Cornelia Funke: Reckless - Steinernes Fleisch

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Offline Kathrin

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Cornelia Funke: Reckless - Steinernes Fleisch
« am: 20. Januar 2011, 08:58:15 »
[isbn]3791504851[/isbn]   Reckless: Steinernes Fleisch
Cornelia Funke
Fantasy
Seiten: 346
Verlag: Dressler(September 2010)
Preis: 19,95 Euro

Kurzbeschreibung:
Jahrelang ist es Jacob Reckless gelungen, im Zimmer seines verschwundenen Vaters unbeobachtet die Hand auf den Spiegel zu legen und so ins märchenhafte Reich dahinter zu gelangen. Dort hat er als erfolgreicher Schatzjäger unter anderem im Dienst der Kaiserin gearbeitet, ist dem Schuh von Aschenputtel ebenso hinterher gejagt wie dem Tischlein deck dich, dem Knüppel aus dem Sack oder dem Goldenen Ball, der jeden in sich hineinzuziehen vermag, der ihn berührt. Und er hat erfahren, dass sein Vater mit seinen Erfindungen den grausamen Goyls bei ihrem Kampf gegen die Menschen geholfen hat: jenen seelenlosen Wesen also, deren Haut (und Herz) aus Stein besteht.
Jetzt aber ist Jacobs jüngerer Bruder Will dem Schatzjäger ins geheimnisvolle Reich hinter dem Spiegel gefolgt – und gerät dadurch in tödliche Gefahr. Plötzlich droht er selbst zu einem Goyl zu werden: mit einer Haut aus Jade. Der Jade-Menschengoyl aber soll mit einer ungeheueren Macht ausgestattet sein, die sich der Goyl-Herrscher Kami’en zunutze machen könnte, um endgültig über die Menschen zu siegen. So jedenfalls hat es die Dunkle Fee erträumt, die an der Seite Kami’ens herrscht. Und während Jacob mit Wills Freundin Clara und der Gestaltenwandlerin Fuchs verzweifelt versucht, den Verfall von Wills fleischlicher Haut in Jade aufzuhalten, ist Will längst als Leibwächter des Goyl-Königs eingeplant. Eine unerbittliche Jagd gegen die Zeit beginnt, die Jacob kaum gewinnen kann...

Meine Meinung:
Nach dem großen Erfolg der Tintentrilogie erzählt Cornelia Funke mit ihrem neuen Roman „Reckless“ eine weitere Geschichte, die neben Kindern und Jugendlichen auch Erwachsene in ihren Bann zieht.

Für mich persönlich bedeutete das Buch zum einen die Rückkehr zum Lese-SPASS, so dass ich wieder locker einige Stunden gebannt in einer anderen Welt veschwinden konnte, ohne einzuschlafen oder von dem Buch genervt zu sein. Zum anderen stellt das Buch für mich eine gewisse Rückkehr in die Kindheit dar, da es extremen Märchencharakter hat und mit vielen Anspielungen auf bekannte Märchen und Filme aufwartet, wie z.B. Schneewittchen, Dornröschen oder Edward mit den Scherenhänden. Auch die Anspielungen auf die wahre Geschichte (Schloss Schwanstein, Märchenkönig Ludwig) oder allein die Tatsache, dass die beiden Brüder, die Hauptfiguren die Vornamen der Gebrüder Grimm bekommen haben, fand ich sehr schön. Selbst wenn es mir teilweise zu einfach, zu schnell und zu oberflächlich war, wie ich das bei Jugendbüchern gerne mal bemängele, so hat es mich hier doch so gut wie gar nicht gestört. Im Gegenteil, ich habe es genossen, mich einfach von der fremden Welt absorbieren zu lassen, ohne groß über die Hintergründe nachzudenken.

Auch wenn ich Reckless im Vergleich zu den Tintenbüchern deutlich flacher empfinde, ist in diesem Buch für mich dennoch viel drin: Liebe, geschwisterliche Liebe und Zusammehalt, starke Frauen, faszinierende Figuren, Trauer, Hoffnung und auch wieder Hoffnungslosigkeit, grausame Passagen, Glück, Lachen, Freude. Die Geschichte ist von Cornelia Funke äußerst liebevoll geschrieben und hat mich stellenweise total verzaubert. Teilweise dachte ich das Buch hätte eher einen angenehm unaufdringlichen Charakter doch irgendwie dachte ich gleichzeitig, je unaufdringlicher es für mich wurde, desto weniger konnte ich mich davon lösen.

