Ursula Poznanski - Saeculum

Begonnen von Aurian, 11. Januar 2012, 23:11:08

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Aurian

[isbn]9783785570289[/isbn]

493 Seiten
Loewe Verlag
Jugendbuch 14-17 Jahre

Inhalt
Um seiner neuen Bekanntschaft Sandra näher zu kommen, entschließt sich der Medizinstudent Bastian mit ihr an einem Mittelalter-Live-Rollenspiel irgendwo in der Einsamkeit teilzunehmen, ganz ohne Handy, ohne Strom und alle sonstigen Erfindungen der Neuzeit. Doch er hat keine Ahnung, was da auf ihn zukommt.

Meine Eindrücke
Die Grundidee des Buches hat mir sehr gut gefallen, denn sie weicht von den bekannten Handlungen ab und hörte sich interessant an. Außerdem hat mich die etwas düstere Optik des Buches, was durch den schwarzen Schnitt unterstrichen wird, zusätzlich zum Kauf animiert. 

Es fiel mir leicht, mich auf die Geschichte einzulassen und anfangs hat sie mir auch richtig gut gefallen.

Da ist eine Gruppe junger Leute, die fünf Tage in der Einsamkeit verbringen wollen, weit weg von der nächsten Straße und ganz ohne irgendwelche Technik. Schon am ersten Tag werden sie von einem starken Gewitter überrascht und es wird deutlich, wie schnell sich das Leben auf das wesentliche reduziert, wenn man ganz ohne Unterkunft der Natur ausgeliefert ist. Da bekommt etwas so normales wie ein Gewitter eine ganz andere Bedeutung.

Kaum ist das überstanden geht es los mit merkwürdigen Ereignissen und die Spannung steigt immer mehr. Doch nach und nach wurde mir klar was hier passiert und leider auch
Spoiler
wer bzw. was dahintersteckt
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, wodurch das nachfolgende Geschehen für mich etwas durchsichtig war. Wenn ich diese Ahnung nicht gehabt hätte, wäre das Buch sicher ein spannendes Leseerlebnis gewesen.

Trotzdem empfand ich es als beklemmend, wie sich die Geschichte weiterentwickelte, vor allem wie sich das Verhalten der Teilnehmer des Rollenspieles veränderte. Je größer die Bedrohung ihres Lebens wurde, desto mehr trat ihr wahrer Charakter zutage und es war erschreckend wozu sie bereit  waren.

Das Ende fand ich allerdings sehr unbefriedigend.  Die Botschaft, die hier vermittelt wird, fand ich für ein Jugendbuch mehr als unpassend.

Insgesamt lässt mich das Buch sehr zwiegespalten zurück.

[note3+]

Liebe Grüße
Aurian

SilkeS.

Hallo Aurian!

Ich habe ja gerade Erebos, das Debüt der Autorin.
Das fand ich total spannend und von der Idee her einmalig und genial umgesetzt, samt der Lösung.
Ich bin schon total neugierig auf Saeculum. Bei mir in der Bibl. gibt es das leider bislang nur als HB und außerdem wollte ich meinen SUB niedrig lesen .... was natürlich bei so tollen Büchern und kritiken verflixt schwer ist.

Gruß SilkeS.
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Aurian

Zitat von: SilkeS. in 13. Januar 2012, 11:53:07
Ich habe ja gerade Erebos, das Debüt der Autorin.
Das fand ich total spannend und von der Idee her einmalig und genial umgesetzt, samt der Lösung.
Ich bin schon total neugierig auf Saeculum. Bei mir in der Bibl. gibt es das leider bislang nur als HB und außerdem wollte ich meinen SUB niedrig lesen .... was natürlich bei so tollen Büchern und kritiken verflixt schwer ist.
Wenn du es gelesen hast kannst du ja kurz deine Meinung dazu schreiben. Die würde mich sehr interessieren.

Soll ich dir das Buch leihen und zuschicken?

