Der Himmel über Berkeley Park - Amy Forster

Begonnen von Wiebke, 18. November 2015, 18:39:17

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Wiebke

[isbn]3426514818[/isbn]

Klappentext:
Zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, begegnen sich auf dem englischen Landsitz Berkeley Park: das englische Dienstmädchen Ella, die durch einen Unfall ihr Gedächtnis verlor, und die deutsche Adlige Auguste, die mit ihren Eskapaden das ganze altehrwürdige Haus auf den Kopf stellt. Beide Frauen kämpfen in einer Zeit, in der Europa auf den Ersten Weltkrieg zusteuert, auf unterschiedliche Arten um ihr Glück. Doch eine Gemeinsamkeit wird die zwei für immer verbinden: Die Liebe zu Augustes Ehemann Rhys.

Meine Meinung:
Ich kenne "Downton Abbey" zwar nicht - irgendwie ist mir die Serie nie über den Weg gelaufen- aber dennoch hatte ich bei diesem Roman etwas recht schmonzettenhaftes erwartet, so wie ich mir diese Serie eben auch vorstelle. Liebe und Verrat in einem britischen Herrenhaus, Konflikte zwischen Dienerschaft und Herrschaft. 
Naja....irgendwie ist es das auch. Aber Kitsch habe ich nur in sofern gefunden, als dass so ein Setting an sich wohl einfach etwas kitschig anmutet. Oberflächlich betrachtet, ist es die Geschichte vielleicht auch. Aber Forsters Schreibstil ist es nicht. Sie schafft es, Berkeley Park und auch Berlin zu Anfang des 20.Jahrhunderts bildhaft aufleben zu lassen, ich konnte mich sehr schnell in eine schöne "Herrenhaus-Stimmung" einfühlen. 
Auch die Figuren sind schön zusammengestellt, es gibt die strenge, konservative Lady, den charmanten Erben, seinen nicht ganz so einschüchternden Bruder, unter den Bediensteten den netten, onkelhaften....öhm....Haustechniker, ich weiß seine Stellung grade nicht, die lausbübischen Lakaien und so weiter.
Ein schönes, rundes Bild, in dass sich die zurückhaltende Ella schön einfügt und die schnell sympathisch wird. Ihr Geturtel mit Rhys macht mir sofort eher Sorgen, er wirkt zwar dabei schon ernst und nicht - wie eben im Klischee- wie der sorglose Titelerbe, der das arme unschuldige Hausmädchen verführt, aber dennoch müsste Ella am Ende die schlimmeren Konsequenzen fürchten. 
Dann kommt die erste Wendung und die ist zwar eigentlich nicht originell, aber ich hatte mich schon gefragt, wie das nachher funktionieren solle zwischen den dreien, wenn Auguste mit ins Spiel kommt, und das hat Forster gut gelöst.

Und dann kommt Auguste. Zu nächst einfach nur herzerfrischend und mutig, so scheint sie wirklich gut zu Rhys zu passen und das Knistern zwischen den Beiden ist nachvollziehbar.  Auguste entwickelt sich aber rasant.....ihr Lebenshunger steigert sich in einem Maße, dass ich mich recht schnell gefragt habe, ob sie noch alle Tassen im Schrank hat oder Drogen nimmt.  So war sie für mich nach und nach nur noch furchteinflössend und die zunehmende Distanz zwischen ihr und Rhys für mich nachvollziehbar und auch Ellas ausgleichender Einfluss war nicht nur für Auguste da, sondern auch für die Beruhigung der Geschichte. Hätte ich nur von Auguste lesen müssen, wäre mir das wohl irgendwann zuviel gewesen.
Obwohl sich durchaus dramatische Dinge ereignen ist sicher kein actionreiches Buch, die Gsschichte hat irgendwie trotzdem und trotz der hysterischen Auguste einen ruhigen Rhytmus aber die Akteure und ihre Geschichte haben mich so mitgezogen, dass ich immer neugierig war, wie es wohl weitergeht.
Der Schluss war für mich dann aber irgendwie etwas kurz und einfach, aus den bis dahin aufgebauten Verwicklungen hätte man mehr machen können, finde ich. Dass ich es schade fand, dass das Buch hier schon endete, spricht aber wohl für das Buch!

Note:
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