule, sympathische und unsympathische Kinder wie in jeder beliebigen 'normalen' Schulklasse auch - na, wer hätte das gedacht?!  :zwinker:
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Inge78 am 14. Dezember 2016, 07:32:28
Zitat
Ja, und so kenn ich jetzt eben eine handvoll Flüchtlinge persönlich. Und es sind genauso nette, pfiffige, freche, faule, sympathische und unsympathische Kinder wie in jeder beliebigen 'normalen' Schulklasse auch - na, wer hätte das gedacht?!  :zwinker:

So eine Überraschung  :->
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Inge78 am 14. Dezember 2016, 21:22:52
So, ich fange mal einfach an und gebe meine Gedanken erstmal ungefiltert weiter

Zum Einen kann ich schon mal sagen dass ich die Idee mit den SMS und Nachrichten zu Beginn der Kapitel wirklich sehr gut finde. Die machen die Geschichte so real , so persönlich

Als Toni mit ihrer Familie aus dem Urlaub wiederkommt wurde das Tennisheim gegenüber ihrem Haus zu einer Flüchtlingsunterkunft
Gibt es eigentlich Vorgaben welche Gebäude Flüchtlingsunterkunft werden können und wie viel Platz wird einem Flüchtling "gewährt"  :kopfkratz:

Die Einzäunung kann ich sogar verstehen, es geht ja auch um etwas Privatspähre der Flüchtlinge aber man muss sich doch wirklich komisch vorkommen hinter so einer Wand

Und ich muss sagen, ich kann den Vater sogar ein Stück weit verstehen ... es ist so typisch, man denkt schon dass Flüchtlinge natürlich schon kommen dürfen aber doch bitte nicht in meine Nähe, ich glaube so denken -leider- viele. Die Angst vor dem Unbekannten

Fee finde ich übrigens richtig toll, die ist so spontan, sie denkt (etwas) zu wenig nach und handelt einfach. Eine tolle Freundin und ich mag den Namen

Müssen die Helfer eigentlich volljähring sein? Ich wundere mich schon dass die Mädels da einfach so mithelfen können bzw Fee einfach so mitgeholfen hat

Und Antonia hat eine "Vorgeschichte" in Bezug auf Ausländer
Ich finde ja dass ist ein bisschen sehr Klischee und lässt natürlich gerade an Köln denken

Wobei ich sie schon verstehen kann als sie Panik bekommt als so viele Fremde auf sie einstürmen, dass hat noch nicht mal was mit den Flüchtlingen zu tun, so würde man auch bei einer Gruppe deutscher Jugendlicher denken

Dass Antonia ihren Namen auf die Unterschriftenliste schreibt bereut sie bestimmt noch

Und diese Hetznachrichten , die Toni in den sozialen Netzwerken liest laufen einem jetzt ja ständig über den Weg , gerade auch in den "Ortsgruppen" bei Facebook . Traurig . Und ich frage mich oft ob ich besser ignorieren soll oder dazu was schreiben soll  :rotwerd:

Und dann begegnet Toni Shirvan, eine schöne Begegnung. Dieses Missverständnis mit den Mülltüten passiert wahrscheinlich ständig weil es die Sprachbarriere gibt, die nicht so einfach zu überwinden ist. Wie gut dass Shirvan da ist und übersetzen kann.

Jenny, kannst Du sagen wie viele der Flüchtlinge sich gut verständen können?
Können viele Englisch ? Deutsch ja wahrscheinlich eher nicht

Und waren die Verhältnisse in den Flüchtlingsunterkünften so chaotisch wie du es im Buch schilderst?
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Christiane am 14. Dezember 2016, 22:51:14
Hallo Inge,

ich bin noch nicht so arg weit, kann daher noch nicht zu allem etwas schreiben. Ich will jetzt auch nur kurz eine Sache rausgreifen, die ich ganz anders empfunden hab als Du. Du sagst, dass Du Antonias Vorgeschichte mit den Schlägern zu sehr 'Klischee' findest. Das fand ich garnicht so. Ich hab eher gedacht, dass das erklärt warum sie die Nähe der Flüchtlinge tatsächlich als bedrohlich empfindet, dabei aber ja eigentlich die gängigen Ressentiments gegenüber Ausländern garnicht teilt. Diese Geschichte ist auch für jemanden, der z.B. in der Nothilfe aktiv ist, nachvollziehbar. Und da sie ja selbst sagt, dass die Typen, die sie überfallen haben, akzentfreies Deutsch sprachen, betont es eigentlich eher, dass die Vorurteile gegenüber den Kriegsflüchtlingen Humbug sind. Ein guter Einstieg dafür, sich über die Vorurteile der Leute und auch die eigenen mal Gedanken zu machen.

Was die Verhältnisse in den Unterkünften angeht war es hier bei uns GsD weit entfernt von diesem Chaos. Die Stadt und der Kreis haben da unglaublich gute Arbeit geleistet. In Rekordzeit wurden leerstehende Immobilien für die Menschen vorbereitet. Und dazu gab es immer auch Infoveranstaltungen für die Leute in der Nachbarschaft, die Informationspolitik war wirklich vorbildlich. Natürlich geht es nicht völlig reibungsfrei, aber ich war total von den Socken, dass es doch so gut lief. Und es gab und gibt total viele Leute, die ehrenamtlich auf unterschiedlichste WEise helfen. Angefangen von Sammlung und Verteilung von Sachspenden (die auch reichlich kamen) über Leute, die alte Fahrräder aufgemöbelt und an Flüchtlinge gegeben haben, bis zu gemeinsamen Kochveranstaltungen o.ä. gibt es alles und nichts. Und das sind nur so ein paar Dinge, die ich zufällig mitbekommen hab.
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Inge78 am 15. Dezember 2016, 09:08:13
Zitat
Ich will jetzt auch nur kurz eine Sache rausgreifen, die ich ganz anders empfunden hab als Du. Du sagst, dass Du Antonias Vorgeschichte mit den Schlägern zu sehr 'Klischee' findest. Das fand ich garnicht so. Ich hab eher gedacht, dass das erklärt warum sie die Nähe der Flüchtlinge tatsächlich als bedrohlich empfindet, dabei aber ja eigentlich die gängigen Ressentiments gegenüber Ausländern garnicht teilt. Diese Geschichte ist auch für jemanden, der z.B. in der Nothilfe aktiv ist, nachvollziehbar. Und da sie ja selbst sagt, dass die Typen, die sie überfallen haben, akzentfreies Deutsch sprachen, betont es eigentlich eher, dass die Vorurteile gegenüber den Kriegsflüchtlingen Humbug sind. Ein guter Einstieg dafür, sich über die Vorurteile der Leute und auch die eigenen mal Gedanken zu machen.

Die Tatsache mit dem "akzentfreien Deutsch" ist mir persönlich gar nicht so bewusst geworden, aber Du hast recht ... das ist eindeutig eine Angrenzung zu den Flüchtlingen  :hau:


Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Jennifer B. am 15. Dezember 2016, 09:52:08
Es geht schon los, das ist ja prima!
Ganz ehrlich - natürlich würde ich auch erst mal ganz dumm aus der Wäsche gucken, wenn gegenüber meines Hauses plötzlich irgendetwas Neues, Unbekanntes - und zutiefst Hässliches erscheinen würde. Ich glaube, es gibt nur ganz wenige Leute, die dann auf Anhieb "Juchu, neue Nachbarn" rufen  :applaus1:
Wobei ich witzigerweise erst in 2015 erfahren habe, dass wir ein normales Flüchtlingsheim in unmittelbarer Nähe haben. Ich bin da seit unserem Einzug in 2011 jeden Tag 2-3 mal mit den Hunden vorbei gegangen und habe nie gemerkt, dass das ein Asylbewerberheim ist. Aber so eine Notunterkunft mit Sichtschutzzäunen, Schlafsälen und Schlepperlastern, die da schon mal direkt vor der Tür halten können, ist eine ganz andere Geschichte. Klar reagiert man da zunächst mal ... kritisch und fragt sich: Hätte das nicht wo anders sein können?
Da muss man sich ja nur mal anschauen, was passiert, wenn irgendwo ein Kindergarten eröffnet wird. Da sind auch nicht alle Nachbarn glücklich. (Ich wäre es wohl auch nicht  :meditate1:.)

In *meiner* NUK (NUK = Notunterkunft und *meine* sage ich, wenn ich die meine, in der ich ein halbes Jahr lang Deutschkurse gemacht habe) war es tatsächlich genau wie im Buch. Die unmittelbaren Nachbarn kamen aus dem Urlaub und standen mit großen Augen vor dem Zaun, der um die Turnhalle einer Grundschule gebaut worden war. Ihr Küchenfenster guckte genau gegen den Bürocontainer. Die haben es aber nach dem ersten Schreck pragmatisch gesehen und sich prima damit arrangiert - die NUK stand dann auch nur ein gutes halbes Jahr.

An Chaos war es auch bei uns in der ersten Zeit kaum zu toppen. Die Info, unsere Stadt müsste Notunterkünfte bereitstellen, kam 48 Stunden vor der offiziellen Ankunft der ersten 100 Menschen - die kamen dann 5 Stunden zu früh (mitten in der Nacht!) und es waren 180. Zwei Busse voller Menschen kamen ohne Gepäck - das war irgendwo beim Umsteigen/ Umladen verloren gegangen - die Leute hatten also nicht mal eine Unterhose zum Wechseln.
Die Bürger waren natürlich komplett geteilter Meinung, vor allem an der zweiten NUK kam es viel Gegenwehr, denn die stand auf dem Gelände eines Gymnasiums - Leerstand gibt es in Langenfeld einfach nicht. Lief dann aber hervorragend - die Oberstufen haben dann u.a. Deutsch- und Sport-AGs angeboten und dadurch, dass die Flüchtlinge in der Mensa versorgt wurden, kam es ganz viel zu Kontakt und es gab keinerlei Abgeschiedenheit - was SO viel wert ist!
Der Kika berichtete uA mehrmals drüber - es war sehr nett da.

Was die Ehrenamtler betrifft, hing das bei uns immer komplett davon ab, wer die NUK leitete, das waren idR DRK oder Malteser und da gab es in den ersten Wochen keinerlei offiziellen Richtlinien. In manchen Einrichtungen konnte jeder ohne ein Wort rein- und rausspazieren, andere wurden komplett abgeschottet - da durften auch keine Ehrenamtler rein -, wieder andere hatten bestimmte Bedingungen. Witzig wurde es, wenn die Leitung wechselte - was überall mehrmals der Fall war, da Leute hinschmissen oder sich einfach als unfähig herausstellten. Da galten von heute auf morgen andere Regeln - ich habe da einige Male sehr böse werden müssen, um meinen Deutschkurs weiterführen zu können.
Vorgaben von der Bezirksregierung (die für alle Notunterkünfte verantwortlich ist) gab es zunächst nur für den Bereich Küche und Sanitär. Wozu übrigens auch die Anweisung gehörte, die Flüchtlinge dürften keinesfalls selbst in den Gemeinschafts- oder Sanitärbereichen putzen - aus versicherungstechnischen Gründen. Regelungen für Ehrenamtler gab es erst später; das wird im Buch auch noch Thema.

Ja, und so kenn ich jetzt eben eine handvoll Flüchtlinge persönlich. Und es sind genauso nette, pfiffige, freche, faule, sympathische und unsympathische Kinder wie in jeder beliebigen 'normalen' Schulklasse auch - na, wer hätte das gedacht?!  :zwinker:

Ja, das war auch exakt mein Erleben, wobei ich das auch noch auf die Erwachsenen ausweiten kann.




Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Jennifer B. am 15. Dezember 2016, 10:20:54
Zu dem Überfall in Tonis Vergangenheit habe ich mich aus einem bestimmten Grund entschieden.
Ich habe während meiner Recherche ja nicht nur mit Geflüchteten und Ehrenamtlern gesprochen, sondern auch mit kritischen Menschen und Gegnern. Die Frage nach dem Grund ihrer Ablehnung brachte eigentlich immer eine Antwort: "schlechte Erfahrung". Wie diese Erfahrungen aussahen, ging dann im Einzelnen sehr weit auseinander.
(Es gibt da auch ganz interessante Erhebungen, dass weiße Deutsche sehr stark dazu neigen, eine Personengruppe als "Gruppe von Ausländern" zu bezeichnen, wenn nur eine Person in der Gruppe äußerlich stark auf eine andere Nationalität hindeutet - selbst wenn die anderen alle blond und blauäugig sind! - Passt gerade ganz gut zu der Statistik, dass die Deutschen durchschnittlich davon ausgehen, dass in D 21% Muslime leben, obwohl es nur gute 5% sind.)

Es war mir aber wichtig, diese häufig genannte Antwort "schlechte Erfahrung" aufzunehmen; das ernst zu nehmen - sonst hätte ich nicht fragen müssen, denn auch wenn es eben "postfaktisch" sein mag, um mal dieses halbschicke neue Wort zu bemühen - gefühlt ist es für viele eben wahr. Letztlich ist es in der Großstadt nicht so unwahrscheinlich, in einen unangenehmen Kontakt mit einer Gang zu geraten. Ist mir in meiner Jugend drei mal passiert, und mit Sicherheit sahen davon auch mal welche aus, als würden sie oder ihre Vorfahren nicht aus Deutschland oder Schweden stammen.
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Inge78 am 15. Dezember 2016, 14:27:13
Zitat
Es gibt da auch ganz interessante Erhebungen, dass weiße Deutsche sehr stark dazu neigen, eine Personengruppe als "Gruppe von Ausländern" zu bezeichnen, wenn nur eine Person in der Gruppe äußerlich stark auf eine andere Nationalität hindeutet - selbst wenn die anderen alle blond und blauäugig sind! - Passt gerade ganz gut zu der Statistik, dass die Deutschen durchschnittlich davon ausgehen, dass in D 21% Muslime leben, obwohl es nur gute 5% sind

ich glaube dieses subjektive Empfinden ist wirklich stark ausgeprägt
Man hört wirklich aus allen Ecken "ich sehe nur noch Ausländer" "immer diese Gruppe von Ausländern die herum ziehen" "die ganze Stadt ist voll von Ausländern"

Wenn man aber mit offenen Augen durch die Gegend geht empfinde ich nicht dass es so viel mehr fremdländische Menschen gibt.

