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Anspruchsvolles & Klassiker => Rezensionen => Thema gestartet von: Nerolaan am 30. Dezember 2018, 19:57:00

Titel: Michail Bulgakow - Meister und Margarita
Beitrag von: Nerolaan am 30. Dezember 2018, 19:57:00
In Moskau geht der Teufel um. Und das nicht nur sprichwörtlich.
In Menschengstalt unter dem Namen Voland, streift der Teufel mit seinem Gefolge eine Woche durch die russische Stadt, um beim nächsten Vollmond seinen Ball der Unterwelt zu feiern.
Wer bis dahin mit ihm oder seinem Gefolge in Berührung kommt erfährt unglaubliches Leid – wohl zu recht, denn alle sind korrupt, anmaßend oder geldgierig.
Nur der Meister und seine Geliebte Margarita scheinen anders zu sein, aber auch vor ihnen macht der Teufel nicht halt.

Vor mittlerweile 12 Jahren habe ich den Roman blind gekauft, weil er in diversen Foren kusierte und von einigen Lesern als schlichtweg grandios eingestuft wurde.  Und so wanderte der Roman ohne Nachzudenken in meinem Regal. Bis heute ungelesen, weil es auch immer wieder hieß, dass man für den Roman Ruhe bräuchte und er hoch philosophisch sei.

Hoch philosophisch kann ich jetzt nicht bestätigen, aber es ist in jedem Fall ein Roman, der sich einem beim ersten Lesen nicht vollständig erschließt, denn dazu hat er einfach zu viele Ebenen.

Zum einen gibt es dort alleine drei Welten - / Zeitebenen.
Die eine spielt im realen Moskau. Die andere Welt ist die des Teufels, der sich auf seinen Frühlingsball vorbereitet. Die dritte jedoch ist ein Roman im Roman. Geschrieben vom namenlosen Meister, dem wegen diesen Werkes vorgeworfen wird er sein konterrevolutionär und daher nicht veröffentlicht wird: ein Roman über Pontius Pilatus und die Passionsgeschichte Christi.

Der Roman beginnt recht unterhaltsam und geistreich in Moskau und spinnt sich von da aus immer weiter. In der Mitte gab es für mich jedoch ein paar Längen von denen ich mir gewünscht hätte, sie würden kürzer ausfallen. Das Ende vereint gekonnt und wirklich fast meisterhaft alle drei Ebenen.

Neben diesen 3 trennbaren Welten gibt es noch jede Menge Anspielungen. Die offensichtlichste mag der adaptierte Fausmythos sein. Andere sind dort schon schwieriger zu finden bzw. zu verstehen, was aber auch daran liegen mag, dass ich bei weitem nicht gut genug mit der Geschichte Russlands und der Sowjetunion vertraut bin.

Insgesamt ein Roman, der fast danach schreit noch mal gelesen zu werden.

Daher eine klare Leseempfehlung für alle die es grotesk mögen, aber auch gerne über das Gelesene grübeln.