Scarlet - Stephen R. Lawhead

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Offline Lannie

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Scarlet - Stephen R. Lawhead
« am: 01. September 2010, 13:02:57 »
[isbn]978-3-404-16425-7[/isbn]Robin Hood, Teil 2

Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3-404-16425-7
Seiten: 461
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 9,99 €
ET: 04.2010

Britannien im 11. Jahrhundert

Die Normannen halten das friedliche Wales besetzt. König William der Rote hat den Baronen freie Hand gegeben, zu plündern und zu morden. In ihrer Verzweiflung wenden sich die Menschen an Bran ap Brychan, den man den Rabenkönig nennt und dessen Taten Legende geworden sind. Sie wollen Gerechtigkeit und Freiheit, und sie sind bereit, dafür zu kämpfen.
Einer von Brans Getreuen ist der Bogenschütze Will Scatlocke, der sich selbst Scarlet nennt. Seit vielen Generationen diente seine Familie als Vasallen eines angelsächsischen Adeligen am Ufer des Tyne. Dann enteignete der König sie mit einem Federstrich. So floh Will Scarlet in die Wälder und schloss sich der Schar von Geächteten um den Rabenkönig an. Doch nun hat man Will in den Kerker geworfen, für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat. Ihm droht der Tod durch den Strang. Oder er soll den König der Raben und dessen verschworene Schar von Geächteten verraten. Aber das wird Will Scarlet niemals tun.

Meine Rezension

Robin Hood – eine Legende. Schon oft wurde sie in der Literatur verarbeitet oder auf der Leinwand zu neuem Leben erweckt. Auch Stephen R. Lawhead wagt sich an das Thema, mit einer Trilogie. Dabei erzählt er die Abenteuer Robin Hoods vor einem gewaltigen historischen Hintergrund neu. Der Autor vergisst dabei aber nicht, die Legende mit seiner ganz eigenen Interpretation zu verknüpfen. So erschließt sich dem Leser in „Scarlet“ zum Beispiel, wie es zu dem uns heute bekannten Namen „Robin Hood“ gekommen sein könnte. Und Stephen Lawhead schlägt noch weitere Brücken.

Auch wenn alle drei Teile eine Einheit bilden, wird jeder einzelne aus einer anderen Perspektive und mit einem anderen Schwerpunkt erzählt. So kommen einem nicht nur die wichtigsten Personen deutlich näher, sondern auch die Handlung selbst wird komplexer und schreitet stetig voran. Den Auftakt machte Robin Hood als Bran bereits in „Hood“. Der zweite Teil, „Scarlet“, wird aus Will Scarlets Sicht erzählt, dabei erfährt der Leser vieles über sein Leben, vor und während seiner Zeit bei den „Geächteten“, aber auch immer mehr über das Leben mit Robin Hood/ Bran. Auch hier spielt der historische Hintergrund keine geringe Rolle und ist deutlich verständlicher geschildert als im ersten Band der Reihe, wo ich doch häufig verwirrt war und den Ausführungen Lawheads nicht immer folgen konnte.

Während mir von „Hood“ wirklich nur Bruchstücke in Erinnerung geblieben sind und mich das Buch damals nicht richtig überzeugen konnte, hat mich „Scarlet“ sehr begeistert. Vielleicht liegt es an der Figur selbst, die ich schon immer mehr mochte als Robin Hood. Aber auch der Stil wirkt hier flüssiger. Der Aufbau der Erzählung ist großartig und spannend, da das Feld hier von Hinten aufgerollt wird. Das Buch endet abrupt in einem gewaltigen Cliffhanger, der mich echt schockiert und fassungslos zurück gelassen hat. Hier ist jetzt Schluss?

Die Figuren sind seit „Hood“ deutlich gereift und lebendiger geworden. Bran kam mir im ersten Teil doch sehr starr und konstruiert vor. In „Scarlet“ ist er über seine starren Konturen hinaus gewachsen und kann endlich überzeugen. Will Scarlet, der hier erst seinen Auftritt hat, überzeugt auf Anhieb und ist derart sympathisch ausgearbeitet, dass man gar nicht anders kann, als ihm atemlos zu folgen. Er ist der verwegene, rotzfreche Mann, den ich mir immer vorgestellt habe und ist dabei so amüsant, dass Schmunzeln einfach nicht ausbleibt.
Leider bleiben aber die Nebenfiguren weiterhin farblos. Sie konnten mich nicht immer mitreißen, blieben einfache Charaktere ohne viel Tiefgang. In den einzelnen Szenen haben sie ihre Aufgaben ausreichend erfüllt, aber einen bleibenden Eindruck haben sie nicht hinterlassen. Nach einer Weile verblassen sie einfach in der Erinnerung.

Obwohl die Bücher chronologisch aufeinander aufbauen, ist es nicht zwingend erforderlich, „Hood“ gelesen zu haben, um auch mit „Scarlet“ auf seine Kosten zu kommen. Wie bereits erwähnt, hatte ich kaum noch Erinnerungen an den ersten Teil, und kam mit „Scarlet“ doch ganz wunderbar zurecht und hatte äußerst kurzweilige, spannende Lesestunden.

Fazit

„Scarlet“ ist deutlich spannender und fesselnder als sein Vorgänger „Hood“, dabei außerdem plausibler und merklich ausgereifter und komplexer. Man merkt, Stephen R. Lawhead ist in seine Geschichte hineingewachsen und lebt sie nun aus. Mit der Figur des Will Scarlet ist dem Autor ein großartiger, einprägsamer Charakter gelungen, der mich wirklich beeindruckt und mitgerissen hat und den ich nicht so schnell vergessen werde.

Meine Bewertung

Liebe Grüße
Lannie aka Cait

The Viewfinder