Der silberne Bogen - David Gemmell

Begonnen von Lannie, 26. Februar 2010, 11:51:40

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Lannie

[isbn]3453531957[/isbn] Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-53195-6
Seiten: 640
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 07.2006
Preis: € 13,00

Dies sind die Abenteuer von Agamemnon, Hektor, Achilles und der schönen Helena, dies ist die Geschichte des Falls der Stadt Troja – wie Sie sie noch nie gelesen haben! Denn ,,Der silberne Bogen" ist keine gewöhnliche Nacherzählung des Homerschen Opus, sondern ein Epochen-Gemälde, das – ähnlich wie Wolfgang Petersens Film ,,Troja" – den Leser die Ereignisse hautnah miterleben lässt. Der englische Bestsellerautor David Gemmell hat die alte Sage in eine neue, atemberaubend moderne Form gegossen. Ein einzigartiger historischer Roman!

Meine Meinung

Seit meiner Kindheit übt Troja eine große Faszination auf mich aus, so dass es nur eine Frage der Zeit war, bis ich mich an die große Troja-Trilogie von David Gemmell wagen würde. ,,Der silberne Bogen" bildet den Auftakt, und auch wenn ich zu Beginn etwas irritiert war, war ich am Ende derart begeistert, dass ich zu gerne gleich die Fortsetzung gelesen hätte.

Sprachlich gefiel mir das Buch auf Anhieb. Gemmell ist nicht überbemüht, sprachlich ein antikes Flair aufkommen zu lassen, verzichtet aber auch auf moderne Umgangssprache. So liest sich der Roman äußerst angenehm und flüssig, Beschreibungen und Dialoge wirken natürlich und nicht   krampfhaft erzwungen und durch seine bildgewaltige Sprache erschafft er wie von selbst eine ungemein dichte Atmosphäre.

Erzählt in der dritten Person, hat sich der Autor ausreichend Raum verschafft, um seine Geschichte nicht allein aus einer Perspektive zu erzählen. So ist der Leser in einem Moment in Troja und im nächsten an einem ganz anderen Ort, begleitet die verschiedensten Figuren und bekommt dadurch einen großartigen Rundumblick auf die Ereignisse.

Mit dem Aufbau allerdings, tat ich mich zunächst unheimlich schwer. Gerade zu Beginn springt Gemmell von einer Figur zur nächsten und wechselt dabei auch noch die Zeiten, so dass ich keinen roten Faden erkennen konnte, an den ich mich hätte halten können. Hier die erzählten Ereignisse in eine chronologische Reihenfolge zu bringen, hat mich einiges an Anstrengung gekostet. Aber, das Dranbleiben hat sich gelohnt. Denn nach knapp hundert Seiten wird einem schlagartig bewusst, warum der Autor diese Erzählweise gewählt hat und der rote Faden liegt deutlich vor einem: Helikaon. Der Autor macht es dem Leser zwar nicht unbedingt leicht, aber er bereitet ihn sehr subtil und durchaus gekonnt auf die Hauptfigur Helikaon mit ihren Charaktereigenschaften vor, so dass man ein äußerst facettenreiches Bild von Helikaon erhält, seine Handlungsweisen nachvollziehen  und sich der Geschichte von einem Moment zum nächsten nicht mehr entziehen kann. Spätestens mit dem ersten Auftritt Odysseus' gab es für mich kein Entrinnen mehr.

Die Handlung baut sich rund um Helikaon auf und nicht, wie ich erwartet hätte, um eine der berühmten Helden des trojanischen Krieges, wie wir ihn von Homer kennen. Gemmell wählt einen anderen Weg, hält sich nicht krampfhaft an die Ilias und auch nicht an die griechische Mythologie. Beides dient ihm mehr als Richtschnur, anhand der er versucht, eine glaubwürdige, nachvollziehbare Version des trojanischen Krieges zu erzählen. Denn wer glaubt schon wirklich, dass die griechischen Götter vom Olymp gestiegen sind und sich unter das Volk gemischt haben? Die Götter haben in ,,Der silberne Bogen" keine vordergründige Rolle, die Helden sind keine Halbgötter und dort, wo es nötig ist, verändert Gemmell auch die homerischen ,,Fakten". Mich konnte diese Version absolut überzeugen, da sie in sich schlüssig, bildgewaltig und realistisch erzählt ist und dabei vor Spannung und Überraschungsmomenten nur so strotzt.

