London Killing - Oliver Harris

Begonnen von uschi, 14. Januar 2012, 17:01:55

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

uschi

[isbn]3896674382[/isbn]

Detective Nick Belsey ist ganz unten angekommen. Sein ausschweifender Lebensstil und seine Exfrauen haben ihn an den Bettelstab gebracht. Keine Kohle, kein Zuhause, nur die Kleidung die er gerade am Leibe trägt. So erwacht er im taufrischen Gras von Hampstead Heath, verkatert und ohne Erinnerung seiner letzten Schandtaten. So nach und nach kommen allerdings einige Erinnerungsfetzen zurück, die sogar ihn als Hartgesottenen, das Schaudern lehren, es droht ihm ein Disziplinarverfahren!

Fieberhaft sucht er nach einem Ausweg, Flucht kommt ihm als erstes in den Sinn. Nur zu dumm, wenn man vollständig pleite ist, Geldbeschaffung scheint daher vorrangig zu sein.
Als daher die Vermisstenmeldung eines russischen Oligarchen auf seinen Schreibtisch landet, entwickelt er sofort einige Ideen und beschließt, sich selbst um diesen Fall zu kümmern. Als er das feudale Haus des Vermissten betritt, kann er dessen Reichtum förmlich riechen. Immer mehr kreisen seine Gedanken um einen Identitätstausch, was wäre wenn er die Identität des Vermissten (und natürlich auch sein Geld) annehmen würde?

Um an die ersehnten Geldmittel zu kommen, schreckt Nick Belsey vor nichts zurück und hofft nur, dass ihm so schnell keiner hinter die Schliche kommt. Er gräbt immer tiefer im Leben des Oligarchen. Erst als ein Mord passiert, beschleicht ihn die Erkenntnis, dass es wohl doch nicht so einfach werden wird.

London Killing ist ein Debütroman und soll wohl eine Serie werden. Der Autor hat einen flüssigen Schreibstil. Mit Nick Belsey hat er einen ungewöhnlichen Anti-Helden geschaffen. Er schafft den schmalen Grat zwischen Schelm und korrupten Polizist sehr gut. Zuerst ist man als Leser entsetzt, mit welcher Kaltschnäuzigkeit der Detective sich in Szene setzt. Aber lange kann man Nick einfach nicht böse sein, mit zunehmender Lesedauer hat er all meine Sympathien bekommen.

Der Autor hat sich auch einen interessanten Schauplatz ausgesucht, die Londoner City mit all den Reichen und Mächtigen dieser Erde. Wer denkt, es geht hier paradiesisch zu, wird schnell belehrt. Im Gegenteil es ist eine zynische und paranoide Welt, wo Korruption und Habgier herrschen. Wie halt auch in unserer Realität, Ereignisse aus der jüngeren Vergangenheit haben hier den Autor sicherlich inspiriert.

Die Story hat sicherlich hie und da einige Schwächen, aber damit konnte ich durchaus leben. Es gibt keine durchgehende Action, sondern die Geschichte hat auch ruhigere Passagen. Aber diese waren für mich überhaupt nicht langweilig, denn ich war immer sehr gespannt, welche neue Schandtaten, dieser unwiderstehliche Mistkerl so ausheckt. Ich würde mir daher auch eine Fortsetzung sofort wieder zulegen.

[note2]
Liebe Grüße
Uschi

Ein schönes Buch ist wie ein Schmetterling. Leicht liegt es in der Hand, entführt uns von einer Blüte zur nächsten und lässt den Himmel ahnen. (Lao-Tse)