Die Figuren sind für mich jedoch leider der Schwachpunkt des Buches. Die vier Hauptcharaktere Will, Jacob, Fuchs und Clara stehen fast zu sehr im Mittelpunkt, so dass andere Figuren, wie z.B. die schwarze oder die rote Fee, oder auch die Kaiserin und ihre Tochter keine Möglichkeit haben sich zu entwickeln. Und dabei zeigten doch gerade diese Figuren viel Potential, spannende Elemente und mehrere Seiten, ganz im Gegensatz zu den vier Protagonisten. Die mochte ich zwar gerne, aber sie waren leider doch zu eindimensional gezeichnet. Lediglich die beiden Frauenfiguren zeigten etwas mehr Ecken, vor allem Clara, so dass sich vielleicht der ein oder andere Leser an ihr stoßen mag. Fuchs liebte ich direkt mit ihrem ersten Auftauchen. Das mag zum einen der Tiercharakter in ihr sein, zum anderen umgab sie eigentlich von Anfang an etwas Trauriges und Hoffnungsloses, so dass ich sofort und für immer auf ihrer Seite war. Mit ihr kamen Emotionen in die Geschichte, so dass ich doch sehr mit ihr mitgelitten oder mich mit ihr gefreut hat (aber ich kann tierischem Abgeschlabbere eh nicht wiederstehen, wie meine Katzen bestätigen können).

Liebe ist für mich das (versteckte) Hauptthema des Buches. Man könnte sogar fast schon von der unglücklichen, hoffnungslosen Liebe sprechen. Die beiden jungen Männer suchen ihren Vater, der in der Spiegelwelt  verschwunden zu sein scheint, Fuchs liebt Jacob, der dies jedoch gar nicht zu verstehen scheint. Fuchs empfindet dabei Eifersucht, ein Gefühl, dass sie nicht verstehen kann, Clara liebt Will, doch der verwandelt sich mehr und mehr zu kaltem Stein und sie muss machtlos dabei zusehen, ohne ihm helfen zu können. Die rote und die schwarze Fee lieben auch, allerdings verstehen auch sie diese Gefühle nicht wirklich. Dieses Thema „Liebe“ sieht man vielleicht nicht immer gleich auf den ersten Blick, aber die Liebe sickert doch immer wieder durch die Seiten und das hat mir gut gefallen, auch wenn es teilweise doch an hoffnungslose Liebe grenzt.

Leider endet das Buch mit einem schrecklichen Cliffhanger, der mich umso mehr ärgert, da ich zwar weiß, dass es eine Fortsetzung (oder sogar mehrere Teile), geben wird, aber diese erst noch geschrieben werden müssen. Insofern hoffe ich, dass Frau Funke die Ideen nicht ausgehen und wir bald mit neuen Geschichten von Jacob und Fuchs beglückt werden. Ich freute mich sehr, als ich las, dass Fortsetzungen geplant sind, dennoch finde ich es unbefriedigend, dass das Buch mit so vielen offenen Fragen für mich endet. Auch die Oberflächlichkeit enttäuschte mich ein wenig, da ich einfach durch die Tintenbücher anderes von der Autorin gewohnt bin und eine Karte von der Welt hinter dem Spiegel hätte ich mir auch gewünscht…das ist doch fast schon ein Muss bei Fantasy-Büchern. Nichtsdestotrotz habe ich das Lesen des Buches extrem genossen, ich konnte abtauchen in die Welt hinter dem Spiegel und freue mich auf die Fortsetzungen.

Bewertung: (trotz aller Kritikpunkte)


lg
kathrin
« Letzte Änderung: 11. Mai 2011, 12:57:33 von Kathrin »
Rock the Night!

Offline Loomis

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Re:Cornelia Funke: Reckless - Steinernes Fleisch
« Antwort #1 am: 07. April 2011, 09:45:10 »
Ich habe Reckless nun auch gelesen. Es war mein erstes Buch von Cornelia Funke.

Ganz so gut wie Dir hat es mir nicht gefallen, auch wenn es für mich kein Flop war. Aber die von Dir auch genannte Oberflächlichkeit hat mich schon sehr gestört. Es wurden unglaublich viele Ideen bzw. Reminiszenzen an Grimms Märchen eingebaut, aber kaum eine wurde dann auch mal verfolgt. Manchmal hatte man den Eindruck, die Autorin nennt diesen oder jenen Märchengegenstand nur, damit er halt mal genannt wurde. Nur selten spielen diese Dinge dann auch eine wirkliche Rolle.

Auch die Figuren konnten mich nicht überzeugen. Eine echte Bindung zu Jacob konnte ich nicht aufbauen.
Man konnte nicht mit ihm mitfiebern, denn aus jedem Schlamassel war er sowieso in Minuten wieder raus.
Als er zwischenzeitlich erschossen wurde hat mich das nicht schockiert und wenns das dann gewesen wäre, hätte es mich ehrlich gesagt auch nicht gekümmert. Aber es war ja klar, dass er nach einer viertel Seite wieder quicklebendig war.


Einzig Fuchs fand ich gut, aber auch bei ihr erfährt man nichts über die Hintergründe, nur einmal wird kurz etwas angedeutet.

Ach ja, für Kinder ist das Buch meiner Meinung nach nichts, dafür ist es zu hart.

Also wie gesagt, ich fand es jetzt nicht wirklich schlecht, es hat schon einigermaßen Spaß gemacht zu lesen, aber zu einer Empfehlung reicht es dann doch nicht. Die Folgebände, falls welche kommen, werde ich wohl nicht lesen.
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