Aber natürlich hört man trotzdem immer wieder dass Deutschland ja quasi "überrannt" wird

Und dass man blöd von irgendwelchen Gruppen von Halbstarken angemacht wird passiert ja leider immer wieder mal
Sogar ich wechsle bewusst die Straßenseite wenn mir eine Gruppe entgegenkommt, wobei ich das aber unabhängig von der vermeintlichen Staatsangehörigkeit mache

Und "postfaktisch" ist wirklich ein erschreckendes Wort
Aber natürlich werden gerade solche Gefühle die nicht auf Tatsachen beruhen sehr schnell weiter verbreitet, bei sowas sind die sozialen Medien leider viel zu gut
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Inge78 am 15. Dezember 2016, 14:29:11
Wie real sind eigentlich die Personen im Buch?

Sind Toni und Shirvan und Fee und Saskia ein "Durchschnitt" der Personen die Du im Rahmen der Arbeit als Helferin in der "Nuk" kennen gelernt hast?


Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Christiane am 15. Dezember 2016, 16:33:33
Das gleiche Phänomen kenn ich auch aus ganz anderen Zusammenhängen. Als ich schwanger war sah ich plötzlich überall nur Schwangere und Menschen mit kleinen Kindern. Und das waren definitiv nicht urplötzlich so viele mehr geworden.  :-) Da ist einem gleich klar, dass man einfach nur einen anderen Blick auf die Welt bekommen hat.
Nun waren die Flüchtlinge ja im vergangenen Jahr immer und überall Thema. Da ist schon klar, dass man da genauso sensibilisiert durch die Welt läuft und dabei dies Gefühl entsteht, es seien 'plötzlich überall' Flüchtlinge. Nur ist die Gefühl bei vielen Leuten eher negativ besetzt und die wenigsten machen sich klar, dass es vor allem an ihnen selbst liegt und nicht an der objektiven Anzahl an Migranten  :hau:.

Seit ich mal irgendwo Zahlen dazu gelesen hab versuch ich in Gesprächen oft, das für die Leute greifbarer zu machen. Zum Beispiel: prozentual gesehen sind so viele Flüchtlinge gekommen als wenn wir im Verein 4 Familien dazu bekommen hätten. Da würde auch nicht gleich die Welt zusammenbrechen, der Verein würde nicht 'überrannt' und wir würden dadurch auch nicht unsere Trainingsmethoden plötzlich auf den Kopf stellen. Wenn ich es so konkretisiere sind die meisten Leute bisher doch wenigstens mal bereit gewesen, drüber nachzudenke ob das wirklich so schlimm ist wie sie denken.
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Jennifer B. am 15. Dezember 2016, 16:34:39
Normalerweise achte ich darauf, dass meine Figuren möglichst keine Ähnlichkeiten zu realen Menschen haben - hier bin ich daran grandios gescheitert und habe es dann auch aufgegeben.
Ein paar Figuren laufen original so rum; ihr könnt im späteren Verlauf mal raten.
Shirvan ist tatsächlich so eine Art "Durchschnittstyp" - seine gesamte Geschichte ist aus den Erzählungen unterschiedlicher junger Frauen und Männer zusammengesetzt.
Ich habe dazu insgesamt über 50 Geflüchtete interviewt (plus deutsche) und war neben *meiner NUK* in 17 weiteren, um mit Leuten zu reden. Allen ist gemein, dass sie unglaublich gerne erzählen und total erleichtert sind, mal jemanden zu haben, den das interessiert. Einige hatten aber große Angst, mit dem Buch in Verbindung gebracht zu werden. Einige haben tatsächlich auch nach Monaten in Deutschland noch Angst, verfolgt zu werden - oder befürchten, dass ihre Interviews mit mir mich in Gefahr bringen könnten. Daher habe ich da sehr, sehr stark auf Verfremdung geachtet und die öffentlichen Kontakte (z.B. über Facebook) zu vielen sind gekappt, weil es ihnen damit besser geht.
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Jennifer B. am 15. Dezember 2016, 16:39:13
Christiane, mir ist mal etwas sehr, sehr lustiges (na ja, mit meinem Humor lustig - eigentlich eher traurig!)  passiert, als ich mit einer Autorenkollegin durch Düsseldorf zog. Sie trägt ein Kopftuch. Hinter uns nuschelte jemand: "Boar, überall nur noch Flüchtlinge am Rumrennen!", meinte damit definitiv meine Kollegin. Und sie drehte sich um und erwiderte: "Ja wirklich. Es wird doch immer komplizierter, wenn man sich nur ein einziges Mal in korrektem Deutsch unterhalten möchte, nicht wahr. Wofür habe ich denn Linguistik studiert!"
Der dumme Gesichtsausdruck war es echt wert  :bang:
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Christiane am 15. Dezember 2016, 16:49:41
Oh, das Gesicht hätt ich auch zu gern gesehen!! Auch wenn es wie Du sagst ja eigentlich traurig ist - drüber lachen ist die beste mögliche Reaktion. 'Humor ist wenn man trotzdem lacht'  :-).

Hier bei uns haben die Leute es durchaus auch schwer: hier (ich wohne im Umland von Kaiserslautern) gibt es total viele Amerikaner (wegen der Airbase Ramstein) und darunter natürlich auch immer schon etliche Schwarze. Dann gibt es wie überall natürlich auch Leute, die nicht schon seit x  Generationen aus deutschen Landen kommen, aber trotzdem hier aufgewachsen sind. Dazu noch die Uni und etliche Institute, an denen jede Menge Studenten, Forscher, Mitarbeiter aus aller Herren Länder arbeiten. Da kann man echt schon mal ins Schleudern geraten, wenn man jemanden als 'FLüchtling' bezeichnet  :-).

Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Inge78 am 16. Dezember 2016, 08:55:08
Christiane, mir ist mal etwas sehr, sehr lustiges (na ja, mit meinem Humor lustig - eigentlich eher traurig!)  passiert, als ich mit einer Autorenkollegin durch Düsseldorf zog. Sie trägt ein Kopftuch. Hinter uns nuschelte jemand: "Boar, überall nur noch Flüchtlinge am Rumrennen!", meinte damit definitiv meine Kollegin. Und sie drehte sich um und erwiderte: "Ja wirklich. Es wird doch immer komplizierter, wenn man sich nur ein einziges Mal in korrektem Deutsch unterhalten möchte, nicht wahr. Wofür habe ich denn Linguistik studiert!"
Der dumme Gesichtsausdruck war es echt wert  :bang:

Ach, schöne Geschichte  :wieher:

Aber wahrscheinlich hat der Typ daraus nix gelernt, das ist dann schon wirklich traurig

Zitat
Ein paar Figuren laufen original so rum; ihr könnt im späteren Verlauf mal raten.

Da ich dich da ja schon mal zu befragt hatte halte ich mich mal aus der Fragerunde raus  :meditate1:

Zitat
Einige hatten aber große Angst, mit dem Buch in Verbindung gebracht zu werden.

Haben Flüchtlinge mit denen zu tun hattest das Buch gelesen  :kopfkratz:
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Jennifer B. am 16. Dezember 2016, 11:51:14
Ja, ich habe es einigen gegeben.
Die meisten freuen sich ziemlich, dass jemand hier im großen Deutschland ein Buch über ihre Situation schreibt. Aber sprachlich sind sie etwas ... abgeschreckt, wenn sie überhaupt weit kommen. 500 Seiten in einer neuen Fremdsprache - und dann auch noch Deutsch, das einfach sehr komplex und schwierig zu lernen ist - sind schon eine Hausnummer!
Und das Arabische ist halt sehr blumig, schwelgerisch, jederzeit voller großer Emotionen und gezuckerter Schwärmereien. Meinen Stil empfinden sie als unterkühlt. "Wie Zeitungsartikel, kein Roman!"
 :zwinker:
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Inge78 am 16. Dezember 2016, 13:33:41
"Unterkühlt" , oh ... OK  :umfall:
Aber ich glaube sofort dass der Unterschied riesig ist


Hast Du mal einen arabischen Roman gelesen ? Also so einen richtig blumigen?
Spontan könnte ich mir vorstellen dass mir das "zuviel" wäre
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: SilkeS. am 16. Dezember 2016, 18:26:56
Hallo zusammen!

Sorry, ich komme erst jetzt erst,...

Aber ich habe direkt mal eine Frage:

Wenn ihr in der Situation wie Toni wärt , ihr kommt aus einem Urlaub nach Hause und quasi vor eurer Nase hätten sie eine Flüchtlingsunterkunft gebaut, wie würdet ihr reagieren?

Ich habe mich das beim Lesen ständig gefragt und frage mich das auch jetzt noch

Und es ist traurig zu sagen dass ich glaube ich auch erst mal ein ungutes Gefühl hätte ... vor Allem weil ich Sorge vor Ärger und Randale hätte
Nicht nur von Seiten der Flüchtlinge sondern eben auch von Seiten "rechter Wutbürger" die dann ja auch vermehrt dort auftauchen könnten

Andererseits bin ich schon auch neugierig und interessiert an anderen Kulturen
Aber ich komme kaum in Kontakt mit Flüchtlingen bzw Asylbewerbern
Wie ist das bei Euch?

Das ist eine interessante Frage. In der Regel bin ich ein sehr hilfbereiter Mensch und wenn ich denke ohne diese ganze Stimmungsmache Fernsehen, könnte man sich vor Ort ein neutrales, reeles Bild von den Menschen und der Lage machen und dann aktuell überlegen ob man hilft oder nicht.
Ich gebe aber auch zu, ich bin eine, die mitzieht. Wenn mich jemand zum mitmachen auffordern würde, wie Fee es bei Toni macht, mache ich es noch lieber.
Andererseits stehe ich fremden Kulturen und auch gerade Männern aus den südlichen Ländern etwas mit Vorsicht gegenüber und ich hätte nachdem der Bodyguard die beiden Mädchen nicht reingelassen hat, da auch nicht Hintertürchen-WEge gefunden... so menschlich die Geste auch wahr.
Wie sich ja auch immer wieder zeit, es gibt Vorgabe, die haben ihren Grund und auch ihre Berechtigung (Gesundheit, Gefahr, etc.)


Weiter glaube ich, dass es nie gut ist, viele Menschen so in eine Art 'Ghetto' zu stecken. Noch dazu, wenn diese Menschen ohnehin unter extremen Belastungen stehen. Das muss bei den Menschen untereinander fast zwangsläufig zu Spannungen führen, schon weil es zu wenig Privatsphäre gibt, der Streß sich Ventile sucht,... Und die Konstellation macht es den Ortsansässigen schwer, den Einzelnen zu sehen, die Leute kennenzulernen, Kontakt aufzunehmen.
Deine Bedenken, dass zusätzlich Randale von Seiten rechter Wutbürger und Neonazis zu befürchten ist, teile ich ebenfalls. Und das würde ich eigentlich als größte Gefahr für mich und meine Familie sehen. Denen, wenn sie in Gruppen auftreten, möcht ich ganz sicher nicht im Dunkeln begegnen und ich möchte mir auch nicht vor meinem eigenen Haus überlegen, ob ich sagen kann was ich denke, ohne dass mich die Wutbürger aufs Korn nehmen.
Was mich immerwieder beschäftigt:
Wenn ich gezwungen wäre, oder die möglichkeit hätte aus einem Kriegsgebiet zu flüchten,  würde ich dann wirklich soweit flüchten, nach Deutschland oder nach Griechenland oder ähnliches?
Es ist schrecklich alles aufgeben zu müssen, nur das mitzunehmen, was man tragen kann und das ggf. unterwegs noch zu verlieren. Freunde, Familie, Tiere, Verlobte etc zurückzulassen und ins Ungewisse zu reisen.
Aber ich weiß nicht, was diese 1000de Flüchtlinge von uns erwarteten.
Sie haben uns überrollt, kamen &  wolltenn täglich essen, wolltenen schlafen, wollten Kleidung, wollten Geld, wollten ein sichers Sytem .... wie soll(t)en wir das schaffen?
Ich denke da gerade an die Essensausgabe im letzten Kapitel.
Woher soll man plötzlich auf Spendenbasis Essen für 400 Personen bekommen???
Woher genug Kleidung, Betten, Duschen und Unterkünfte etc???
Dann die Frage: Verlangen wir zuviel? JA , in dem Moment schon.
Klar sie sind verzweifelt, haben nichts und sind von uns abhängig. ABER sie haben sich in die Lage gebracht und die Helfer in den Notunkünften haben doch echt alles getan, was sie konnten...
Die Spendenbereitschaft war nie größer, wie zu der Zeit....

Ich habe selbst mit Flüchtlingen keine berührungspunkte. Sie waren mal bei uns beim Volksradfahren mit dabei, ich begegne ihnen auf dem Feld wenn ich mit Lyko draussen bin. Es gab aber hier schon mehrere Vorfälle, (sexuelle Übergriffe) und Unfälle, bei denen Flüchtlinge beteiligt waren.

Meine Mutter hilft Flüchtlingen bei erlernen der deutschen Sprache und auch eine Kollegin macht als Lehrbeauftrage an einer Uni Deutschunterricht für Flüchtlinge.  Sie kommen dann auch zu ihr und brauchen HIlfe bei dem ganzen bürokratischen Fragen, wo meine Kollegin keine Ahnung von hat.