Liebe Grüße
Aurian

Susanne

[isbn]3785570287[/isbn]  
Saeculum von Ursula Poznanski
Jugendthrillerr
Seiten: 496
Bewertung:[note3+]

Kurzbeschreibung
Fünf Tage im tiefsten Wald, die nächste Ortschaft kilometerweit entfernt, leben wie im Mittelalter ohne Strom, ohne Handy , normalerweise wäre das nichts für Bastian. Dass er dennoch mitmacht bei dieser Reise in die Vergangenheit, liegt einzig und allein an Sandra.
Als kurz vor der Abfahrt das Geheimnis um den Spielort gelüftet wird, fällt ein erster Schatten auf das Unternehmen: Das abgelegene Waldstück, in dem das Abenteuer stattfindet, soll verflucht sein.
Was zunächst niemand ernst nimmt, scheint sich jedoch zu bewahrheiten, denn aus dem harmlosen Live-Rollenspiel wird plötzlich ein tödlicher Wettlauf gegen die Zeit.
Liegt tatsächlich ein Fluch auf dem Wald?

Meine Meinung
Die ganze Zeit überlege ich, wie mir das Buch gefallen hat. Und irgendwie kann ich es sehr schwer einschätzen.
In der Geschichte erlebt man als Leser unglaubliche Wendungen die einem beim Lesen daran zweifeln lassen, daß wirklich Alles in diesem Buch was erzählt wird eine natürliche Erklärung haben kann. Doch genau wie schon bei Erebos wird Alles Unglaubliche doch zum Schluß mit normeln Dingen erklärbar. Und die Autorin erzählt eine spannende und fesselnde Geschichte.
Trotzdem erscheint der Schluß für mich unrealistisch und das ist unter anderem einer der Kritikpunkte für mich an diesem Buch.
Die Geschichte erinnert streckenweise an eine moderne Art von Hexenjagd und die Gruppe reagieren auch wenn sie sich in einer sehr ausergewöhnlichen Situation befinden für mich schon recht schnell sehr extrem.
Ein weiterer Kritikpunkt ist, das einige Figuren deutlich überzeichnet sind und dadurch verlieren sie und der Verlauf ihrer Geschichte an Glaubwürdigkeit.
Wie hat mir nun das Buch gefallen?
Bis zu einem gewissen Punkt in der Geschichte recht gut. Der Anfang war etwas zäh, aber dann war man schnell von der Geschichte gefangen hat und ich habe mich in einer Art Lesesog befunden. Doch etwas 100 Seiten vor dem Ende, ist die Geschichte für mich zumindest in eine Richtung gewandert die mir nicht mehr gefallen hat. Das Lesen hatte ab dem Zeitpunkt eine fast "gruselige" Art mich zu fesseln.



@Aurian: Wie Du schon aus der LR weißt, ist es mir mit dem Buch ähnlich wie Dir gegangen. Erstaunlich für mich ist, daß ich über das Ende als solches noch länger nachgedacht habe. Wahrscheinlich weil ich das Buch mit diesem Ende irgendwie für mich nicht befriedigend zuklappen konnte.


Liebe Grüße
Susanne




SilkeS.

Zitat von: Aurian in 13. Januar 2012, 12:19:26
Zitat von: SilkeS. in 13. Januar 2012, 11:53:07
Ich habe ja gerade Erebos, das Debüt der Autorin.
Das fand ich total spannend und von der Idee her einmalig und genial umgesetzt, samt der Lösung.
Ich bin schon total neugierig auf Saeculum. Bei mir in der Bibl. gibt es das leider bislang nur als HB und außerdem wollte ich meinen SUB niedrig lesen .... was natürlich bei so tollen Büchern und kritiken verflixt schwer ist.
Wenn du es gelesen hast kannst du ja kurz deine Meinung dazu schreiben. Die würde mich sehr interessieren.
öhm, ich muß es erstmal schaffen eine Rezi zu schreiben.... Aber sobald die steht, werde ich sie hier veröffentlichen.
Es ist aufjedenfall ein Tipp

Zitat von: Aurian in 13. Januar 2012, 12:19:26
Soll ich dir das Buch leihen und zuschicken?
Meinst Du Saeculum? Das wäre total lieb von Dir. Meine Bibl. hat es bislang nur als HB, aber möchte es als Buch lesen.


Gruß Silke
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Aurian

Zitat von: Susanne in 13. Januar 2012, 14:59:22
@Aurian: Wie Du schon aus der LR weißt, ist es mir mit dem Buch ähnlich wie Dir gegangen. Erstaunlich für mich ist, daß ich über das Ende als solches noch länger nachgedacht habe. Wahrscheinlich weil ich das Buch mit diesem Ende irgendwie für mich nicht befriedigend zuklappen konnte.
Da kann ich dir nur zustimmen. Über manche Dinge ärgere ich mich immer noch.

