Andrea Schacht - Die Fährmannstochter

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Offline nirak

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Andrea Schacht - Die Fährmannstochter
« am: 26. April 2015, 19:23:07 »
[isbn]9783442382552[/isbn]

Myntha, die Tochter des Fährmanns lebt in dem kleinen Ort Mülheim kurz vor Köln im Jahre 1420.
Eigentlich lebt sie ein beschauliches Leben, als sie eine kranke Pilgerin aufnimmt und Gesund pflegt. Gleichzeitig bricht im Kloster der Machabäerinnen ein Feuer aus und die Oberin kommt darin um, verdächtigt wird die Pilgerin, da sie zu diesem Zeitpunkt auch im Kloster war.
Dann zieht auch noch ein geheimnisvoller Fremder in die unmittelbare Nachbarschaft des Fährhauses. Nicht nur der Mann selbst ist fremd, er spricht auch noch mit den Raben.

„Die Fährmannstochter“ ist der Auftakt zu einer neuen historischen Reihe von Andrea Schacht oder aber vielleicht auch der 11. Teil einer wunderbaren Reihe. Alle Bücher spielen im Umfeld Kölns im 15. Jahrhundert und auch die Protagonisten sind miteinander verwandt oder bekannt. So trifft der Leser hier gleich auf alte Bekannte aus den Vorgängerbänden wieder. Leider muss auch gleich Abschied genommen werden, den auch lieb gewordene Protagonisten können nicht ewig Leben. Das Treffen mit diesen alten Bekannten macht Spaß, irgendwie fühlt man sich sofort wohl und vertraut mit dem Buch.
Danach werden aber auch gleich neue Akteure vorgestellt, wie eben Myntha, die Fährmannstochter gemeinsam mit ihrer Familie oder Frederic Bowmann und seine Raben und noch einige mehr.

Der Erzählstil der Autorin ist leicht und locker zu lesen und die Seiten fliegen nur so dahin. Die Dialoge sorgen dafür, dass man zwischendurch immer wieder was zum Schmunzeln hat. Es macht einfach Spaß den Gesprächen zu lauschen. Vor allem denen zwischen Myntha und dem Rabenmeister sorgen für Heiterkeit. So ganz nebenbei erzählt die Autorin aber auch von dem Leben dieser Zeit und lässt die Epoche des 15. Jahrhunderts lebendig werden.

Die Geschichte selbst ist in mehrere Handlungsstränge unterteilt, so das der Leser mal bei diesem Protagonisten ist und mal bei jenem. Ihm entgeht eben nichts. Wie in allen Romanen dieser Reihe gibt es auch hier wieder jede Menge Geheimnisse, die geklärt werden wollen. Zum einen muss der Tod der Oberin des Klosters aufgeklärt werden. Dieser Fall ist schwierig und sorgt dafür, dass Myntha mit hineingezogen wird. Sie will wissen, warum die Frau sterben musste und wieso die Pilgerin verdächtigt wird und was verbirgt die Pilgerin überhaupt alles, denn sie erzählt nicht, wo sie herkommt. Auch Frederic hat Geheimnisse die er nicht preisgibt. Einige dieser Geheimnisse werden so nach und nach geklärt und erzählt aber vieles bleibt auch im Dunkeln und wird wohl erst mit den nächsten Bänden Klärung finden.

Auch bei dieser Reihe wird es wohl insgesamt fünf Bände geben in denen Myntha und Frederic ihren Weg gehen werden. Man darf gespannt sein was für Abenteuer sie erleben werden und welche Höhen und Tiefen sie zu überwinden haben und wo sie am Ende landen werden. In jedem Fall macht es einfach Spaß diese Bücher zu lesen.



Offline Annette B.

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Re: Andrea Schacht - Die Fährmannstochter
« Antwort #1 am: 29. April 2015, 16:49:26 »
Und hier nun meine Meinung zu dem Buch:

Die Fährmannstochter

Wie immer bei den Büchern von Andrea Schacht, konnte ich unheimlich schnell in die Handlung eintauchen und mich dort wohl fühlen. Der Schreibstil dieser Autorin ist so leicht und flüssig zu lesen, das man schnell im Buch zu Hause ist.