Zum Einen kann ich schon mal sagen dass ich die Idee mit den SMS und Nachrichten zu Beginn der Kapitel wirklich sehr gut finde. Die machen die Geschichte so real , so persönlich
Ja stimmt es war eine gute Idee, anderseits denke ich doch dass es durch die Lokalen Medien gegangen ist, dass Flüchtlinge kommen. Bei uns wurde dann von Freiwilligen ein Kommitte gegründet, was sich dann um alles kümmerte, von Sprachkursen, bis zu Organisationen für Flüchtlinge in Form von Willkommensfeiern, Weihnachsfeiern. An die kann man sich wenden, wenn man z.B. fragen will, was gebraucht wird, bzw. wenn man was spenden will. So haben wir z.B. einen Puppenwagen an eine Gruppe Flüchtlinge mit Kindern gespendet. Heir gibt es eine offizielle Emailadresse und Kontaktdaten.


Als Toni mit ihrer Familie aus dem Urlaub wiederkommt wurde das Tennisheim gegenüber ihrem Haus zu einer Flüchtlingsunterkunft
Gibt es eigentlich Vorgaben welche Gebäude Flüchtlingsunterkunft werden können und wie viel Platz wird einem Flüchtling "gewährt"  :kopfkratz:
Da es sich bei diesem Tennisheim ja um eine Notunuterkunft handelt die immer weiter belegt wird, weil ja die Flüchtlinge dort durch "kurzfristig" untergebracht werden, ist da so eine Berechnung total falsch.
Hauptsache sei sind erstmal gesammelt, haben es trocken, "warm" werden notdürftig versorgt um dann verteilt zu werden.
Dass diese Behausungen unmenschlich sind (4 Duschen für 400 MEnschen) ist dann so
Es ist traurig, aber wie ich schon oben schrieb, Deutschland konnte ja in der Kürze der zeit nicht mit soooooo vielen PErsonen rechnen.
Es gibt bei uns durch die lokale Zeitung, dass die Notunterkünfte (ein altes stillgelegtes Altenheim, und ein wenig benutztes Hotel)- unmenschlich sein....
Aber viele Flüchtlinge da unten hatten in iherr Heimat bestimmt kein Bett mit Matratze, Kissen und Decke zum Zudecken...

Die Einzäunung kann ich sogar verstehen, es geht ja auch um etwas Privatspähre der Flüchtlinge aber man muss sich doch wirklich komisch vorkommen hinter so einer Wand
Ist ja auch nur vorübergehend, von daher würde mich das nicht weiter stören.


Und ich muss sagen, ich kann den Vater sogar ein Stück weit verstehen ... es ist so typisch, man denkt schon dass Flüchtlinge natürlich schon kommen dürfen aber doch bitte nicht in meine Nähe, ich glaube so denken -leider- viele. Die Angst vor dem Unbekannten
Ja das schrieb ich schon oben. Die fremde Kultur. Man merkt es ja schon, wenn man z.B. mal in der Türkei Urlaub gemacht hat und rennt dort im Minirock oder mit kurzen Hosen durch die Gegend...
So nun kommt die Kultur zu uns, wo es im Sommer normal ist vielleicht auch mal Bauchfrei umzulaufen.
Und es kann ja wohl nicht sein, dass wir in unserem Land sich dann "rücksichtsvoller" Kleiden! Immerhin gehe ich auch in die Moschee, mit den dortigen Kleidungsvorschriften!


Fee finde ich übrigens richtig toll, die ist so spontan, sie denkt (etwas) zu wenig nach und handelt einfach. Eine tolle Freundin und ich mag den Namen
Ja sie ist toll und sie ist taff. ABer ich verstehe nicht, dass sie Toni nach ihrem Vorfall mit ihren Ängsten nicht versteht!


Müssen die Helfer eigentlich volljähring sein? Ich wundere mich schon dass die Mädels da einfach so mithelfen können bzw Fee einfach so mitgeholfen hat
Das weiß ich nicht...


Und Antonia hat eine "Vorgeschichte" in Bezug auf Ausländer
Ich finde ja dass ist ein bisschen sehr Klischee und lässt natürlich gerade an Köln denken
Ja, Köln ist mir auch immer ziemlich viel durch den Kopf gegangen, währen dem Lesen.
ABer hier vor Ort gab es eben auch auch schon Vorfälle derzeit, bei denen Flüchtlichge leider mit im Spiel waren.


Wobei ich sie schon verstehen kann als sie Panik bekommt als so viele Fremde auf sie einstürmen, dass hat noch nicht mal was mit den Flüchtlingen zu tun, so würde man auch bei einer Gruppe deutscher Jugendlicher denken
Ich wäre auf jedenfall in der Nähe von meiner Freundin geblieben und hätte mich nicht frei bewegt und ihre Angst habe ich absolut gut nachvollziehen können..
Das mit Müll fand für mich auch so ein Ding. Denn unsere Flüchtlinge haben einen WEg, den sie immer vom Supermarkt zur ihrer Unterkunft zurücklegen und Sorry wenn ich das nun sage, aber der ist müllastiger denn je, mit Verpackung, Tüten etc... und es gibt auf der STrecke mehrere Mülleimer!


Dass Antonia ihren Namen auf die Unterschriftenliste schreibt bereut sie bestimmt noch
Gedanklich tut sie es ja schon


Und diese Hetznachrichten , die Toni in den sozialen Netzwerken liest laufen einem jetzt ja ständig über den Weg , gerade auch in den "Ortsgruppen" bei Facebook . Traurig . Und ich frage mich oft ob ich besser ignorieren soll oder dazu was schreiben soll  :rotwerd:
Es ist schwer sich davon nicht beeinflussen zu lassen, weil sie einfach so dem Klischeebild, was man so von "solchen" Menschen hat, wirklich entspricht. Ich bin da leider auch nicht frei von, wie man merkt.



Und dann begegnet Toni Shirvan, eine schöne Begegnung. Dieses Missverständnis mit den Mülltüten passiert wahrscheinlich ständig weil es die Sprachbarriere gibt, die nicht so einfach zu überwinden ist. Wie gut dass Shirvan da ist und übersetzen kann.
Ja, die Szene hat mir total gut gefallen


Mir gefällt das Buch total gut. Es spielte die ganze SAche, die ich stimmungstechnisch echt nur aus den Medien kenne, sehr gut- und wie ich aus den Beiträgen von Jennifer entnehmen darf, auch authentischn wieder....


Gruß Silke


Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Christiane am 16. Dezember 2016, 19:42:40
Sorry, ich komme erst jetzt erst,...
Macht doch nix.

Das ist eine interessante Frage. In der Regel bin ich ein sehr hilfbereiter Mensch und wenn ich denke ohne diese ganze Stimmungsmache Fernsehen, könnte man sich vor Ort ein neutrales, reeles Bild von den Menschen und der Lage machen und dann aktuell überlegen ob man hilft oder nicht.
Ich gebe aber auch zu, ich bin eine, die mitzieht. Wenn mich jemand zum mitmachen auffordern würde, wie Fee es bei Toni macht, mache ich es noch lieber.
Ich glaube auch, dass es schwer ist, sich von den ganzen Medienberichten frei zu machen. Am besten geht es vermutlich sobald man persönliche Kontakte zu Flüchtlingen hat, eigene Erfahrungen mit den Medienberichten vergleichen kann.

Andererseits stehe ich fremden Kulturen und auch gerade Männern aus den südlichen Ländern etwas mit Vorsicht gegenüber...
Was mich betrifft würde ich es nicht unbedingt Vorsicht nennen. Ich merke, dass ich Menschen mit für mich ungewohnter Physiognomie schlechter einschätzen kann als Leute von hier. Das ist z.B. auch bei Chinesen so, wurde aber merklich besser als mal eine Weile lang eine Chinesin in unserer WG wohnte. Wenn ich jemanden nicht so gut einschätzen kann ist man wohl immer etwas distanzierter. Und Machogehabe stört mich immer - da kann ich echt grätzig werden  :rollen:.

Was mich immerwieder beschäftigt:
Wenn ich gezwungen wäre, oder die möglichkeit hätte aus einem Kriegsgebiet zu flüchten,  würde ich dann wirklich soweit flüchten, nach Deutschland oder nach Griechenland oder ähnliches?
Es ist ja nicht so als wären in den Nachbarländern von Syrien keine Flüchtlinge. Diese Länder sind es, die seit etlichen Jahren die allermeisten Flüchtlinge beherbergen und das, obwohl die Menschen dort im Schnitt deutlich weniger haben als wir hier. Und in diesen Ländern werden teilweise die Flüchtlinge auch übel schikaniert oder können einfach nicht mehr vernünftig versorgt werden.
Und dann: überleg mal wie viele Deutsche während der Weltkriege nach USA ausgewandert sind - warum denn sooo weit? Sie hätten doch in der neutralen Schweiz bleiben können oder nur bis Norwegen gehen. Aber die USA waren 'das gelobte Land', es war weit genug weg, dass man tatsächlich sicher war vor den Kriegswirren.

Aber ich weiß nicht, was diese 1000de Flüchtlinge von uns erwarteten.
Sie haben uns überrollt, kamen &  wolltenn täglich essen, wolltenen schlafen, wollten Kleidung, wollten Geld, wollten ein sichers Sytem .... wie soll(t)en wir das schaffen?
Was sie erwarten weiß ich natürlich auch nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es weniger ist als man so denkt. Was die Standards in den Unterkünften angeht geht es da aber nicht darum was die Flüchtlinge erwarten, sondern es geht um international vereinbarte Standards für solche Unterkünfte.
Zum Teil stand Deutschland sich bei der Einrichtung der Auffangstellen, der Versorgung der Flüchtlinge und dann bei solchen Dingen wie Deutschkursen,... selbst im Weg. Es gibt hier so unglaublich viele Regeln, so viel Bürokratie, so völlig wirre Zuständigkeiten. Das macht nichts solange nicht so viele Leute versorgt werden müssen. Aber selbst vor dem großen Treck waren die Asylverfahren ja unglaublich lang, was m.E. an der miesen Orga und personellen Besetzung lag. Aber als dann so viele Menschen gleichzeitig kamen funktionierte das System einfach garnicht mehr. Und improvisieren, der 'kleine Dienstweg', unbürokratische Sofortmaßnahmen - das ist nicht 'des Deutschen' Ding. Viel zu viele Leute halten sich, komme was da wolle, an 'ihre Anweisungen'. Siehe dies Beispiel mit dem abgelehnten Essen - da kommen private Spenden und dürfen nicht verteilt werden. Welch ein Schwachsinn!!!
Oder was ich bei zwei Freundinnen erlebt hab: die eine hat mehrere Jahre lang russische Aussiedler in Deutsch unterrichtet. Sie war da bei einem Sozialverein angestellt. Nun hatte dieser Verein sie kontaktiert, ob sie das jetzt für die Flüchtlinge auch wieder machen könnte. Hätte sie auch gern - durfte sie aber nicht, denn die Finanzierung läuft jetzt nur noch über das BAMF und die stellen nur Leute ein, die zwei Staatsexamen in Germanistik/Deutsch haben. Und eine andere Freundin hat ihr Studium vor Jahren nach dem 1. Staatsexamen abgebrochen. Sie wurde auch nicht genommen. Und der Gipfel war dann, dass ihnen empfohlen wurde, dass sie sich ja gern ehrenamtlich engagieren dürften und für umme Deutsch unterrichten. Da wär es dann egal ob sie ein Examen haben oder nicht.  :hau:  :meckern:. Wenn die Behörden da flexibler wären wär das 'Problem' glaub ich viel schneller gelöst.


Woher soll man plötzlich auf Spendenbasis Essen für 400 Personen bekommen???
Woher genug Kleidung, Betten, Duschen und Unterkünfte etc???
Warum auf Spendenbasis? Bund und Länder übernehmen ja durchaus die Kosten (und das kann ein Land mit unserm BIP sicher besser leisten als z.B. Jordanien.)
Natürlich ist es nicht einfach, aber es ist zu schaffen. Hier in der Region lief das eigentlich relativ gut, soweit ich das über die Medien verfolgen konnte. 

Es gab aber hier schon mehrere Vorfälle, (sexuelle Übergriffe) und Unfälle, bei denen Flüchtlinge beteiligt waren.
Ja klar, das sind ja auch nicht alles Engel. Die Frage ist jedoch: sind unter ihnen mehr Kriminelle als unter der hiesigen Bevölkerung? Und da sagen die Statistiken der Polizei ganz klar, dass das nicht der Fall ist.

Ja das schrieb ich schon oben. Die fremde Kultur. Man merkt es ja schon, wenn man z.B. mal in der Türkei Urlaub gemacht hat und rennt dort im Minirock oder mit kurzen Hosen durch die Gegend...
So nun kommt die Kultur zu uns, wo es im Sommer normal ist vielleicht auch mal Bauchfrei umzulaufen.
Und es kann ja wohl nicht sein, dass wir in unserem Land sich dann "rücksichtsvoller" Kleiden! Immerhin gehe ich auch in die Moschee, mit den dortigen Kleidungsvorschriften!
Das erwartet auch niemand von Dir. Ich glaube diese Idee, dass wir uns jetzt plötzlich anders kleiden, anders benehmen müssen weil die Flüchtlinge hier sind, das gehört genau zu den Dingen, die uns durch viele Kommentare,... in den Medien suggeriert werden.
Nicht in Shorts oder knappem Shirt in eine Moschee gehen, das ist für mich normale Höflichkeit. So würd ich aber auch nicht in eine Kirche gehen.

Ja sie ist toll und sie ist taff. ABer ich verstehe nicht, dass sie Toni nach ihrem Vorfall mit ihren Ängsten nicht versteht!
Offenbar hat Toni ihr ja verschwiegen, dass sie immer noch an den Nachwirkungen des Überfalls zu knabbern hat und so lang in Therapie war.

