Die Löwin von Aquitanien - Tanja Kinkel

Begonnen von Kathrin, 03. Juni 2007, 09:11:32

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Kathrin

   Verlag: Goldmann
ISBN: 3442411580
Seiten: 457
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 8,95
ET: 11.1991

[isbn]3442411580[/isbn]

Klappentext:
Leichtsinnig und romantisch, ehrgeizig und kaltblütig, Leitstern der Troubadoure, eine meisterhafte Politikerin, wenig besser als eine Dirne - all diese Eigenschaften wurden der grossen Königin des 12. Jahrhunderts von der Überlieferung nachgesagt. Was davon wahr ist? Vielleicht ein wenig von allem. Aufgewachsen an einem der kultiviertesten Höfe der Zeit, fand die junge, lebenshungrige Eleonore erst als über Achtzigjährige im Kloster von Fontevrault ihren Frieden: Sie hatte zwei königliche Ehemänner und acht ihrer zehn Kinder überlebt.

Meine Meinung:
Das war dann nun mein drittes Buch bzw. mein dritter Roman über Alienor von Aquitanien und restlos begeistern konnte es mich leider nicht. Aber ich hab bei mir so das Gefühl, dass es Bücher anderer Autoren immer etwas schwerer haben, wenn ich die Geschichte schon aus einem anderen Buch kenne (in diesem Fall Romane von von Ellen Jones und von Sylvie von Frankenberg/ Katrin von Glasow), die Vergleiche kommen automatisch bei mir ob ich das nun will oder nicht.

Der Einstieg in das Buch fiel mir sehr leicht: Alienors Großvater streitet mit seinem Sohn, der Streit und die Figuren sind sehr lebendig und man wird sofort in den Strudel der Geschichte gezogen. Diesen lebendigen Stil hält die Autorin weitestgehend durch, das Buch lässt sich sehr gut weg lesen und unterhält mich bis zum Tode Henrys II von England sehr sehr gut. Danach flacht die Story aber ab, vor allem die Figur Richard Löwenherz' enttäuscht mich, er ist langweilig und kommt gar nicht bei mir an, ihm fehlt die Lebendigkeit, die seine Eltern in dem Buch ausgezeichnet hat.

Allerdings blüht auch Alienor erst durch Henry ziemlich auf und entwickelt sich zu einer spannenden Figur für mich. Anfangs empfand ich sie ziemlich zickig und ganz schön herrisch. Warm werden konnte ich nicht so schnell mit ihr. Sie wirkte auch irgendwie ziemlich espritlos und reduziert. Aber mit Henry ändert sich für mich alles. Ich würde sagen, Caesars Spruch "ich kam, sah, siegte" passt auch zu Henry. Henry stürmt in das Buch und erobert mein Herz. Dabei ist er mit Sicherheit kein Engel und Heiliger, aber mit ihm kam so richtig schön Leben in die Bude und es fiel mir wirklich schwer das Buch zur Seite zu legen. Umso mehr flacht das Buch mit seinem Tod für mich ab. Seine Lebendigkeit hat Alienor als Figur gut getan und hat auch auf die Kinder der beiden abgefärbt. So sehr wie ich die Anfänge, die Flirts, das Gekabbel zwischen Henry und Alienor mochte, so mochte ich auch ihre Machtkämpfe und Streitereien, als sie sich entzweit haben. Die beiden waren sehr starke Persönlichkeiten, beide Sturköpfe, das musste einfach heftig sein, sowohl in den guten wie auch in den schlechten Zeiten.

Hauptkritikpunkt an dem Buch für mich ist die Länge bzw. wohl eher die Kürze, denn ich finde nicht, dass man ein 82 Jahre währendes Leben auf 450 Seiten pressen kann (die ersten fünf Ehejahre mit Louis von Frankreich auf 23 Seiten, das finde ich schon arg gekürzt). Ich hätte einige Episoden in Alienors Leben gerne intensiver und ausführlicher miterlebt und dadurch vielleicht auch die Personen besser kennengelernt. Ein Thomas Becket kommt mir z.B. in diesem Roman auch viel zu kurz. Allerdings hat es für mich nicht den Anschein, als ob Tanja Kinkel etwas weggelassen hätte. "Vermisst" hab ich bislang nur eine gewisse Ausführlichkeit zu Personen, zu Alienors Geschichte und auch zu historischem/ politischem Hintergrund. Trotzdem, vieles wirkt durch die Kürze des Buches einfach ungenau, im Zeitraffer und dadurch manchmal auch unglaubwürdig. Relativ schnell bin ich bei Tanja Kinkel auf ein paar Ungereimtheiten gestoßen zu dem was man bei einer Schnellsuche im Internet finden kann. Dass Wikipedia nicht die Quelle allen Wissens ist, ist mir klar, aber wenn mehrere HPs im Internet einen Sachverhalt anders darstellen, als die Autorin, dann stört mich das halt einfach ein wenig. Aber ich weiß, es ist ein Roman und die historische Wahrheit kennen wir sowieso alle nicht. Letztlich ist es fast egal, ob Tanja Kinkel "recht hat", wie sie es darstellt, solange sie mich gut unterhalten kann und kurzweilig finde ich das Buch allemal.

