Cornelia Funke- Tintentod

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Offline wingfoot

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Cornelia Funke- Tintentod
« am: 09. Januar 2009, 12:08:49 »
[isbn]3791504762[/isbn]

Tintentod (Tintenwelt III)
von Cornelia Funke
Gebundene Ausgabe: 768 Seiten
Verlag: Dressler; Auflage: 1 (28. September 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3791504762
ISBN-13: 978-3791504766
[isbn]3833721448[/isbn]
Audio CD
Jumbo Neue Medien (29. September 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3833721448
ISBN-13: 978-3833721441
22h55min

Ja, hab ich gerade die Erst-Rezension zu so bekannten Titeln gepachtet oder funktioniert bloß meine Suche nicht richtig? Das hat mich bei Eragon schon so irritiert, dass es keinen Thread dazu gibt...  :kopfkratz:

Kurzbeschreibung (amazon):
Es sind erst wenige Wochen vergangen, seit die Weißen Frauen Staubfinger mit sich genommen haben. Meggie und ihre Eltern leben auf einem verlassenen Hof in den Hügeln östlich von Ombra. An diesem friedlichen Ort lässt sich fast vergessen, was auf der Nachtburg geschehen ist. Doch in der Dunkelheit, wenn Meggie am Fenster steht und auf Farid wartet, hört sie den Eichelhäher schreien. Und dann verschwindet ihr Vater mit dem Schwarzen Prinzen und dem Starken Mann im Wald, denn es muss alles getan werden, damit die Schatten über Ombra weichen …

Meine Meinung:

Ich muss vorausschicken, dass ich mit geringen Erwartungen an das Buch herangegangen bin und dass es deswegen auch ziemlich lange bei mir im Regal stand, der zweite Teil (Tintenblut) hatte mich nämlich nach meiner Begeisterung über Tintenherz arg enttäuscht- obwohl ich, Fluch des Bücherverschlingens- nicht mehr genau weiss, warum, ausser, dass die Zitate am Anfang der Kapitel nicht so hinreissend waren. Bei Tintenherz hatte ich nach jedem einzelnen Zitat Lust, den zitierten alten Freund aus dem Regal zu holen und wenn Tintenherz selbst nicht so spannend gewesen wäre, wäre ich vermutlich nie fertiggeworden, bei all dem, was ich zwischendurch rereadet hätte.
Tintenblut aber war dann ein würdiger Abschluss und eines Tages werde ich sie alle drei nochmal am Stück lesen und Tintenblut eine weitere Chance geben, vielleicht hat es mich ja nur auf dem falschen Fuss erwischt.
Was mit gefallen hat: Fenoglios Schreibblockade. Meggies Teenager-Liebe, die ausnahmsweise mal so gar nicht nervtötend sondern einfach nur schön beschrieben wird. Orpheus, der einfach wunderbar unsympathisch aber eben doch sehr plausibel gezeichnet wird. Überhaupt die Charaktere. Und die Welt, die plötzlich wieder voller origineller Ideen steckt, aber durch diese gebrochene Illusionsebene ("eigentlich existiert das alles ja nur auf dem Papier- und wer schreibt es jetzt gerade!?)  irgendwie immer auch ein wenig selbstironisch wirkt. Meggies Vater war mir in den ersten Bänden längst nicht so nahe wie jetzt. Seine unerschütterliche Liebe zu Büchern, für die er sich sogar in Lebensgefahr begibt... *seufz* Und es war wieder spannend, von der ersten bis zur letzten Seite. Was will man mehr? Nun, die Zitate hätten vielleicht noch wieder so prickelnd sein können wie im ersten Band. Und bei der Hörbuchfassung wurden sie gar ganz weggelassen und durch nervtötende Mittelalter-Musik ersetzt. Versteht mich richtig: Ich mag solche Musik. Aber wenn ich ein Buch höre, will ich mein Buch, und zwar so nah wie möglich am Selberlesen. Da kann ich so ein Gedudel nicht brauchen, wenn ich Gedudel will, hör ich Musik.  :zwinker: Ich muss allerdings auch zugeben, dass Rainer Strecker so eine dichte Atmosphäre herbeizulesen weiß, dass man ihn fast auch schon eine Zauberzunge nennen könnte und dass ich deswegen trotzdem keinen Moment mit dem Hörbuch missen möchte. Gerade sein Orpheus ist unschlagbar, finde ich.

Für Buch wie Hörbuch also, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen:




Liest gerade:
Christian Zaczyk- Was uns auf die Palme bringt. Aggression im Alltag
Oscar Wilde- The Picture of Dorian Gray


 "Schweigsam und unschuldig breiten sich die Bücher im ganzen Haus aus und es gelingt mir nicht, sie aufzuhalten." - Carlos M. Dominguez

Offline Kathrin

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Re: Cornelia Funke- Tintentod
« Antwort #1 am: 18. September 2009, 15:33:44 »
Halllo zusammen,

hier meine Meinung zu Tintentod:

Tintentod ist der letzte Teil der Tinten-Trilogie von Cornelia Funke und wie schon Band 1 und 2 habe ich diese wunderbare Geschichte mit großer Begeisterung gelesen, auch wenn mir der Einstieg in den dritten Teil etwas schwer gefallen ist, was allerdings vermutlich daran lag, dass ich direkt davor eins meiner absoluten Lieblingsbücher gelesen habe (ebenfalls ein Fantasy-Roman) und ich mich erst einmal von meinen Lieblingen trennen musste, was ich nicht sehr leicht fand.

