Olympia

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Offline wingfoot

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Re: Olympia
« Antwort #15 am: 19. August 2008, 09:56:45 »
Hallo Wiebke.

Da hast du ganz bestimmt recht, das ist eine kritische Geschichte, und zumindest die Politiker boykottieren ja teilweise, das ist doch auch was. Dass die Sportler nicht boykottieren, da habe ich das größte Verständnis für. Ich meine, wie viele olympische Spiele können denn stattfinden, während man auf dem Höhepunkt seiner Form ist? Maximal drei oder vier, für viele aber bestimmt nur eins. Und das dann sausenlassen, bloß weil irgendwelche Hirnis beschlossen haben, sie müssten in politisch kritischen Regionen stattfinden!? Würd ich auch nicht einsehen, glaub ich. Aber jetzt ist der Zug halt abgefahren und dann kann man sich auch die paar Disziplinen guten Gewissens anschauen, die man sehen will, finde ich. Aber wie die Spiele ausgerechnet in China gelandet sind, frage ich mich schon. Aber sie sind ja auch 1936 in Berlin gelandet und das war doch noch um einiges hirnrissiger, denke ich.  :kopfkratz: Aufgrund welcher Kriterien entscheiden die eigentlich, weiss das wer?

Gruß,
wingfoot
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Offline Christiane

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Re: Olympia
« Antwort #16 am: 19. August 2008, 10:26:58 »
Hey Wiebke,

das ist echt ein schwieriges Thema. Ich hatte auch vorher so gar keine Lust auf Olympia und ich guck auch weniger als bei anderen Olympiaden. Aber der völlige Boykott sähe anders aus.

Was die Berichterstattung in den Medien angeht: hattest Du etwas anderes erwartet??? Selbst die Tatsache, dass die Internetzugänge zensiert sind und im 'deutschen Haus' keine deutschen Zeitungen ausliegen dürfen waren mit einer kleinen Meldung abgetan - kurz aufregen und weiter im Text.
Und die Sache hat natürlich Methode. China macht große Versprechungen im Vorfeld. Aber bei so einer Mammutveranstaltung ist natürlich irgendwann so ein 'point of no return' erreicht und wenn China dann 'ätschbätsch' sagt und sich nicht mehr um seine Verwprechungen schert - was soll das IOC machen? Olympia 3 Tage vor der Eröffnung abblasen??? Dass das unrealistisch ist, ist ja eh klar.

Die Vergabe der Spiele an China - gefühlsmäßig halte ich es für ein Ding der Unmöglichkeit, 'friedliche Spiele' in ein so diktatorisches Land zu vergeben. Verstandesmäßig schwanke ich - zum einen, weil ich eigentlich viel zu wenig über China, seine Menschen, die gesamte Situation weiß. Zum anderen, weil ich nicht wirklich einschätzen kann, ob die Spiele für die Menschen und die politische Situation was bringen oder nicht. Was ist der Königsweg im Umgang mit solchen Ländern: Isolation, Boykott (Erfolg durchaus möglich siehe Apartheidsregime in Sübafrika) oder Diplomatie, eine Hand reichen (Erfolg ebenso möglich siehe Fortschritte in Südkorea rund um die Olmypiade in Seoul)???
Anonsten verweise ich da auf wingfoots Beitrag: Berlin 1936 war doch mindestens ebenso eine völlig bescheuerte Wahl. Oder die Jungs, die das entscheiden sind hemmungslos naiv und idealistisch - nach dem Motto 'wir bringen mit Olympia den Frieden und die Freiheit'.

Was die Sportler angeht: vermutlich geht es vielen nicht anders als mir, dass sie nicht einschätzen können, was politisch wirksamer ist. Und sie arbeiten jahrelang auf die Olympiateinahme hin - dann daheim zu bleiben während das Gros der Konkurrenz dort ist, das ist schon extrem hart. Denk mal an Moskau und den Boykott - und da blieben ja diverse Mannschaften daheim und trotzdem war es für die Sportler eine Riesenenttäuschung. Was ich machen würde? Keine Ahnung. Nimm z.B. mal den Nowitzki: der hat seit Jahrenden den einen großen Wunsch, einmal bei Olympia dabei zu sein und wenn Du überlegst wie alt der ist, ist dies seine letzte Chance. Gibt man so etwas auf? 'Nur' für eine symbolische Handlung - denn was juckt es China ob ein Nowitzki kommt oder nicht. Das melden die doch nicht mal im Kleingedruckten - oder wenn, dann nur als Antiwestpropaganda.
Und da das kritische Thema ja nicht der Sport sondern die Politik ist fände ich es wichtiger, wenn die Politiker mit dem Hintern daheim blieben - so wie z.B. Frau Merkel (in dem Punkt kriegt sie mal einen Pluspunkt von mir). Aber guck Dir mal den Busch an: dass ausgerechnet er was von Menschenrechten faselt und dann zur Eröffnungsfeier fährt ist doch der blanke Hohn. Guantanamo lässt grüßen...