Wenn auch viele Szenen, vor allem die mit Odysseus, äußert humorvoll sind, geizt Gemmell nicht mit Grausamkeit und Brutalität. Realistische Darstellungen der Ereignisse sind ihm äußerst wichtig und tragen ungemein zu der dichten Atmosphäre bei, schonen den Leser aber nicht für einen Moment. Die Kampf- und Schlachtszenen sind derart anschaulich beschrieben, dass man meint, das Blut riechen, und den Kampfeslärm hören zu können. Sie sind blutig, kaltblütig und grausam und stellen für einen empfindlichen Magen wohl durchaus eine Herausforderung dar. Mir hat diese Anschaulichkeit gefallen, da sie mich ohne Weiteres in die antike Welt transportieren konnte und zur Glaubwürdigkeit des Romans beiträgt.

Aber nicht nur der Plot ist phantastisch ausgefeilt, sondern auch die Figuren. Im Laufe der Geschichte machen alle eine Wandlung durch, wachsen oder brechen an den Erfahrungen, die sie machen mussten, verändern sich. Von Seite zu Seite lernt man sie besser kennen, entdeckt neue Facetten und baut eine Beziehung zu ihnen auf. Für nahezu jedes Gesicht, egal ob Protagonist oder Randfigur, hält Gemmell eine Geschichte aus der Vergangenheit bereit, bietet dem Leser ein kleines psychologisches Profil an. Das macht alle Figuren unglaublich greifbar, menschlich und lebendig. Ihr Agieren ist immer nachvollziehbar und plausibel und selbst für schreckliche Taten kann man als Leser noch Verständnis aufbringen. Hier eine Linie zwischen Fiktion und Realität zu ziehen, fiel mir oftmals schwer, und ich musste mir in Erinnerung rufen, dass diese Charaktere nicht existiert haben.

Auch wenn ich zugeben muss, dass Helikaon eine wirklich gelungene und großartige Figur ist, galten meine tiefen, emotionalen Sympathien vor allem einer anderen. Einem Mykener, der zwischen die Fronten gerät. Seine Seele und sein Charakter, seine Glaubwürdigkeit und Lebendigkeit, haben mich unglaublich mitgerissen. Aber auch Charaktere wie Andromache, Kassandra und Odysseus dürfen nicht unerwähnt bleiben, ebenso wie zahlreiche Nebenfiguren, da Gemmell sie derart realistisch wiederbelebt hat, dass man ihm allzu gerne glauben möchte, dass es sie genau so gab.

Fazit


,,Der silberne Bogen" ist ein fulminanter, rundum gelungener Auftakt zu einer äußerst vielversprechenden Trilogie. David Gemmell hat ein wirklich großes Erzähltalent und die Antike konnte vor meinem geistigen Auge problemlos aufleben. Der Roman hat mich emotional sehr bewegt und nachhaltig beschäftigt. Wer einen Roman über Troja lesen möchte, kommt an dieser Trilogie nicht vorbei.

Meine Bewertung

[note2+]
Liebe Grüße
Lannie aka Cait

The Viewfinder

Kathrin

Und hier meine Meinung:

Der erste Band der Troja-Trilogie von David Gemmell ist eher zufällig in meine Hand geraten, vermutlich war der erste Grund die Dicke des Buches, auch wenn er dicker wirkt, als er mit seinen 640 tatsächlich ist. Als ich dann jedoch den Helena-Roman von Margaret George gelesen habe, habe ich mich erst einmal nicht mehr an das Thema herangetraut und ,,Der silberne Bogen" war für in Vergessenheit geraten. Als dann jedoch über meine Bücherforen im Internet auf einmal die Lobeshymnen zu diesem Roman und dieser Serie unüberhörbar wurden habe ich mich nun doch herangewagt und auch ich kann in den Lobgesang nur einstimmen.