Zitat von: SilkeS. in 16. Januar 2012, 09:07:11
Zitat von: Aurian in 13. Januar 2012, 12:19:26
Soll ich dir das Buch leihen und zuschicken?
Meinst Du Saeculum? Das wäre total lieb von Dir. Meine Bibl. hat es bislang nur als HB, aber möchte es als Buch lesen.
Hast du noch die gleiche Adresse wievor zwei Jahren? Ich schicke dir Saeculum gerne zu.

Liebe Grüße
Aurian

SilkeS.

Zitat von: Aurian in 16. Januar 2012, 19:36:44
Meinst Du Saeculum? Das wäre total lieb von Dir. Meine Bibl. hat es bislang nur als HB, aber möchte es als Buch lesen.
Hast du noch die gleiche Adresse wievor zwei Jahren? Ich schicke dir Saeculum gerne zu.
[/quote]
Ja, ich bin nicht umgezogen.
Danke für das liebe Angebot

Gruß Silke
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SilkeS.

Das 2. Buch für mich von der Autorin und es ist das zweite Buch was sie rausgebracht hat.
Es ist unabhängig von den anderen erschienen Bücher zu lesen und in sich abgeschlossen.
Sehr schön finde ich die schwarz-weiße, aufs Minimum reduzierte Aufmachung. Die Idee finde ich sehr gut, weil sie zum Thema passt
Saeculum = Jahrhundert.
Die Gruppe Jugendlicher hier, um die es geht, macht eine Saeculum Convention zum 14. Jahrhundert.
Bei der Convention wird das Leben auf ein Minimum reduziert und dem leben zur damaligen Zeit angepasst, d.h.
Brillenträger dürfen keine Brille tragen, Handy müssen abgeben werden, für die Notdurft müssen Latrinen gegraben werden, man darf keine Streichhölzer für's Feuermachen verwenden, man bastelt sich Facklen, Taschenlampen und Kerzen sind nicht erlaubt.
Für Bastian, aus dessen Sicht das Buch geschrieben ist es es neue Erfahrung und er läßt sich nur Sandra zuliebe darauf ein, um ihr zu imponieren.
Schwer fand ich als Leserin mich in Bastian, seines Zeichens 20 jähriger strebender Stubenhocker, zu versetzen.
Mit ihm unterwegs ins ingesamt ca 10 Personen, Jungen und Mädchen gemischt.
Die Charakter sind sehr lebendig herausgearbeitet von der ängstlichen, traumatisierten Iris, über die an einen Fluch glaubende und mit Beschwörungsformeln vor sich hinmurmelnde Doro, über Paul den Conventionleiter....

Der Einstieg in die Handlung dauert länger bei Erebos.
Man ist auf einem Mittelaltermarkt und erlebt mit, wie Bastian von der Convention erfährt und dazu eingeladen ist. Man spürt beim Lesen, seine Neugierde, aber auch seine Unsicherheit vor dem im Unbekannten.
Auch erlebt man die Aufregung der Gruppe, dei es nicht abwarten kann sich in das 5-tägige Abenteuer zu stürzen.
Als Leser selber wurde ich auch irgendwann ungeduldig und wollte, dass es endlich losgeht, denn es erging mir wie Bastian, ich wußte nicht was mich erwarten würde.
Als es dann losgeht, wird es sehr spannend. Es ist alles sehr gut beschrieben und da man quasie aus der Sicht Bastian alles erlebt, ist man "live" dabei.
Die Convention verläuft andrers als alle erwarten, es verschwinden Teilnehmer, andere verletzten sich auf mysteriöse Art und Weise, das Wetter bringt ständig schwere Gewitter und starke Regenfelle und das tägliche Überleben wird schwerer als gedacht.
Die ganze Szenerie wird sehr spannend, abenteuerlich und gruselig, denn man fängt an den anderen Teilnehmern zu misstrauen. Jeder wird auffällig, benimmt sich eigenartig und man hat bald Angst vor jeden beschriebenen Geräusch.
So sehr man auch die Seiten rast, denkt man doch:
"Wann sind diese 5 Tage nun endlich zu Ende? Ich will nach Hause, in saubere Klamotten, in mein Bett, auf eine normale Toilette...!"
Aber die Autorin baut immer wieder neue Abenteuer, neue Rückschläge, neue Katasthrophen ein, die einen quasie schon fast körperlich mitleiden lassen.
Man kann das Buch nicht aus der Hand legen, denn man will ja keine Schwäche zeigen, will sich ja endlich aus der schwieigen Situation herausbugsieren, will endlich nach Hause...
Das Ende kommt langsam, nicht unbedingt erlösend, aber das würde nicht passen, bietet ein nettes Extra und man muß irgendwie nach dem ganzen Adrenalin, was beim Lesen ausgeschüttet wird, erstmal durchschnaufen und sich orientieren.

