Die Wächter der Teufelsbibel - Richard Dübell

Begonnen von Kathrin, 05. April 2009, 11:43:34

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Kathrin

[isbn]3431037585[/isbn]  Verlag: Ehrenwirth
ISBN: 978-3-431-03758-6
Seiten: 446
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19,95
ET: 09.2008


Kurzbeschreibung
Nach dem Tod Kaiser Rudolphs II. dringen Plünderer in die Prager Burg ein und stehlen das gefährlichste Buch seiner Zeit - die Teufelsbibel. Wenig später geschehen im Namen des Satans unheimliche Dinge im Land, und die düsteren Legenden um eine alte Burg in den mährischen Hügeln erwachen zum Leben. Menschen begehen barbarische Verbrechen und berichten, dass sie den Teufel lachen und tanzen gesehen haben...

Gibt es einen Zusammenhang zwischen all den Grausamkeiten und dem Verschwinden der Handschrift? Die beiden Freunde Cyprian Khlesl und Andrej von Langenfels riskieren ihr Leben im Kampf gegen skrupellose Fürsten und Kleriker. Und es steht noch mehr auf dem Spiel: Denn das Böse bedroht auch das, was ihnen am meisten bedeutet - ihre eigenen Kinder.

Meine Meinung:
Nachdem ,,mein letzter Dübell-Roman" (Die Braut des Florentiners), für mich ein absolutes Geschenk war, habe ich mit viel Spannung und auch großen Erwartungen auf die Veröffentlichung des zweiten Teufelsbibel-Romans gewartet. Von der Gestaltung des Layouts passt ,,Die Wächter der Teufelsbibel" wunderbar zu Band 1, allerdings können mich die Teufelsbibel-Romane nicht ganz so überzeugen wie ,,Die Tochter des Bischofs" oder das eben erwähnte Buch ,,Die Braut des Florentiners".

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir diesmal etwas schwer, vielleicht war der Wechsel von der zuvor erlebten, sehr dichten Fantasy-Welt ein wenig zu extrem, oder aber ich war nicht konzentiert und wach genug für das Buch, denn mit den vielen Handlungssträngen und verschiedenen Figuren, die in den ersten Kapiteln eingeführt worden sind, war ich erst mal ein wenig überfordert. Das vorangestellte Personenregister hat mir hier jedoch schon helfen können war und auch gut vorweg gelesen werden kann, ohne zu viel zu verraten. Im Gegenteil, Beschreibungen wie ,,Sie hat den Teufel im Gesicht – und im Herzen"  klingen extrem vielversprechend und spannend und machen neugierig auf die Geschichte und die Figuren, die wieder wunderbar vielschichtig und faszinierend sind, egal, ob sie nun zu den ,,Guten" oder zu den ,,Bösen" gehören.

Mein Hauptkritikpunkt bei diesem Roman ist eigentlich, dass mir zu viele Sex-Szenen darin vorkommen. Wer mich kennt, weiß, dass jeder hist. Roman, der ohne allzu detaillierte Szenen dieser Art auskommt, egal ob nun Liebesszenen oder Vergewaltigungen, bei mir einen Pluspunkt hat. Im Gegenzug dazu behalten Romane mit zu vielen Sexszenen einfach einen negativen Beigeschmack für mich. Und dabei mochte ich die eher leisen, angedeuteten Töne des Autors in seinen anderen Romanen doch gerade so sehr. Auch wenn hier nicht alles bis ins kleinste Detail erzählt wird, so ist es mir einfach zu viel: Heinrich und seine Gespielin mit ihren perversen Spielchen, die Beinahevergewaltigung von Agnes, Träume, die fast jeder Mann in diesem Roman von Polyxena hat, Alexandra will sich ihrem Schwarm auch ständig hingeben...nein, irgendwann war es für mich dann auch mal gut. Umso lieber war es mir dann, dass es aber nach brutalen, gewaltvollen Szenen dann auch mal wieder schöne und/ oder lustige Szenen gab. Ich zumindest hätte arge Probleme mit dem Buch gehabt, wenn ich nicht zwischenzeitlich auch mal was zum lachen gehabt hätte. Da ist jede Szene, vor allem mit Wenzel, wirklich ein wunderbarer Gegenpol! Gerade Wenzel mit seiner putzigen, manchmal schon etwas unbeholfenen Art war für mich immer ein Garant für gute Laune und so ist er sehr sehr schnell zu meinem persönlichen Liebling in dem Buch geworden. Gerade die lustigen Szenen, die alle irgendwie in einem Zusammenhang mit Wenzel zu stehen scheinen waren großes, großes Kino, da hätte ich als Leser echt nichts gegen eine Verfilmung. Schön fand ich ebenfalls, wie die geschichtlichen Umstände, z.B. der zweite Prager Fenstersturz in die Geschichte um die Teufelsbibel hineingewebt worden ist.