Dieser dritte Teil ist von Anfang an recht finster, allerdings habe ich es als nicht wirklich deprimierend empfunden. Eher im Gegenteil, das Buch passt herrlich zu stürmischen, verregneten Herbsttagen, die man eingekuschelt und teetrinkend auf der Couch verbringen darf. Allerdings ist das Buch in meinen Augen nicht unbedingt ein Kinder-/ Jugendbuch, denn teilweise war es vielleicht zu düster, zu spannend, zu gruselig, es gibt nur wenig Lichtblicke. Auch ist mir die Frage, warum das Buch ausgerechnet „Tintentod heißt ständig im Kopf rumgespukt und ich hatte zwischenzeitlich wirklich Angst, dass mit einer möglichen Zerstörung des letzten Exemplars von Fenoglios „Tintenherz“ ggf. auch die gesamt Tintenwelt zerstört werden könnte. An anderen Stellen merkt man jedoch, dass diese Reihe auch Kinder und Jugendliche als Zielgruppe hat, denn mir hätte es gefallen, wenn Cornelia Funke aus der ein oder anderen Szene noch mehr herausgeholt hätte. Es kann aber auch einfach gut sein, dass meine eigene Phantasie das Kapriolen geschlagen hat und nur ich gerne von verliebten Glasmännern oder Violantes Tanten gelesen hätte.

Der Erzählstil von Cornelia Funke gefällt mir ganz ausgezeichnet, die Bilder des Buches, die Schauplätze sind alle immer präsent in meinem Kopfkino und auch die unterschiedlichen Stimmungen, Angst, Einsamkeit, Sehnsucht, die erste Liebe…kommen wunderbar bei mir an. Besonders gut gefallen haben mir zwei Szenen/ Ideen von Cornelia Funke, bei denen ich gerne noch länger verweilt wäre, wenn an sich da auch immer eine gewisse Gefahr im Hintergrund mitgelauert hat: zum einen war das die Szene mit Mo und dem Tod, dem Tod, der seine Gestalt ändern kann und extrem faszinierend aber auch respekteinflößend und auch etwas gruselig war und dann später die Szene mit dem Riese…*seufz*, das war Märchenzauber pur!!!

Immer wieder faszinierend finde ich die Figuren in den Tintenbüchern, wobei mich Meggie als eigentliche Hauptfigur weniger interessiert. Vielmehr haben es mir die „Alten“ oder vielmehr die Erwachsenen angetan. Denn grade bei ihnen hat mir gut gefallen, dass sie sich auch als Erwachsene noch weiter entwickeln dürfen und nicht stehengeblieben sind. Elinor ist im Verlauf der drei Tintenbücher von einer einsamen, alten, seltsamen Schachtel, die sich in ihrem Haus mit ihren Büchern verkrochen hat, zu einem liebenswerten, neugierigen Menschen geworden, die Sehnsucht nach ihrer Familie und immer noch genug Feuer im Hintern hat, um Fenoglio die Meinung zu geigen und gerade ihre Streitgespräche mit Fenoglio, der sehr darunter leidet, dass er nicht mehr schreiben kann, obwohl er meiner Meinung nach so gerne wollte um Orpheus zurückzudrängen, heitern das Buch doch immer wieder mal auf. Auch Mo wird immer mehr zum Eichelhäher und lässt den Buchbinder der „normalen“ Welt fast komplett hinter sich, wobei mir der doch lieber war! Gut gefällt mir bei den Figuren auch, dass sie absolut realistisch wirken und handeln und es auch zwischenzeitliche Probleme gibt und z.B. auch ein "Sich-Fremd-Sein" bzw. die aktuelle Entfremdung zwischen REza und Meggie zwar traurig aber der Situation gemäß „logisch“ erscheint. Auch geht das Buch sehr tief auf die Gefühle der Menschen ein, so dass ich immer mitleiden oder mich mitfreuen kann.

Fast noch ein Stück faszinierender als die „Guten“ des Buches finde ich persönlich ja die „Schurken“. Gerade Orpheus und Mortola empfinde ich als sehr gelungen. Gerade Orpheus entwickelt sich um Oberschurken, der alle anderen „Bösen“ der Serie zusammengenommen in den Schatten stellt und mir wirklich heftige Angst macht. Allerdings ändert diese Faszination nichts an der Tatsache, dass ich weder Mortola noch Orpheus leiden kann, aber fiese, schlaue Bösewichte haben schon was an sich ;-)

Der Abschied von der Tintenwelt fällt mir ziemlich schwer. Das Buch hat mir wunderbar gefallen und wurde mit jeder Seite spannender, so dass ich gerade am Ende das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte. Ich bin sehr gespannt, was Cornelia Funke als nächstes veröffentlichen wird, ich denke, „Tintentod“ wird nicht mein letztes Buch von ihr gewesen sein und wenn es letztlich eher mal ein Kinderbuch von ihr seine wird, dass ich meinen Neffen und meiner Nichte vorlesen kann.

Bewertung:
Rock the Night!

Offline Aurian

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Re: Cornelia Funke- Tintentod
« Antwort #2 am: 06. Oktober 2009, 21:07:31 »
Euren Rezis kann ich nur voll und ganz zustimmen. Ich war auch total begeistert von "Tintentod". Es ist ein toller Abschluss der Trilogie und mein absoluter Lieblingsband der Reihe. So richtig märchenhaft und spannend.

LG, Aurian