Das Obsidianherz - Ju Honisch

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Offline Kathrin

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Das Obsidianherz - Ju Honisch
« am: 18. Oktober 2013, 08:32:31 »
[isbn]3867620288[/isbn]   Das Obsidianherz
Ju Honisch
Fantasy/ Steampunk
Seiten: 809
Verlag: Feder & Schwert
Preis: 16,65 Euro

Inhalt:
München 1865. Ein magisches Manuskript, dessen Inhalt in den falschen Händen von ultimativer Zerstörungskraft sein kann, ist verschwunden. Der britische Agent Delacroix erhält den Auftrag, die Schrift aufzuspüren und zurückzubringen, wobei ihm zwei junge bayerische Offiziere sowie ein Magiewissenschaftler hilfreich zur Seite stehen. Doch auch das Böse trachtet in mannigfaltiger Form nach der Macht des Manuskripts, um die Welt in ein Abbild seiner eigenen grausamen Phantasien umzuwandeln.
Nichts von all dem ahnt Miss Corrisande Jarrencourt, eine junge Dame, die in München nur einen wohlsituierten Ehemann sucht. Ins Geschehen hineingezogen muss sie feststellen, daß es auf dieser Welt Dinge gibt, von deren Existenz sie bis dahin nichts ahnte ...

Meine Meinung:
Ich befürchte, mich hat ein Vampir gebissen. Vielleicht bin ich auch nur „arpadisiert“, denn auf meine alten Tage bin doch tatsächlich von einem Vampir besessen – und dass, obwohl  ich doch so lange erfolgreich einen großen Bogen um alle Vampir- und Werwolf-Bücher dieser Welt gemacht habe. In „Das Obsidianherz“ von Ju Honisch, habe ich keine Vampire vermutet und so dachte ich, in meiner „Nein! Ich lese keine Vampir-Bücher“-Einstellung, für ca. 5 Sekunden daran, das Buch wegzulegen, als klar wurde, wer bzw. was Graf Arpad ist. Aber was hätte ich da für ein wundervolles Buch verpasst! Auch wenn das Lesejahr 2013 noch nicht beendet ist, so kann ich jetzt doch schon sagen, dass dieser Roman eines meiner persönlichen Lese-Highlights 2013 ist!

Dabei habe ich den Anfang als etwas holprig empfunden und ca. 50 Seiten gebraucht, um in dem Buch anzukommen. Das fing schon mit der Dicke des Buches und dem sehr kleinen Schriftbild an, was mich beides ein wenig abgeschreckt hat, und ging direkt weiter mit dem Inhalt, der aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird und zunächst einmal sortiert und in einen gemeinsamen Zusammenhang gebracht werden muss. Aber spätestens als ich die weibliche Hauptfigur Corrissande Jarrencourt kennenlernen durfte, war ich tief in der Geschichte drin.

Der Roman spielt in der Zeit von König Ludwig II von Bayern, dem berühmten Märchenkönig, der sogar eine kleine Rolle in diesem Roman spielen darf. Er ist einer der Auftraggeber des britischen Agenten Delacroix und dessen Helfern, die ein magisches Manuskript auffinden und einen Mord aufklären sollen. Doch das Manuskript scheint sich auf magische Weise in Luft aufgelöst zu haben. Zudem trachten weitere Parteien nach der Macht des verschwundenen Manuskripts, darunter ungarische Freiheitskämpfer, die damit die Unabhängigkeit Ungarns von Österreich erreichen wollen. Aber auch „das Böse“ ist hinter dem Manuskripts her, um damit die Welt nach seinen grausamen Vorstellungen zu verändern. Inmitten des Trubels aus Macht, Magie, Zauberei und Mord lernen wir Corrissande Jarrencourt kennen, die nach München gekommen ist, um in der guten Münchner Gesellschaft einen Ehemann zu finden. Unverhofft wird auch diese junge Frau in den Strudel der Ereignisse hereingezogen und muss dabei Dinge über ihre Herkunft und ihr Wesen erfahren, die ihr bislang unbekannt waren.

Von unterschiedlichen Erzählperspektiven in einem einzigen Roman mag nicht jeder Leser begeistert sein. In „Das Obsidianherz“ stört es mich überhaupt nicht, denn der Stil ändert sich mit jedem Erzähler. So wird zum Beispiel in den Abschnitten, die aus Miss Jarrencourts Sicht erzählt werden, viel Wert auf die gesellschaftlichen Konventionen, Etikette oder auch Kleidung wert gelegt, z.B. wann die Damen gekonnt einen Augenaufschlag einsetzen, um die Männerwelt zu becircen. Die Abschnitte aus der Sicht „des Bösen“ sind etwas wirr und undurchsichtig. Andere Charaktere sorgen in „ihren“ Kapiteln wiederum für eine gute Portion feinen schwarzen Humor, allen voran die Operndiva Cérise oder der später zum Ermittlerteam stoßende Schotte McMullen, die zusammen mit Graf Arpad meine erklärten Lieblingsfiguren sind.

