Die geheime Tochter - Claudia Ziegler

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Offline Lannie

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Die geheime Tochter - Claudia Ziegler
« am: 30. August 2010, 12:06:37 »
[isbn]978-3-453-35485-2[/isbn] Verlag: Diana Verlag
ISBN: 978-3-453-35485-2
Seiten: 576
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 9,95 €
ET: 04.2010

Schottland 1715

Seit vielen Jahren lebt die neunzehnjährige Französin Cécile mit ihrem Vater in den schottischen Highlands. Erst als der Vater im Sterben liegt, erfährt sie, warum ihre Familie aus Frankreich floh und welch schweres Erbe sie antreten wird. Ihr Vater, damals ein angesehener Herzog mit großen Besitztümern in Südfrankreich, wurde des Verrats und des Mordes beschuldigt und außer Landes getrieben. Der große Aufstand der Hugenotten gegen den Katholizismus als Staatsreligion war ihm politisch zum Verhängnis geworden. Nun soll Cécile statt seiner die Drahtzieher dieser Verschwörung entlarven und das Erbe der Familie retten. Entschlossen, den Wunsch des Vaters zu befolgen, reist die junge Frau ganz allein nach Südfrankreich. Noch ahnt sie nicht, dass die Widersacher des Vaters auch ihren Spuren folgen …

Meine Rezension

Ich muss zugeben, dass mich „Die geheime Tochter“ vom Thema her nicht so reizte wie der Debütroman der Autorin, „Die Favoritin des Königs“, auch wenn Frankreich, Schottland und das 18. Jahrhundert durchaus in mein Beuteschema fallen. Da ich aber vom Erstling der Autorin so unglaublich begeistert war, konnte ich gar nicht anders, als auch den aktuellen Roman von Claudia Ziegler zu lesen. Leider konnte er mich aber nicht so stark überzeugen wie es die Geschichte über Madame de Pompadour vermochte.

Sprachlich und stilistisch gibt es eigentlich nichts auszusetzen. Die Geschichte ist leicht und süffig geschrieben, so dass sich die Seiten ganz von alleine umblättern. Man bemerkt gar nicht, wie viel man bereits gelesen hat und ist überrascht wie kurzweilig Claudia Ziegler zu unterhalten vermag. Dabei kann man fast darüber hinwegsehen, dass man mit „Die geheime Tochter“ keinen fundierten historischen Roman in den Händen hält, sondern vielmehr eine Abenteuergeschichte, die an alte Mantel-und-Degen-Filme erinnert.

Leider hebt sich „Die geheime Tochter“ nicht besonders von anderen historischen Romanen ab, die derzeit den Büchermarkt überspülen. Der historische Hintergrund spielt kaum bis gar keine Rolle, dabei wäre daraus unheimlich viel zu machen gewesen. Schließlich befindet sich die Protagonisten Cécile in unmittelbarer Nähe zum französischen Hof und pflegt Kontakte zum Adel, während sich die Schotten auf einen Aufstand vorbereiten und dabei auf die Unterstützung Frankreichs bauen. Ich hätte mir wirklich gewünscht, die Autorin wäre auf diesen interessanten Aspekt schottischer und französischer Geschichte deutlich mehr eingegangen. Die Gelegenheit verstreicht allerdings fast gänzlich ungenutzt. Da habe ich mich beim Lesen schon gefragt, warum die ein oder anderen Handlungsstränge überhaupt nötig gewesen sind, wenn sie doch nur an der Oberfläche kratzen. Einige Szenen und Figuren des Anfangs hätten daher meiner Meinung nach durchaus vernachlässigt werden können, zumal es für den Leser irreführend ist, dass Schottland als Handlungsort aufgeführt wird. Dort handelt der Roman leider wirklich nur sehr bedingt und bringt den Leser doch nur auf falsche Gedanken. Gerade weil ich von dem historischen Hintergrund in „Die Favoritin des Königs“ so begeistert war, habe ich von der Autorin in dieser Hinsicht deutlich mehr erwartet.
Wer allerdings einen Abenteuerroman sucht, der zufällig im 18. Jahrhundert angesiedelt ist, ist mit diesem Roman wirklich bestens bedient. In dieser Hinsicht lässt „Die geheime Tochter“ kaum Wünsche offen. Die Protagonistin muss einige Abenteuer und gefährliche Situationen bestehen, dabei trifft sie auf Intrigen und Geheimnisse, die sie zu lüften versucht. Lernt Männer kennen, von denen sie sich nicht sicher sein kann, dass sie vertrauenswürdig sind und gerät selbstredend in ein Gefühlskarussell. Auch wenn nicht alle Handlungsverläufe wirklich plausibel und nachvollziehbar sind und sich einige Handlungsstränge nicht überzeugend auflösen, unterhält der Roman abenteuerlich gut.

Die Figuren sind zum Teil wirklich gut herausgearbeitet, wobei das vor allem auf die männlichen zutrifft. Diese konnten mich am meisten von ihrer „Echtheit“ überzeugen. Es sind starke, facettenreiche Charaktere, die die Handlung erst richtig interessant gemacht haben. Hier hat Claudia Ziegler wirklich ein gutes Gespür bewiesen. Cécile hingegen konnte mich nicht richtig überzeugen, da ich ihre Handlungsweisen und Beweggründe nicht immer nachvollziehen konnte. Dann war sie in einem Moment eine wirklich starke Frau und im nächsten doch nur das schutzbedürftige Mädchen, dass einen Fehler nach dem anderen begeht. Leider konnte mir Cécile nicht richtig nahe kommen, aber zumindest habe ich sie doch gerne auf ihrem großen Abenteuer begleitet.

Fazit

Auch wenn „Die geheime Tochter“ den Stempel „Historischer Roman“ nicht wirklich verdient, so ist es doch ein schöner Abenteuerschmöker, der mich gut unterhalten und mir kurzweilige Lesestunden beschert hat. Für Abenteuersuchende genau das Richtige, für Leser des besonderen historischen Romans, nur sehr bedingt zu empfehlen.

Meine Bewertung

Liebe Grüße
Lannie aka Cait

The Viewfinder