Ellen Alpsten "Die Zarin"

  • 1 Antworten
  • 1902 Aufrufe

Offline Meike

  • Kaminkehrer
  • Hero Member
  • *
  • Beiträge: 900
Ellen Alpsten "Die Zarin"
« am: 11. April 2007, 13:07:31 »

Verlag:Heyne
Seiten:670
ISBN:3453878078
Ausgabe:Taschenbuch                 
[isbn]3453878078[/isbn]

Inhaltsangabe:
Niemand außer ihr kann Peter I. das Wasser reichen. Sie trinkt ihn unter den Tisch, folgt ihm bei seinen zahllosen Kriegszügen. Sie bringt ihm ein Dutzend Kinder zur Welt, sie muss miterleben, wie die meisten davon wieder sterben. Sie kämpft um ihn, sie liebt ihn, sie betrügt ihn - und muss miterleben, wie grausam er ihren Liebhaber hinrichten lässt. Katharina I. ist eine ungewöhnliche Frau.
Geboren wird sie als Martha, Tochter eines baltischen Leibeigenen. Bei der Eroberung des livländischen Marienburg durch Zar Peter den Großen gerät sie in Gefangenschaft. Ihre aufgweckte Art und ihre üppige Schönheit machen sie zum begehrten Objekt der russischen Generäle. Doch schnell erliegt der Zar selbst ihren Verlockungen. Seine erste Frau hat der junge tyrannische Monarch kahl scheren und in ein Kloster sperren lassen - nun ist der Weg frei für Martha, die offiziell Peters Mätresse wird und unter dem Namen Katharina auch rechtmäßig seine Frau.
Zupackend und einfühlsam, lebensecht und zugleich mit bewundernswertem Gespür für große Szenen erzählt Ellen Alpsten in ihrem an Figuren und Geschichte überbordenden Roman vom unaufhaltsamen Aufstieg Katharinas, von einer einfachen Frau, die sich mit Charme und vitaler Natürlichkeit, nötigenfalls aber auch mit Gewalt den Weg nach oben erkämpft.

Meine Rezension:

Dieses Buch handelt von Martha, einer einfachen Tochter eines baltischen Leibeigenen, die in die Gefangenschaft von Zar Peter des Großen gerät. Durch ihre aufgeweckte Art und ihre gleichzeitige Schönheit erliegt der Zar selbst bald ihren Verlockungen und sie wird zu seiner bevorzugten Mätresse. Martha trinkt ihren Herrn sogar unter den Tisch, folgt ihm bei seinen zahllosen Kriegzügen durchs ganze Land und bringt ihm ein Dutzend Kinder zur Welt. So wird sie sogar zu Peters rechtmäßig angetrauter Frau und später auch zur gekrönten Zarin Katharina I.
Die Autorin beschreibt das Leben am russischen Hof in all seinen Facetten und man kann nur staunen wie viele Gesichter dieser Herrscher, Peter der Große, wirklich hatte und wie treu eine Frau ihn geliebt hat. Katharina hat sehr viel mitgemacht in ihrem Leben und wenn man sich beim lesen bewusst macht, dass dies eine wirkliche historische Figur war, kann man sie zeitweise wirklich nur bemitleiden. Allein wie verzweifelt sie versucht hat ihrem Herrscher einen Sohn und damit Thronfolger zu schenken und wie oft Peter sie betrogen hat, lässt wahrscheinlich keinen Leser kalt. Allerdings ist mir Katharina zwischenzeitlich nicht so nah gewesen, wie ich es mir gewünscht hätte. In vielen Situationen war sie mir zu gefühlskalt und auch zu abgebrüht im Umgang mit dem Tod ihrer Kinder. Für meinen Geschmack hat die Autorin zeitweise zu distanziert alles wiedergegeben, das Gefühl, was man bei einem Roman erleben möchte, blieb dann auf der Strecke. Allerdings erfährt man dafür sehr viele historische Details aus dem frühen Russland und wie der Zar seinen Traum verwirklicht hat eine eigene Stadt für sich zu bauen, nämlich Sankt-Petersburg.
Gewöhnungsbedürftig sind die vielen russischen Namen und Bezeichnungen, die das ganze Buch enthält. Hier hätte ich mir wirklich stark einen Anhang mit den übersetzten deutschen Erklärungen gewünscht, denn so kann man nur aus dem Kontext erahnen, was die einzelnen Begriffe wohl bedeuten. Genauso dringend hätte ich mir ein Personenregister gewünscht, da doch viele Namen doppelt auftauchen und es in dem großen Hofleben eine wahre Fülle an Personen gibt, die nur zeitweise eine Rolle spielen. Da wäre es äußerst hilfreich gewesen ab und zu mal nachschlagen zu können, denn für das Mitschreiben von Namen und ihre Funktion bin ich wirklich zu faul  :->.
Das Buch hat ziemlich lange Kapitel in denen auch größere Zeitsprünge stattfinden. Es fiel mir dadurch manchmal schwer „am Ball zu bleiben“ in der Geschichte. Das wurde auch noch dadurch verstärkt, das die Geschichte mit dem Tod des Zaren beginnt und zwischendurch immer wieder von der Vergangenheit in die Gegenwart und zurück gesprungen wird. Ich hätte es besser gefunden, wenn alles chronologisch erzählt worden wäre, aber das ist sicher eine Geschmackssache.
Sonst kann ich dieses Buch allen historisch Interessierten nur wärmstens empfehlen, denn mir ist klar geworden, wie wenig ich eigentlich über die russische Geschichte weiß, die aber genauso spannend und facettenreich wie z.B. die englische ist. Gerade natürlich den Werdegang einer so starken Frau zu verfolgen ist richtig spannend und außer den kleinen Makeln war es ein wunderbares Lesevergnügen!
Meine Bewertung:

« Letzte Änderung: 01. Mai 2008, 21:38:03 von Steffi »
"Du öffnest die Bücher und sie öffnen dich"
Tschingis Aitmatov

Ich lese gerade:
"Seal Team 12 - Aus dem Dunkeln" Marliss Melton

Offline Kathrin

  • Globaler Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 4275
Re: Ellen Alpsten "Die Zarin"
« Antwort #1 am: 13. April 2007, 11:27:09 »
Hey Süße,

was solche Dinge wie Glossare, Landkarten, Personenregister angeht...ja, davon kann ich grundsätzlich auch niieee genug haben, aber wenn ich mich richtig erinnere, dann hat es mir für dieses Buch nicht so sehr gefehlt.

Ich glaube meine totale Euphorie zu diesem Buch (auch wenn ich dazu keine Rezi geschrieben hab) liegt vor allem darin begründet, dass es für mich so eine  total andere Welt ist, die russische Geschichte. Ich hatte schon mal ein Buch gelesen, dass in Russland (zur Zeit des letzten Zaren) gespielt hat und davon war ich auch schon so begeistert. Und ähnlich geht es mir ja auch bei meinen bisherigen Ägypten-Romanen. Ich vermute, dass AutorInnen, die über die englische (oder französische) Geschichte schreiben, es bei mir einfach schon mal ein Stückweit schwerer haben, weil ich eben so gute Bücher hier zu schon kenne (Gablé) und diese müssen halt erstmal erreicht werden.

lg
kathrin
Rock the Night!