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Anspruchsvolles & Klassiker => Rezensionen => Thema gestartet von: Lannie am 25. Oktober 2007, 11:27:46

Titel: Madame Bovary - Gustave Flaubert
Beitrag von: Lannie am 25. Oktober 2007, 11:27:46
[isbn]3423123982[/isbn]   Verlag: dtv
ISBN: 3-423-12398-2
Seiten: 473
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 2006
Preis: € 12,00

Inhalt

Die reiche Bauerntochter Emma Rouault – schön, jung und von romantischer Sinnlichkeit – heiratet den biederen Landarzt Charles Bovary und geht mit ihm in ein armseliges Nest. Doch vor der Monotonie des Alltags und der dumpfen Betriebsamkeit ihres Mannes flieht sie in die Scheinwelt der Bücher und Tagträume, die bald zum Lebensersatz wird. Die erste reale Berührung mit der vermeintlich schöneren Welt bei einem festlichen Diner löst denn auch eine Nervenkrise aus. Damit beginnt eine Entwicklung, die Emma in amouröse Abenteuer und zum Ehebruch treibt und vom nur geträumten zum wirklichen Doppelleben führt: Unlösbar in Schuld und Schulden verstrickt, vergiftet sie sich.

Meine Meinung


Seit etwa zwei Jahren greife ich hin und wieder zu klassischer Literatur und so lag vor kurzem „Madame Bovary“ auf meinem Nachttisch. Leider war entweder nicht der richtige Zeitpunkt für das Buch oder aber, ich kann eher mit den Romantikern etwas anfangen als mit den Realisten. Denn nach etwa einem Drittel des Romans, hab ich ihn frustriert zur Seite gelegt.

Inhaltlich gefiel mir das Buch eigentlich recht gut und es interessierte mich sehr wie es zu dem Ende kommt, das der Klappentext verrät, aber leider konnte mich Flauberts Stil kaum fesseln.
Die Figuren bleiben recht blass und werden in meinen Augen recht stiefmütterlich behandelt. Dafür widmet sich der Autor ausgiebig den Detailbeschreibungen von Gegenständen, Landschaften, Einrichtungen etc., was mich auf Dauer unheimlich langweilte. Ich fühlte mich eingeengt, hatte das Gefühl, keinerlei Raum für meine eigene Phantasie zu haben und somit wurde das Lesen immer anstrengender.
Endgültig zum Aufgeben brachte mich die kaum vorhandene wörtliche Rede. Ich hatte zwar den Eindruck, dass sie im Laufe der Handlung zunahm, nur leider reichte mir das für den Lesefluss überhaupt nicht.

Vielleicht versuche ich mein Glück mit „Madame Bovary“ irgendwann erneut, aber wohl nicht in absehbarer Zeit…

Bewertung

Da ich das Buch nicht beendet habe, gibt es auch keine Bewertung.
Titel: Re: Madame Bovary - Gustave Flaubert
Beitrag von: Wuschl* am 30. Oktober 2007, 20:04:47
Hallo Lannie!


Die Figuren bleiben recht blass und werden in meinen Augen recht stiefmütterlich behandelt.

Jaaaaaaa, findest Du? Also, ich entsinne mich dunkel, an der Uni MINDESTENS ein Semester mit den einzelnen Figuren von Mme. Bouvary verbracht zu haben  :umfall: (braucht es noch weitere Erläuterungen, wie ungemein mir das Buch zugesagt hat?)
Wobei ich die reine Sprache von Flaubert an sich recht schön gefunden hab, wie das in einer Übersetzung ist weiß ich allerdings nicht.

LG, Wuschl
Titel: Re: Madame Bovary - Gustave Flaubert
Beitrag von: Lannie am 30. Oktober 2007, 22:55:30
Naja, ich hab das Buch auch nicht beendet, vielleicht hat sie ja im Laufe noch an Farbe zugelegt.  :->
Aber zum Charakterisieren und Zerpflücken gibt sie schon ein wenig her. dennoch fand ich sie farblos...

LG
Lannie
Titel: Re: Madame Bovary - Gustave Flaubert
Beitrag von: jaqui am 02. Januar 2019, 18:47:12
Ich habe mir das kostenlose ebook runter geladen und als erstes fiel mir auf, dass der Hauptdarsteller im Buch Karl heißt. Man kann es mit der Übersetzungswut auch ein wenig übertreiben, aber bitte.

Emma ist in meinen Augen ein naives Ding. Bei der Hochzeit mit Charles war sie nicht verliebt in ihn und war überzeugt, dass die überschwängliche Liebe aus ihren Romanen noch kommen wird. Aber dem war nicht so.
Ich finde Flaubert sehr fortschrittlich, wie er Emmas Zustand beschreibt als sie ein Mädchen bekommt. Er kann die Zwänge der Frauen sehr gut darstellen. Sie liegen quasi in Ketten, während Männer viel ungezwungener sind.

Auch die Beziehungen zu ihren Liebhabern hat Flaubert sehr gut beschrieben. Sie langweilt sich und sucht Abwechslung und die große Liebe, die sie aber nie finden soll.
Eigentlich ist Emma eine bedauernswerte Person, die mit sich und dem Leben nicht glücklich ist, obwohl sie so vieles hat worüber sie sich freuen könnte.

Das Ende kommt wie es kommen muss. Ich bin froh Madame Bovary endlich gelesen zu haben.