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#81
Rezensionen / Henrik Szántó: Treppe aus Papi...
Letzter Beitrag von Kathrin - 09. Juni 2026, 17:16:12
Inhalt:
Die Geschichte eines Hauses und der Menschen, die es bewohnen: von der NS-Zeit bis heute, von Leben, Verantwortung und Erinnerung

Das alte Haus erzählt. Denn seine Mauern, Dielen und Ritzen bewahren die Erinnerungen an alle Menschen, die es jemals bewohnt haben. Schon als Kind hat Irma Thon mit ihren nazitreuen Eltern im ersten Stock gelebt. Während die 90-Jährige zurückblickt und immer wieder an die kleine Ruth Sternheim von damals denken muss, erfreuen sie die Gespräche mit Nele Bittner aus dem Vierten. Die Schülerin lernt für eine Geschichtsklausur und beginnt zu verstehen, dass die Vergangenheit nicht vergangen ist, sondern nur wenige Stufen entfernt.

Meine Meinung:
Während des Lesens von ,,Treppe aus Papier" von Henrik Szántó habe ich schwer daran gezweifelt, ob ich eine halbwegs vernünftige Rezension zu diesem neuen Lebenslese-Highlight zustande bekommen würde. In den gerade einmal 224 Seiten der Geschichte steckt so viel drin, über das man nachdenken oder vielleicht auch mit anderen besprechen kann. Und das alles in einer herausragend guten Sprache, mit so viele Passagen und Sätzen, die man sich merken will.

Die Geschichte wird komplett aus der Sicht des Hauses erzählt, das Zeitzeuge ist und vielen Menschen in den letzten 100-120 Jahren ein Zuhause geboten hat.  Dadurch hat es viele große und kleine Tragödien seiner Bewohner miterlebt: Geburten, Liebeskummer, Tod, Existenzängste, Familien und Familienzwänge, aber eben auch die deutsche Geschichte, vor allem die schrecklichen Ereignisse während der NS- Zeit. Dies alles hat es in sich aufgezogen und wie könnte es anders sein: ich liebe dieses Haus, sein mitfühlendes aber in seiner Starre gefangenes Wesen. Ich liebe wie seine Gedanken durch die Zeiten wabern und Gegenwart und Vergangenheit miteinander verschmelzen. Ich liebe seinen Blick auf die Bewohner und dass es niemals wertet, sein Mitgefühl für Nele und seine zwispältigen Gefühle für Irma und ich liebe seine Wut darüber, dass es zu Starre verdammt ist und nicht mehr tun kann, als Zeitzeuge zu sein.

Mit den menschlichen Hauptfiguren Nele und Irma fiel mir das Warmwerden deutlich schwerer, was aber sicherlich so beabsichtigt war. Da wir Irmas Geschichte auch über Rückblicke erzählt bekommen wird auch ihr Charakter mit der Zeit immer greifbarer. Was sie erlebt hat, wie sie aufgewachsen ist, hat sie so sehr geprägt, sie in ihrer eigene Starre, ihr Schneckenhaus gepresst, dass sie so gut wie keine Nähe zulassen kann. Bei Nele ist das anders. Wir lernen sie als schwer pupertierende Jugendliche kennen, mit denen ich wirklich oft meine Probleme habe. Aber sie macht eine tolle Entwicklung durch und es bereitet Freude, ihr dabei zusehen zu dürfen.

Ich habe das Buch regelrecht aufgesogen, auch wenn es kein Buch für Zwischendurch und nebenbei ist. Gerade durch den durch die Zeiten wabernden Erzählstil des Hauses und die etwas anspruchsvollere Sprache des Autors, hatte ich das Gefühl, dass dieses Buch all meine Aufmerksamkeit erfordert hat.

Es ist dadurch sicherlich kein Buch für jeden Lesenden, und auch nicht für jede Zeit und Phase im Leben geeignet. Man sollte offen dafür sein, über den ersten Satz, der 3,5 Seiten lang ist, hinauskommen und sich darauf einlassen, dass es komplett aus der Sicht des Hauses erzählt wird. Trotzdem ist es eine klare Leseempfehlung von mir. Es ist wie jedes Buch über die Nazi-Herrschaft ein wichtiges Buch, ein Buch über das Erinnern, das Verdrängen, das Verschweigen - was nicht verschwiegen werden darf, was bewahrt und erzählt werden muss. Ein Buch gegen das Vergessen!

