Die schwarzen Wasser von San Marco - Richard Dübell

Begonnen von Kathrin, 20. Juni 2013, 13:50:49

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Kathrin

[isbn]3404264606[/isbn] Die Schwarzen Wasser von San Marco - Richard Dübell
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 3404264606
Seiten: 541
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 3,00 (ME)

Kurzbeschreibung:
Venedig 1478: Aus den trüben Wassern der Lagune wird vor den Augen des deutschen Händlers Peter Bernward die Leiche eines Kindes geborgen. Bald darauf kommen zwei weitere Kinder ums Leben - Gassenjungen, die als Zeugen gesucht wurden. Wussten sie zu viel? Bernward beschließt, den wenigen Hinweisen nachzugehen. Dabei dringt er tief in das Räderwerk der Macht vor, mit der Venedig seit 400 Jahren den Handel in Europa kontrolliert - und gerät in ein Netz aus Verbrechen und Intrigen, das die dunkle Seite der Stadt offenbart ...

meine Meinung:
,,Die schwarzen Wasser von San Marco" ist der dritte Fall von Peter Bernward in der historischen Krimireihe des Erfolgsautors Richard Dübell. Der Roman spielt im Venedig des 15. Jahrhunderts und Peter Bernward will den Fall um drei getötete Kinder bzw. Gassenjungen aufklären. Er stößt während seiner Ermittlungen auf Machenschaften, Intrigen und Verbrechen in der Lagunenstadt, die die dunkle Seite der Stadt offenbaren und mich als Leser oft fassungslos dastehen ließen.

Dieser dritte Fall hat mir deutlich besser gefallen, als Band 2 ,,Eine Messe für die Medici" und hat mich sowohl bezüglich des Falls an sich als auch bezüglich Peters und Janas persönliches Schicksal in einen Strudel der unterschiedlichsten Gefühle gezogen. Ich habe geheult wie ein Schlosshund, schallend gelacht, hatte Angst, mir war schlecht und ich war zutiefst geschockt (z.B. beim Katzenquälen-Wettspiel, bei dem ich das Buch fast abgebrochen hätte), aber ich hatte auch Momente oder Figuren, bei denen mir einfach das Herz aufging und ich butterweich wurde, weil sie so wunderbar waren. Fiuzetta ist eine dieser Figuren, die venezianische Prostituierte, die sich so wundervoll und lieb um ,,Gianna" (Jana) kümmert, als diese ihr Kind verliert. Vor allem finde ich es gut, dass Richard ihr so viel Freiraum gibt, dass wir Leser auch ihre Geschichte miterleben und mitfühlen dürfen. Auch Calendar finde ich von Anfang an faszinierend. Ich vermutete sehr schnell einen weichen Kern hinter seiner rauen Schale. Er hat tolle Eigenschaften und kümmert sich mit seinen eher eingeschränkten Mitteln gut um die Gassenjungen – und dass ohne es an die große Glocke zu hängen. Auch seine Vorgeschichte ist spannend. Ein Charakter den ich gern öfter in Büchern treffen würden, am liebsten zusammen mit Peter Bernward oder auch gerne in einem Calendar-Roman.

Der eigentliche Fall um das Thema Kindesmissbrauch und Kindesmisshandlung war sehr spannend, aber auch sehr aufwühlend und ging mitunter ganz schön an die Nieren. Vor allem viele kleine Schicksale von Randfiguren haben mich ganz schön mitgenommen. Und gerade im Rahmen dieses Falls und hinsichtlich dieses Themas sind mir die beiden Ermittler Calendar und vor allem Peter Berward extrem ans Herz gewachsen, da sie sich selbstlos für andere in Gefahr bringen, einfach nur weil sie versuchen zu helfen und Menschenleben zu retten. Solche Menschen bewundere ich sowieso.

Und dabei geht es gerade Peter aktuell gar nicht so gut. Nachdem er seine erste Frau im Kindbett verloren hat, verliert nun auch Jana ein ungeborenes Kind und lange Zeit mussten Peter und auch wir Leser um sie bangen. Gerade das zwischenmenschliche zwischen Peter und Jana hat mir sehr gut gefallen.  Ich kann Jana verstehen, dass sie sich auf das Kind freut, ich kann verstehen, dass sie ihm nicht gleich was gesagt hat, ich kann verstehen, dass sie seine Reaktion kränkt und verletzt und traurig macht. Aber ich kann auch seine Angst verstehen, schließlich hat er seine erste Frau bei der Geburt des vierten Kindes verloren und das hat ihn wohl komplett aus der Bahn geworfen und er hat Angst davor, das noch einmal erleben zu müssen. Aber ich finde es gerade gut, dass er da nicht perfekt reagiert, sondern einfach aus Angst wegläuft. Das ist menschlich, auch wenn ich mir natürlich für Jana auch eine andere, perfekte Reaktion von ihm gewünscht hätte. Mir gefällt es ausgesprochen gut, wie menschlich und gefühlvoll Peter von Richard dargestellt wird, denn oft sind Männer in hist. Romanen ja auch emotionslose Brocken. Hier nicht, Peter darf fühlen, trauern, Angst haben und ich fühle und trauere mit ihm und habe mit ihm zusammen Angst um Jana. Es sind beides Charaktere, die ich sehr in mein Herz geschlossen habe und ehrlich gesagt freue ich mich bezüglich des vierten Teils der Serie mehr auf Peter und Jana, als auf den Fall an sich. Und das ist letztlich auch genau der Grund, warum ich auch Krimiserien immer in der chronologischen Reihenfolge lesen will, weil mich die Entwicklung der ermittelnden Figuren extrem fasziniert und da ist es egal, ob es hist. Krimi oder ein Fall in der heutigen Zeit ist.

Auch in anderer Hinsicht hat mich Richard Dübell (wie auch einige andere Autoren hist. Romane) wieder überzeugt: ich will nach Venedig. Er beschreibt die Stadt dermaßen lebendig und farbenfroh – trotz all der Schlechtigkeit und Not , auch gerade in diesem Fall, dass ich wirklich sehr gerne auf Peter Bernwards Spuren wandeln würde. Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie die Stadt vor meinem inneren Auge wächst und wie lebendig (teilweise auch grausam und erschreckend) alles wirkt. Nichtsdestotrotz hätte ich ja gerne einen Stadtplan im Buch gehabt...aber sowas will ich ja grundsätzlich immer! Ein Stadtplan aus dem Internet nutzt mir da leider relativ wenig, entweder sie sind so groß, dass sie sich nicht gut ausdrucken lassen, oder aber so klein, dass man nichts erkennt. Eine Skizze im Buch, wo die wichtigsten Orte und Schauplätze des Romans spielen hätte mir ja schon gereicht.

So sehr mir die lebendige Beschreibung von Venedig auch gefallen hat, so ist hier doch auch einer meiner zwei Kritikpunkte zu finden. Denn mitunter waren die Beschreibungen der Stadt, der Landschaft so intensiv und so ausführlich, dass sie mich letztlich auch ein wenig im Lesefluss gebremst haben. Vielleicht war es auch von meiner Tagesform abhängig, aber mitunter hatte ich doch auch das Gefühl, dass das Weiterkommen in der Handlung und in der Lösung des Fall blockiert wurden. Das waren dann auch die Passagen, wo ich die tollen und lebendigen Dialoge des Autors etwas vermisst haben.

Aber diese beiden Kritikpünktchen haben mir nur wenig Lesefreude genommen. Ich konnte das Buch, den Fall und die Figuren genießen und freue mich auf ein Wiedersehen, zumindest mit Peter und Jana.

Bewertung:
[note1]
Rock the Night!