Wirklich richtig verstanden habe ich eigentlich noch nicht, warum mir das Buch so gut gefallen hat. Zumal ich zunächst ein paar Anlaufschwierigkeiten hatte. Auch wenn der Autor aus Sicht eines unbeteiligten Beobachters in der dritten Person schreibt und erzählt, so wechselt er doch gerade zu Beginn oft die zentrale Figur eines Abschnitts oder Kapitels. Hier war ich leider etwas überfordert und hatte meine Schwierigkeiten, die Figuren sortiert zu bekommen. Über ein Personenregister hätte ich mich an dieser Stelle sehr gefreut, denn die verwendeten Namen sind für mich sehr ungewöhnlich, wo ich mich doch mit englischen, deutschen oder auch französischen Namen einfach viel wohler fühle als mit diesen Zungenbrechern. So peinlich das sein mag, aber Helikaon – die Hauptfigur des Romans– war für mich die ganzen 640 Seiten über Heliakon. Ich habe wirklich oft genug den Kopf über mich geschüttelt, wenn ich den Namen immer wieder falsch gelesen habe. Und nicht nur, dass ich Namen falsch gelesen habe, ich habe auch viele Figuren immer wieder durcheinander geschmissen und wusste nicht wo ich sie hinstecken sollte. Dies gilt vor allem für die Kämpfer und Krieger, weniger für die königliche trojanische Familie rund um Priamos oder die wichtigeren Figuren, die waren entweder von Anfang an klar und präsent für mich oder haben sich schnell dahin entwickeln. Ja, wirklich eine Aufstellung der Figuren und wo sie hingehören hätte mir gut gefallen und mir einiges erleichtert. Auch interessierte und faszinierte mich das Buch anfangs noch nicht wirklich, aber abbrechen konnte ich das Buch auch nicht.

Doch so groß die Schwierigkeiten mit Helikaons Namen für mich waren, so war er doch sofort sehr nah bei mir. Ich mochte ihn von Anfang an, er hat Charakter. Ich habe mit ihm gelitten, als er seinen besten Freund verlor und habe mich gefreut, wie er sich um seine Mitmenschen kümmert. Ich mag ihn sehr. Aber auch andere Figuren sind mir schnell ans Herz gewachsen, allen voran der alte Geschichtenerzähler Odysseus, mit dem ich das Buch zu lieben lernte. Oder auch die trojanischen Prinzessinnen oder Andromache. Sie alle haben ihren Hintergrund und eigenen Charakter und ich kann Cait/ Lannie nur darin zustimmen, auch ich bin dem Mykener verfallen, der der heimliche Held geworden ist. Allerdigns muss ich auch sagen, dass ich das Ende des Buches, was seine Figur betraf fast schon ein wenig kitschig fand, aber irgendwie auch schön kitschig, aber doch ein bissl arg.

Wirklich einfangen und bestimmen kann ich den Zauber des Buches nicht. Ich habe es sehr gern gelesen, aber es ist für mich kein Buch, das mit Pauken und Trompeten sich in mein Leserherz geboxt hat sondern mir eher unauffällig – von Seite zu Seite mehr – lieb geworden ist. Die Sprache gefällt mir, wobei sie für mich nichts übermäßig besonderes hat, ich finde das Buch weder zu grausam, noch zu ruhig in seiner Sprache. Dennoch es liest sich wunderbar leicht und flüssig, ohne dabei einfach oder simpel zu wirken. Da das Kopfkino funktioniert, muss die Sprache sehr bildhaft sein, auch wenn mir das beim Lesen nicht extrem aufgefallen ist. Fragen, die ich mir zwischenzeitlich gestellt habe, sind glücklicherweise alle beantwortet worden, bis auf die Frage wie es weitergehen wird. Ich weiß noch nicht wie ich an Band 3 rankommen soll ohne Unsummen dafür ausgeben zu müssen, aber das werde ich dann ja sehen, vielleicht muss es doch die englische Ausgabe sein. Immerhin liegt Band 2 jetzt schon daheim, nicht dass auch dieser Band nicht mehr über den normalen Buchhandel oder Internetplattformen zu normalen Preisen zu erwerben ist.

Bewertung:
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lg
kathrin
Rock the Night!