Charlotte Roth - Wir sehen uns unter den Linden

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Offline Inge78

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Charlotte Roth - Wir sehen uns unter den Linden
« am: 26. April 2019, 14:25:12 »
Zitat
Ein aufwühlender Roman über den Mauerbau, das Leben in der jungen DDR und über zerrissene Familien und Freundschaften von der Bestseller-Autorin Charlotte Roth
Berlin nach dem 2. Weltkrieg.
Von ihrem geliebten Vater Volker, einem Lehrer, hat Susanne gelernt, an den Sozialismus zu glauben. Ohne je das Vertrauen in die Menschheit zu verlieren, hat er gegen das Naziregime gekämpft – und wurde vor den Augen seiner sechzehnjährigen Tochter kurz vor Kriegsende erschossen. Nie hat Susanne dieses Erlebnis vergessen, das sie für ihr Leben geprägt hat.. Um das Vermächtnis des Vaters zu erfüllen, widmet sich Susanne von ganzem Herzen dem Aufbau eines besseren Deutschland.
Erst als sie den lebenslustigen Koch Kelmi kennen- und liebenlernt, beginnt sie allmählich zu begreifen, was um sie herum passiert. Zu tief jedoch ist der Glaube an den Sozialismus im Osten Deutschlands in ihr verwurzelt, zu stark das Band, das sie mit dem toten Vater verbindet.
Dann kommt der 13. August, und plötzlich verstellt die Mauer Susanne jegliche Möglichkeit einer Alternative …
»Eine berührende Liebesgeschichte und eine erschütternde Familientragödie, spannend geschrieben.« Mechtild Borrmann, Autorin des SPIEGEL-Bestsellers Trümmerkind

Ein neuer Roman von Charlotte Roth/Charlotte Lyne
Eine Familiengeschichte, die einen Bogen spannt von den 20er Jahren bis in die 60er Jahre des 20.Jahrhunderts.

Das Buch beginnt mit einem Schockmoment, für die Hauptperson Susanne und für den Leser. Und diesem einem schrecklichen Moment folgen viel zu viele solcher schreckliche Momente, gerade in der Zeit des 2.Weltkrieges. Dabei schafft Charlotte Roth es, die Schrecken des Krieges zu zeigen ohne explizite Gewaltdarstellungen. Dennoch wird der Krieg weder verharmlost noch beschönigt.

Wir folgen Susannes Leben in verschiedenen Zeitsprüngen, lerne ihre Eltern kennen und später ihren Liebhaber. Und auch hierbei schafft Charlotte Roth den Spagat, Liebe ohne Kitsch darzustellen. Die Personen sind stark und mutig, aber auch schwach und verletzlich. Und dabei unglaublich liebenswert wenn auch nicht immer einfach. Mit Kelmi zB hat die Autorin einen wundervollen männlichen Charakter empfunden, der der oft so spröden Susanne absolut entgegensteht mit seiner Liebe zum genießen. Doch auch die Nebencharaktere haben Charakter, sind präsent und nehmen einen als Leser absolut mit. 

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört , Elisabeth Günther macht das großartig. Oft genug musste ich beim hören schwer schlucken, es sind auch Tränen geflossen. Ich war wütend und geschockt, mitleidig und traurig, aber auch fröhlich und voller Hoffnung.  Viele Szenen sind absolutes Kopfkino.

Charlotte Roth bringt mir vor Allem die Anfänge der DDR näher, über die ich erschreckend wenig weiß. Während des Lesens verstehe ich tatsächlich die Idee der DDR , verstehe was man erreichen will. Nur das "wie" ist wieder mal das große Problem.

Ein Buch das Mut macht, Mut gegen das "vergessen" anzukämpfen und für Toleranz und Vielfalt einzutreten. Ein Buch mit Botschaft.

Das Ende ist genial gelöst, der "Nachsatz" war wirklich hart aber absolut passend zum Buch.
Wieder ein toller Charlotte Roth Roman , ein Buch für jeden der Geschichte mag, recht neue deutsche Geschichte die in den Köpfen der Menschen lebendig bleiben sollte.



