Die Giftmeisterin - Eric Walz

  • 1 Antworten
  • 1694 Aufrufe

Offline nirak

  • Kaminkehrer
  • Hero Member
  • *
  • Beiträge: 2005
Die Giftmeisterin - Eric Walz
« am: 18. Juli 2010, 19:21:00 »
[isbn]978-3-442-37318-5[/isbn]


Buchrückentext

„Aachen, am Heiligen Abend im Jahr des Herrn siebenhundertneunzig und neun. Das Jahrhundert liegt in seinen letzten Zügen. Dies ist die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft: zwischen mir, der Gräfin Ermengard, und der fremden Fionee, die von allen gemieden wird, und von der ich mittlerweile weiß, das sie eine Giftmeisterin ist. Und es ist die Geschichte eines Verbrechens, ich sollte besser sagen zweier Verbrechen: des einen, das ich aufgeklärt habe, und des anderen, das ich beging…“

Meine Meinung

Die Giftmeisterin ist ein weiterer historischer Krimi aus der Feder von Eric Walz.
Ich habe schon einige Bücher des Autors gelesen, und mich auf spannende Lesestunden gefreut, und  ich wurde nicht enttäuscht. Überraschend war lediglich, dass der Autor sich bei diesem Buch für die Ich-Form entschieden hat. Auch wenn ich am Anfang so meine Zweifel hatte, ob dieser Stil so glücklich gewählt war, stellte ich doch sehr schnell fest, das man die Geschichte der Gräfin Ermengard einfach gar nicht anderes erzählen konnte. Ich habe sie sehr schnell in mein Herz geschlossen.

Auf diese Weise habe ich sehr intensive an den Erinnerungen  Ermengards teilhaben können. Eindrucksvoll schildert sie uns ihr Leben am Hof Karl des Großen auf der Pfalz zu Aachen. Und lies mich auf diese Weise teilhaben an ihren Erinnerungen aus ihrem Leben an der Seite ihres Gatten Arnulf.
Ich fühlte mich mittendrin in den Ermittlungen, die die Gräfin anstellte um den Mord am Hof in Aachen aufzuklären und konnte ihr Handeln gut nachvollziehen. Hat sie doch den Toten gefunden und war ihr Mann, vom König beauftragt, diesen Mord aufzuklären. Was Ermengard jedoch wesentlich geschickter anpackte, als ihr Gatte. Die Kriminalgeschichte ist hier so gut gemacht, dass ich nicht in der Lage war, vorherzusagen wer hier der Täter war, und am Ende war ich nochmals sehr überrascht.
Im Laufe der Geschichte ist sie mir eine Freundin geworden und es viel mir schwer sie   gehen zu lassen.

Am Ende befindet sich noch ein Nachwort, wo der Autor noch einmal auf die geschichtlichen Details eingeht, und Wahrheit und Fiktion von einander trennt. Was für mich persönlich immer sehr interessant ist.

Die Giftmeisterin ist meiner Meinung nach ein sehr guter historischer Roman, der unbedingt lesenswert  ist.

Meine Bewertung:    

Offline Kathrin

  • Globaler Moderator
  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 4983
Re:Die Giftmeisterin - Eric Walz
« Antwort #1 am: 06. September 2010, 13:20:05 »
Und hier meine Meinung:

Bei dem Roman „Die Giftmeisterin“ handelt es sich um einen historischen Krimi von Eric Walz, für den der verwöhnte Leser diesmal leider nicht auf eine Fortsetzung hoffen darf. Wie die Hauptfigur Ermengard selbst sagt, ist es die Geschichte zweier Verbrechen: des einen, das sie aufgeklärt hat - die Ermordung Hugos-, und des anderen, das sie beging, ihre ganz persönliche Geschichte.

Das Buch und seine Figuren hatten mich vom ersten bis zum letzten Abschnitt fest im Griff und vor allem Figuren wie Fionee und Ermengard vermisse ich nach wie vor sehr. Ermengard, die weibliche Hauptfigur erzählt ihr Leben in der Ich-Form (was ich nur bedingt mag) als eine Art Lebensbeichte, im Mittelpunkt ihrer Erzählung stehen jedoch die Ereignisse der letzten 2 Wochen des Jahres 899. Immer wieder streut sie Ereignisse aus der älteren Vergangenheit (z. B. vom Anfang ihrer Ehe mit Arnulf) in ihre Erzählung ein und dies tut sie im Präsenz, was ich äußerst gewöhnungsbedürftig finde und weniger mag, mich hier aber überhaupt nicht gestört hat. Die Art und Weise wie Eric Walz die Geschichte durch Ermengard erzählen lässt, hat einen leicht melancholischen, nachdenklichen Touch, was ich als Stimmung gerne mag und mich ihr und ihrer Situation sehr nahe bringt.

