Dolores Redondo - Alles was ich dir geben will

Begonnen von Inge78, 31. Januar 2022, 20:09:17

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Kathrin

#15
Und hier meine Meinung:

,,Alles was ich Dir geben will" von Dolores Redondo ist ein Roman mit Spannungsaspekten, von dem ich was anderes erwartet habe, als ich bekommen habe. Glücklicherweise hat mir das, was ich bekommen habe, richtig gut gefallen, auch wenn das Buch kein glasklares Highlight für mich war.

Hauptfigur ist der Schriftsteller Manuel Ortigosa, der eines Abends, als er an seinem neuen Roman arbeitet, Besuch von der Polizei erhält, die ihm mitteilt, dass sein Mann Alvaro einen tödlichen Autounfall in Galicien hatte. Er steht unter Schock und ist verwirrt, weil er Alvaro zwar auf Dienstreise, aber nicht in Galicien, wähnte. Sofort reist er zum Unglücksort und lernt dort Alvaros Familie kennen, die Alvaro vor ihm geheim gehalten hat. Nach und nach erfährt Manuel Dinge von seinem Mann, von denen er nichts wusste und beginnt mit. Der eigenwillige Polizist Nogueira und auch Alvaros Jugendfreund und Beichtvater Lucas zweifeln an den tragischen Tod durch einen Unfall und als die drei sich tiefer in den Fall graben, stoßen sie auf ein dunkles Geheimnis in Alvaros Familie.

Der Roman von Dolores Redondo hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich nicht das Highlight bekommen habe, das ich heimlich erwartet habe. In einer Hinsicht war mir die Entwicklung eines Charakters (Café ... diejenigen wissen, von wem ich rede) nicht wirklich rund. Da hätte  ich irgendwie gerne mit jemandem drüber diskutiert. Aber die Geschichte war sprachlich gut, aber fast ein wenig zu ruhig erzählt, was wohl der Hauptgrund für den Punktabzug war. Ich habe schon gehört, dass die Autorin fast als weiblicher Joel Dicker gilt, allerdings fand ich die Geschichte weniger spannend und atemberaubend und auch weniger verzwickt ... was aber kein Nachteil sein soll. Denn was die Autorin deutlich besser kann, ist Atmosphäre schaffen und Emotionen bei mir als Leserin hervorrufen. Sie hat die Landschaft, die Weinberge Galiciens vor meinem inneren Auge aufblühen lassen und mir unglaubliche Lust auf die Gegend gemacht. Und mit Manuel hat sie einen Protagonisten erschaffen, an dem ich sehr nah dran war.

Manuel hatte ganz klar seine Fehler und im Leben nicht alles richtig gemacht, aber wer hat das schon? Allerdings kann ich mich nur an ganz wenige Romanfiguren erinnern, mit denen ich so sehr mitgelitten habe. Ich konnte sein Nicht-Wahrhaben-Wollen, das Nicht-Weinen-Können so gut nachempfinden. Aber genauso gut kann ich verstehen, dass er sich von Alvaro betrogen und hintergangen fühlte, als er von dessen Doppelleben erfährt. Allerdings finde ich auch, dass Manuel eine ziemliche Entwicklung in diesem Buch macht und ihn dieser schwere Verlust in seiner Persönlichkeit hat wachsen lassen. Und auch wenn die Autorin zwar emotional schreibt, aber nicht auf die Tränendrüse drückt, so hätte ich doch um Alvaro weinen können. Er konnte mein Herz erobern, obwohl wir ihn nur in der Retrospektive kennenlernen durften.

Es war ein tolles Buch, das definitiv hängen geblieben ist, aber leichte Schwächen hatte. Trotzdem eine Leseempfehlung, die Mischungen aus Spannung, Familiengeschichte und Familiengeheimnis mögen.

Bewertung:
2
Rock the Night!