Die Tribute von Panem

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Offline Hans

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Die Tribute von Panem
« am: 07. Mai 2014, 19:58:17 »
Hi,
wie ja schon anderswo geschrieben, hab ich an Ostermontag den Film gesehen, der mich dann doch einige Zeit beschäftigt hat. Das führte dazu, das ich schliesslich beschlossen habe, das Buch doch zu lesen, obwohl ich vor längerer Zeit mal entschieden hatte, es nicht zu lesen...  :wuschig:
Übrigens: dieser Artikel ist Spoilerlastig, also wer sich die Spannung erhalten will, sollte hier abbrechen.

Um mal kurz auf die Rezis einzugehen:
Da schrieb
Mich als Erwachsenen hat das Buch begeistert, auch wenn ich einiges brutal, grausam und menschenverachtend fand. Obwohl dies nie verherrlichend dargestellt wurde, kann ich doch nicht abschätzen, wie die Handlung auf einen jugendlichen Leser wirkt.
Wie die Handlung auf jugendliche Leser wirkt, kann ich auch nicht beurteilen, aber ich stimme völlig zu, dass "einiges brutal, grausam und menschenverachtend" ist. Da wären zuerst einmal die "Spiele" selbst, aber auch das System, bzw. die Diktatur, in der sie stattfinden.

Zitat von: Aurian
Die Handlung wird komplett von Katniss als Ich-Erzählerin geschildert. Das heißt man liest auch nur die Handlung an der sie beteiligt ist, oder von welcher ihr erzählt wird. Das fand ich etwas schade, denn ich hätte zwischendurch auch gerne erfahren, wie es z.B. ihrer Familie erging. 
Das hätte mich an manchen Stellen auch interessiert. Insbesondere an der Stelle, wo sie beinahe verdurstet ist, oder bei den Interviews, bevor es in die Arena ging.

Als weiteres schrieb
Aber als etwas, zumindest für mich sichtbar, zwischen Peeta und [ihr] immer deutlicher wurde, und sie es partout nicht begriff vor lauter Selbstschutz, hätte ich sie am liebsten kräftig geschüttelt.
Nun ja, ich hatte eher den Eindruck, dass sie mehr in ihren (Jagd-)freund Gale verknallt ist, sich dessen aber noch nicht bewusst ist. Überhaupt scheint sie sich mit den Thema "Liebe zu einem Partner" noch nicht intensiver auseinander gesetzt zu haben, weil sie viel zu sehr damit beschäftigt war, neben der Schule für sich und ihre Familie zu sorgen. Oder anders ausgedrückt: Ich halte es für möglich, dass sie erst mit 15 oder 16 in die Pubertät kam, sich aber teilweise gegen die damit verbundenen Gefühle gewehrt hat, auch wenn das so nicht gesagt wird. Aber ihre abweisende Grundhaltung gegenüber der Liebesgeschichte, die sie dann ja auch nur mitspielt, um in der Arena zu überleben, und ihr Gefühlschaos am Ende deute ich u.a. so.
Und ich vermute auch, wenn da diese Durchsage nicht gewesen wäre, dann hätte sie sich nicht auf der Suche nach Peeta gemacht. Stattdessen hätte sie vielleicht ein paar Tränen vergossen, wenn sie erfahren hätte, dass er Tod ist, dass aber als Schicksal der Arena hingenommen und allein weiter gekämpft. Soweit mal zu den Rezis.

Jetzt noch ein paar Sachen, die mich beschäftigen:
Da ist zuerst einmal die Grösse der Arena. Im Wikipediaartikel zu Band 2 steht, dass die Arena einen Durchmesser von zwei Tagesmärschen hat. - Ja schön, aber wieviel ist ein Tagesmarsch? - Die Angaben, die man dazu findet, unterscheiden sich recht stark und liegen zwischen 12 und 22km. Im Buch (S.170f) heisst es: "Ich renne weiter, bis der Wald mich vor den anderen Tributen verbirgt, dann falle ich in einen leichten Trab, den ich bestimmt eine Weile durchhalten kann. In den nächsten Stunden wechsele ich zwischen Dauerlauf und Gehen, um soviel Strecke wie möglich zwischen mich und meine Gegner zu legen." Da sie eine geübte Jägerin ist, ist sie es gewohnt, weite Strecken zu gehen oder auch zu laufen, wie es auch in diesem Zitat zum Ausdruck kommt. Beim Wandern gilt nun, dass man in einer Stunde etwa 4 und 5 km zurück legt. Da sie einige Stunden unterwegs ist, erscheint es mir aufgrund dieses Zitats möglich, dass man für einen Tagesmarsch durchaus 22km oder noch mehr ansetzen kann. Das würde heissen, dass die Arena einen Durchmesser von mindestens 44km hat. Um mir über diese Dimensionen plastisch klar zu werden, hab ich auf einer Landkarte von Nordrhein-Westfalen einen Kreis mit einem Radius von 20 km um mein Wohngebiet gezogen und nachgesehen, welche Orte sich alle darin befinden. Ebenfalls interessierte sollten das auch mal machen, denn es ist erschreckend, wie gross die Umgebung ist.

