Konstanze - Elisabeth Herrmann

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Offline uschi

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Konstanze - Elisabeth Herrmann
« am: 16. Mai 2009, 16:28:10 »
Konstanze - Elisabeth Herrmann

[isbn]3548608930[/isbn]

Kurzbeschreibung
Palermo im 13. Jahrhundert: Die junge Witwe Konstanze von Aragon wird mit Friedrich verheiratet, dem nach Sizilien verbannten Thronerben der Staufer. Was niemand für möglich hält geschieht: Die beiden verlieben sich ineinander. Mit Konstanzes Hilfe wird aus dem ungehobelten Rebellen Federico ein umschwärmter Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation, Friedrich der Staufer. Doch das Schicksal hält für Konstanze und Friedrich auch schwere Ruckschläge bereit, die sie vor große Herausforderungen stellen. Wird ihre Liebe dem standhalten? Ein farbenprächtiges Epos und der Roman einer großen Liebe.

Meine Meinung:
Die Autorin hat mit Friedrich II, einen interessanten Stoff verarbeitet, der mich von Anfang in den Bann geschlagen hat. Sie setzt ein, als Friedrich gerade volljährig wurde und nun die Geschicke Sizilien selbst in die Hand nehmen kann. Aber so einfach will Papst Innozenz III sein Mündel nicht aus seiner Vormundschaft entlassen, er ordnet eine Ehe mit Konstanze von Aragon an, um seine päpstliche Macht zu stärken.
Erstaunlich finde ich, wie belesen und weltoffen dieser Jüngling schon war. So war er auch sehr tolerant gegenüber Juden und Muslime eingestellt, die zu diesen Zeiten einen schweren Stand hatten. Geschickt vermischt die Autorin Fiktion und historische Fakten miteinander, so fühlte ich mich nicht nur gut unterhalten, sondern auch gut informiert. Alle Figuren werden lebendig geschildert, sodass ich mir die Szenen bildhaft vorstellen konnte. Auch in Konstanze konnte ich mich gut hineinversetzen, die durch Anordnung gezwungen wurde, diesen um 10 Jahre jüngeren Knaben (Mann kann man dazu wohl noch nicht sagen) zu heiraten. Ihr Unmut und ihre Ängste, sind daher nur verständlich. Überhaupt habe ich nur Hochachtung für all die adligen Töchter, die in jener Zeit aus machtpolitischen Erwägungen so verschachert wurden.

Sehr schön fand ich auch die humorvollen Dialoge, die mich immer wieder zum Schmunzeln brachten. Ab und an, war mir Konstanze manchmal etwas zu naiv, was die Person Friedrichs betraf, aber immer blieb es spannend, dafür sorgten schon die höfischen Intrigen.
Fazit: Eine schöne Geschichte, in die man für Stunden abtauchen kann, der flüssige Erzählstil lässt die Seiten nur so vorüberfliegen.
Die Diskrepanz zwischen Klappentext und Buch, ergibt sich dadurch, dass diese Geschichte als Trilogie angelegt ist. Also, gemach, gemach, die fehlenden Teile aus der Kurzbeschreibung werden wir bestimmt mit Teil 2 und 3 noch geliefert bekommen. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr darauf!


Liebe Grüße
Uschi

Ein schönes Buch ist wie ein Schmetterling. Leicht liegt es in der Hand, entführt uns von einer Blüte zur nächsten und lässt den Himmel ahnen. (Lao-Tse)

Offline Mobi

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Re: Konstanze - Elisabeth Herrmann
« Antwort #1 am: 16. Mai 2009, 21:37:05 »
Danke für die schöne Rezi! Das Buch wandert gleich mal auf meine Wunschliste...

Ich wäre jetzt aufgrund des Titels nie draufgekommen, dass das Buch in Italien spielt. Dann wäre ich nämlich sofort drauf angesprungen!

LG, Mobi

Offline Kathrin

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Re: Konstanze - Elisabeth Herrmann
« Antwort #2 am: 19. Mai 2009, 16:07:31 »
Ich schließe mich Mobi an, Uschi, bei mir ist das Buch auch auf die Wunschliste gewandert. Lieben Dank für Deine Rezi!

lg
kathrin
Rock the Night!

Offline Grisel

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Re: Konstanze - Elisabeth Herrmann
« Antwort #3 am: 23. Februar 2010, 20:15:05 »
Geschickt vermischt die Autorin Fiktion und historische Fakten miteinander, so fühlte ich mich nicht nur gut unterhalten, sondern auch gut informiert.

In meinem Buch habe ich die historischen Fakten vermisst. Ich habe weder Konstanze noch Friedrich II wiedererkannt. Sie hat sich für mich wie eine unreife Göre angefühlt, und schlimmeres, später, als es um die Vergiftung ging. Und er? Viel von ihm gesehen haben wir ja nicht und es hat sich mir nicht erschlossen, warum er - außer weil es für die Handlung "spannender" sein sollte - in offizieller Funktion bis zur Hochzeit durch Abwesenheit geglänzt hat und nur als "Ruggero" herumgekrebst ist.

Ich verstehe einfach nicht und werde es nie verstehen, warum man sich als Autor interessante historische Menschen hernimmt und sie in eine Räuberpistole schickt, für die sie gar nicht nötig gewesen wären. Die Geschichte, die hier erzählt wird, hätte mit fiktiven Menschen aus Konstanzes und Friedrichs Dunstkreis weit besser funktioniert, finde ich. Die Ansätze waren ja da, mit der Nebenhandlung um die Verschwörer.

Aber gut, ich muß es auch nicht verstehen. Ich muß nur verstehen, warum ich dennoch selten die Finger von diesen Büchern lassen kann, obwohl ich bereits erahne, daß sie nichts für mich sein werden. Aber ich könnte doch auch angenehm überrascht werden? Und ich lese nun mal gerne über "meine" Staufer. Jedoch möchte ich sie auch wiedererkennen können.

Am Ende, als ausgerechnet Konstanze Federico Unreife vorwirft und erklärt, sie könne und wolle ihn zum König und Kaiser formen, konnte ich nur schnauben. Diese Konstanze sicher nicht, die echte vermutlich schon.

Aber selbst mit Ausklammerung der historischen Bedenken hat es nicht geklappt. Das Buch hatte für mich keine durchgehende Stimmung. Anfangs war es noch nett mit den launigen Szenen, aber die Geschichte mit der Vergiftung etc. hat dem eine komplett andere Richtung gegeben. Wo will die Autorin hin mit ihren Ausgaben von Konstanze und Federico? Wie wil sie in ihren Fortsetzungen seine lange Abwesenheit mit Damenbekanntschaften in Deutschland erklären? Oder sein unväterliches Verhalten Heinrich (VII) gegenüber? Diese Konstanze hier kann ich in der Handlung nicht erkennen. Aber vermutlich wird Herrmann wieder kreativer tätig sein. Was schade ist, wie gesagt, die historischen Menschen sind für mich spannend genug.