Ransom Riggs - Die Bibliothek der besonderen Kinder

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Offline Aurian

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Ransom Riggs - Die Bibliothek der besonderen Kinder
« am: 21. Januar 2017, 15:00:27 »
[isbn]9783426520277[/isbn]

541 Seiten
Droemer Knaur Verlag
OT: Library of Souls
ET: 2.11.2016

3. Teil der "Besondere Kinder"-Trilogie

Klappentext
Nur knapp sind Jacob und Emma in einer Londoner U-Bahn-Station dem Tod entkommen. Noch überwältigt von Jacobs neuer Gabe einen Hollow zu beherrschen, begeben sie sich auf eine gefährliche Suche, um ihre Freunde und Miss Peregrine aus den Fängen der Wights zu befreien.
Ihre abenteuerliche Reise führt sie in eine weitere Zeitschleife, genannt Devil’s Acre. In diesem viktorianischen Slum haust der Abschaum der Besonderen, der Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Dort kommen Jacob und Emma einem Geheimnis auf die Spur, das über das Schicksal aller besonderen Kinder entscheiden wird.

Meine Eindrücke
Von der ersten Seite an hat mich die Geschichte gepackt. Obwohl ich Band 2 schon vor einiger Zeit gelesen habe, ist es mir nicht schwergefallen wieder in die Handlung einzutauchen. Die ein oder andere Erinnerung ist zwar recht verschwommen, was dem Verständnis zum Glück aber keinen Abbruch getan hat.

Jacob und Emma machen sich gemeinsam mit dem besonderen Hund Addison auf den Weg um ihre Freunde und die Ymbrynen zu finden und zu befreien. Dabei sind sie ständig auf der Flucht vor den Wights und den Hollowgasts. Die Spur führt sie nach Devil’s Acre, einer Zeitschleife mit einem viktorianischen Slum, wo das Gesetz des Stärkeren herrscht. Ein Mord wird hier durchaus toleriert, während es mit Peitschenhieben bestraft wird, wenn ein Buch nicht rechtzeitig in die Bücherei zurückgebracht wird.
Das Leben eines Besonderen zählt hier nur so lange etwas, wie man mit ihm Geld verdienen kann.

An diesem gottlosen Ort sind irgendwo die entführten Kinder und Ymbrynen versteckt. Unterstützt von neuen Verbündeten machen sich die beiden auf die Suche und entdecken dabei Fürchterliches.

Die Handlung ist so spannungsgeladen und actionreich, dass die Seiten nur so dahinfliegen. Den grausigen Ort Devil’s Acre lässt der Autor mit der Schilderung der trostlosen und düsteren Atmosphäre plastisch vor den Augen des Lesers entstehen. Für zartbesaitete Leser ist dies weder der geeignete Ort, noch das richtige Buch. Das besondere Talent seine Leser trotzdem blendend zu unterhalten zeigt der Autor, wenn er mitten in den grausigsten Schilderungen seinen wunderbaren Humor aufblitzen lässt und er so manche Situation auflockert.

Da sich Devil’s Acre fiktiver für mich anfühlte, als die Handlungsorte von Band 2, konnte ich das Buch entspannter lesen, da es mich nicht so betroffen gemacht hat wie das realistische Kriegsgeschehen zuvor.

In Band 1 haben die Fotos in Verbindung mit der Handlung eine wunderbar skurrile Atmosphäre geschaffen. Das war dieses Mal nicht immer der Fall. Dafür gilt meine Begeisterung vor allem dem Schreibstil des Autors, seinen fantasievollen und überraschenden Ideen und dem schwarzen Humor.

Dieses Buch ist für mich der perfekte Abschluss einer tollen Reihe.





Offline Kathrin

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Re: Ransom Riggs - Die Bibliothek der besonderen Kinder
« Antwort #1 am: 18. Juli 2017, 15:52:20 »
Und hier nun auch meine Meinung:

„Die Bibliothek der besonderen Kinder“ ist der dritte und letzte Teil der „Besondere Kinder“-Trilogie von Ransom Riggs. Das Buch knüpft nahtlos an seinen Vorgänger an und gönnt seinen Lesern vor lauter Spannung wiedermal keine Atempause.

Jacob und Emma sind – getrennt von ihren besonderen Freunden von der Insel Cairnholm – auf sich allein gestellt. Bei der Suche nach ihren Freunden und den entführten Ymbrynen geraten sie gemeinsam mit dem sprechenden Hund Addison in eine Zeitschleife im viktorianischen London, in dem es vor Dieben, Mördern und Gaunern aller Art nur so wimmelt.

Leider konnte mich das Buch in der ersten Hälfte lange nicht so fesseln wie die Vorgänger-Bände. Mir fehlen die anderen besonderen Kinder und auch kleinere Rechtschreibfehler und inhaltliche Ungereimtheiten fallen vermehrt auf. Die Geschichte nimmt endlich an Fahrt auf, als Emma und Jacob Mr. Benthaus kennenlernen. Gerade seine Geschichte über die verschiedenen Zeitschleifen der Welt und wie man sie betreten kann, geben dem Buch wieder etwas vom alten Zauber zurück. Jetzt stellte es für mich auch kein Problem mehr dar, 100 Seiten am Stück zu lesen.

Und dennoch finde ich diesen abschließenden Teil nicht wirklich gut. Gerade bei den Kämpfen gegen die Hollowgasts ist mitunter so viel Tempo drin, dass ich den Überblick verloren habe und dem Autor nicht immer folgen konnte. Ich hatte das Gefühl, dass Ransom Riggs sich da etwas vergaloppiert hat und ungenau wurde. Der ein oder andere Gedankensprung bzw. die plötzliche Erwähnung von Figuren (die anscheinend zwingend nochmal erwähnt werden musste, nicht dass sie am End noch in Vergessenheit geraten) kam mir mitunter ziemlich erzwungen vor.

Auch mit dem Ende der Geschichte bin ich nicht ganz glücklich. Ransom Riggs bietet am Ende zwar eine Lösung für Emmas und Jacobs zeitschleifenbedingtes Nicht-Zusammensein-Können, aber das hat nicht wirklich zu seiner bisherigen Theorie über den Alterungsprozess der besonderen Kinder in der Gegenwart gepasst und war mir letztlich eine zu einfache Lösung des Problems. Dann vielleicht doch lieber kein Happy-End. Gut gefallen hat mir hingegen wie der Autor mit den zarten Banden umgeht, die zwischen Emma und Jacob entstehen. Das sind wirklich noch zarte Bande, keine Holzhammer-Liebesszenen zwischen Jugendlichen. Das war toll, absolut nicht aufgesetzt und durfte sich schön langsam entwickeln. In diesem Fall mag sogar ich Fantasy-Geschichten, in denen Jugendliche die Hauptrollen spielen.

In meinen Augen empfiehlt es sich die Trilogie relativ zeitnah hinter einander zu lesen. Ein langes Warten auf neue Bände hat sich erledigt, denn die Reihe scheint ja abgeschlossen zu sein. Es sei denn, dem Autor würden doch noch Geschichten für die Welt der besonderen Kinder einfallen.

Bewertung:
Rock the Night!