LG, Christiane
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: SilkeS. am 16. Dezember 2016, 20:24:05
HAllo Christiane!

Das ist eine interessante Frage. In der Regel bin ich ein sehr hilfbereiter Mensch und wenn ich denke ohne diese ganze Stimmungsmache Fernsehen, könnte man sich vor Ort ein neutrales, reeles Bild von den Menschen und der Lage machen und dann aktuell überlegen ob man hilft oder nicht.
Ich gebe aber auch zu, ich bin eine, die mitzieht. Wenn mich jemand zum mitmachen auffordern würde, wie Fee es bei Toni macht, mache ich es noch lieber.
Ich glaube auch, dass es schwer ist, sich von den ganzen Medienberichten frei zu machen. Am besten geht es vermutlich sobald man persönliche Kontakte zu Flüchtlingen hat, eigene Erfahrungen mit den Medienberichten vergleichen kann.
Ja, das denke ich auch. Ich müsste mich da echt an der eigenen Nase packen. Wir haben hier Flüchtlinge, aber ich schiebe immer: "Habe keine Zeit...!" vor.


Andererseits stehe ich fremden Kulturen und auch gerade Männern aus den südlichen Ländern etwas mit Vorsicht gegenüber...
Was mich betrifft würde ich es nicht unbedingt Vorsicht nennen. Ich merke, dass ich Menschen mit für mich ungewohnter Physiognomie schlechter einschätzen kann als Leute von hier. Das ist z.B. auch bei Chinesen so, wurde aber merklich besser als mal eine Weile lang eine Chinesin in unserer WG wohnte. Wenn ich jemanden nicht so gut einschätzen kann ist man wohl immer etwas distanzierter. Und Machogehabe stört mich immer - da kann ich echt grätzig werden  :rollen:.
Ja, ich bin vorsichtig, weil ich die Kultur nicht einschätzen kann...


Was mich immerwieder beschäftigt:
Wenn ich gezwungen wäre, oder die möglichkeit hätte aus einem Kriegsgebiet zu flüchten,  würde ich dann wirklich soweit flüchten, nach Deutschland oder nach Griechenland oder ähnliches?
Es ist ja nicht so als wären in den Nachbarländern von Syrien keine Flüchtlinge. Diese Länder sind es, die seit etlichen Jahren die allermeisten Flüchtlinge beherbergen und das, obwohl die Menschen dort im Schnitt deutlich weniger haben als wir hier. Und in diesen Ländern werden teilweise die Flüchtlinge auch übel schikaniert oder können einfach nicht mehr vernünftig versorgt werden.
Und dann: überleg mal wie viele Deutsche während der Weltkriege nach USA ausgewandert sind - warum denn sooo weit? Sie hätten doch in der neutralen Schweiz bleiben können oder nur bis Norwegen gehen. Aber die USA waren 'das gelobte Land', es war weit genug weg, dass man tatsächlich sicher war vor den Kriegswirren.
Da kann ich nicht mitreden, ich bin geschichtlich echt eine Niete. Ich kenne eben nur Erzählungen von meiner Oma, die mit zwei Kindern aus dem ehemaligen Schlesien geflohen ist.
Damals ab es keine UN-Standards....  :wuschig:


Aber ich weiß nicht, was diese 1000de Flüchtlinge von uns erwarteten.
Sie haben uns überrollt, kamen &  wolltenn täglich essen, wolltenen schlafen, wollten Kleidung, wollten Geld, wollten ein sichers Sytem .... wie soll(t)en wir das schaffen?
Was sie erwarten weiß ich natürlich auch nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es weniger ist als man so denkt. Was die Standards in den Unterkünften angeht geht es da aber nicht darum was die Flüchtlinge erwarten, sondern es geht um international vereinbarte Standards für solche Unterkünfte.
Zum Teil stand Deutschland sich bei der Einrichtung der Auffangstellen, der Versorgung der Flüchtlinge und dann bei solchen Dingen wie Deutschkursen,... selbst im Weg. Es gibt hier so unglaublich viele Regeln, so viel Bürokratie, so völlig wirre Zuständigkeiten. Das macht nichts solange nicht so viele Leute versorgt werden müssen. Aber selbst vor dem großen Treck waren die Asylverfahren ja unglaublich lang, was m.E. an der miesen Orga und personellen Besetzung lag. Aber als dann so viele Menschen gleichzeitig kamen funktionierte das System einfach garnicht mehr. Und improvisieren, der 'kleine Dienstweg', unbürokratische Sofortmaßnahmen - das ist nicht 'des Deutschen' Ding. Viel zu viele Leute halten sich, komme was da wolle, an 'ihre Anweisungen'. Siehe dies Beispiel mit dem abgelehnten Essen - da kommen private Spenden und dürfen nicht verteilt werden. Welch ein Schwachsinn!!!
Oder was ich bei zwei Freundinnen erlebt hab: die eine hat mehrere Jahre lang russische Aussiedler in Deutsch unterrichtet. Sie war da bei einem Sozialverein angestellt. Nun hatte dieser Verein sie kontaktiert, ob sie das jetzt für die Flüchtlinge auch wieder machen könnte. Hätte sie auch gern - durfte sie aber nicht, denn die Finanzierung läuft jetzt nur noch über das BAMF und die stellen nur Leute ein, die zwei Staatsexamen in Germanistik/Deutsch haben. Und eine andere Freundin hat ihr Studium vor Jahren nach dem 1. Staatsexamen abgebrochen. Sie wurde auch nicht genommen. Und der Gipfel war dann, dass ihnen empfohlen wurde, dass sie sich ja gern ehrenamtlich engagieren dürften und für umme Deutsch unterrichten. Da wär es dann egal ob sie ein Examen haben oder nicht.  :hau:  :meckern:. Wenn die Behörden da flexibler wären wär das 'Problem' glaub ich viel schneller gelöst.
Ich denke doch, dass die Flüchtlinge erwarten. Sie sind unteinander doch glaube ich ziemlich gut vernetzt, daher hat es sich ja auch so gut rumgesprochen als dann die Balkanroute zuwar und die weiteren dann neue Routen fand um und zu kommen.
Bei den Interviews hieß es: Wir wollen nach Deutschland!" tja warum? Weil hier schon Landsleute ware, die eben sagten, wie toll es hier ist, was es alles gibt und mit den Erwartungen sind sie gekommen.
Als sie sie dann in den Auffanglager ankamen kamen dann Interviews, wo gezeigt wurde, das einer sich eben ohne Privatsfphäre eine Turnhalle mit hundert anderen teilen musste und dass es keine Heizung gab und und und...
Da waren meiner Meinung nach Erwartung da, dass sie sofort in geregelt Systeme jeglichem Luxus kommen.
Das mit der Bürokratie ist so, da gebe ich Dir recht. Es ist ja schon so, dass auch die Gesetzte schön schwammig ausgedrückt sind und dann hängt an dem einzelnen wie er sie auslegt.
Menschlichkeit passte da nicht. Aber wenn man bei jedem Asylantrag, jeder Aufnahme nur menschlich gehandelt hätte, wäre es vielleicht noch chaotischer geworden .




Woher soll man plötzlich auf Spendenbasis Essen für 400 Personen bekommen???
Woher genug Kleidung, Betten, Duschen und Unterkünfte etc???
Warum auf Spendenbasis? Bund und Länder übernehmen ja durchaus die Kosten (und das kann ein Land mit unserm BIP sicher besser leisten als z.B. Jordanien.)
Natürlich ist es nicht einfach, aber es ist zu schaffen. Hier in der Region lief das eigentlich relativ gut, soweit ich das über die Medien verfolgen konnte. 
Ja, aber das Geld ist ja nicht geflossen, wegen der Bürokratie. Das ging auch durch die Medien...
Akut war da glaube ich schon viel Spendenbasis.


Es gab aber hier schon mehrere Vorfälle, (sexuelle Übergriffe) und Unfälle, bei denen Flüchtlinge beteiligt waren.
Ja klar, das sind ja auch nicht alles Engel. Die Frage ist jedoch: sind unter ihnen mehr Kriminelle als unter der hiesigen Bevölkerung? Und da sagen die Statistiken der Polizei ganz klar, dass das nicht der Fall ist.
Ich glaube selbst wenn es so wäre, würde man es nicht sagen um die rassistische Stimmung nicht noch mehr aufzuheizen!
Bei uns in der Stadt vergeht bald keine Woche mehr ohne Wohnungseinbrüche. Klar kann man das nicht nur auf die Flüchtlinge schieben... aber auffällig ist es schon.

Ja das schrieb ich schon oben. Die fremde Kultur. Man merkt es ja schon, wenn man z.B. mal in der Türkei Urlaub gemacht hat und rennt dort im Minirock oder mit kurzen Hosen durch die Gegend...
So nun kommt die Kultur zu uns, wo es im Sommer normal ist vielleicht auch mal Bauchfrei umzulaufen.
Und es kann ja wohl nicht sein, dass wir in unserem Land sich dann "rücksichtsvoller" Kleiden! Immerhin gehe ich auch in die Moschee, mit den dortigen Kleidungsvorschriften!
Das erwartet auch niemand von Dir. Ich glaube diese Idee, dass wir uns jetzt plötzlich anders kleiden, anders benehmen müssen weil die Flüchtlinge hier sind, das gehört genau zu den Dingen, die uns durch viele Kommentare,... in den Medien suggeriert werden.
Nicht in Shorts oder knappem Shirt in eine Moschee gehen, das ist für mich normale Höflichkeit. So würd ich aber auch nicht in eine Kirche gehen.[/quote]
HAbe hier den FAden verloren, worauf ich eigentlich hinauswollte  :kopfkratz:


Ja sie ist toll und sie ist taff. ABer ich verstehe nicht, dass sie Toni nach ihrem Vorfall mit ihren Ängsten nicht versteht!
Offenbar hat Toni ihr ja verschwiegen, dass sie immer noch an den Nachwirkungen des Überfalls zu knabbern hat und so lang in Therapie war.
Ja scheinbar.

Gruß Silke

Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Christiane am 16. Dezember 2016, 21:11:17
Hallo Silke

Da kann ich nicht mitreden, ich bin geschichtlich echt eine Niete. Ich kenne eben nur Erzählungen von meiner Oma, die mit zwei Kindern aus dem ehemaligen Schlesien geflohen ist.
Damals ab es keine UN-Standards....  :wuschig:
Ja, von meiner Mutter kenn ich auch die Erzählungen. Aber sie ist nicht selbst geflohen, sondern ausgebombt worden. Und so wurden sie bei Leuten einquartiert, die noch ein Haus hatten. Und dann kamen noch Ostflüchtlinge dazu. Da wurde nicht gefragt, sondern es hieß: so viele Leute pro Quadratmeter und dann hatte man Fremde in den eigenen vier Wänden. Bzw. man saß in einer fremden Wohnung, wohl wissend, dass man nicht gerade willkommen war.

Ich denke doch, dass die Flüchtlinge erwarten. Sie sind unteinander doch glaube ich ziemlich gut vernetzt, daher hat es sich ja auch so gut rumgesprochen als dann die Balkanroute zuwar und die weiteren dann neue Routen fand um und zu kommen.
O.k., erwarten im Sinne von 'ich denke, dass es dort so sein wird', das war vermutlich so. Man macht sich ja auf jeden Fall eine Vorstellung, hat eine Idee im Kopf. Aber ich glaube nicht, dass das Gros der Flüchtlinge so ein Anspruchsdenken hat im Sinne von 'diese und jene Dinge stehen uns zu'. Ich glaube, die Freude und Erleichterung endlich irgendwo anzukommen und keine Angst vorm Krieg mehr haben zu müssen ist viel stärker.

Ja, aber das Geld ist ja nicht geflossen, wegen der Bürokratie. Das ging auch durch die Medien...
Akut war da glaube ich schon viel Spendenbasis.
Das weiß ich nicht. Aber wenn ich mir überlege wie viele Geschäfte gerade mit der öffentlichen Hand auf Rechnung gemacht werden - warum sollte es gerade hier ein Problem sein, wenn das Geld nicht direkt über den Ladentisch geht? Das ist nicht logisch.

Ich glaube selbst wenn es so wäre, würde man es nicht sagen um die rassistische Stimmung nicht noch mehr aufzuheizen!
Aber Du siehst doch, dass z.B. bei dem Fall in Freiburg durchaus berichtet wird, dass da ein Flüchtling im Verdacht ist. Ich denke, da funktioniert unsere Presse viel besser als Du anscheinend vermutest.

Bei uns in der Stadt vergeht bald keine Woche mehr ohne Wohnungseinbrüche. Klar kann man das nicht nur auf die Flüchtlinge schieben... aber auffällig ist es schon.
Wie es bei Euch ist weiß ich natürlich nicht. Hier gab es vor ich glaub zwei Jahren eine heftige Einbruchserie. Da waren es nach dem was man so hörte einige polnische Banden. Keine Ahnung, ob das tatsächlich so war oder ob das der vorurteilsbehafteten Gerüchteküche entsprang.


Liebe Grüße,
Christiane
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: SilkeS. am 16. Dezember 2016, 21:22:35
Hallo Christiane!

Da kann ich nicht mitreden, ich bin geschichtlich echt eine Niete. Ich kenne eben nur Erzählungen von meiner Oma, die mit zwei Kindern aus dem ehemaligen Schlesien geflohen ist.
Damals ab es keine UN-Standards....  :wuschig:
Ja, von meiner Mutter kenn ich auch die Erzählungen. Aber sie ist nicht selbst geflohen, sondern ausgebombt worden. Und so wurden sie bei Leuten einquartiert, die noch ein Haus hatten. Und dann kamen noch Ostflüchtlinge dazu. Da wurde nicht gefragt, sondern es hieß: so viele Leute pro Quadratmeter und dann hatte man Fremde in den eigenen vier Wänden. Bzw. man saß in einer fremden Wohnung, wohl wissend, dass man nicht gerade willkommen war.
So hat es meine Oma nicht erlebt. Sie hatte eben nichts, mußte gucken wie sie über die Runden kam, mein Onkel war schwer krank damals...