Der Mord an Hugo und Ermengards Ermittlungen in diesem Fall sind zwar nett und man konnte auch wieder wild durch die Gegend spekulieren, dennoch war dies alles für mich nebensächlich. Denn für mich steht Ermengard und ihre Geschichte, ihre Ehe mit Arnulf und dessen Konkubine Emma bzw. die Menschen hinter den Figuren ganz eindeutig im Mittelpunkt des Geschehens. Ich hatte auf Anhieb einen Draht zu Ermengard und konnte mich wunderbar in sie und ihre Gefühlswelt (Trauer, Einsamkeit, Eifersucht) hineinversetzen. Sie hatte von der ersten bis zur letzten Seite meine volle Sympathie und gerade diese wunderbare Figur macht mich so traurig darüber, dass wir zu diesem Roman keine Fortsetzung erwarten dürfen. Besonders fällt mir bei Ermengard positiv auf, dass es sich hier nicht um die junge, unschuldige, aber ach so aufgeweckte junge Protagonistin handelt, sondern um eine reife Frau mit familiären Problemen, für die sie eine Lösung sucht.

Eine weitere Frauenfigur die mir sehr ans Herz gewachsen ist, ist Fionee, der „Inbegriff“ einer Hexe und Heilerin, von der Ermengard zunächst unerwartet Hilfe bekommt  und die - trotz all des Geheimnisvollen und Übersinnlichen das sie umgibt - unendlich viel Menschenkenntnis und Intuition besitzt. Bei ihr hatte ich ebenfalls von Anfang an ein richtig gutes und warmes Gefühl und ich hätte mir deutlich mehr Szenen mit ihr gewünscht. Fionee wirkt auf mich sehr geerdet und realistisch. Vermutlich kann sie auch sehr „ungemütlich“ werden, sie stößt Ermengard z.B. ziemlich deutlich auf Emmas Sicht der Dinge, für die Ermengard so gar keinen Sinn und Blick hat. Und dies gilt auch für mich als Leserin. Durch die Ich-Form bin ich Ermengard sehr nahe und habe ähnlich wie sie meine Scheuklappen auf, wenn es um die Rivalin Emma geht. Fionee hat einfach ein Gespür für Menschen und kann einfach gut zuhören und auch ungesagte Dinge zwischen den Zeilen heraushören. Für mich eine der ganz ganz seltenen Figuren mit besonderen Gaben, die ich tief in mein Herz geschlossen habe. Ein Mensch, den ich gerne kennen würde!

Gut gefallen hat mir auch der geschichtlichen Hintergrund, bei dem ich zunächst etwas skeptisch war, da ich mit einem Roman über die Mutter Karls des Großen meine Probleme hatte und zwischenzeitlich dachte, dass es an der Zeit liegen könnte. Eric Walz hat mir mit seiner Giftmeisterin jedoch eindeutig das Gegenteil bewiesen. Er hat viele kleine Details über die Zeit, über Karl den Großen und seine Familie in Ermengards Geschichte einfließen lassen und gerade auch Figuren, wie die Königin oder die Königstochter Theodrada mochte ich sehr. Sie wirkten menschlich und gerne stelle ich mir vor, dass es genau so gewesen ist, wie der Autor es uns schildert.

Ich bin froh, dass dies kein typischer "Die ...-in"-Roman ist, allein der Name des Autor bürgt für mich schon für wunderbare Unterhaltung und war angesichts des Covers (kopfloser Frauentorso) und des Titels – beides für hist. Romane leider heut zu Tage Usus – DER Grund, dieses Buch zu kaufen und zu lesen. Eric Walz wird für mich von Roman zu Roman besser und ich freue mich sehr auf weiteren Lesestoff von ihm, denn dieses Buch war eindeutig viel zu dünn und viel zu schnell ausgelesen!

Bewertung:


lg
kathrin
Rock the Night!