Lyndsay Faye: Der Teufel von New York (Timothy Wilde 01)

Begonnen von Kathrin, 16. Juni 2019, 20:24:48

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Kathrin

Der Teufel von New York
Autorin: Lyndsay Faye
Verlag: dtv
ISBN: 3423216115
477 Seiten

,,Der Teufel von New York" von Lyndsay Faye ist der Auftakt zu einer historischen Krimi-Reihe um den Ermittler Tmothy Wilde und spielt im Jahr 1845 in New York. Timothy Wilde hat bei einem verheerenden Brand all sein Hab und Gut, seinen geliebten Job als Barkeeper wie auch durch Verbrennungen einen Teil seines Gesichts verloren und arbeitet nun dank der unerwünschten Hilfe seines Bruders Valentine als Polizist bei der jüngst gegründeten NYPD. Schon allein aufgrund der sehr gemischten Gefühle, die Timothy gegenüber seinem Bruder Valentine empfindet, findet Timothy zunächst so gar keinen Gefallen an seinem neuen Job. Doch in dem Moment, als er anlässlich des für ihn ersten Todesfalles das Handtuch schmeißen will, läuft ihm auf der Straße ein kleines Mädchen in die Arme, das mit einem blutdurchtränkten Nachthemd bekleidet und auf der Flucht zu sein scheint.  Als kurz darauf auf einem entlegenen Gelände weitere 19 vergrabene Kinderleichen gefunden werden, verbeißt sich Timothy in den Fall.

Leider bin ich mit meiner Meinung zu diesem Buch etwas zwigespalten. War der Prolog noch wirklich vielversprechend, folgten dann an die 80-90 Seiten, die zwar wichtig im Zusammenhang mit unserem Ermittler und seiner Familie und vermutlich auch für die komplette Krimi-Reihe sind, in meinen Augen aber für ein Buch mit rund 480 Seiten eindeutig zu lang und zu ausführlich geraten sind, zumal ich mich auf wirklich spannende Lesemomente gefreut und diese auch anhand des Klappentextes erwartet habe.

Und da sind wir vermutlich auch schon beim dem Hauptproblem, das ich mit diesem Buch hatte: meine Erwartungen. Ich hatte das Buch an die 3-4 Jahre auf meiner Wunschliste und tatsächlich vergessen, dass es ein historischer Krimi ist, auch wenn ich die Grundidee noch im Kopf hatte. Diese Grundidee und auch der Titel haben mich eindeutig mehr auf einen Thriller und viel Spannung hoffen lassen, doch diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt. Dass ich dabei auch bereits relativ früh den richtigen Riecher für die Lösung des Falles hatte, störte mich dabei weniger. Vielmehr hemmten mich am Weiterlesen die vielen kleinen Nebenschauplätze, vor allem die um die anstehenden Wahl und den Wahlkampf der Demokraten. Die Zeit – die Mitte des 19. Jahrhunderts – ist dabei wirklich gut eingefangen, mit den vielen Einwanderern vor allem aus Irland, der politischen Lage und den Ängsten der ,,Einheimischen", aber es nahm zu viel Platz in der Geschichte ein, wodurch der Fall seine Spannung und auch die Protagonisten ihr Potential einfach nicht entfalten konnten. 
In einigen Kleinigkeiten wirkte das Buch auf mich auch nicht wirklich rund, auch wenn am Ende alles stimmig ist und alle losen Fäden zu einem großen Ganzen zusammengefügt werden.

Ob ich die Reihe weiterlesen werde, weiß ich noch nicht. Ich habe sicherlich schon schlechtere aber eben auch schon deutlich bessere Auftaktromane zu einer neuen Buchreihe – egal welchen Genres – gelesen und allein schon die Tatsache, dass ich über das Weiterlesen nachdenke, ist eigentlich schon mal ein ganz gutes Zeichen. Vielleicht probiere ich Teil 2 ja doch noch, denn da scheint Timothys Bruder Valentine, für den ich eine kleine Schwäche entwickelt habe, noch mehr in den Fokus zu rücken. Wir werden sehen ... oder auch nicht.

[note3]
Rock the Night!

Bücherhexe

#1
Mich hatte das Buch damals auch nicht so vom Hocker gerissen, ich hatte etwas mehr Spannung erwartet. Ich habe die Nachfolgebände auch noch nicht gelesen.

Meine Rezi:

Inhalt:
New York, 1845. Frisch in der neu gegründeten Polizeitruppe dabei, läuft dem jungen Timothy Wilde auf der Straße ein kleines Mädchen in die Arme, verstört und in einem blutgetränkten Nachthemd. Sie will ihm nicht erzählen, was passiert ist und Timothy nimmt sie erst einmal mit zu sich.  Nach einer großen Explosion in der Stadt hat er selbst alles verloren und wohnt nun in der Pension einer verwitweten Bäckerin. 
Dann werden auf einem entlegenen Feld 19 vergrabene Kinderleichen gefunden. In der Stadt kursieren bald die wildesten Gerüchte und die Stimmung ist sowieso schon angeheizt durch immer mehr Einwanderer. Immer wieder gibt es Unruhen zwischen Protestanten und Katholiken.
Aber Timothy ist entschlossen, diesen Fall aufzuklären, da sich anscheinend niemand sonst für das Verbleiben von 19 Kindern interessiert. Und bald schon wird ein weiteres Kind tot aufgefunden.

Ich muss sagen, ich habe ziemlich lange für dieses Buch gebraucht. Gut, es sind rund 670 Seiten (Broschierte Ausgabe), aber die schaffe ich sonst auch schneller.
Zum einen fand ich das Buch aber besonders am Anfang ziemlich zäh, erst nach den ersten 100 Seiten kam etwas mehr Spannung auf. Und auch zwischendurch gab es wieder ein paar Längen. Hinzu kommt, dass ich den Schreibstil nicht wirklich flüssig fand. Ein bisschen anstrengend war für mich die Gaunersprache "Flash", auch wenn das Ganze dadurch wahrscheinlich authentischer werden sollte. Am Ende des Buches werden zwar die wichtigsten Begriffe erklärt, aber das ewige hin und her blättern hemmt natürlich noch zusätzlich den Lesefluss.

Die Charaktere sind sehr gut dargestellt ausgearbeitet, sie sind nicht nur gut oder nur böse, sondern vielschichtig. Timothy war mir gleich sympathisch und so manches Mal tat er mir auch leid zwischendurch. Auch Bird mochte ich und ebenso Mercy Underhill.

Auf jeden Fall merkt man dem Buch an, dass Lyndsay Faye sorgfältig recherchiert hat. Sie lässt das teilweise düstere New York des 19. Jahrhunderts lebendig werden und den Leser teilhaben an der gespannten Atmosphäre. Und auch Sozialkritik schwingt immer ein bisschen mit.

Als Thriller würde ich "Der Teufel von New York" aber nicht bezeichnen, allenfalls ist es ein historischer Krimi oder eben ein historischer Roman. Auf der Taschenbuchausgabe des dtv-Verlages steht auf dem Cover auch Roman, während auf der broschierten Ausgabe Thriller steht.
Letztendlich habe ich es zwar nicht bereut, das Buch bis zum Ende gelesen zu haben, aber ich glaube, die Fortsetzungen werden noch eine ganze Weile darauf warten müssen, von mir gelesen zu werden.

Fazit: Historisch zwar gut recherchiert, aber mit einigen Längen.

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Was ich rette geht zu Grund, was ich segne muss verderben.
Nur mein Gift macht dich gesund. Um zu leben musst du sterben.
(Musical: Tanz der Vampire)