Der König der purpurnen Stadt - Rebecca Gable

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Offline Kathrin

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Der König der purpurnen Stadt - Rebecca Gable
« am: 26. März 2007, 14:13:56 »
   Verlag: Ehrenwirth
ISBN: 343103439X
Seiten: 960
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 24,90

[isbn]343103439X[/isbn]

Inhaltsangabe:
London 1330: Der achtzehnjährige Jonah hat kein leichtes Leben als Lehrjunge im Haushalt seines trunksüchtigen Cousins, des Tuchhändlers Rupert Hillock. Einzig seine Großmutter Cecilia schenkt ihrem verwaisten Enkel ein wenig von der Zuneigung, die der verschlossene Junge braucht. Doch eine Begegnung mit dem jungen König Edward und Königin Philippa lenkt Jonahs Schicksal in neue Bahnen. Als jüngstes Mitglied ihrer Geschichte findet er Aufnahme in der elitären Londoner Tuchhändlergilde, und gemeinsam mit Königin Philippa revolutioniert er die englische Tuchproduktion. Aber je größer sein Erfolg, desto heimtückischer werden die Intrigen seiner Neider und Widersacher, allen voran seines Cousins Rupert, und Jonahs Schwäche für Frauen - vor allem für die Königin - macht ihn verwundbar. Als der Hundertjährige Krieg ausbricht, gelangt Jonah als Bankier der Krone dennoch zu Reichtum und politischem Einfluss. Doch der alte Adel betrachtet die neue Macht der Kaufleute mit Missgunst, und der ungestüme König Edward führt die Seinen nicht nur in finanzielle Wagnisse...

Meine Meinung:
Das Buch „Der König der purpurnen Stadt“ von Rebecca Gablé erzählt die Geschichte von Jonah Durham, einem Londoner Tuchhändler und seinen Aufstieg und Werdegang in der Welt der Kaufleute und des Hochadels. Jonahs Geschichte wird von der Autorin wunderbar mit den historischen Ereignissen der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts verknüpft. Das ist „Geschichtsunterricht“ wie man ihn sich als Schüler gewünscht hätte!

Wo Rebecca Gablé drauf steht ist auch 100% Rebecca Gablé drin und wer von einem ihrer historischen Romane begeistert war, wird auch die anderen historischen Schmöker von ihr lieben. Äußerst gut und intensiv recherchierte historische Fakten vermischt sie mit dem Leben ihre Figuren und malt somit ein äußerst lebendiges und intensives Bild des 14. Jahrhunderts.

Gablés Figuren sind äußerst vielfältig und interessant. Es gibt kein eindeutiges Schwarz-Weiß-Muster, die „Guten“ sind nicht durchweg „gut“, die „Bösen“ sind nicht durchweg „böse“, sondern interessant, spannend und faszinierend, weil sie einfach clever und intelligent agieren, so dass man sie auch für diese Cleverness bewundern kann. Teilweise kann man ihre Handlungsweise sogar nachvollziehen, auch wenn man als Leser natürlich zu Jonah und seiner Familie hält und seine Gegenspieler schon fast hassen kann. Jonah selbst ist ein alter Muffelkopf, wortkarg, grummelig, hat seine Ecken und Kanten und geht wie seine Gegenspieler auch über Leichen, wenn auch nicht über ALLE Leichen, wie es vielleicht ein William de la Pole oder Rupert Hillock machen würde. Aber auch er ist mitunter sehr skrupellos und es gibt doch die ein oder andere Situation, wo man ihn mal kräftig durchschütteln oder in den Allerwertesten treten möchte. Jonah ist einem teilweise richtig unsympathisch und so wachsen  einem einige Nebenfiguren, wie sein bester Freund Crispin, Annot oder Francis „der Fuchs“ Willcox umso mehr ans Herz. Auch das ist ein großer Pluspunkt von Rebecca Gablés Geschichten. Sie versteift sich nicht auf eine Figur, sondern lässt uns Leser auch am Schicksal einiger wichtiger Nebenfiguren teilhaben.