Ich denke doch, dass die Flüchtlinge erwarten. Sie sind unteinander doch glaube ich ziemlich gut vernetzt, daher hat es sich ja auch so gut rumgesprochen als dann die Balkanroute zuwar und die weiteren dann neue Routen fand um und zu kommen.
O.k., erwarten im Sinne von 'ich denke, dass es dort so sein wird', das war vermutlich so. Man macht sich ja auf jeden Fall eine Vorstellung, hat eine Idee im Kopf. Aber ich glaube nicht, dass das Gros der Flüchtlinge so ein Anspruchsdenken hat im Sinne von 'diese und jene Dinge stehen uns zu'. Ich glaube, die Freude und Erleichterung endlich irgendwo anzukommen und keine Angst vorm Krieg mehr haben zu müssen ist viel stärker.
Ja das zum einen zum anderen, wie gesagt, sind eben schon Landsleute hierintegriert, die dann zur Flucht ermuntern...



Ja, aber das Geld ist ja nicht geflossen, wegen der Bürokratie. Das ging auch durch die Medien...
Akut war da glaube ich schon viel Spendenbasis.
Das weiß ich nicht. Aber wenn ich mir überlege wie viele Geschäfte gerade mit der öffentlichen Hand auf Rechnung gemacht werden - warum sollte es gerade hier ein Problem sein, wenn das Geld nicht direkt über den Ladentisch geht? Das ist nicht logisch.
Genau kann ich es Dir nciht sagen. Ich habe damals irgendeine Sendung gesehen wo es eben um die Asylansträge und die Unterbringung der Flüchtlinge berichtet wurde und da ging es darum, dass Geld zwar bereitgestellt, aber nicht ausbezahlt wurde...



Ich glaube selbst wenn es so wäre, würde man es nicht sagen um die rassistische Stimmung nicht noch mehr aufzuheizen!
Aber Du siehst doch, dass z.B. bei dem Fall in Freiburg durchaus berichtet wird, dass da ein Flüchtling im Verdacht ist. Ich denke, da funktioniert unsere Presse viel besser als Du anscheinend vermutest.
Ja Silversternach Köln wurde auch darauf herumgeritten, das es ja eben scheinbar Flüchtlinge waren.
DAs Reslulat war aufgeheizte Stimmung, Rassimus etc.
Wenn das jetzt auch noch durch STatistiken belegt wird, na dann GUTE NACHT



Bei uns in der Stadt vergeht bald keine Woche mehr ohne Wohnungseinbrüche. Klar kann man das nicht nur auf die Flüchtlinge schieben... aber auffällig ist es schon.
Wie es bei Euch ist weiß ich natürlich nicht. Hier gab es vor ich glaub zwei Jahren eine heftige Einbruchserie. Da waren es nach dem was man so hörte einige polnische Banden. Keine Ahnung, ob das tatsächlich so war oder ob das der vorurteilsbehafteten Gerüchteküche entsprang.
Bei uns sind keine Täter gefasst bisher...



Gruß Silke
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Jennifer B. am 16. Dezember 2016, 21:27:19
Puh, ich könnte jetzt noch einen Roman schreiben  :dong:
Einige der Punkte, die du ansprichst, Silke, werden noch Thema, daher will ich gar nicht zu viel vorweg nehmen.
Zu einer Sache, die im Buch zwar erwähnt wird, aber einfach - leider - zu kurz kommt: Deutschland war nicht vorbereitet. Das stimmt - da war Deutschland aber auch ganz allein selbst schuld dran. Natürlich war das nicht die Schuld der Einrichtungsleiter oder der Ehrenamtler, aber die Politik hat ganz klare Signale bekommen und einfach ausgeblendet.

Flüchtlige kommen ja seit langer Zeit nach Europa, nur wurden die Grenzländer Griechenland und Italien mit dem Problem sehr lange allein gelassen, bis sie kapitulieren mussten. Ungefähr zeitgleich passierten in den ersten Monaten vo 2015 mehrere Dinge: Russland mischte sich in den Syrienkrieg ein, was für die Menschen dort eine unglaubliche Katastrophe bedeutete, denn plötzlich kamen zu den Fassbomben der eher kleinen syrischen Armee noch Kampfjets, Raketen, Bomben aller Art und Giftgas.
Zeitgleich erstarkte der IS (was übrigens auch durch die syrische Regierung unterstützt wurde) - und zwar nicht nur in Syrien sondern auch im Irak. Mit dem IS erstarkten auch die nah verwandten Taliban in Afghanistan. (Zu den Gründen gibt es wahnsinng spannende Spekulationen, die jetzt hier aber zu weit führen. Nur soviel: Zufall war das alles nicht!)
Das war aber noch nicht alles! Zeitgleich, zum denkbar schlechtesten Moment, kürzte die UN die Hilfmittel für die Flüchtlingscamps in den Nachbarländern Syriens drastisch. Dort konnten keine weiteren Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen werden und denen, die dort war, wurde gesagt, dass man sie über den Winter nicht mehr würde versorgen kommen. Arbeit zu finden war den Syrern kaum möglich: In Jordanien und Libanon kam zu der Zeit ein syrischer Flüchtling auf 4 Einwohner - dass das ohne Hilfsgelder nicht zu schaffen war, liegt auf der Hand. Es passierte aber noch etwas: Assad flirtete mit der libanesischen Regierung. Im Raum stand plötzlich die große Bedrohung, dass eine Million Syrer - politisch verfolgte Syrer - ausgeliefert werden könnten. Man muss dazu wissen, dass der Libanon seit den Kriegen dort in den 80ern jahrelang von der Assad-Regierung geschröpft und ausgenommen wurde, man hasst und fürchtet den syrischen Präsidenten dort.
Das alles geschah im Frühjahr 2015. Trotzdem reagierte Europa nicht. Bzw. erst im Sommer, als die Menschen dann kamen und sich herausstellte: Die werden überraschenderweise nicht alle in Griechenland - selbst vollkommen am Ende - bleiben.
Die Versäumnisse muss die Politik sich einfach ankreiden lassen. Man hätte sich vorbereiten können und müssen!

Nun kommt ein weiterer Punkt zum Tragen: Die Syrer hatten nach vier Jahren Krieg wenig Hoffnung, das Assad noch gestürzt werden könnte oder abtreten würde. Die Familie regiert nun seit einem halben Jahrhundert - und wenn sie den Krieg gewinnen, dann vermutlich auch noch mal so lange. Für einen Flüchtling bedeutet das: Er wird nie wieder zurückgehen können - für Assad sind das alles Verbrecher.
(Ich habe die Tage erst wieder über eine Kollegin von einem gehört - der ging aus GB zurück nach Syrien und kam ohne Zehen wieder ...)
Die Leute waren also nicht auf der Suche nach einem sicheren Dach überm Kopf für die nächsten 1-2 Jahre - die brauchten eine  Perspektive für die Zukunft. Natürlich überlegt man sich da: Wo hat meine Familie die besten Chancen. Das würden wir auch tun - ich würde, wenn ich alles hinter mir lasse, nicht in ein Land gehen, in dem ich am Ende obdachlos auf der Straße lande oder über Jahre kein Recht zu arbeiten habe oder wo meine Kinder nicht in die Schule gehen dürfen. Und wer würde in ein Land gehen, in dem es kein Recht auf Familienzusammenführung gibt, wenn er Familie zurücklassen muss?
Daher kristallisierten sich natürlich ein paar Länder heraus, in die die Menschen wollten. Das war ja längst nicht nur Deutschland, aber als reiches Land, das jeder kennt, gehörte es natürlich dazu.
Übrigens hat Syrien enge Verbinungen zu Deutschland: Während der DDR-Zeiten gab es kaum einen syrischen Studenten, der nicht ein oder zwei Semester in Ostberlin studiert hat. Es lebten vor dem Krieg auch viele Deutsche in Syrien. Während der Nazi-Herrschaft sind viele Europäer vor den Nazis nach Syrien geflüchtet - auch Deutsche, die sich dort niedergelassen haben. Und auch viele DDR-Bürger sind nach Studienaustauschen dort geblieben, es gab vor dem Krieg eine sehr große deutsche Community in Syrien.  Viele Flüchtlingshelfer schauen immer ganz irritiert, weil eine Menge junger Menschen aus Syrien klassische deutsche Namen tragen - Linda, Simon, Andreas, Lina und Katrin sind sehr beliebt.
Syrien fühlte sich verbunden mit Deutschland. Nur hatte Deutschland das kleine Land offenbar längst vergessen.
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: SilkeS. am 16. Dezember 2016, 22:05:28
Hallo Jennifer!

Ich habe gerade bei YT von einer Bloggerin eine Kurzlesung und Zuschauerfrage-Runde gesehen.
Das war toll...
Aber Dein HIntergrundwissen was Du mir hier nun erklärst ist ja auch echt gut. Woher weißt Du soviel. Allein durch die Gespräche mit Flüchtlinge?


Gruß Silke
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Jennifer B. am 16. Dezember 2016, 22:06:32
Zur Sicherheit, Kriminalfällen usw. mache ich mal ein neues Posting auf - ich bin zu dösig, um übersichtlich zu zitieren.

Prinzipiell glaube ich, dass man ständig das Gefühl hat, es würde "schlimmer" werden. Mehr Übergriffe, Einbrüche, etc. Statistisch gesehen gehen diese Vorfälle trotz (oder weil?) heutzutage immer mehr Vorfälle zur Anzeige gebracht werden, aber eher zurück! Wir leben in sichereren Zeiten als z.B. vor 20 Jahren. Es fühlt sich aber vermutlich anders an, da heute jede dieser Situationen geteilt und verbreitet wird und man einfach mehr mitbekommt.
Ich persönlich glaube den Statistiken auch absolut. Im Alter meiner großen Tochter z.B. bin ich bereits zweimal grundlos angegriffen/ überfallen worden - einmal mit einer Waffe bedroht - sowas ist meiner Tochter zum Glück noch nie passiert!  :wah:
Ich erinnere mich auch, dass wir damals zwei stadtbekannte "Grabscher" hatten, die ständig im Bus Mädchen belästigten. Jeder wusste davon, aber es hat niemanden interessiert. Die Busfahrer sagten bloß "Setz dich halt woanders hin".
Mein Gefühl ist tatsächlich: Wir leben sicherer als je zuvor.

Damit will ich aber Vorfälle gar nicht runterreden, denn natürlich gibt es die. Flüchtlinge sind Menschen wie alle anderen - manche sind tolle Typen, andere sind blöd, hin und wieder ist einer verliebenswert und selten mal einer gefährlich.
Ich sag ja gerne: Die Arschlochquote ist in jedem Land ungefähr gleich.
In den Einrichtungen die ich besucht habe, habe ich drei Faktoren für "problems" oder "no problems" ausgemacht:
1) der Einrichtungsleiter. ich sah ein Camp innerhalb von Tagen vom Fightclub zur Kuschelstube werden, allein dadurch, dass der Einrichtungsleiter hinschmiss und eine junge Frau die Leitung übernahm. Ein bisschen Trost und Verständis bei den einen - sehr klare Ansagen bei den anderen - und die Hütte lief!
2) die Verteilung der Leute. Hier gab es mal ein Camp für Familien und eines für "junge Männer". Schwierig. Pferch mal 500 junge katholische Kirchenknaben zusammen - sie werden sich an die Gurgel gehen. Eine bessere Durchmischung von Kindern, jungen, älteren und alten funktioniert besser, vor allem, wenn man die Erwachsenen mithelfen lässt. Wir hatten zum Beispiel immer eine Problemschlichterin - eine Flüchtlingsfrau, zu der die Bewohner gehen sollten, wenn sie Probleme hatten. Sie ist dann damit zu den Betreuern gegangen.
3) - ja, jetzt wird es etwas komplizierter ... Die Herkunft. Man darf da natürlich keinesfalls über einen Kamm scheren. Aber ich habe schon einen klaren Unterschied erkannt zwischen Camps, in denen überwiegend Iraker und Syrer leben und solchen, in denen mehr Leute aus den Magreb- oder Balkan-Staaten  sind. Das ist auch kein großes Wunder: Die kommen nach Deutschland, weil ihre Heimatländer keine Perspektiven für sie bieten, erfahren hier aber als erstes, dass sie hier nicht asylberechtigt sind und keine Chance haben. Trotzdem dauert das Verfahren EWIG. Und ihre Familien sitzen in der Heimat und stellen Forderungen! Geh nach Deutschland! Besorg Geld! Sei ein guter Sohn - rette uns!
Und sie sind machtlos. Und müssen warten.
Das ist eine ganz schlimme Situation und bei manchen geht der Frust leider soweit, dass sie straffällig werden. Schwierig. Und natürlich indiskutabel.
Ich bin mir da auch absolut nicht einig mit mit mir selbst: Vernünftiger wäre es wohl, wenn da viel schneller entschieden und abgeschoben werden kann, sodass die Hoffnung sich gar nicht erst aufbaut. Andererseits habe ich albanische Freunde und für die - und deren kleine Kinder - bin ich um jeden Monat froh, den die nicht in einer ungeheizten Wellblechhütte hocken und bei jeder Krankheit der Kinder das Schlimmste befürchten müssen - weil sie kein Geld mehr für den Arzt haben  :tempo:

Belästigt wurde ich während der Recherchen übrigens ein einziges Mal. Es war der Hausmeister - und ich hab mich zurück zu den "Jungs" geflüchtet und mich danach zum Auto bringen lassen.
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Jennifer B. am 16. Dezember 2016, 22:14:37

Aber Dein HIntergrundwissen was Du mir hier nun erklärst ist ja auch echt gut. Woher weißt Du soviel. Allein durch die Gespräche mit Flüchtlinge?