Auch wenn ich erklärte Lieblinge in diesem Roman habe, so habe ich doch schnell mit Begeisterung feststellen dürfen, als letztlich nahezu alle Figuren sehr vielschichtig sind und eine Vergangenheit haben, die wir so nach und nach kennenlernen dürfen. Man kann schon nahezu zusehen, wie sich die Figuren entwickeln und  immer voller und dadurch auch faszinierender werden. Die größte Entwicklung macht wohl Corrissande durch, die eigentlich nur nach München gekommen ist, um einen passenden Ehemann zu finden. Allerdings umgibt sie und ihre Familie mehr als nur ein Geheimnis, die sie teilweise selbst noch nicht kennt. Sie kann einem schon arg leid tun, als sie mit der Holzhammermethode spüren und erfahren muss, dass sie durch eine Urahnin aus längst vergangener Zeit magische Fähigkeiten hat, mit denen sie natürlich zu Beginn überhaupt nicht umgehen kann.

Zu Delacroix habe ich leider wenig Bezug, auch wenn ich ihn und seine Vergangenheit, über die wir auch am Ende des Romans noch lange nicht alles wissen, äußerst spannend finde. Ich mag ihn zwar, aber die Rolle des Traummanns ist in diesem Buch von einem anderen – Graf Arpad - besetzt! Und dass obwohl er ein Vampir ist und somit allein durch seine Natur nicht komplett gut, lieb und nett sein kann, sondern eben auch seine Schattenseiten hat, die er auch haben muss, weil er ja schließlich überleben will. Aber er hat seine eigene Art, um an das für ihn lebenswichtige Blut zu kommen und ganz ehrlich, wenn ich so mit ansehe, was für seine „Opfer“ dabei rausspringt...ja, ich denke ich würde ihm gerne helfen zu überleben…auch wenn er mich dann für die restliche Männerwelt versauen würde, denn welcher Mann kann schon mit seinem Feuer und seiner Leidenschaft mithalten. Er ist nicht nur ein Sahneschnittchen, er – und die Szenen mit ihm – sind auch äußert sexy und das sage ausgerechnet ich, der ja oft die erotischen Szenen in einem Buch zu viel sind. Dass er zudem noch ein großes und liebes Herz und Mitgefühl hat, zeigt sich vor allem in seinen Szenen mit Corrissande, um die er sich wie ein großer Bruder kümmert. Durch seine Hilfe lernt sie besser mit ihrer neuentdeckten Natur umzugehen und sich damit zu arrangieren.

Alles in allem präsentiert uns die Autorin eine bunte Hülle und Fülle an Figuren, die teilweise auf den ersten Blick klischeehaft wirken, aber mit der Zeit ihre Besonderheiten und Ecken und Kanten enthüllen, so dass das Klischeehafte schnell verschwindet. Einzig die Bruderschaft ist mir ein wenig zu extrem böse geraten.

Neben den wunderbaren Figuren ist aber auch die Geschichte des Buches und wie sie von der Autorin erzählt wird einfach nur großartig. Dass diese gut 800 Romanseiten nur wenige Tage im Leben unserer Figuren umfassen und zudem fast ausschließlich an einem Handlungsort spielen, merkt man beim Lesen überhaupt nicht. Im Gegenteil, gerade diese Idee der Autorin gefällt mir gut, denn so wird umso deutlicher, wie viel Wert sie auf kleine Details legt und wie dicht gewebt dieses Geschichte ist. Ich habe auch das Gefühl, dass gerade diese Details das Buch total lebendig machen. Hinzu kommt das absolute feine Gespür der Autorin für wichtige Szenen den richtigen Ton anzuschlagen. Wie oft habe ich Szenen lesen dürfen, bei denen ich einfach nur die Luft angehalten habe, sei es aus Spannung, Dramatik oder einfach weil man die Magie zwischen zwei Figuren spüren konnte. Der Knaller schlechthin war ganz zum Schluss die Trauzeremonie. Oh mein Gott, was habe ich gelacht! Wenn ich Arpad nicht schon verfallen gewesen wäre, spätestens jetzt wäre es um mich geschehen gewesen!

Alles in allem ist es einfach ein richtig tolles Buch. 800 prall gefüllte Seiten, die so viel beinhalten, was mich glücklich macht: Humor, Spannung, Tempo, Gefühl, Liebe (ja auch Liebe kann mich in Büchern glücklich machen, wenn sie wohl dosiert ist und damit meine ich nicht nur den Sex), das alles in einem historischen Rahmen, der obwohl Nebensache, gut und glaubhaft rübergebracht wurde. Ich freue mich, dass Ju Honisch weitere Bücher mit den liebgewonnene Figuren geschrieben hat, die ich unbedingt bald lesen muss. Schließlich sind auch noch nicht alle Geheimnisse der einzelnen Figuren für mich gelüftet.

Bewertung:
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Rock the Night!

Offline DG7NCA

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Re: Das Obsidianherz - Ju Honisch
« Antwort #1 am: 18. Oktober 2013, 11:48:31 »
so unterschiedlich sind die meinungen, ich hab es nie fertig gelesen da es mich nicht in seinen Bann gezogen hat.

Carola
Liebe Grüße    
DG7NCA/Carola


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