Auch die kleinen Nebenfiguren, wie der Junge, der Jonah hilft, einen Flamen aus der Tonne (einem Londoner Gefängnis) zu holen, wirken nicht deplaziert oder lediglich für diese Szene aus der Luft gegriffen in die Geschichte geholt. Man hat viel eher den Eindruck, dass der Kleine bei der Autorin an die Tür geklopft hat und ihr gesagt hat, er könne ihr und Jonah helfen und sie solle ihn gefälligst in die Geschichte schreiben.

Mit witzigen, pfiffigen Dialogen, die Gablés Figuren miteinander führen dürfen, spannenden Intrigen und leicht verständlich gemachten historischen Fakten schafft es Rebecca Gablé den Leser direkt in das London des 14. Jahrhunderts zu ziehen. Man ist als Leser hautnah dabei, leidet und freut sich mit den Charakteren und kann z.B. auch den Gestank im Schlachterviertel oder bei den Gerbern regelrecht riechen.

Vielleicht hat Jonah manchmal ein wenig zu viel Glück und zu viel Hilfe und stürzt nie richtig lange richtig tief, aber nur dem Tüchtigen winkt das Glück! Vielleicht hätte Rebecca Gablé Jonahs Tiefpunkte auch etwas länger und ausführlicher gestalten können, aber kann man von einem 960-Seiten langen Buch wirklich behaupten, dass es zu kurz ist???

Sehr gut wie immer bei den Hardcovern der Gablé-Bücher haben mir die Extras gefallen, der Stadtplan von London, das lange Nachwort der Autorin zu ihren Recherchen und historischen Fakten sowie das Personenregister am Anfang des Buches, das aber so geschickt aufgebaut ist, dass es nicht zu viel verrät und man problemlos beim Lesen darin blättern kann ohne wichtige spätere Fakten verraten zu bekommen.

Bewertung:
Ich liebe dieses Buch, ich vermute es ist mein Lieblingsbuch von Rebecca Gablé, aber das sage ich über ihre anderen Bücher wahrscheinlich auch, wenn ich sie wieder lese. Aber es kommt nicht von ungefähr, dass ich das Buch jetzt schon zum dritten Mal gelesen habe und es immer wieder faszinierend finde. Ich denke, daran ist vor allem Jonah „schuld“, der einfach kein Held auf dem weißen Pferd ist, sondern seine Ecken und Kanten hat und der einfach nicht ein durchweg sympathischer Hauptcharakter des Buches ist.



lg
kathrin
Rock the Night!

Offline Tecil

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Re: Der König der purpurnen Stadt - Rebecca Gable
« Antwort #1 am: 15. April 2007, 09:57:47 »
Hallo Kathrin,
Ihre historische Genauigkeit ist doch immer wieder verblüffend, oder?
Hier noch meine kleine Rezie dazu  :->


[isbn]3404265955[/isbn]

1) Cover
Nichts besonderes, aber o.k.

2) Einstieg
Sehr spannender Einstieg – mitten ins Geschehen.

3) Lesefluss / Sprache
Wie für Gablé üblich, ausschweifend aber fesselnd, sehr natürliche Sprache der Charaktere – man kann sie daran unterscheiden, sehr gut.

4) Geschichte / Gestaltung
Die Story fand ich erst einmal nicht so anziehend, aber Gablé versteht es brillante Charaktere zu erschaffen die einem die Geschichte erzählen, man will immer wissen, was tut er jetzt, was passiert jetzt...
Die Wandlungen der Story überraschen einen immer wieder machen es zu einem Genuss – Seite für Seite. Nur selten zu ausschweifende Passagen, diese konnten mich aber nicht dazu hinreißen zu überblättern.

5) Figuren
Wie oben schon erwähnt – Dieses Buch lebt durch seine Charaktere.
Nie sind sie einfach, immer vielschichtig und sehr realistisch.
Jonah ist so zwiespältig wie man nur sein kann, immer im Kampf mit sich.
Giselle überrascht durch Tiefe und Hartnäckigkeit.
Crispin ein treuer und echter Freund.
Das Königspaar wie man es erwartet – verlogen, selbstbezogen aber sympathisch, halt Monarchen.
Und noch viele überraschende und tolle Charaktere die dieses Buch zu einem fesselnden Roman machen.