Soweit meine Meinung zum Thema.
Liebe Grüße,
Christiane
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Offline Hans

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Re: Olympia
« Antwort #17 am: 19. August 2008, 17:01:12 »
Hi Ihr,

also wenn diese Fragen schon mal in den Raum gestellt werden, dann will ich auch mal kurz meine Meinung dazu kund tun.

Was das Sportliche angeht, so ist das wesentliche ja schon gesagt: da man als Sportler nicht als oft die Möglichkeit hat, an Olympia teilzunehmen, und jahrelang darauf hin trainiert, wäre es reichlich blöd, wenn man nicht teilnehmen würde/könnte/dürfte. So ungefähr hat sich auch mal ein Sportler im Vorfeld geäussert.
Ansonsten haben die deutschen Sportler vom NOC einen Maulkorb verpasst bekommen, was ihre sonstigen Meinungen betrift. Begründet wurde das, glaube ich sogar mit deren eigener Sicherheit.

Politisch gesehen war es wahrscheinlich ein Fehler, die Spiele nach China zu vergeben. Denn solange sich an dem diktatorischen Apparat nichts ändert, ändert sich auch die Menschenrechtsituation nicht. Da unsere Wirtschaft die Menschenrechtsituation nur in Sonntagsreden kritisiert, sie aber ansonsten Gnadenlos ausnutzt, um sich zu Bereichern (und bei uns Arbeitsplätze abzubauen) darf man von dieser Seite auch nicht erwarten, das die was dafür tun, das sich etwas ändert. - Von Ausnahmen mal abgesehen.

Was die Berichterstattung angeht: So frei wie sie immer erzählt, ist unsere Presse doch gar nicht. Die wird doch in weiten Teilen von 3 Konzernen (Springer, Bertelsmann, Holtzbrinck) gesteuert, die allesamt Anbeter des sogenannten "Freien Marktes" sind, aus dem sich der Staat gefälligst heraus zu halten hat. Da kann man doch keine Berichterstattung erwarten, die deren Geschäftsinteressen gefährden könnte. Denn über den einen oder anderen Umweg machen die doch auch in China Geschäfte. (Da wartet ja schliesslich ein Markt auf die Erschliessung, der grösser ist als Europa...  :kotz: )

So, und bevor ich jetzt wieder zu Wirtschaftsthemen abdrifte, hör ich auf. Wer mehr dazu wisen will, klicke auf die Links unter meinen Beiträgen. (Einer in diesem Forum, der andere im DG-Forum.)

:winken:
Hans


P.S. Mist, jetzt ist der Beitrag doch wieder länger geworden, als geplant...  :wuschig:
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Offline wingfoot

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Re: Olympia
« Antwort #18 am: 19. August 2008, 17:33:26 »
P.S. Mist, jetzt ist der Beitrag doch wieder länger geworden, als geplant...  :wuschig:

Kein Grund für harte Worte- gute Beiträge dürfen doch so lang sein, wie sie wollen.

Eins wollte ich noch sagen, zum Thema "aus Protest nicht fernsehen": Da stört es die Chinesen glaub ich mehr, wenn bei ihnen ein Sack Reis umfällt. Das ist doch ungefähr so effektiv, wie wenn ich meine Zeitung jetzt täglich ungelesen wegschmeisse, weil darin was über Olympia steht.  :kopfkratz:

Und was Bush angeht, da hab ich doch sehr lachen müssen- ich hab zufällig auch die Eröffnung gesehen, weil die bei Freunden gerade lief, als ich dort war, und dann schaut man halt doch unwillkürlich ab und zu hin, wenn der Kasten läuft. Und der weiss nichtmal genau, von was er eigentlich alles der Landesvater ist. Da war so ein kleiner Inselstaat, den er laut Moderator auch regiert (ich hab den Namen schon wieder vergessen, aber ich bin ja auch nicht ihr Staatsoberhaupt) und seinem Gesicht hat man keinerlei Wiedererkennen angesehen und aufgestanden ist er auch nur für die USA selber...  :hau:
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Offline Hans

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Re: Olympia
« Antwort #19 am: 20. August 2008, 00:18:29 »
Ach ja, Bush und die Geographie... - Zwei Welten treffen aufeinander, wenn  man den Gerüchten glauben schenken darf...  :wah:

:winken:
Hans
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Offline DG7NCA

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Re: Olympia
« Antwort #20 am: 21. August 2008, 21:42:59 »


so jetzt läuft ja der Countdown...bald ist wieder Ruhe vom sportlichen Dopping...
und wir haben doch einen relativ guten Platz gemacht, hätte ich gar nicht gedacht. Ich hatte uns so auf platz 15 - 20 getippt

Liebe Grüße    
DG7NCA/Carola


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