Wie man so ein grosses Areal komplett Big-Brother-mässig mit Kameras ausstattet, weis ich nicht, denn das müssen tausende (wenn nicht gar millionen) sein.1

Dann wäre da die Szene, wo sie nach 2 einhalb Tagen endlich Wasser findet, und obwohl sie schon halb verdurstet ist, dann noch die Geduld bzw. Nervenstärke aufbringt, etwa eine halbe Stunde zu warten, bis das Jod die möglichen Keime in dem Wasser abgetötet hat das sie in ihre Flasche gefüllt hat, und dann auch nur Schluckweise die Flasche leert. Da hab ich das Gefühl, das können auch nur Romanhelden, aber keine normalen Menschen. - Ich hab allerdings keine Erfahrung damit, wie man sich in so einer Situation tatsächlich verhält, wenn auch der Geist schon leicht benebelt ist. Und auf diese Erfahrung kann ich auch gut verzichten.

Dann liesst man, dass sie Wurzelknollen von Seerosen gegessen hat. Das fand ich interessant, hab aber keine Ahnung, wie realistisch das ist. Ihr vielleicht?
Ach ja, die Baumrinde war da ja auch noch. Da steht an einer Stelle, dass sie die Innenrinde von Kiefern gegessen hat. Wie realistisch ist das denn? (Ernst gemeinte Frage!)

---
1) Oder, da die Technik dort wohl doch etwas weiter entwickelt ist, als es real der Fall ist, wäre es auch möglich, dass nur ein paar (einige hundert) Kameras fest installiert sind, und der Rest auf kleinen Robotern, die sich in mehr oder weniger grossem Abstand mit den einzelnen Tributen mit bewegen. Aktuelle Forschungen versuchen ja schon, Flugroboter in der Grösse von Insekten wie Fliegen zu bauen. Eine Kamera in einem Flugroboter dieser Grösse, dürfte die Tribute nicht weiter stören und ihnen auch nur selten auffallen.

Dann fallen mir noch die Hovercrafts ein, die sie immer als sehr leise beschreibt. Das finde ich sehr interessant, denn bei Hovercrafts handelt es sich nach heutigem Verständnis um Luftkissenboote, und die sind alles andere als Leise. Die sind im Gegenteil sogar fürchterlich laut. Die Beschreibungen passen eher auf Zeppeline.

Und schliesslich der Zug, mit dem sie zum Kapitol und wieder zurück gefahren werden. Dass der unterwegs einen Tankstop einlegen muss, fand ich amüsant. Andrerseits: Die Distanz von den Appalachen bis zu den Rocky Mountains kann je nach Start- und Zielort zwischen 2000 (in den Südstaaten) und 3000 km (in den Nordstaaten) betragen. Da kann ein Schnellzug vom Typ "ICE" auch schon mal einen kompletten Tankwagon Spritt verheizen...

Soweit mal,
:winken:
Hans
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Offline uschi

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Re: Die Tribute von Panem
« Antwort #1 am: 01. Juni 2014, 16:02:04 »
Hallo Hans,

also Lotuswurzeln sind tatsächlich essbar, wie immer das auch schmecken mag!  :-> Auch das mit der Kieferrinde stimmt. Hier noch einige Infos, der Birkensaft tauchte gerade in meiner aktuellen Lektüre auf:

"Schilfwurzeln:
reichlich zu finden an Gewässerufern; enthalten viel Stärke; Schilf ganz unten am Grund herausziehen, die Halme könnten scharf sein.
Birkensaft: Birke anritzen und Saft trinken
Kiefer:
Eine Kalorienbombe und Vitamin C-Lieferant im Wald. Essbar sind die Blüten, die Nadeln enthalten viel Öl, das Harz und die Innenrinde junger Äste.

LG Uschi
Liebe Grüße
Uschi

Ein schönes Buch ist wie ein Schmetterling. Leicht liegt es in der Hand, entführt uns von einer Blüte zur nächsten und lässt den Himmel ahnen. (Lao-Tse)

Offline Hans

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Re: Die Tribute von Panem
« Antwort #2 am: 09. Juni 2014, 23:06:19 »
Hi Uschi,

danke für die Infos. Das ist ja sehr interessant, dass das mit der Kiefernrinde tatsächlich stimmt. - Bisher hatte ich nur mal gelesen, dass man sich aus Kiefernnadeln (oder waren es Tannennadeln) einen Tee brauen kann.

:winken:
Hans
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