Note 1- [note2+]
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Bücherhexe

Meine Meinung:
Als ich wusste, worum es in diesem Buch geht, wollte ich es unbedingt lesen. Ich gehöre zwar keiner Live-Rollenspielgruppe an, gehe aber unheimlich gerne auf Mittelaltermärkte und interessiere mich auch sonst für das düstere, oft romantisierte Zeitalter.
"Saeculum" bedeutet Jahrhundert und in diesem Fall hat sich die Gruppe für das 14. Jahrhundert entschieden. Ein komplettes Wochenende leben wie damals, ohne jeglichen Komfort, kein Strom, keine Batterien, keine Streichhölzer.
Für Bastian ist das eine ganz neue Welt, denn der Medizinstudent lebt eigentlich nur für seine Bücher und Prüfungen. Aber als er Sandra kennenlernt, geht er ihr zuliebe mit auf einen Mittelaltermarkt und lässt sich von der Atmosphäre anstecken. Es ist für ihn wie eine Reise in eine andere Welt. Und so ist er auch einverstanden, dieses Leben mal mehrere Tage auszuprobieren. Das erspart ihm auch eine Reise mit seinem herrischen Vater nach Berlin, einem berühmten Chirurgen.
Also geht es mit dem Zug von Köln in die Berge nach Österreich, in ein abgelegenes Waldstück. Unterwegs erzählt ihm Paul von der Sage der "Blutgruft". Der Legende nach soll es dort im Mittelalter in der Gruft einer Burg ein Massaker gegeben haben.
Einige der Gruppe sind nicht begeistert vom Ziel der Reise und Doro prophezeit großes Unheil, denn es liegt ein Fluch über der Gegend.
Tatsächlich geschehen immer wieder merkwürdige Dinge und Bastian fragt sich irgendwann, ob es tatsächlich sein kann, dass sich der Fluch des ermordeten Burgherren erfüllt. Oder steckt etwas ganz anderes hinter den Vorkommnissen? Warum benimmt sich Sandra so komisch, seit sie angekommen sind?
Und welches Geheimnis hat Iris? Hat sie wirklich nur Angst vor dem Fluch?


Die Charaktere sind sehr vielfältig und unterschiedlich. Bastian mochte ich gleich zu Anfang, ebenso Iris, trotz ihrer zunächst kratzbürstigen Art. Oder vielleicht gerade deshalb? ;-)  Auch Steinchen war mir direkt sympathisch. Im Gegensatz zu Sandra. Und Paul. Bei beiden hatte ich ein komisches Gefühl.

Dies war mein erstes Buch von Ursula Poznanski. Obwohl die Personen ja alle erst so um die zwanzig sind, würde ich es nicht als Jugendbuch bezeichnen. Andererseits ist es aber auch schwer in ein Genre einzuordnen. Am ehesten noch würde ich es als Spannungsroman mit einem Hauch Mystery bezeichnen. Die Autorin schreibt wunderbar anschaulich und ich konnte die Geschichte richtig vor mir sehen und hatte fast das Gefühl, dabei zu sein. Im Wald, auf der Lagerwiese, in der Burgruine.

Auf jeden Fall wandert das Buch auf meine Favoritenliste und ich kann es jedem empfehlen, der nicht nur auf die üblichen Serienkiller-Krimis steht.

:Box1: :Box1: :Box1: :Box1: :Box1: :Box_grau1:
Was ich rette geht zu Grund, was ich segne muss verderben.
Nur mein Gift macht dich gesund. Um zu leben musst du sterben.
(Musical: Tanz der Vampire)