Note: 1  :Box1:  :Box1:  :Box1:  :Box1:  :Box1:
#82
Rezensionen / Aw: Katharina Köller - Wild wu...
Letzter Beitrag von Kathrin - 09. Juni 2026, 17:12:21
Und hier meine Meinung:
Nach einem so großen Highlight wie ,,Treppe aus Papier" war es schwer für mich, das nächste Buch zu wählen. ,,Wild wuchern" von Katharina Köller wurde mir hierfür von einer lieben Lesefreundin empfohlen, weil klar war, dass ich etwas komplett anderes brauchen würde, als die schwere Geschichte von Henrik Szántó. Und direkt auf der ersten Seite war klar, dass mir Katharina Köller hier eine komplett andere Geschichte und einen komplett anderen, aber nicht weniger faszinierenden Erzählstil bieten würde.

Das Buch lässt sich sehr schnell und rutschig lesen. Die Sprache ist eher rauh, herb und karg, wie die Berge und wie Johanna, eine unserer beiden Protagonistinnen, die seit Jahren wie eine Eremitin in den Tiroler Alpen auf einer einsamen Hütte lebt.

Ich fürchte, dass ich das Buch, die Erzählkunst der Autorin zum Zeitpunkt des Lebens nicht wirklich zu schätzen gewusst habe. Ich bin dem Buch und auch Johanna und Marie nicht wirklich nah gekommen, wobei letzteres von der Autorin sicherlich so beabsichtigt war. Vielleicht waren meine Erwartungen zu groß, vielleicht wäre ein spannungsgeladener Krimi besser geeignet gewesen als dieses Kammerspiel, wie es oft genannt wird. Es ist ein richtig guter Roman, aber zu einem Highlight hat mir ein wenig was gefehlt.

Note 2,  :Box1:  :Box1:  :Box1:  :Box1:  :Box_grau1:
#83
Rezensionen / Aw: Ewald Arenz - Ein Lied übe...
Letzter Beitrag von Kathrin - 09. Juni 2026, 17:08:46
Und hier meine Meinung:

,,Ein Lied über der Stadt" ist ein etwas älteres Werk von Ewald Arenz, einem meiner Lieblingsautoren. Erzählt wird die Geschichte von Luise, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts in einem kleinen Dorf in Franken bei ihrem alleinerziehenden Vater, ihrem Bruder und dessen Frau aufwächst. Sie träumt vom Fliegen, genau wie ihr guter Freund Georg, und als sich ihr nach dem Schulabschluss die Chance bietet, greift sie zu und geht nach München und beginnt eine Ausbildung zur Pilotin. Nach 10 Jahren in München kehrt sie 1936 in ihre fränkische Heimat zurück und muss miterleben, wie die Herrschaft der Nazis sich immer mehr auf ihr Leben, das ihrer Familie und Freunde auswirkt.

Grundsätzlich hat mir diese ältere Gschichte von Ewald Arenz vor allem in ihrer Basis richtig gut gefallen. Ich mag, dass wir hier zeitlich in den 30er Jahren und vor dem Ausbruch des Krieges bleiben, Judenhass und Judenverfolgung nicht zu sehr im Vordergrund stehen und wir vor allem mitbekommen, wie sich die Terrorherrschaft Hitlers und seines Gefolges auf die Allgemeinheit auswirkt.

Ich habe mich schnell bei Luise und ihrer Familie wohlgefühlt. Es hatte für mich den Anschein, als ob Ewald Arenz zumindest zu Beginn ein wenig von seiner eigenen Kindheit und Jugend als Sohn eines evangelischen Pastors eingebracht hat. Es gab Szenen, die hätten auch gut in den Kurzgeschichtenbänden von ihm und seinen Geschwistern vorkommen können. Allerdings hatte ich über die Dauer des Buches auch so meine Probleme mit Luise. Sie war mir nicht wirklich nah, erschien mir oft sehr egoistisch und die Liebesgeschichte ... naja, die musste wohl sein, vielleicht hätte das Buch nicht ohne funktioniert.

Alles in allem mochte ich das Buch, aber ich finde, dass man merkt, dass es eine früheres Werk des Autors ist. Ich erkenne ihn und seinen Erzählstil oft wieder, aber an der ein oder anderen Stelle hatte ich das Gefühl, dass es etwas holpert und noch nicht ganz ausgereift ist. Auch wenn ich den Anfang und die Atmosphäre in der Familie und im Dorf mochte, so finde ich dennoch, dass der Autor in der ersten Hälfte in viel Zeit ,,verdaddelt" hat und zum Schluss anscheinend alles recht schnell gehen und zu einem Ende kommen musste. Nicht alles, nicht jede Nebenfigur oder jede Szene hat für mich Sinn gemacht. Ich bin mir sicher, dass der heutige Ewald Arenz diese Geschichte an manchen Stellen anders erzählt hätte, manche Dinge oder Nebenfiguren vielleicht gekürzt hätte, dafür aber anderen Passagen oder der Entwicklung der Figuren ein größeres Gewicht gegeben hätte.

