Jonathan Safran Foer - Alles ist erleuchtet

Begonnen von Inge78, 06. März 2023, 11:12:36

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Inge78

ZitatEin junger Amerikaner kommt in die Ukraine. Er heißt zufällig Jonathan Safran Foer. Im Gepäck hat er das vergilbte Foto einer Frau namens Augustine. Sie soll gegen Ende des 2. Weltkrieges seinen Großvater vor den Nazis gerettet haben. Jonathan will Augustine finden und Trachimbrod, den Ort, aus dem seine Familie stammt. Sein Reiseführer ist ein alter Ukrainer mit einem noch älteren klapprigen Auto, sein Dolmetscher dessen Enkel Alex, ein unglaubliches Großmaul und ein Genie im Verballhornen von Sprache. Mit von der Partie ist noch Sammy Davis jr. jr., eine neurotische Promenadenmischung mit einer Leidenschaft für Jonathan, der Angst vor Hunden hat. Die Reise führt durch eine verwüstete Gegend und in eine Zeit des Grauens.

Alex berichtet in seiner unnachahmlichen Sprache von den Abenteuern und irrsinnigen Missverständnissen während dieser Fahrt, Jonathan erzählt die phantastische Geschichte Trachimbrods bis zum furchtbaren Ende, und der alte Ukrainer begegnet den Gespenstern seiner Vergangenheit. Alex und Jonathan aber sind zum Schluss der Reise Freunde geworden.


"... und weil hurmorvoll die einzige wahrheitliche Art ist, eine traurige Geschichte zu erzählen."

Jonathan Safran Foer reist in die Ukraine um die Frau zu finden, die seinem Großvater das Leben gerettet hat. Sein Reiseführer und der Übersetzter erzählen über diesen Besuch ihre ganz eigene Geschichte.

Das Buch wird auf zwei Zeitebenen erzählt, von vermeintlich verschiedenen Erzählern. Dolmetscher Alex erzählt in verwirrendem und teilweise wirklich witzigem Deutsch (in der deutschen Ausgabe) die Geschichte des "Helden", also eben Jonathan Safran Foers Reise in der Ukraine. Und Jonathan Safran Foer erzählt im zweiten Erzählstrang die Geschichte der Dorfes Trachimbrod und dessen Bewohnern.
Der Gegenwartsteil ist voller Situationskomik und sehr skurril. Der Vergangenheitsteil steht dem aber in nichts nach. Über so verquere Charaktere habe ich lange nicht mehr gelesen. Und ich glaube, nicht jeder Sprachwitz, nicht jede Anspielung auf jüdisches Leben ist bei mir angekommen und ich konnte auch nicht über alles lachen. Oft habe ich auch nur den Kopf geschüttelt. Durch die verschiedenen Erzählstränge, durch die verschiedenen Erzählstimmen ist das Buch sehr fordernd. Und man muss dran bleiben um der Geschichte folgen zu können. Viele Personen, viele Geschichten hängen zusammen. Und manches, was lustig erzählt wird, lustig beginnt, endet mit einem Kloß im Hals. Denn die Geschichte ist hart, ein großer Teil erzählt die Geschehnissen rund um den 2.Weltkrieg.
Jonathan Safran Foer hat einen sehr ungewöhnlichen Weg gewählt, diese Geschichte zu erzählen. Und konnte mich auf diesem Weg nicht immer mitnehmen. Ich habe viel gelernt über das Leben in einem jüdischen Schtetl, ich habe einen neuen geschichtlichen Aspekt kennengelernt. Und ja, ich fühlte mich über weite Strecken des Buches auch unterhalten. Aber ich hatte auch viel Verwirrung, wie unser lieber Alex es ausdrücken würde

Eine sehr spezielle Lektüre, auf die man sich einlassen muss und die sich nicht so einfach weglesen lässt

[note 3+]
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf