Intro bis Kapitel 7

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Offline SilkeS.

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Re: Intro bis Kapitel 7
« Antwort #45 am: 19. Dezember 2016, 22:36:32 »
Helfen ... das sind manchmal auch ganz kleine Winzigkeiten.
Zum Beispiel hat eine syrische Freundin mir mal freudestrahlend erzählt, dass ihre ältere Nachbarin sie zum ersten Mal angelächelt hat. Das hat ihr total viel bedeutet. (Seitdem wird die arme, alte Frau mit Gebäck tyrannisiert.  :wieher:)
Überhaupt sind es Kleinigkeiten. Ein Lächeln, mal ein paar freundliche Worte ... die Araber fühlen sich oftmals ausgeschlossen, weil man in Deutschland so wenig miteinander redet, z.B. beim Einkaufen oder an der Bushaltestelle. Sie beziehen das manchmal auf sich, weil sich nicht verstehen, warum die Leute keinen Smalltalk mit ihnen machen.

Oder einfach mal Nein, nicht mit mir! sagen, wenn Menschen versuchen, Rassismus salonfähig und zur Alltagssache zu machen.
Auch das hilft.


Ich war vor ein Monats mal am Bahnhof und wollte mir dort am Automaten eine Fahrkarte lösen, als ich von einem "Mann mit Migrationshintergrund" auf gebrochendem Deutsch angesprochen wurde, ob ich das gleiche Reiseziel hätte?
Ich bestätigte und er bot mir mit Englisch-Deutschen-Handzeichen an, per finanzieller Beteiligung mit bei der Gruppenkarte mitzufahren.
Ich überlegte nicht lage und und stimmte. Kostete mich war mehr als mich die Karte gekostet hätte, war mir in dem Moment aber wurscht.
So wird standen dann so beisammen, man achtet darauf dass ich in der Nähe blieb, ließ mich aber sonst in Ruhe. Ich überlegte die ganze Zeit fieberhaft nach etwas worüber ich reden könnte. Mir echt nichts eingefallen. Ich bin nicht so ein Smalltalk-Typ.
Als dann der Zug kam, merkte man, die "Gruppenerfahrung" es waren zwei die uns zusammentrieben wie Schäfchen, man besorgte mir bzw uns einen Sitzplatz, sprach aber auch sonst nicht mit mir.
Mir wollte weiterhin nichts einfallenn worüber ich reden könnte, also lauschte ich einfach der mir unbekannten Sprache, freute mich darüber dass es ihnen gut ging, sie mich mitgenommen haben, lächelte sie an.
Am Ziel angekommen, machte man mich aufmerksam, dass wir am Ziel seien und aussteigen müssten.
Ich bedankte mich nochmal und wünschte einen schönen Tag.
Das Erlebnis ist mir echt postitiv in Erinnerung geblieben...


Gruß Silke
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Offline Christiane

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Re: Intro bis Kapitel 7
« Antwort #46 am: 20. Dezember 2016, 01:03:30 »
Mich persönlich macht die aktuelle Situation in Aleppo völlig fertig.
Ich bin ein bisschen erleichtert, dass das, was da seit Jahren Alltag ist, endlich gesehen und thematisiert wird, und gleichzeitig total frustriert. Denn nach dem Ende von Ostaleppo wird es in der Region Idlib genau so weitergehen - nur fehlt da der große Name - da leidet dann nicht die älteste Stadt der Welt, sondern irgendeine Gegend in einem unbedeutenden, kleinen Land.

Ja, das geht mir ähnlich. Und heute kam ich in die Klasse und die Lehrerin berichtete, dass sie einen von unseren Jungs heim zu seiner Mutter geschickt hatte. Er hatte morgens total fertig berichtet, dass sein Vater noch in Aleppo ist und keine Möglichkeit besteht, dass er noch hierher nachkommt. Seine Mama heult nur noch und er versucht verzweifelt, der 'Mann im Haus' zu sein und seiner Mutter zu helfen. Das geht mir so nach.... der Junge tut mir so entsetzlich leid.
Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
 Ray Bradbury (1920 - 2012)

Offline Inge78

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Re: Intro bis Kapitel 7
« Antwort #47 am: 20. Dezember 2016, 11:19:48 »
Also mit mir macht das Buch wirklich ganz viel
Es beschäftigt mich total und ich bin froh dass ihr auch so viel Redebedarf hat

Aleppo ist mir, durch dieses Buch und durch immer mehr Berichte die ich verfolge, viel näher gekommen ... da tun die Nachrichten gleich doppelt weh

Zitat
Helfen ... das sind manchmal auch ganz kleine Winzigkeiten.

Ganz viele selbstverständliche Dinge also eigentlich
Ich gehe auf jeden Fall mit offeneren Augen durch die Gegend
Wobei ich auch sonst keine Berührungsängste habe, außer dass ich Gruppen aus dem Weg gehen würde, aber das würde ich auch bei Deutschen so machen


Zitat
Und heute kam ich in die Klasse und die Lehrerin berichtete, dass sie einen von unseren Jungs heim zu seiner Mutter geschickt hatte. Er hatte morgens total fertig berichtet, dass sein Vater noch in Aleppo ist und keine Möglichkeit besteht, dass er noch hierher nachkommt. Seine Mama heult nur noch und er versucht verzweifelt, der 'Mann im Haus' zu sein und seiner Mutter zu helfen. Das geht mir so nach.... der Junge tut mir so entsetzlich leid.

Wirklich so traurig
Da ist es wieder, es ist ganz nah


Gestern Abend , nach dem Anschlag in Berlin, konnte ich FB etc nicht mehr ertragen
Ohne irgendwelche gesicherten Hinweise schon direkt wieder diese ausländerfeindlichen Beiträge überall
Ich musste spontan 2 Menschen entfreunden und habe mich dann bewusst da raus gezogen


Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Offline Christiane

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Re: Intro bis Kapitel 7
« Antwort #48 am: 20. Dezember 2016, 13:00:43 »
Wir haben heute zum Jahresabschluß einfach mal was Schönes mit den Kids gemacht: wir haben gemeinsam gefrühstückt. Jeder brachte etwas mit und so war die Tafel reich und vielfältig gedeckt, von deutschen Weihnachtsplätzchen, Brötchen und Marmelade über einen Erdbeerkuchen und etwas mit Keks und Schoko zu Rohkost, Falafel, Fladenbrot, div. Aufstriche,.... einem quer durch die syrische Küche. Und sooo leckere Sachen!
Wir haben gaaanz viel gegessen und dabei erzählt, gelacht, eine gute Zeit gehabt. Ich glaube fast, von diesen Kindern/Jugendlichen sind einige garnicht so froh über die Ferien  :-).
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Offline Inge78

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Re: Intro bis Kapitel 7
« Antwort #49 am: 20. Dezember 2016, 13:15:43 »
Das klingt total toll Christiane
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Offline Jennifer B.

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Re: Intro bis Kapitel 7
« Antwort #50 am: 20. Dezember 2016, 13:28:23 »
Ich glaube fast, von diesen Kindern/Jugendlichen sind einige garnicht so froh über die Ferien  :-).

Wie schön  :schmacht:
Und ja, das glaube ich dir sofort! Allein die Normalität und das Zusammensein mit unbeschwerten anderen Kindern und Jugendlichen ist eine alltägliche Wohltat für die meisten.

Im Camp war das auch immer so schön, wenn ich mal außer der Reihe oder wegen etwas anderem als Deutschunterricht kam. Sofort kamen sie alle angelaufen: "Schule?!" - "Nein, heute ist keine Schule." - Lange Gesichter! Oder auch mal: "Oh, bitte Schule!"