Na ja, ich hab 14 Monate für das Buch recherchiert  :detektiv:
Zuerst hab ich nur mit den Leuten aus unserer NUK gesprochen, dann, als ich denen sagte, dass ich vielleicht ein Buch schreiben möchte, haben die mir nach und nach Kontakte verschafft: ein Cousin, eine Schwester oder ein Bekannter in einer anderen Einrichtung, der sich auch gerne unterhalten würde. Da waren dann auch wieder Leute, die etwas zu sagen hatten ...
Ich habe am Ende gut 50 Geflüchtete interviewt, dazu ein Dutzend Ehrenamtler und ein Dutzend "Gegner". Plus ein paar, die erst Gegner waren und dann nicht mehr  :flirt:
Und dann noch mal 10 Deutsche und Amerikaner, die eine Weile in Syrien gelebt oder gearbeitet haben.
Und natürlich habe ich viel gelesen und recherchiert und zahllose Fotos und Bildbände angesehen.
ich war leider nie in Syrien - aber ich habe inzwischen ungefähr 100 Einladungen für die Zeit "nach dem Krieg" (was eigentlich bedeutet: nach Assad.) Ich hoffe, dass ich das erleben und Syrien sehen werde.
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Christiane am 16. Dezember 2016, 22:19:26
- Hmm, jetzt war ich telefonieren und schon habt Ihr x Posts Vorsprung. Aber egal, ich schick das jetz trotzdem mal so ab.

Zur 'Geschichtsnachhilfestunde' von Jennifer:

Das finde ich jetzt total interessant und es ist mir völlig neu, dass die DDR so enge Beziehungen zu Syrien hatte. Die DDR war für mich solange sie bestand so eine Art schwarzes Loch - über das normale Leben dort weiß ich so gut wie nichts. Und auch dass im Krieg so viele Deutsche in diese Ecke der Welt geflüchtet sind wusste ich nicht.

Dass Deutschland sehr wohl hätte ahnen können was auf uns zukommt, davon bin ich auch fest  überzeugt. Da haben eine Menge Leute den Kopf in den Sand gesteckt und gehofft, dass 'Aussitzen' eine gute Strategie sein würde. - Hat nicht funktioniert  :rollen:.
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Christiane am 16. Dezember 2016, 22:30:35
3) ...
Ich bin mir da auch absolut nicht einig mit mit mir selbst: Vernünftiger wäre es wohl, wenn da viel schneller entschieden und abgeschoben werden kann, sodass die Hoffnung sich gar nicht erst aufbaut. Andererseits habe ich albanische Freunde und für die - und deren kleine Kinder - bin ich um jeden Monat froh, den die nicht in einer ungeheizten Wellblechhütte hocken und bei jeder Krankheit der Kinder das Schlimmste befürchten müssen - weil sie kein Geld mehr für den Arzt haben  :tempo:

Das Problem seh ich auch schon lange. Meines Erachtens ist das Grundproblem, dass Deutschland kein ordentliches Einwanderungsrecht hat. Es gibt ja nur das Asylrecht. Wer also hierher kommen will, egal aus welchen Gründen, kann es nur via Asyl versuchen. Und da haben viele eben keine Chance.
Wenn es ein richtiges Einwanderungsgesetz gäbe könnte Deutschland sich Kriterien überlegen, nach denen sie gezielt Einwanderung zulässt. Und die Menschen, die hierher kommen wollen, wüssten was sie tun müssen, um hier eine Chance zu haben, z.B. eine abgeschlossene Berufsausbildung oder was auch immer.
Dann wäre auch klar, dass Asyl nur für Menschen in Frage kommt, die verfolgt werden, bzw. vor Krieg fliehen.
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Jennifer B. am 17. Dezember 2016, 11:12:58
- Hmm, jetzt war ich telefonieren und schon habt Ihr x Posts Vorsprung. Aber egal, ich schick das jetz trotzdem mal so ab.

Zur 'Geschichtsnachhilfestunde' von Jennifer:

Das finde ich jetzt total interessant und es ist mir völlig neu, dass die DDR so enge Beziehungen zu Syrien hatte. Die DDR war für mich solange sie bestand so eine Art schwarzes Loch - über das normale Leben dort weiß ich so gut wie nichts. Und auch dass im Krieg so viele Deutsche in diese Ecke der Welt geflüchtet sind wusste ich nicht.

Dass Deutschland sehr wohl hätte ahnen können was auf uns zukommt, davon bin ich auch fest  überzeugt. Da haben eine Menge Leute den Kopf in den Sand gesteckt und gehofft, dass 'Aussitzen' eine gute Strategie sein würde. - Hat nicht funktioniert  :rollen:.

Ich hatte Familie in der DDR und war da schon recht "drin". Von den Verbindungen mit Syrien wusste ich aber trotzdem nichts, was wohl einfach daran lag, dass Syrien eher klein und unbedeutend ist.
Vergleichbar mit: Jeder aus Hückeswagen kennt Berlin - aber keiner in Berlin kennt Hückeswagen.
Ich habe aber z.B. auch 2015 erst erfahren, dass mein Hausarzt Syrer ist. Hab den nie gefragt, woher er kommt, ich hab vom Namen her bloß gedacht, dass er womöglich Arabisch sprechen könnte und nachgefragt, weil das Übersetzen von teilweise ganz fürchterlichen Untersuchungsberichten uns allen massiv an die Nieren ging. Daher habe ich nach einem arabisch sprechenden Arzt gesucht und da erst erfahren, dass mein Doc selbst aus Syrien kommt.

Für das Assad-Regime war die DDR ne tolle Sache, vieles wurde sich vermutlich dort abgeschaut. Es gab ganz viele Parallelen, so standen angeblich sogar die gleichen Comics auf dem Index und durften nicht verkauft werden.

Was du zum Einwanderungsrecht sagst, trifft es imA sehr gut.

Und dann kommt natürlich noch dazu, dass Europa sehr viele Fluchtursachen selbst schafft. Da denke ich vor allem auch an Afrika.
Europäische Unternehmen graben denen da im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser ab - oder vergiften es durch ihre Industrieanlagen (harmlos anmutende Blumenfarmen machen da ganze Landstriche (fruchtbares Land!) unbewohnbar). Die inländische Wirtschaft wird mit Fleischresten oder gespendeter Kleidung systematisch zerstört.
Der Kuchen wird immer fetter - und dann wundern wir uns  sehr, wenn die Menschen von dort was von dem Kuchen haben wollen.
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: SilkeS. am 17. Dezember 2016, 11:25:37
Hallo zusammen!

@Jennifer: Danke für deine langen ausführlichen Antworten. Ich muß echt gestehen, dass ich mich echt bei vielen Dingen total wenig auskenne. Ich bekomme mit was über die Nachrichten gesendet wird, ohne mir ihr aber wirklich ein Urteil zu bilden, denn es ist ja selten wirklich neutrale Berichterstattung. Zum anderen bekomme ich eben über die städtische NAchrichten per Lokalblättchen und FB Dinge mit die hier passieren, die organisiert werden etc.
Da ich ja keine Berührungspunkte habe kann ich mir kein eigenes Bild machen.
Klar es ist auch etwas Ausrede, aber es fehlt mir einfach echt die Zeit und Muse den Schritt zu tun, bei den Ansprechpartnern mal seine Hilfe anzubieten....

Aber ich habe, seit ich gestern das Buch angefangen zu lesen, total viel nachgedacht und bin froh dass ich das Buch lesen kann, somit kleines Wissen vergrößern, mein verzerrtes Bild von Lage etwas begradigen kann.

So, ich muß jetzt leider Haushalten

P.s.
Zitat
"nach dem Krieg" (was eigentlich bedeutet: nach Assad.)
Ist es echt realistisch, dass er mal gestürzt wird?  :kopfkratz:

Gruß Silke
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Christiane am 17. Dezember 2016, 11:41:16
Für das Assad-Regime war die DDR ne tolle Sache, vieles wurde sich vermutlich dort abgeschaut. Es gab ganz viele Parallelen, so standen angeblich sogar die gleichen Comics auf dem Index und durften nicht verkauft werden.
Ja, so kann man auch 'Entwicklungshilfe' leisten  :rollen:. Länder wie die DDR versuchen natürlich auch ihr Weltbild zu exportieren. Das ist einem nicht immer so bewusst.

Und dann kommt natürlich noch dazu, dass Europa sehr viele Fluchtursachen selbst schafft. Da denke ich vor allem auch an Afrika.
Europäische Unternehmen graben denen da im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser ab - oder vergiften es durch ihre Industrieanlagen (harmlos anmutende Blumenfarmen machen da ganze Landstriche (fruchtbares Land!) unbewohnbar). Die inländische Wirtschaft wird mit Fleischresten oder gespendeter Kleidung systematisch zerstört.
Der Kuchen wird immer fetter - und dann wundern wir uns  sehr, wenn die Menschen von dort was von dem Kuchen haben wollen.
Ja genau. Das ist das zweite große Problem. Viele Leute hier wollen alles hübsch billig kaufen, ohne sich Gedanken zu machen wer dafür die Zeche zahlt, Die europäische Wirtschaft ist in vielen Belangen eine Katastrophe für die Länder, die man früher mal 'Entwicklungsländer' nannte. Das gilt für Afrika ebenso wie für Asien (wenn ich an die Kleidungsindustrie denke). Und das gilt für die Blumenfarmen ebenso wie für billiges Obst und Gemüse auf dem europäischen Markt.

Der europäische Kuchen wird fetter - aber da gilt der Massenerhaltungssatz: was hier dazu kommt fehlt woanders. Und dort leben auch Menschen. Dass die das auf Dauer nicht mitmachen - wundert das wirklich irgendwen?
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Christiane am 17. Dezember 2016, 11:45:52
Klar es ist auch etwas Ausrede, aber es fehlt mir einfach echt die Zeit und Muse den Schritt zu tun, bei den Ansprechpartnern mal seine Hilfe anzubieten....
Ich glaube, das ist auch ein bisschen so, dass es nicht jedem liegt da aktiv hinzugehen und seine Mithilfe anzubieten. Mir zumindest geht es so. Wo immer ich ein bisschen was getan hab, da hat sich das einfach ergeben, weil ich zufällig dort was wo es was zu tun gab.

Zitat
"nach dem Krieg" (was eigentlich bedeutet: nach Assad.)
Ist es echt realistisch, dass er mal gestürzt wird?  :kopfkratz:
Ich weiß nicht ob es realistisch ist. Aber es ist mE die einzige Möglichkeit für dauerhafte Beruhigung der Region und dafür, dass die Menschen heimkehren können.
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Jennifer B. am 17. Dezember 2016, 11:50:48
Silke, das ging mir vor dem Buch ganz genau so.  :schmusen: man kann nie alles wissen - die Welt ist groß und komplex.
Und wenn du mich jetzt fragst, was eigentlich im Jemen los ist, muss ich sagen: Ähm, irgendwas mit Saudi Arabien und ... ähm. Und man muss noch nicht mal so weit schauen - über den Konflikt in der Ukraine weiß ich auch so gut wie gar nichts.
Oder deutsche Geschichte zwischen 45 und 80. - Schwarzes Loch für mich.

Oft sind es Zufälle, die das Interesse lenken. Wenn mich in der NUK damals nicht Roza und Suzan in Empfang genommen hätten sondern Rahel und Canan, würden wir jetzt vielleicht über Afghanistan sprechen.


Zu Assad ... ich weiß es nicht. Wenn Russland sich zurückzieht, wäre es vielleicht immer noch möglich. Aber ob es noch besser werden würde? Die politisch wünschenswerte Opposition, die nach Demokratie verlangt hat, ist zu großen Teilen geflüchtet oder tot. Womöglich sind die muslimischen Extremisten nun in der Überzahl. Schwer zu sagen, die Syrer in Deutschland können es selbst kaum mehr einschätzen.
Nach jedem Gesetz dieser Welt müsste Assad vor ein Kriegsgericht und von der UN entmachtet werden. Aber das war bei dieser Familie schon mehrmals nach großen, blutigen Massakern der Fall und nach wie vor ist Syrien Mitgliedsstaat.
Ich fürchte, der Zeitpunkt, Syrien als weltoffenes, multikulturelles Land zu retten, ist verstrichen. Aber wissen kann das keiner.

Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: nala11 am 17. Dezember 2016, 19:53:39
Hallöchen!

.. ich bin jetzt auch mit dabei und hab mich erst mal hier eingelesen .. :zwinker:


Ich kann die Familie am Anfang schon verstehen. Ich habe beim lesen schon gemerkt, dass mir auch ständig die "wie hättest du in dem Fall reagiert"- Frage im Kopf herumgeisterte.
Da ist dieses "wir wurden nicht gefragt", was oft ein negatives Gefühl gibt ..
Es gab da so viele offene Fragen, die so einfach nicht beantwortet werden können ..
"wie lange soll das so sein?"
"wie viele Menschen werden hier bleiben?"
"wie wird das alles finanziert?"
und so weiter ...
Da liegt es dann an jedem selber .. will ich mich positiv oder negativ damit auseinander setzen?
Oft stellt man sich diese Frage gar nicht so genau .. man positioniert sich "einfach" ...

Dann ist ja auch dieses Empfinden, dass ihr schon angesprochen habt, dass es soo viele sind und man kaum noch "Deutsche" sieht ( wobei man sich in dem Fall sofort die Frage stellen muss, wie definiere ich denn DEN Deutschen?)