6) Das Wort zum Sonntag
Ein Gablé wie er sein muss, ich finde es herrlich das man sich einen Gablé einfach blind aus dem Regal greifen kann und immer Qualität im höchsten maße bekommt.
Ganz klar eine meiner liebsten Autoren.
Dieses Buch folgt „Dem Lächeln der Fortuna“ und „Das zweite Königreich“!
Diese fand ich noch etwas besser  :kopfkratz:



Offline Lannie

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Re: Der König der purpurnen Stadt - Rebecca Gable
« Antwort #2 am: 04. Juli 2007, 12:42:10 »
Hallo Ihr Lieben,

vorgestern habe ich mein re-Read beendet und hier ist

Meine Meinung

„Der König der purpurnen Stadt“ ist ein absolut stimmiger, sehr gut recherchierter historischer Roman, der mich von Anfang bis Ende absolut gepackt hatte. Solche Romane machen einfach unheimlich Lust aufs Lesen und man wünscht sich eindeutig mehr solcher großartigen Bücher, wo einfach alles stimmt. Zum Glück kann man noch mehr von Rebecca Gablé lesen, meiner persönlichen Lieblingsautorin historischer Romane.

Auch wenn „Der König der purpurnen Stadt“ nicht zur bekannten „Waringham-Trilogie“ zählt  – Auftakt dazu ist „Das Lächeln der Fortuna“ - , ist dieses Buch eine Art Vorgeschichte, wenn auch mit einem gänzlich anderen Thema. Allerdings trifft man hier das erste Mal auf die Ritter Waringham und Dermond, deren Nachkommen in „Das Lächeln der Fortuna“ die Hauptrolle spielen, auch König Edward und „Der schwarze Prinz“ haben in beiden Romanen ihren Platz gefunden. „Der König der purpurnen Stadt“  erzählt eine erfolgreiche Kaufmannsgeschichte, die zwar fiktiv ist, aber wohl durchaus zu der damaligen Zeit nicht untypisch war und die „Waringham-Trilogie“ ist mehr eine Ritter-Geschichte.

Auch nach dem zweiten Lesen hat „Der König der purpurnen Stadt“ nicht an Spannung verloren. Im Gegenteil, ich glaube, dieses Mal habe ich es noch atemloser gelesen und in nur vier Tagen komplett beendet.
Rebecca Gablé schreibt einfach unvergleichlich. Die Handlung ist äußerst dicht, lebendig, farbenfroh  und spannungsgeladen. Ständig wird der Leser durch unvorhersehbare Ereignisse überrascht. Rebecca Gablé recherchiert ausgiebig und sehr intensiv für ihre Romane und das merkt man. Alle historischen Ereignisse werden sorgfältig, aber dabei verständlich und packend beschrieben. Und die Begebenheiten, die sich die Autorin zurechtgebogen hat, werden im Nachwort von ihr extra als solche hervorgehoben, was ich sehr schätze. Denn nichts empfinde ich als störender, als am Ende eines historischen Romans nicht zu wissen, was ist historisch belegt, was fiktiv.

Sehr schön finde ich, dass auch das Alltagsleben Londons ausgiebig beachtet wird und ich dadurch sehr viel über das Leben, die Sitten und Gebräuche der damaligen Zeit erfahren habe. Gerade was die Gilden und den Kaufmannsberuf  angeht ist der Roman äußerst informativ. Die Stoffe, mit denen die Tuchhändler ihre Geschäfte machen, werden so wunderbar beschrieben, dass man sie nicht nur deutlich vor Augen hat, sondern fast meint, man könne sie fühlen.
Auch das höfische Leben kommt nicht zu kurz. Der Leser darf miterleben, wie wichtig Äußerlichkeiten sind – so geht z.B. ein sündhaft teures Kleid vor den Staatsschulden deutlich vor - , Intrigen gesponnen werden und welche Regeln es am Hofe gab, die ausgesprochenen, aber auch die unausgesprochenen.

