Charlotte McConaghy: Wo die Wölfe sind

Begonnen von Kathrin, 09. Juni 2026, 17:27:51

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Kathrin

Inhalt:
Inti Flynn kommt nach Schottland, um bei der Wiederansiedlung von Wölfen in den Highlands zu helfen. Als Wissenschaftlerin weiß sie, dass die wilden Tiere die einzige Rettung für die zerstörte Landschaft sind. Als Frau hofft sie auf einen Neuanfang. Sie ist nicht mehr die, die sie einst war, hat sich von den Menschen zurückgezogen. Denn die Wolfsbiologin besitzt die seltene Fähigkeit, Gefühle von anderen Lebewesen körperlich nachzuempfinden. Doch die Gewalt, die Inti aus Alaska vertrieb, holt sie ein. Als ein Farmer tot aufgefunden wird und eine Hetzjagd auf ihre Tiere beginnt, muss sie sich ihren Ängsten stellen: Wird sie je wieder menschliche Nähe zulassen können - oder von der Wildnis verschlungen werden, die sie retten will?

Meine Meinung:
Charlotte McConaghy ist spätestens seit ihrem erfolgreichen literarischen Debutroman ,,Zugvögel" und den vielen begeisterten Stimmen aus meiner Buchbubble bei mir auf der Zu-Beobachtenliste gewesen. Ich habe aber immer ein wenig gezögert, weil es oft auch hieß, dass das Ende etwas übertrieben gut war. Als ich Ende 2024 ihren zweiten Roman ,,Wo die Wölfe sind" in einer Mängelexemplarkiste fand, musste ich aber nicht lange überlegen und habe es mitgenommen, spielt doch diese Geschichte in meinem Sehnsuchtsland Schottland.

Auch wenn es über ein Jahr gedauert hat, bis ich dann schließlich zu dem Buch gegriffen habe, so war ich doch auf Anhieb bei Inti, den Wölfen und in der Geschichte angekommen. Das Buch lässt sich schnell und flüssig lesen, ist sehr feinfühlig und eindringlich geschrieben. Die Autorin malt Bilder, erzeugt Spannung, so dass ich mich der Sogwirkung ihres Romans nicht entziehen konnte.

Grundsätzlich gefällt mir die Art und Weise, wie die Autorin ihre Figuren angelegt hat, gut, kraftvoll, charakterstark vielleicht sogar radikal was ihre Haltung angeht, allerdings empfinde ich sie schon als eher eindimensional. Man weiß schnell, woran man an jedem Einzelnen ist. Dies gilt ebenfalls für die Protagonistin Inti, die ich zwar grundsätzlich mag, ihr Verhalten (aus ihrer Sicht) sogar verstehen, aber oft nicht gutheißen kann, weil sie oft über das Ziel hinausschießt und manche Dinge damit eher schlimmer als besser macht.

In der zweiten Hälfte des Romans wurde es mir dann langsam aber sicher zu dramatisch. Da gab es Ereignisse, die ich als übertrieben und unrealistisch angesehen habe. Zudem spricht das Buch fast zu viele Themen an: klar Naturschutz, Klimawandel, Wiederansiedlung der Wölfe in Mittel- bzw. Nord-Europa und das hat mir auch gefallen. Aber es gab halt auch Themen wie Gewalt in der Ehe, die Vergangenheit von Inti und vor allem ihrer Schwester Aggie, ungeklärte Todesfälle. Das macht das Buch zwar sehr dicht, und verstärkt auch die Sogwirkung, weil einfach viel passiert, ist mir persönlich aber zu viel und lenkt zu oft von den Wölfen und dem Natur-/ Klimathema ab. Auch das Ende war mir etwas zu rosa-rot, wenn auch mit grauen Schlieren, weshalb ich gerade nicht weiß, ob ich ,,Zugvögel" zwingend lesen will, da ich gehört habe, dass bei ,,Zugvögel" das Ende mit noch weitaus mehr Zucker überzogen sein soll.

Alles in allem hatte ich mit ,,Wo die Wölfe sind" trotz der kleineren Kritikpunkte überaus spannende Lesestunden und kann das Buch grundsätzlich empfehlen. Das Schottland-Feeling hat man als Leser auf jeden Fall!

Note 1-2  :Box1:  :Box1:  :Box1:  :Box1:  :Box_halbgrau1:
Rock the Night!