Vielleicht würde ich einen halben Punkt abziehen weil ein paar Dinge etwas vorhersehbar waren (was aber auch an der Thematik liegt)
« Letzte Änderung: 26. April 2019, 14:26:51 von Inge78 »
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Offline nala11

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Re: Charlotte Roth - Wir sehen uns unter den Linden
« Antwort #1 am: 27. April 2019, 16:43:50 »
Inge, das ist eine richtig tolle Rezi, bei der ich jedes Wort unterschreibe und eigentlicht mehr viel hinzufügen kann!

Ich habe es auch gehört und bin mindestens genau so begeistert!
Es ist wieder eine mitreißende Geschichtsstunde im Charlotte Roth -Stil.

Ich habe es auch gehört, mit der Sorge im Hinterkopf, dass das Gehörte mich vielleicht nicht so emotional packt, wie beim Lesen von Charlies Büchen. Diese Sorge war völlig unbegründet. Auch ich habe mehrmals weinen und pausieren müssen. Elisabeth Günther liest sehr toll und gibt jedem Charakter eine eigene Stimme und Stimmfarbe.


Wenn das Buch bei mir ankommt, werde ich garantiert noch einige Passagen noch einmal lesen, vielleicht auch nicht nur einige ...
Lesen ist nicht nur ein Hobby, es ist eine Lebenseinstellung.
Du misst das Jahr nicht in Wochen und Monaten, sondern in Büchern.

Offline nirak

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Re: Charlotte Roth - Wir sehen uns unter den Linden
« Antwort #2 am: 21. Juli 2019, 10:36:25 »
Schöne Nachkriegsliebesgeschichte

Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, die Welt liegt in Trümmern. Für Susanne beginnt der Wiederaufbau. Sie lebt im Ostteil Berlins. Der Sozialismus liegt ihr im Blut. Schon ihr Vater Volker hat ihn vehement ausgelebt und seinen Glauben mit dem Leben bezahlt. Für Susanne kommt nur ein Leben infrage, das frei von Nationalsozialismus ist. Mit Eifer will sie sich an diesem neuen Land beteiligen. Erst als sie den Westkoch Kelmi kennenlernt, kommen ihr erste Zweifel. Sie erlebt einen Sommer der Liebe. Aber kann Kelmi sie überzeugen, dass auch in ihrer Heimat nicht alles richtig läuft? Die Zeit wird entscheiden, was richtig und falsch ist.

Charlotte Roth erzählt ihre Geschichte in unterschiedlichen Handlungssträngen. Zum einen aus dem Leben von Volker, Susannes Vater und damit aus ihrer Kindheit. Mit ihm wird die Zeit des 2 WK lebendig. Es ist düster zu lesen und man ahnt das Ende voraus.

Der zweite Handlungsstrang erzählt dann von Susanne, als junge Frau. Der Aufbau der DDR wird geschildert. Die Hoffnung, welche die Menschen in dieses System legten, ist deutlich spürbar. Sie alle verbindet der Glaube an ein besseres Leben.

Die Geschichte von Susanne und ihrer Familie ist auf der einen Seite, bedrückend zu lesen, aber gleichzeitig auch hoffnungsvoll. Der Autorin ist es gut gelungen, die Gefühle der Menschen zu transportieren und wieder zugeben.

Auch wenn ich Suse nicht immer verstanden habe, am Ende konnte sie nicht anders handeln, als wie beschrieben. Kelmi den Koch aus Westberlin habe ich noch viel weniger verstanden. Er hat sehr um seine Liebe gekämpft. So einen hartnäckigen Verehrer wünscht sich vermutlich jede Frau. Es war schon fast ein bisschen zu viel, um nachhaltig glaubwürdig zu sein. Die Geschichte rund um Suse und ihrer Familie hat mir ganz gut gefallen. Es gab zwar Passagen, die ich etwas unglaubwürdig fand und auch die ständigen Zeitsprünge habe ich hier als störend empfunden, aber das sind nur Kleinigkeiten. Im Ganzen gesehen, war es ein lesenswertes Buch. Es gab interessante Einblicke in das Leben der Menschen nach dem Krieg.

„Wir sehen uns Unter den Linden“ ist ein gefühlvoller Roman aus dem 20. Jahrhundert. Er zeigt, wie sich Menschen ihr Leben aufbauen wollten. Auf der einen Seite die im Osten und auf der anderen Seite die im Westen. Die Missverständnisse auf beiden Seiten werden aufgeführt und die Frage bleibt, warum können wir nicht so leben, wie wir wollen. Damals, wie heute.