Positiv aufgefallen sind mir die Landkarte und mehrere Stammbäume am Anfang und am Ende des Buches und, ich weiß ich wiederhole mich, ich liebe so'n Zeug!!! Das ist grundsätzlich in meinen Augen ein Pluspunkt! Aber man sollte sich die Stammbäume vieleich auch nicht allzu genau anschauen: Der Stammbaum des französischen Königshauses, der in dem Buch mitgeliefert wird, (sorry, ich mag ja pingelig sein), aber wirklich genau ist der meiner Meinung nach nicht. Da sieht man Louis und seine drei Ehefrauen und aus der Verbindung zwischen ihm und Alienor (1. Ehe) geht ein "Ast" mit den beiden Töchtern Marie und Alix und dann geht der Ast durchgehend weiter zu den Kindern, die er mit Ehefrau 2 und 3 hat...meiner Meinung nach hätte man die Kinderäste von einander trennen müssen. Das mag der alte Stammbaummaler in mir nicht.

Grundsätzlich ist das Buch auf weiten Strecken ein kurzweiliges aber auch zu kurzes Buch über eine Frau aus dem Mittelalter, die mit zwei Königen verheiratet war, 10 Kinder hatte (davon zwei Könige), bei einem Kreuzzug dabei war, mehrmals in Gefangenschaft war und knappe 82 Jahre gelebt hat. Ein paar Hundert Seiten mehr, hätte dem Buch gut getan.

Bewertung:
[note2-]

lg
kathrin
Rock the Night!

Marja

Meine Meinung

Dies war mein erstes Buch über Eleonore und auch sonst habe ich nicht wirklich viel Vorwissen mitgebracht, so dass sich ein Vergleich zu tatsächlichen historischen Gegebenheiten bei mir erübrigt hat, ich habe hier für mich einfach einen Roman gelesen.

Und als solcher ist er mir einfach zu - politisch.
Der Einstieg gelingt noch gut, mit Alienors Großvater lernt man eine schillernde Persönlichkeit kennen. Und auch die Beschreibung Alienors als Ehefrau zunächst von Louis, dann von Henry ist sehr gelungen. Doch danach hat das Buch angefangen, mich unsäglich zu langweilen. Vermutlich kann auch das Leben Richard Löwenherz' sehr faszinierend sein, aber hier bleibt er flach. Im letzten Drittel des Buches überstürzen sich einfach die Ereignisse, ohne mit mehr Spannung, als sie ein durchschnittliches Schul - Geschichtsbuch liefert, geschildert zu werden: Schlachten, Belagerungen, Gefangenschaften mit stets wechselnder Besetzung.
Derlei Handlung hat es bei mir grundsätzlich schon schwer, kann aber durch fesselnde Charaktere durchaus auch begeistern. Aber genau da liegt für mich das große Manko dieses Buches. Die Charaktere, selbst Alienor, bleiben durchweg flach, bieten kaum spezifische Persönlichkeitsmerkmale, ihre Beweggründe bleiben häufig im Dunklen.
Das Buch war bei mir ständig in Gefahr, in die nächste Ecke zu fliegen - wären da nicht die Begegnungen Alienors und Henrys. Allein dafür hat sich das Lesen immer gelohnt, denn plötzlich ist dort eine knisternde Atmosphäre, die einen einfach zum Weiterlesen zwingt, um nur ja keine dieser Begegnungen zu verpassen.
Wahrscheinlich habe ich mich deshalb durch das letzte Drittel gequält - da ist kein Henry mehr, auf den man sich freuen kann, und keine der übrigen Figuren ist derart präsent.

Insgesamt muss ich sagen, hat mich dass Buch doch ziemlich enttäuscht, mir aber dennoch die Figur der Alienor von Aquitanien näher gebracht, so dass ich mich freuen werde, ihr in anderen Büchern zu begegnen.

Meine Bewertung

[note3]

Liebe Grüße,
Eva

Kathrin

Hi Marja,

na, wirklich begeistert war ich von dem Buch auch nicht. Ich hab schon mehrere Bücher über Eleonore gelesen und da waren bessere dabei. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass sie ein wunderbar spannendes Leben hatte und das hätte meiner Meinung nach mal ein Format à la Margaret George verdient, wo man dann auch sicher sein kann, dass alles drin ist. Denn letztlich ist für mich bislang keines der Bücher, die ich über sie gelesen, ein wahres Highlight gewesen. Bislang konnte keines ihr gerecht werden.

lg
kathrin
Rock the Night!