Robert Gordian: Die Heilige und der Teufel

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Offline Kathrin

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Robert Gordian: Die Heilige und der Teufel
« am: 22. Dezember 2010, 16:02:08 »
[isbn]3746622506[/isbn] Verlag: Aufbau Taschenbuch
ISBN: 3746622506
Seiten: 366
Ausgabe: TB

Kurzbeschreibung:
Eine Frau kämpft gegen ihren Mann - den König Frankreich im 6. Jh. König Chlodwig ist tot. Bruderkrieg, Verschwörung, Verrat und Mord herrschen am Hofe der Merowinger. Doch es gibt eine Frau, die gegen die barbarische Männerwelt aufbegehrt: Radegunde ist schön und intelligent.

Als 16jährige wird sie mit dem viel älteren und brutalen König Chlothar verheiratet, der nicht mit ihrem Mut und ihrer Willenskraft gerechnet hat.

Meine Meinung:
Wie gut, dass es Internet-Datenbanken wie Wikipedia gibt. Hätte ich eben nicht nochmal die dort  hinterlegte Geschichte der Heiligen Radegundis überflogen, wäre wohl keinerlei Erinnerung an den Roman „Die Heilige und der Teufel“ von Robert Gordian bei mir zurückgeblieben. Nichtsdestotrotz werde ich hierzu keine lange Rezi schreiben können. Der Roman behandelt einen Teil des Lebens der Heiligen und zwar vor allem Jahre ihrer Ehe mit Chlothars, seines Zeichens König des Frankenreichs im 6. Jahrhundert nach Christus.

Grundsätzlich finde ich den historischen Hintergrund, gerade den Krieg zwischen den vier Söhnen von König Chlodwig I., die Intrigen, Verschwörungen, Verrat und Morde am Hofe sehr interessant und was hätte das für ein spannender Roman werden können, wenn mir der Stil des Autors mehr liegen würde. Schon allein, dass Radegundis‘ Ehemann Chlothar (im Titel) als Teufel bezeichnet wird und im Roman letztlich nicht viel schlimmer dargestellt wird, als so viele andere Männer in historischen Romanen finde ich ihm gegenüber ungerecht, zumal ich  - zumindest auf die Schnelle – keine Belege dafür finden konnte, dass er wirklich ach so schlimm war. Gut, eine Frau gegen ihren Willen zu heiraten und zu schlagen, das finde ich auch nicht in Ordnung, aber ob das wirklich so schlimm und brutal war, ich weiß es nicht. Letztlich ist mein Hauptkritikpunkt an seiner Figur, dass er so eindimensional dargestellt wurde, wie letztlich eigentlich alle Figuren des Romans. Die ach so schöne und gute und intelligente Radegundis hat mich schrecklich gelangweilt, so dass Chlothars Bosheiten fast schon wieder auflockerend waren. Die Figuren wirken auch in ihren Worten/ Dialogen langweilig, nahezu tot. Es ist einfach kein Leben in dem Roman, weshalb er mich auch nicht mitreißen konnte. Ich denke wirklich, dass man aus dem Thema mehr machen kann, Robert Gordian ist es in meinen Augen leider nicht gelungen, auch wenn es erster (und wohl auch letzte) Roman des Autors für mich war. Für mich wirkte der komplette Roman leider einfach leblos, als ob der Autor seinen Figuren gegenüber viel zu neutral eingestellt sei. Die vermeindliche fehlende Liebe und Nähe des Autors zu seinen Figuren hat sich beim Leser auf mich übertragen und mir das Lesen leider zu einer Qual werden lassen. Im Vergleich zu anderen Büchern schneidet das Buch jedoch relativ gut ab, da ich die Figuren zumindest nicht total doof und unsympathisch finde (sie sind mir einfach egal) und mich der historische Hintergrund wirklich fasziniert hat, auf den der Autor in Anbetracht der Kürze des Romans auch nicht zu lang oder zu kurz eingegangen ist. Das war wirklich in Ordnung und auch gut recherchiert.

Bewertung:
Rock the Night!