Ich habe lockeren Kontakt zu einigen Flüchtlingen.
Ich arbeite in einem Dorf in einem Blumengeschäft. Zwei Häuser weiter ist so eine besagte leerstehende Immobilie, die umfunktioniert wurde.
In diesem Haus lebten zwischenzeitlich 14 Menschen ... in einem recht großen Einfamilienhaus!
Mein Chef hat Kontakt zu ihnen aufgenommen und kümmert sich um kleinere Behördengänge und so.
Nach und nach kamen sie dann auch schon mal in den Laden, wo ich einige dann auch kennenlernte.
Zwei von ihnen sind regelmäßig da. Der Eine hilft beim Anschneiden, der Andere abends beim Einräumen, wenn ich alleine bin.
Im September wurde ich sogar zur Feier einer Hochzeit eingeladen!
Ein Erlebnis, das ich nicht vergessen und auch nicht missen möchte.
Im Zuge dieser Hochzeitsvorbereitungen war Teamwork angesagt, wo viele Nachbarn in irgendeiner Weise eingebunden waren ... das war richtig toll! So viele hatten Spaß beim Helfen, Fragen und Organisieren!

Zurück zum Buch! 

Toni .. ihr Erlebnis prägt sie verständlicherweise .. sie war ja hilflos und musste es geschehen lassen ...
Dass sie da auch das Äußere der Täter nicht außer Acht lassen kann ist für mich nachvollziehbar. Das war das, was sie gesehen hat. Sie versucht es ja zu differenzieren, indem sie erwähnt, dass sie akzentfrei Deutsch sprachen ..
Dass Fee nicht so wirklich darauf eingeht, liegt, glaube ich an Toni selber, so wie ich das gelesen und für mich verstanden habe, hat sie es nicht so richtig mit Fee kommuniziert ...
Fee ... ich finde sie Toll!! Gerade dieses vermeintlich unbedachte, lässt sie so einfach und ohne schischi helfen.

Toni stellt sich anfangs die Frage, wie sie zu Allem steht und erkennt, dass sie zuwenig weiß. Leider stellen sich diese Frage zuwenige ...

Mich hat die Bemerkung von Shirvan sehr getroffen, als er über das Waschen vor dem Beten spricht ..
Zitat: *"Doch du kannst in dieser Situation nichts für deine Familie und Freunde tun, außer zu Beten. Wenn dir nicht einmal das bleibt .."*
Für eine streng gläubigen Menschen muss das sehr hart sein, nicht einmal das zu können.

Die Sache mit den Behördenbriefen und der Sprachbarriere habe ichselbst schon einige Male im Laden erlebt ... manche Sachen verstehen wir selber nicht .. wie sollen sie das dann verstehen?





Ich finde den Einstieg in die Kapitel mit SMS- Nachrichten, Koran- und sonstigen Zitaten sehr gut!

Besonders das Koranzitat zu Beginn des 12. Kapitels, in dem es um den Umgang mit Verletzten , Kindern, usw geht ... 





Das waren jetzt mal meine ersten Eindrücke und Gedanken. Ich werde weiterlesen und hoffe in der nächsten Woche Zeit zu finden, mich hier blicken zu lassen ... Weihnachts-Arbeits-Rüsel ...

Liebe Grüße, genießt den Rest-Samstag und den Sonntag!

Carmen

Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: SilkeS. am 17. Dezember 2016, 20:58:24
Toni stellt sich anfangs die Frage, wie sie zu Allem steht und erkennt, dass sie zuwenig weiß. Leider stellen sich diese Frage zuwenige ...
Ich finde dafür das Buch total gut. Es hält einem irgendwie den Spiegel vor, ohne es jetzt negativ zu meinen...  ich bekomme viel erzählt, meiner Hundetrainerin ihr Vater ist Polizist und mein Mann hat einen Feuerwehrkumpel im Tischtennis. Die erzählen NICHT von den TOLLEN Erlebnissen sondern, eben immer von den Negativeinsätzen und das verzehrt das Bild von den Menschen echt gehörig...

Mich hat die Bemerkung von Shirvan sehr getroffen, als er über das Waschen vor dem Beten spricht ..
Zitat: *"Doch du kannst in dieser Situation nichts für deine Familie und Freunde tun, außer zu Beten. Wenn dir nicht einmal das bleibt .."*
Für eine streng gläubigen Menschen muss das sehr hart sein, nicht einmal das zu können.
Das gehört in den nächsten LA, da wollte ich dann auch etwas dazu sagen...

Die Sache mit den Behördenbriefen und der Sprachbarriere habe ichselbst schon einige Male im Laden erlebt ... manche Sachen verstehen wir selber nicht .. wie sollen sie das dann verstehen?
Ja, das glaube ich gerne. Eine befreundet Kollegin von mir gibt nebenbei als Lehrbeauftragte noch Deutschunterricht für Flüchtlinge. Nach den Stunden kommen dann die Flüchtlinge mit ihren Anträgen und brauchen Hilfe. Da hat sie mir Storys erzählt.... da habe ich mit den Ohren geschlackert. Sowas hätte ich nicht beantworten können, meine Kollegin hat dann eine irgendwie was mit ihnen ausgemacht sich selbst zu kümmern oder zu informieren, aber da ist mir dann auch bewußt geworden, wie schwer unserer Bürokratie für solche Menschen ist...




Ich finde den Einstieg in die Kapitel mit SMS- Nachrichten, Koran- und sonstigen Zitaten sehr gut!
Ja stimmt, das gefällt mir auch total!




Gruß Silke
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: nala11 am 17. Dezember 2016, 22:23:51
Zitat
Das gehört in den nächsten LA, da wollte ich dann auch etwas dazu sagen...
 
upps ... ja ...
Entschuldigung!!
Ich habe leider nur nach den seitlichen Markierungen geguckt ...



Dann ist das Koranzitat auch falsch hier ....
Sorry ...
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Jennifer B. am 18. Dezember 2016, 12:41:43
Carmen, das klingt schön.
Ich fände es wirklich schön, wenn es überall einfach normale Nachbarschaft werden könnte - die einen mag man, die anderen findet man blöd ... aber personenbezogen, nicht auf die Herkunft.

Silke, bei uns hat die Polizei das wirklich großartig gelöst: Die sind täglich einmal zur NUK gekommen und haben dort Kaffee getrunken. Das war in vielfacher Hinsicht richtig toll:
- den Bewohnern mit Hintergedanken wurde gezeigt: Wir sind hier vor Ort.
- den Nachbarn mit rechtradikalen Gedanken wurde Präsenz demonstriert
- die Beamten kamen freundlich mit den Bewohnern zusammen und erlebten eben auch die positiven Seiten, waren bei der Weihnachtsfeier dabei usw.
- und vor allem wurden Ängste abgebaut. Die Syrer z.B. haben erstmal vor jeder Art der Uniformierung Angst und fühlen sich davon bedroht.
Der Nachteil war leider, dass sich in der Nachbarschaft herumsprach, es würde "ständig die Polizei vor dem Heim stehen"  :rollen:
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: SilkeS. am 18. Dezember 2016, 13:03:30
^
Der Nachteil war leider, dass sich in der Nachbarschaft herumsprach, es würde "ständig die Polizei vor dem Heim stehen"  :rollen:
:hau: Man sieht nur was man sehen willl  :rotwerd: :rollen:

Gruß Silke
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Jennifer B. am 18. Dezember 2016, 13:31:48
Ja, aber das liegt ja auch nahe.
Das zu begreifen war für alle Seiten schwierig. Wir drinnen haben entspannt Kaffee getrunken und geredet, mit den Kindern gespielt oder uns beim Deutschunterricht kaputtgelacht. (Man sagte mir sehr unterhaltsamen Unterricht nach  :bang:)
Und draußen haben die eben nur gesehen: schon wieder Polizei. Na, das muss ja einen Grund haben.

Wenn man dann nicht darüber spricht, dann entstehen und verfestigen sich seltsame Eindrücke. Wir haben erst nach Wochen von der Außenwirkung erfahren - vorher ist uns diese Idee einfach nicht gekommen.
Wir waren drinnen in genau so einer Blase wie die kritischen Leute draußen.

Die Nachbarn erzählten sich die dollsten Dinger über unsere NUK - uns das war vermutlich die entspannteste Unterkunft der Welt. Wir hatten in einem halben Jahr zweimal Probleme: einmal stritten sich zwei Väter über Kindererziehung und einmal schleppte ein Mann Sachen unbekannter Herkunft rein - die waren vom Sperrmüll, stellte sich dann heraus.
Und einmal wurde ein geklautes Fahrrad bei uns gefunden - dumm nur, dass Helfer dabei waren, als das Rad - als Spende - von einem älteren Ehepaar gebracht wurde.
ich konnte da auch nicht nur mein Kind frei herumlaufen lassen  - irgendwer hatte immer ein Auge drauf - ich ließ auch grundsätzlich meinen Kram (Handtasche mit Handy, Portemonnaie, Schlüssel) offen herumliegen. Da kam nie was weg. (Was sicher auch daran lag, dass ich respektiert wurde - ich weiß nicht, wie es bei Fremden gewesen wäre.)
Um ein Buch zu schreiben, in dem auch mal "was passiert" musste ich in die deutlich schlechter geführten und größeren Camps gehen.
Und auch da gibt es immer mehrere Wahrheiten. Ein schönes gemeinsames Fest oder ein Gruppenbesuch in Moschee oder Kirche gehen halt bloß nicht durch die Presse oder werden verbreitet. Eine Klopperei oder eine belästigte Frau natürlich schon. Wenn es allerdings auf der nächsten Gesamtschule die 10a und die 10b zum gegenseitigen Verdreschen treffen, berichtet da ehrlich gesagt auch keiner drüber ...

Und von Silvester iin Köln ... fangen wir vielleicht gar nicht erst an. Ich war da mit 17, 1997. Und ich habe entschieden, da nie wieder hinzugehen, weil es eben genau SO war. Ein Riesengedränge mit Grabschen, Klauen und Gepöbel. Das lief auch ohne Flüchtlinge schon so ab. Kölner Karneval hab ich mir auch nur ein einziges Mal gegeben, aus diesem Grund.
Aber ein Gutes hat es: Es wird jetzt endlich mal wahrgenommen.
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: SilkeS. am 18. Dezember 2016, 14:03:37
Und auch da gibt es immer mehrere Wahrheiten. Ein schönes gemeinsames Fest oder ein Gruppenbesuch in Moschee oder Kirche gehen halt bloß nicht durch die Presse oder werden verbreitet. Eine Klopperei oder eine belästigte Frau natürlich schon. Wenn es allerdings auf der nächsten Gesamtschule die 10a und die 10b zum gegenseitigen Verdreschen treffen, berichtet da ehrlich gesagt auch keiner drüber ...
Negative Sachen verbreiten sich immer schneller als positive. DAs wird immer so hingenommen.


Und von Silvester in Köln ... fangen wir vielleicht gar nicht erst an. Ich war da mit 17, 1997. Und ich habe entschieden, da nie wieder hinzugehen, weil es eben genau SO war. Ein Riesengedränge mit Grabschen, Klauen und Gepöbel. Das lief auch ohne Flüchtlinge schon so ab. Kölner Karneval hab ich mir auch nur ein einziges Mal gegeben, aus diesem Grund.
Aber ein Gutes hat es: Es wird jetzt endlich mal wahrgenommen.
Ich fand die Berichterstattung damals echt bekloppt. Es war ziemlich rassistisch, das habe ich damals schon so empfunden...
ABer ich bin eh kein Mensch von Großveranstaltungen...

Gruß Silke
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: nala11 am 18. Dezember 2016, 20:03:20
Zitat
Ich fände es wirklich schön, wenn es überall einfach normale Nachbarschaft werden könnte - die einen mag man, die anderen findet man blöd ... aber personenbezogen, nicht auf die Herkunft.
Ja, das wünsche ich auch allen, die sich hier wohlfühlen und einleben wollen, ohne von irgendwelchen "besorgten Bürgern" daran gehindert zu werden. So wie es aussieht, werden sie so nach und nach das Haus verlassen. Die Erste, Mustafa, der beim Einräumen hilft, wird zum 1.1. mit deiner Frau und seinem Sohn wegziehen ... Ich hoffe, dass er da genauso aufgenommen wird, wie bei uns. Er ist ein echt offener und hilfsbereiter Mensch!
Die Braut ist direkt nach der Hochzeit mit ihrem Mann nach Lübeck gezogen ... so verteilen sie sich jetzt alle ...


Jennifer, Silvester in Köln ... dass du es vor Jahren schon genauso erlebt hast finde ich furchtbar, genau wie Karneval oder beim Oktoberfest .. nur wurde das nie soo hochgekocht ..
"Die sollen sich doch nicht so anstellen, da ist doch nix dabei mal so'n Klaps auf'm Po und mal 'n bisschen bützen ..." (ich hoffe, ich hab das richtig geschrieben ..)
Das interessierte niemanden, da die Täter keine Fremden waren ...
Das macht es eigentlich nur schlimmer ... alle schimpfen, dass die Muslimen keinen Respekt vor Frauen haben ... was haben denn diese Männer, die es in Deutschland jahrelang praktizieren ... boa ... da schwillt mir echt der Kamm bei solchen Argumenten!

Zitat
Die Nachbarn erzählten sich die dollsten Dinger über unsere NUK - uns das war vermutlich die entspannteste Unterkunft der Welt.
Leider gibt es immer genug Menschen, die solchen Geschichten zuhören und mit ein paar Verfeinerungen weitererzählen.
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Inge78 am 19. Dezember 2016, 09:51:24
Hallo zusammen

Wahnsinn, was ihr hier Alles schreibt, ich brauche ja fast mehr Zeit für eure Kommentare als fürs Buch
Aber ich finde es super dass hier schon so viel Diskussion aufkommt
Deshalb wollte ich auch unbedingt eine LR zum Buch, ich hatte so viel Redebedarf beim Lesen und es scheint euch genauso zu gehen

Hallo zusammen!

