Das Siegel der Liebe - Paul Löwinger

Begonnen von Kathrin, 02. Dezember 2015, 15:29:38

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Kathrin

[isbn]3596161592[/isbn]   Das Siegel der Liebe
Paul Löwinger
hist. Roman, Frankreich/ England/ Italien
16. Jahrhundert
   
Seiten: 605

Inhalt:
Wir schreiben das Jahr 1520 in Calais. Ungeduldig wartet Henri d'Ardans, Berater des französischen Königs, auf seine Frau Christiane. Sie soll geheime Pläne Leonardo da Vincis überbringen. Doch das Dokument wird geraubt und Christiane brutal ermordet. Die Suche nach den kaltblütigen Mördern führt Henri an den Hof Heinrichs des Achten ...

Meine Meinung:
DAS SIEGEL DER LIEBE von Paul Löwinger lag an die 10 Jahre ungelesen in meinem Regal und wäre dort wahrscheinlich noch verschimmelt, hätte ich mir nicht das Ziel gesetzt, allen meinen ungelesenen Büchern zumindest eine Chance von 100 Seiten zu geben. Dass ich das Buch letztendlich beendet habe grenzt im Nachhinein auch irgendwie an ein Wunder, denn genau wie Löwingers DAS LIED DES TROUBADOUR –welches ich nicht beendet habe – hatte ich auch mit DAS SIEGEL DER LIEBE von Anfang an meine Schwierigkeiten – und zwar sowohl mit der Geschichte als auch mit dem Stil des Autors.

Dabei ist der Einstieg in die Geschichte gut gewählt, denn wir befinden uns bei einem großen Fest des französischen Königs Francois I, bei dem wir eine große Zahl an historischen und fiktiven –für das Buch wichtigen - Figuren treffen. So begegnen wir neben der fiktiven Hauptfiguren Henri d'Ardans auch den verschiedenen Mitgliedern des französischen Königshof, wie auch Henry VIII und den Schwestern Anne und Mary Boleyn. Allerdings kommen wir hiermit auch schon zu zwei Kritikpunkten meinerseits. Zum einen ist mir die Anzahl an handelnden Personen in dem Buch zu groß. Wenn es schon so viele Figuren sein müssen, dann hätte da zumindest ein Personenregister mitgeliefert werden müssen, um alle Figuren im Laufe der Geschichte richtig zuordnen zu können. Zum anderen fand ich sowohl den englischen König als auch die Boleyn-Schwestern für die eigentliche Geschichte vollkommen überflüssig, auch wenn mir Anne Boleyn mit die liebste Figur des Romans war. Nichtsdestotrotz hatte ich das Gefühl, als ob der Autor den berühmt-berüchtigten englischen König nur deshalb in seine Geschichte aufgenommen hat, um neue Leser zu ködern und somit seine Leserschaft zu vergrößern.

Den geschichtlichen Hintergrund an sich ist interessant, denn ich kenne mich zwar relativ gut in der englischen Geschichte unter Henry VIII aus, aber von der Situation im übrigen Europa wusste ich nicht viel. Gerade in Sachen Italienkriege und dem Machtkampf zwischen den Habsburgern unter Kaiser Karl V und dem französischen Herrscherhaus Valois, war das Buch schon auch Geschichtsunterricht für mich.

Auch der Grundgedanke des fiktiven Teils des Buches – die geheimnisvollen Skizzen von Leonardo Da Vinci welche eng mit der Suche Henri d'Ardans nach den Mördern seiner Frau verwoben sind – hat mir ganz gut gefallen, auch wenn mir hier einiges zu sehr an den Haaren herbeigezogen war – wie z.B. die Rolle Christiane d'Ardans bei der Schlacht von Marignano. Auch die Auflösung um die geheimnisvollen Dokumente Leonardo da Vincis ist nicht wirklich gut auserzählt und unbefriedigend. Hinzu kommt, dass mir von Anfang an klar war, wer der eigentliche  Schurke der Geschichte und Drahtzieher bei der Ermordung von Henris Frau war.

Mein Hauptkritikpunkt zu dem Buch ist jedoch der extrem ausschweifende Erzählstil des Autors, der mir persönlich zu anstrengend war. Ständig hatte ich das Gefühl hellwach sein zu müssen, um Figuren richtig zuordnen, ihren Disputen über Religion und Glauben noch folgen zu können...und habe schließlich irgendwann aufgegeben und nur noch quer gelesen, zumindest dann, wenn ich wieder einmal eine Seite lang der Speisenfolge ,,lauschen" musste oder die immer gleichen Gefühle und Beschreibungen zu oft direkt hintereinander in immer anderen Worten wiederholt wurden. Die Trauer und Verzweiflung von Henri d'Ardans über den Verlust seiner Frau kam dadurch zwar gut rüber, aber vieles war einfach unnötig. Auch inhaltlich fand ich einige Begebenheiten auf den Gesamtkontext des Buches hin gesehen vollkommen überflüssig. Der Bauernaufstand  in Elsaß-Lothringen war zwar geschichtlich gesehen interessant, aber auch nicht der erste seiner Art und genau wie die extrem schwülstige und kitschige Liebesgeschichte von Etienne für die Aufklärung des Falles komplett überflüssig, nervig und langatmig.

Letztlich habe ich das Buch wohl nur beendet, um meinen Anfangsverdacht hinsichtlich Christianes Mörder bestätigt zu bekommen. Aber da hätte ich auch einfach nur die letzte Seite lesen müssen und mir insgesamt an die 600 langatmige Seiten sparen können.

Bewertung:
[note4+]
Rock the Night!