Alles in allem ein gutes Buch, das ich gerne weiterempfehle und mit einem Ende, das ich so nicht habe kommen sehen, das mich ehrlich gesagt ganz schön geschockt.

Note 3+,  :Box1:  :Box1:  :Box1:  :Box_halbgrau1:  :Box_grau1:
#84
SUB-Wettbewerb / Aw: Bücher-Bingo 2026 ... der ...
Letzter Beitrag von sisquinanamook - 09. Juni 2026, 14:15:03
Herzlichen Glückwunsch zum Bingo auch von mir!
#85
Bücher auf Wanderschaft / Aw: Taras Wanderbuch 2026
Letzter Beitrag von Tara - 09. Juni 2026, 12:21:50
Danke für deine Rezi!
#86
SUB-Wettbewerb / Aw: Bücher-Bingo 2026 ... der ...
Letzter Beitrag von Tara - 09. Juni 2026, 12:20:19
Herzlichen Glückwunsch zum Bingo!
#87
Kaffeekränzchen / Aw: Selbsthilfegruppe der Buch...
Letzter Beitrag von Inge78 - 09. Juni 2026, 11:09:37
Ja, mit Sandra Bullock und Maggie Smith

ZitatDie göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern ist ein Filmdrama von Callie Khouri, das 2002 in den Vereinigten Staaten produziert wurde. Es basiert auf dem Roman Divine Secrets of the Ya-Ya Sisterhood von Rebecca Wells aus dem Jahr 1996.
#88
Kaffeekränzchen / Aw: Selbsthilfegruppe der Buch...
Letzter Beitrag von SilkeS. - 09. Juni 2026, 09:54:15
Zitat von: Inge78 in 09. Juni 2026, 09:51:52Da kenne ich den Film, der ist echt nett
Oh dazu gibt es einen Film. Das wußte ich garnicht

#89
Kaffeekränzchen / Aw: Selbsthilfegruppe der Buch...
Letzter Beitrag von Inge78 - 09. Juni 2026, 09:51:52
Zitat-Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern/Rebecca Wells

Da kenne ich den Film, der ist echt nett

ZitatMissing Page/ Katie Kento

Das steht auf der "want to hear" Liste
#90
Kaffeekränzchen / Aw: Selbsthilfegruppe der Buch...
Letzter Beitrag von SilkeS. - 09. Juni 2026, 09:40:23
Noch ein paar Neuerwerbungen, die ich schon wieder vergessen hatte,  weil Rebuy in der Auslieferung immer sehr lange braucht:

-Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern/Rebecca Wells
ZitatVivi Abbott Walker weiß natürlich, wie man liebt. Doch das hat sie ihrer Tochter Siddalee nie verraten. Und jetzt ist es fast zu spät ... Eine hinreißende Geschichte von Müttern, Töchtern und den drei besten Freundinnen, die eine Frau im Leben haben kann. »Unwiderstehlich - Rebecca Wells bietet dem Leser unvergeßliche Charaktere und unglaubliche Geschichten und Anekdoten!«
Wird auf Discord im Zuge der Gilmore Girls Challenge gelesen. Eine Büchrfreundin schwärmt immer sehr davon.

-Missing Page/ Katie Kento
ZitatDie 17-jährige Toni reist nach Schottland, um am Workshop eines Bestsellerautors teilzunehmen. In dem abgelegenen Herrenhaus eröffnet der kauzige Schriftsteller den Teilnehmenden: Er will dem größten Nachwuchstalent sein Vermögen vermachen! Die Jugendlichen stürzen sich in die Textarbeit. Doch während ein Sturm sie von der Außenwelt isoliert, geschehen rätselhafte Dinge: Das Personal verhält sich seltsam, jemand geistert durch die Gänge, und es kommt zu einem Einbruch. Schlafwandlerin Toni wird nachts von Albträumen geplagt - und als der Schreibkurs eine blutige Wendung nimmt, beginnen die Grenzen zwischen Traum und Realität zu verschwimmen ...
Ist das Monatsbuch für den Buchclub Weinheim.Ich hatte es eh auf der Want to Read-Liste

Finstere Mächte Hand / Andrew Taylor
Finsterer Mächte Hand ist der 2. Band der Richard Thornhill und Jill Francis Reihe.
War ein Buch für's Reihenauffüllen um einen Band aus dem RUB zu befreien.
Mehr weiß ich grad auch nicht zum dem Inhalt.