Eine Messe für die Medici - Richard Dübell

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Offline Kathrin

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Eine Messe für die Medici - Richard Dübell
« am: 21. April 2011, 13:19:42 »
[isbn]9783784460383[/isbn] Verlag: Nymphenburger Verlag
ISBN: 9783784460383
Seiten: 463
Ausgabe: HB

Kurzbeschreibung:
Ostern im Florenz des Jahres 1478: Während der Messe im Dom wird Giuliano de' Medici, der Bruder des mächtigen Renaissancefürsten Lorenzo de' Medici, ermordet. Der Kaufmann Peter Bernward glaubt, seinen Ohren nicht zu trauen, als die Nachricht verbreitet wird, seine Gefährtin Jana sei als Mitverschwörerin verhaftet worden. Alles spricht gegen sie. Eine spannende Enthüllungsgeschichte nimmt ihren Anfang.

Meine Meinung:
„Eine Messe für die Medici“ ist der zweite Roman der historischen Krimiserie um den Landshuter Ermittler Peter Bernward, der in diesem Roman seine Partnerin Jana nach Italien, genauer gesagt nach Florenz, auf Geschäftsreise begleitet. Sie geraten mitten hinein in die Turbulenzen rund um die berühmte Pazzi-Verschwörung. Peter selbst erlebt das Attentat auf die Brüder Lorenzo und Guiliano de Medici im Dom zu Florenz hautnah mit während Jana bei einem Geschäftsessen ist und kurz darauf verhaftet und der Beteiligung an der Verschwörung angeklagt und ins Gefängnis gesteckt wird.

Dies war leider das erste Buch von Richard Dübell für mich, bei dem ich meine eigenen kleinen Schwierigkeiten hatte, wobei ich dies auch auf meine private Situation mit diversen Baustellen um mich rum zurückführe. Dies hat mir das Lesen und „am Ball bleiben“ etwas erschwert. Außerdem hat die düstere Grundstimmung des Buches, die durch den Verdacht, der auf Jana fällt und die äußerst angespannte Beziehung zwischen Jana und Peter noch mehr getrübt wird, mir schwer zu schaffen gemacht. Zwischenzeitlich waren mir auch die Beschreibungen der Stadt etwas zu ausführlich, mir haben mitunter die grandiosen Dialoge des Autors und auch sein wunderbarer Humor gefehlt, auch wenn der hier vielleicht inhaltlich tatsächlich etwas fehl am Platze gewesen wäre. Umso glücklicher war ich über die Figur von Herr Boehl, der aus meiner Sicht in den nächsten Romanen mit Peter Bernward ruhig wieder auftauchen dürfte. Der war so herrlich polterich mit seiner Meinung und seinem ganzen Wesen. Wo mich die verkorkste Situation, in der Jana und Peter sich befinden, total runtergezogen hat, hat Boehl mich wunderbar aufheitern können.

So sehr mich das gestörte Verhältnis zwischen Jana und Peter auch belastet hat, so gut fand ich dennoch, dass zwischen den Hauptfiguren mal nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Teilweise wirkt das ganze ziemlich hoffnungslos und Peter war mir fast zu sehr auf seine Rolle als Janas Begleiter reduziert. Wenn Jana nicht verhaftet worden wäre und Peter um sie hätte kämpfen müssen, weiß ich ehrlich gesagt nicht, ob das noch lange gutgegangen wäre zwischen den beiden. Aber vielleicht müssen sie diese Krise auch einfach durchgehen um wirklich zu verstehen, was sie aneinander haben und wie viel sie sich bedeuten. Auch wenn mir selbst eine selbstbewusste und starke Persönlichkeit als Hauptfigur mehr liegt, so ist gerade Peter in seiner fast schon Durchschnittlichkeit, seinen Schwächen, Fehlern und Problemen extrem menschlich.

Äußerst spannend finde ich den historischen Hintergrund um die Pazzi-Verschwörung. Es ist nicht mein erstes Buch zu diesem Thema und der Familie und wird auch nicht mein letztes sein, der nächste Roman liegt schon bereit. Gerade die Situation in der Stadt nach dem Attentat, die Gewalt, die Selbstjustiz der Florentiner gegen die Attentäter wurde wunderbar anschaulich geschildert. Oft genug wollte ich das Kopfkino stoppen, weil es mir zu grausam wurde. Die Welle der Gewalt ist wirklich gut übergeschwappt und hat mich ganz schön erschüttert.

Die Intrige jedoch die um Peter vor allem aber um Jana selbst gesponnen worden ist, war für mich absolut undurchsichtig. Es gab eine Verdächtige, aber irgendwie konnte ich an keinen so recht glauben und dabei verdächtige ich bei Krimis doch sonst immer jeden. Hier war es genau umgekehrt, ich habe irgendwie keinen so recht verdächtigen können. Ich kam mir vor wie in einem Kreisverkehr, bei ich nicht weiß, welche Ausfahrt ich nehmen soll. Und je näher wir der Lösung des Falls kamen, umso heftiger habe ich beim Lesen mit dem Kopf geschüttelt, weil ich es einfach nicht wahrhaben wollte, dass ausgerechnet derjenige, den ich am wenigsten auf der Rechnung hatte, sich als Drahtzieher hinter allem versteckte.

Auch wenn mir das Buch nicht ganz so gut gefallen hat, wie die bisher gelesenen Romane von Richard Dübell, so bin ich doch sehr gespannt auf die nächsten Fälle mit Peter Bernward und Jana und wer weiß, vielleicht wird die ein oder andere Frage, die ich mir im Laufe des Romans gestellt habe oder auch die ein oder andere Figur in Band 3 – 5 wieder aufgegriffen. Mich würde es freuen.

Bewertung:


lg
kathrin
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