@Jennifer: Danke für deine langen ausführlichen Antworten. Ich muß echt gestehen, dass ich mich echt bei vielen Dingen total wenig auskenne. Ich bekomme mit was über die Nachrichten gesendet wird, ohne mir ihr aber wirklich ein Urteil zu bilden, denn es ist ja selten wirklich neutrale Berichterstattung. Zum anderen bekomme ich eben über die städtische NAchrichten per Lokalblättchen und FB Dinge mit die hier passieren, die organisiert werden etc.
Da ich ja keine Berührungspunkte habe kann ich mir kein eigenes Bild machen.
Klar es ist auch etwas Ausrede, aber es fehlt mir einfach echt die Zeit und Muse den Schritt zu tun, bei den Ansprechpartnern mal seine Hilfe anzubieten....

Aber ich habe, seit ich gestern das Buch angefangen zu lesen, total viel nachgedacht und bin froh dass ich das Buch lesen kann, somit kleines Wissen vergrößern, mein verzerrtes Bild von Lage etwas begradigen kann.



Hallo Silke
Das kann ich genauso unterschreiben
Ich habe auch keinen Kontakt und muss zugeben dass ich den auch nicht suche
Aber das Buch macht mich aufmerksam und ich habe schon mal geschaut was bei uns im Ort angeboten wird zum Helfen ... jetzt muss ich nur mal hingehen


Danke an Jenny für deine sehr ausführlichen Antworten, das hilft ungemein
Ich stelle nämlich auch immer wieder fest wie wenig ich weiß und wie traurig ich das selber finde
Aber gerade bei diesem ganzen religiösen und politischen Gruppen und Gruppierungen fällt es so schwer den Durchblick zu halten
Und dann noch der Stellvertreterkrieg , so schwierig

Ich kann nicht fassen was zur Zeit in Aleppo passiert
Man sitzt da wirklich total hilflos vor diesen Bildern und kann gar nicht glauben dass das tatsächlich gerade eben passiert
So viel zu unseren modernen aufgeklärten Zeiten
Wir können einfach nur jeden Tag dankbar sein für das was wir haben
Da kommen die eigenen Probleme so klein vor
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: SilkeS. am 19. Dezember 2016, 20:54:52
Hallo Inge!

Wahnsinn, was ihr hier Alles schreibt, ich brauche ja fast mehr Zeit für eure Kommentare als fürs Buch
Aber ich finde es super dass hier schon so viel Diskussion aufkommt
Deshalb wollte ich auch unbedingt eine LR zum Buch, ich hatte so viel Redebedarf beim Lesen und es scheint euch genauso zu gehen
Ja ohne Austausch kann man das Buch nicht lesen.
Ich habe nun die zweite Nacht in Folge kaum geschlafen. Auf der einen Seite wollte ich weiterlesen, auf der anderen Seite darüber reden, dann wieder, einfach sacken lassen was ich gelesen habe, sowohl im Buch als auch hier im Forum und mir eine Meinung bilden, darüber nachzudenken, wie ich mich ändern muß oder ob ich mich ändern muß....



Das kann ich genauso unterschreiben
Ich habe auch keinen Kontakt und muss zugeben dass ich den auch nicht suche
Aber das Buch macht mich aufmerksam und ich habe schon mal geschaut was bei uns im Ort angeboten wird zum Helfen ... jetzt muss ich nur mal
ja, einfach hingehen. Klingt einfach! Bei mir steht mir echt ziemlich sperrig mein Volltimejob und mein Leben im Weg. DAs ist das wo ich hin&her grübel wie ich das umstrukturieren könnte um da ein Zeitfenster aufzumachen, aber noch ist mir keins eingefallen. Der Tag hat 24 Stunden und 21,5 Stunden sind einfach verplant, das ist so... und am WE sind dann andere Termine die ich nicht umtackten kann...




Danke an Jenny für deine sehr ausführlichen Antworten, das hilft ungemein
Ich stelle nämlich auch immer wieder fest wie wenig ich weiß und wie traurig ich das selber finde
Ja das stimmt. DA versucht man gewissenhaft sich zu informieren und da muß man EIN Buch lesen und merkt dass man quasie nichts weiß :hau:



Ich kann nicht fassen was zur Zeit in Aleppo passiert
Man sitzt da wirklich total hilflos vor diesen Bildern und kann gar nicht glauben dass das tatsächlich gerade eben passiert
Ja, vorallem, muß ich bei dem Bildern im Fernsehen an Shirvans Erzähungen über sein Zuhause denken und das macht mich traurig...


Wir können einfach nur jeden Tag dankbar sein für das was wir haben
Da kommen die eigenen Probleme so klein vor
Auf jeden Fall!  WAs sind Geldsorgen, was sind Chef's die mit dem Zeigefinger arbeiten, was sind die ganzen Oberflächlichkeiten, über die man sich aufregt...  :egal1:


Gruß Silke
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Jennifer B. am 19. Dezember 2016, 21:13:42
Helfen ... das sind manchmal auch ganz kleine Winzigkeiten.
Zum Beispiel hat eine syrische Freundin mir mal freudestrahlend erzählt, dass ihre ältere Nachbarin sie zum ersten Mal angelächelt hat. Das hat ihr total viel bedeutet. (Seitdem wird die arme, alte Frau mit Gebäck tyrannisiert.  :wieher:)
Überhaupt sind es Kleinigkeiten. Ein Lächeln, mal ein paar freundliche Worte ... die Araber fühlen sich oftmals ausgeschlossen, weil man in Deutschland so wenig miteinander redet, z.B. beim Einkaufen oder an der Bushaltestelle. Sie beziehen das manchmal auf sich, weil sich nicht verstehen, warum die Leute keinen Smalltalk mit ihnen machen.

Oder einfach mal Nein, nicht mit mir! sagen, wenn Menschen versuchen, Rassismus salonfähig und zur Alltagssache zu machen.
Auch das hilft.


Ich finde es wahnsinnig spannend, wie unterschiedlich die Leser auf das Buch reagieren. Leute, die unmittelbar dabei waren, in der Flüchtlingshilfe z.B. inhaltieren da meist so weg, grinsen und sagen: Ja, das war "unser Sommer". Teenager knuspern es weg, melden zurück, dass "Shirvan süß ist". Und mit manchen macht es ganz viel ... Fasziniert mich total.

Mich persönlich macht die aktuelle Situation in Aleppo völlig fertig.
Ich bin ein bisschen erleichtert, dass das, was da seit Jahren Alltag ist, endlich gesehen und thematisiert wird, und gleichzeitig total frustriert. Denn nach dem Ende von Ostaleppo wird es in der Region Idlib genau so weitergehen - nur fehlt da der große Name - da leidet dann nicht die älteste Stadt der Welt, sondern irgendeine Gegend in einem unbedeutenden, kleinen Land.
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: SilkeS. am 19. Dezember 2016, 22:36:32
Helfen ... das sind manchmal auch ganz kleine Winzigkeiten.
Zum Beispiel hat eine syrische Freundin mir mal freudestrahlend erzählt, dass ihre ältere Nachbarin sie zum ersten Mal angelächelt hat. Das hat ihr total viel bedeutet. (Seitdem wird die arme, alte Frau mit Gebäck tyrannisiert.  :wieher:)
Überhaupt sind es Kleinigkeiten. Ein Lächeln, mal ein paar freundliche Worte ... die Araber fühlen sich oftmals ausgeschlossen, weil man in Deutschland so wenig miteinander redet, z.B. beim Einkaufen oder an der Bushaltestelle. Sie beziehen das manchmal auf sich, weil sich nicht verstehen, warum die Leute keinen Smalltalk mit ihnen machen.

Oder einfach mal Nein, nicht mit mir! sagen, wenn Menschen versuchen, Rassismus salonfähig und zur Alltagssache zu machen.
Auch das hilft.


Ich war vor ein Monats mal am Bahnhof und wollte mir dort am Automaten eine Fahrkarte lösen, als ich von einem "Mann mit Migrationshintergrund" auf gebrochendem Deutsch angesprochen wurde, ob ich das gleiche Reiseziel hätte?
Ich bestätigte und er bot mir mit Englisch-Deutschen-Handzeichen an, per finanzieller Beteiligung mit bei der Gruppenkarte mitzufahren.
Ich überlegte nicht lage und und stimmte. Kostete mich war mehr als mich die Karte gekostet hätte, war mir in dem Moment aber wurscht.
So wird standen dann so beisammen, man achtet darauf dass ich in der Nähe blieb, ließ mich aber sonst in Ruhe. Ich überlegte die ganze Zeit fieberhaft nach etwas worüber ich reden könnte. Mir echt nichts eingefallen. Ich bin nicht so ein Smalltalk-Typ.
Als dann der Zug kam, merkte man, die "Gruppenerfahrung" es waren zwei die uns zusammentrieben wie Schäfchen, man besorgte mir bzw uns einen Sitzplatz, sprach aber auch sonst nicht mit mir.
Mir wollte weiterhin nichts einfallenn worüber ich reden könnte, also lauschte ich einfach der mir unbekannten Sprache, freute mich darüber dass es ihnen gut ging, sie mich mitgenommen haben, lächelte sie an.
Am Ziel angekommen, machte man mich aufmerksam, dass wir am Ziel seien und aussteigen müssten.
Ich bedankte mich nochmal und wünschte einen schönen Tag.
Das Erlebnis ist mir echt postitiv in Erinnerung geblieben...


Gruß Silke
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Christiane am 20. Dezember 2016, 01:03:30
Mich persönlich macht die aktuelle Situation in Aleppo völlig fertig.
Ich bin ein bisschen erleichtert, dass das, was da seit Jahren Alltag ist, endlich gesehen und thematisiert wird, und gleichzeitig total frustriert. Denn nach dem Ende von Ostaleppo wird es in der Region Idlib genau so weitergehen - nur fehlt da der große Name - da leidet dann nicht die älteste Stadt der Welt, sondern irgendeine Gegend in einem unbedeutenden, kleinen Land.

Ja, das geht mir ähnlich. Und heute kam ich in die Klasse und die Lehrerin berichtete, dass sie einen von unseren Jungs heim zu seiner Mutter geschickt hatte. Er hatte morgens total fertig berichtet, dass sein Vater noch in Aleppo ist und keine Möglichkeit besteht, dass er noch hierher nachkommt. Seine Mama heult nur noch und er versucht verzweifelt, der 'Mann im Haus' zu sein und seiner Mutter zu helfen. Das geht mir so nach.... der Junge tut mir so entsetzlich leid.
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Inge78 am 20. Dezember 2016, 11:19:48
Also mit mir macht das Buch wirklich ganz viel
Es beschäftigt mich total und ich bin froh dass ihr auch so viel Redebedarf hat

Aleppo ist mir, durch dieses Buch und durch immer mehr Berichte die ich verfolge, viel näher gekommen ... da tun die Nachrichten gleich doppelt weh

Zitat
Helfen ... das sind manchmal auch ganz kleine Winzigkeiten.

Ganz viele selbstverständliche Dinge also eigentlich
Ich gehe auf jeden Fall mit offeneren Augen durch die Gegend
Wobei ich auch sonst keine Berührungsängste habe, außer dass ich Gruppen aus dem Weg gehen würde, aber das würde ich auch bei Deutschen so machen


Zitat
Und heute kam ich in die Klasse und die Lehrerin berichtete, dass sie einen von unseren Jungs heim zu seiner Mutter geschickt hatte. Er hatte morgens total fertig berichtet, dass sein Vater noch in Aleppo ist und keine Möglichkeit besteht, dass er noch hierher nachkommt. Seine Mama heult nur noch und er versucht verzweifelt, der 'Mann im Haus' zu sein und seiner Mutter zu helfen. Das geht mir so nach.... der Junge tut mir so entsetzlich leid.

Wirklich so traurig
Da ist es wieder, es ist ganz nah


Gestern Abend , nach dem Anschlag in Berlin, konnte ich FB etc nicht mehr ertragen
Ohne irgendwelche gesicherten Hinweise schon direkt wieder diese ausländerfeindlichen Beiträge überall
Ich musste spontan 2 Menschen entfreunden und habe mich dann bewusst da raus gezogen


Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Christiane am 20. Dezember 2016, 13:00:43
Wir haben heute zum Jahresabschluß einfach mal was Schönes mit den Kids gemacht: wir haben gemeinsam gefrühstückt. Jeder brachte etwas mit und so war die Tafel reich und vielfältig gedeckt, von deutschen Weihnachtsplätzchen, Brötchen und Marmelade über einen Erdbeerkuchen und etwas mit Keks und Schoko zu Rohkost, Falafel, Fladenbrot, div. Aufstriche,.... einem quer durch die syrische Küche. Und sooo leckere Sachen!
Wir haben gaaanz viel gegessen und dabei erzählt, gelacht, eine gute Zeit gehabt. Ich glaube fast, von diesen Kindern/Jugendlichen sind einige garnicht so froh über die Ferien  :-).
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Inge78 am 20. Dezember 2016, 13:15:43
Das klingt total toll Christiane
Titel: Re: Intro bis Kapitel 7
Beitrag von: Jennifer B. am 20. Dezember 2016, 13:28:23
Ich glaube fast, von diesen Kindern/Jugendlichen sind einige garnicht so froh über die Ferien  :-).

Wie schön  :schmacht:
Und ja, das glaube ich dir sofort! Allein die Normalität und das Zusammensein mit unbeschwerten anderen Kindern und Jugendlichen ist eine alltägliche Wohltat für die meisten.

Im Camp war das auch immer so schön, wenn ich mal außer der Reihe oder wegen etwas anderem als Deutschunterricht kam. Sofort kamen sie alle angelaufen: "Schule?!" - "Nein, heute ist keine Schule." - Lange Gesichter! Oder auch mal: "Oh, bitte Schule!"