Beim Lesen merkt man sehr schnell, dass die Handlung nicht mehr alleine im alten Köln angesiedelt ist, sondern nun auch im alten Mülheim. Die Fähre von Mynthas Vater pendelt auf dem Rhein zwischen Mülheim und Köln hin und her.

Myntha lebt mit ihrem Vater und den älteren Brüdern im Fährhaus in Mülheim. Auch die Mutter von Mynthas Vater und die Köchin leben im Fährhaus. Hinzu kommen noch Nachbarn und Freunde der Familie die im Fährhaus gerne mal reinschauen. Somit habe ich in diesem Buch auch viele neue Personen kennen gelernt.
Ich habe einige alte Bekannte aus der Almut und Alyss Serie in diesem Buch wieder gesehen, aber mit dem Fährhaus in Mülheim hat die Autorin nun eine neue Plattform und ein neues Umfeld für die Handlung gewählt.
Frau Schacht hat, wie immer in ihren Romanen, die Geschichte der Orte sehr genau recherchiert. Der Leser bekommt wunderbare Beschreibungen der Landschaft am Rhein und auch von der Gestaltung der Dörfer.
Myntha und ihre Familie ist mir schnell ans Herz gewachsen.
Die kleine Macke von Mynthas Vater ist genauso sympathisch, wie auch das Gedächtnistraining von Mynthas Großmutter.
Die Charakter, die Frau Schacht gezeichnet hat, sind sehr facettenreich. So hat fast jede Person in diesem Roman sein ganz persönliches Geheimnis-, beziehungsweise Schicksal-Päckchen zu tragen.
Diese Geheimnisse und Schicksalsschläge werden im Verlauf der Handlung nur zum Teil erzählt und es blieben viele Fragen unbeantwortet am Ende. Die Antworten werde ich wohl in den nächsten Büchern dieser Serie bekommen.

Ich liebe die historischen Romane von Frau Schacht, weil diese Autorin das Leben der Menschen im 15 Jh. sehr detailliert und lebendig beschreibt.
Es war ein hartes Leben, welches die Menschen damals nur im Einklang mit den Tieren und der Natur bewältigen konnten.
Die Angst vor Missernten, Hunger, Unwetter, Unfälle oder Krankheiten trieb die Menschen in die Kirchen. Aber auch da gab es nicht nur Priester die Trost und Zuversicht predigten.
So konnte es damals vorkommen das so mancher Mensch von sehr speziellen Dämonen und Albträumen gepeinigt wurde.

Da Myntha Schlafwandelt und ein Fremder der mit Raben spricht, in der Nähe des Fährhauses eine Hütte bezieht, wird die Fantasie der Menschen schnell vom Aberglauben beflügelt.
Die Autorin beschreibt auch hier wieder sehr schön, wie der geheimnisvolle Fremde die Raben anlockt und zur Jagd abrichtet. Gleichzeitig fertigt der Fremde auch noch Langbögen und Pfeile an.

Frau Schacht hat in diesem Buch ein interessantes Bild vom Alltag und von den Berufen der Menschen im 15 Jh. gezeichnet. Dabei ist der Kriminalfall eher im Hintergrund geblieben und die Lösung, wer den Weihrauch mit minderwertigen Kräutern gestreckt hat, war etwas vorhersehbar. Aber das hat mich nicht gestört, denn ich wurde von der Autorin in eine wahnsinnig interessante und spannende Zeit entführt.
Es hat viel Spaß gemacht Myntha zu begleiten und ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Teil der Fährmannstochter.

Wer gerne historische Bücher liest, die mit Herz und Humor geschrieben sind, der wird sich mit diesem Buch bestimmt sehr wohl fühlen.

« Letzte Änderung: 01. Mai 2015, 15:08:17 von Annette B. »
Liebe Grüße Annette