Egal jedoch, ob eine Szene nun gewaltvoll, schockierend, lustig, traurig, schön oder romantisch war, eins hatten sie alle gemeinsam: sie waren unendlich lebendig und voller Atmosphäre. Man hat sich mit den Figuren geekelt, war mit ihnen geschockt, konnte Stecknadeln fallen hören und zumindest ich hätte am liebsten mit Alexandra bei dem Kuss mit Wenzel getauscht. Und immer wieder fällt auf, wie wichtig Richard Dübell jede einzelne Figur seiner Romane ist und ist die jeweilige Rolle auch noch so klein. Sie alle haben ihre eigene Persönlichkeit, egal ob es nun das kleine Mädchen auf der Straße ist, das Wenzel hilft, die Küchenmagd, die auf ihren Verehrer wartet, der Leibdiener von Kardinal Khlesl oder die guten Frau von Augustyn, für alle hat man als Leser ein Herz und hofft, dass sie es in ihrem weiteren Leben gut treffen werden.

Dies gilt natürlich auch für die sympathischen Hauptfiguren, die bereits bekannten Figuren Agnes, Andrej, Cyprian und Kardinal Khlesl aber vor allem auch für die nächste Generation, Alexandra und Wenzel. Von Anfang an ist klar, dass diese beiden wieder sehr lebendig gestaltet sind und man auf viele amüsante Szenen hoffen darf mit der sehr impulsiven Alexandra, bei der Wenzel sich wohl erst noch freischwimmen und selbstbewusster werden muss. Aber auch die bösen Widersacher der von Langenfels' und der Khlesls sind wieder sehr gut dargestellt, ein perverses, fieses, intrigantes Gespann, wirklich vollkommen  unsympathisch, aber dennoch faszinierend und spannend. Da wusste ich teilweise echt lange nicht, was ich nun von ihnen halten soll, da zumindest Heinrich von Wallenstein zwei Gesichter zu haben scheint bzw. sich ggf. auch einfach gut verstellen kann. Beide machen mir wirklich Angst und ich möchte ihnen nicht im Weg sein.

Hier hat mir vor allem das furiose Finale des Buches gefallen, das an Spannung kaum zu übertreffen war. Wie oft musste ich um die Protagonisten bangen, das war ein wahres Wechselbad der Gefühle, so oft dachte ich, dass alles aus ist! Dass dann letztlich doch noch die Guten letzten Endes über die Bösen siegen, dürfte eigentlich niemanden verwundern. Dennoch ist die Geschichte um die Teufelsbibel noch nicht fertig erzählt und auch den dritten und wohl letzten Teil der Teufelsbibel-Trilogie werde ich mich wieder kaufen, schon allein, weil ich unbedingt wissen will, wie es mit Alexandra und Wenzel weitergeht, deren letzte Szene in diesem Buch wieder wunderbar war, ohne dass der Leser das totale Happy End zwischen den beiden präsentiert bekommt.

Bewertung:
[note2] (wird ggf. noch mal korrigiert, ich kann grad nicht auf meine Excel-Liste zurückgreifen)

lg
kathrin
Rock the Night!