Die Figuren sind phantastisch facettenreich und mit viel Tiefe gezeichnet. Jeder Charakter ist in sich glaubhaft und lebendig. Schwarz oder weiß gibt es hier nicht, selbst die Hauptfigur Jonah Durham ist nicht nur sympathisch und gut, nein, er hat auch seine unsympathischen und düsteren Seiten, was ihn zu einer meiner Lieblingsfiguren überhaupt und nicht nur in diesem Roman macht.
Selbst der Bösewicht hat auch wenigstens eine gute Charaktereigenschaft und ist nicht durch und durch schlecht. Während der Geschichte entwickeln sich die Figuren anhand ihrer Erlebnisse und Erfahrung und auch die zwischenmenschlichen Beziehungen entwickeln sich fortwährend. An Glaubwürdigkeit mangelt es den Charakteren nie und sie werden zu guten Freunden, Feinden und auch zu Familie. Ihre Erlebnisse haben mich nie kalt gelassen, stellenweise habe ich sogar bitterlich geweint.

Mein größtes Problem ist es, den sehr guten Roman mit meiner Rezension gerecht zu werden. Oftmals fehlen mir einfach die richtigen Worte, um das Faszinierende und Besondere hervorzuheben. Daher kann ich nur versichern, dass „Der König der purpurnen Stadt“ eines der besten historischen Romane überhaupt ist, absolut faszinierend, spannend, und etwas ganz besonderes…
Mit Sicherheit werde ich diesen Roman auch noch ein drittes Mal lesen!

Bewertung

Eins plus kann ich ja nicht vergeben, würd ich aber, wenn ich könnte.

Liebe Grüße
Lannie aka Cait

The Viewfinder

Anna

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Re: Der König der purpurnen Stadt - Rebecca Gable
« Antwort #3 am: 16. Juli 2007, 11:09:18 »
So, hier nun mein persönliches Fazit zu diesem Buch, welches gleichzeitig meine erste - und sehr spontane   - Leserunde bedeutete.

In Rebecca Gablés historischem Roman "Der König der purpurnen Stadt" geht es um den Werdegang des Tuchhändlers Jonah und seine Verbindungen zum englischen Königshaus.
Jonah ist eine Person, die mich von Anfang an fasziniert und die Situation und das London, in welches her von Gable "hineingesetzt" wird, machen die Geschichte unheimlich fesselnd.
nach dem "Zweiten Königreich" ist es mein zweiter Roman von Rebecca Gable und ich kann nur sagen, dass ich es toll finde, wie genau sie die historischen Fakten recherchiert und darstellt. man lernt in ihren Büchern unheimlich viel, ohne das man es bewusst wahrnimmt, sondern dieses Wissen wird einem so nebenbei vermittelt und zählt stellenweise fast mehr zur Rahmenhandlung.
Ich bin sehr angetan von ihrer Einteilung der einzelnen Abschnitte, wie etwas "London, November 1331", wodurch ich auch trotz Zeit- und Ortsprüngen immer die Orientierung behalten habe und eine ungefähre Vorstellung vom Alter der verschiedenen Personen behalten habe.
Gable breitet eine wahre Vielfalt an Charakteren vor uns aus, die in ihren so unterschiedlichen Wesensarten und Facetten jeder für sich seinen Reiz haben, egal ob nun die Guten oder die Bösewichte.
Ich bin gespannt, was mich im "Lächeln der Fortuna" erwartet!
Als Fazit kann ich nur sagen, dass Rebecca Gable hier eine weitere historische Geschichte geschrieben hat, die mich bis zum letzten Punkt gefesselt und zu keinem Zeitpunkt gelangweilt hat, so dass ich dieses Buch vorbehaltlos weiterempfehlen kann!

   

und hier noch meine persönliche kleine Statistik zu dem Buch:
ich habe 14 Tage vom Anfang bis zur Beendigung des Buches gebraucht, und damit durchschnittlich
68,3 Seiten am Tag gelesen.
Allerdings ist dies wirklich nur der Durchschnitt, war ich zwischenzeitlich doch drei Tage ohne Buch im Skiurlaub und habe im Gegenzug zwei Tage danach kaum aus der Hand gelegt