Elwenfels Band 1 + 2 - Britta und Christian Habekost

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Elwenfels Band 1 + 2 - Britta und Christian Habekost
« am: 19. Februar 2017, 01:05:50 »
[isbn]978-3937329970[/isbn]               [isbn]978-3876293462[/isbn]

Klappentexte:
Band 1: Zum ersten Mal bringt Kabarettist Chako Habekost die comedyantische Pfälzer Highmat-Kunde seiner erfolgreichen Bühnenshows auf pointierte Weise in einen Roman ein. Zusammen mit seiner Frau Britta Habekost erzählt er die Geschichte des Hamburger Privatermittlers Carlos Herb, den es auf der Suche nach einem Verschwundenen in das sonderbare Dorf Elwenfels verschlägt, das versteckt im Pfälzerwald liegt. Dieser Ort birgt ein Geheimnis, das Mysterium von Elwenfels, welches fast schon behütet wird wie der heilige Gral. Unaufhaltsam wird das „Nordlicht“ Carlos in diese rätselhafte Welt hineingezogen und dabei immer wieder auf drastische Weise mit der exotischen Mundart und Mentalität der Pfälzer konfrontiert. Dann wird im Wald eine Leiche gefunden, und die Lage spitzt sich dramatisch zu…

Band 2: Die lang erwartete Fortsetzung des Erfolgsromans Elwenfels. Kabarettist und Mundart-Comedian Chako Habekost und seine Frau Britta legen ihr zweites gemeinsames Werk vor. Carlos Herb, Privatdetektiv aus Hamburg, kehrt endlich zurück an seinen Sehnsuchtsort Elwenfels in der Pfalz. Doch seine Ankunft steht unter keinem guten Stern: In Elwenfels hat sich ein brutaler Mord ereignet. Der Täter scheint zwar schnell gefunden, aber Carlos glaubt, dass die Wahrheit viel grausamer ist. Zumal zur gleichen Zeit uniformierte Eindringlinge im Wald ihr Lager aufgeschlagen haben und das harmonische Gleichgewicht des Ortes bedrohen. Ist die verschworene Dorfgemeinschaft den folgenden unheimlichen Ereignissen gewachsen? Als eine völlig verstörte Frau auftaucht, eskaliert die Lage, und am Ende steht sehr viel mehr auf dem Spiel als nur der Frieden von Elwenfels.

Mein Eindruck:
Zu diesen Büchern eine Rezension zu schreiben fällt mir extrem schwer, denn es gibt zwei Dinge, mit denen ich sehr wenig anfangen konnte. Um den ersten davon zu erklären muss ich ein bisschen von mir erzählen: Grundsätzlich finde ich es gut, wenn Regionen sich ihren Charakter,wenn die Menschen sich ihre Sprache erhalten. Trotzdem lebe ich nun seit gut 30 Jahren in der Pfalz und fremdele immer noch mit dem hiesigen Dialekt und den ‚Gebräuchen der Eingeborenen‘. Für mich ist die Pfalz kein Sehnsuchtsort, und wenn ich schon hier bin, dann am allerwenigstens in den Weinorten mit ihren weinseligen Festen, Dubbegläsern, Saumagen und co. Das ist einfach nicht meine Welt. Und nun kommen da diese Regionalkrimis vom Ehepaar Habekost daher und singen das Hohelied der Pfalz, der Pfälzer Mundart, der hiesigen Traditionen, Riten und der etwas, hmm - burschikos-polternden Mentalität. Darauf musste ich mich beim Lesen einlassen und das gelang mir nicht immer. Es gab immer wieder Szenen, in denen ich zusammenzuckte, weil mir im Buch pfälzische Momente ebenso auf den Keks gingen wie sie das im realen Leben auch tun. Letztlich ist das aber in gewissem Sinn eine Empfehlung für die Bücher, denn es zeigt wie gut es den Autoren gelungen ist, ein authentisches Bild vom Leben in dieser Region zu zeichnen. Das ist kein überzogener Klamauk, nein, so läuft das hier tatsächlich und als Nichtpfälzer steht man da schon immer mal wieder staunend davor.
Der zweite Punkt ist die Mystik, das Abdriften ins Fantastische, das für meinen Geschmack nicht in den ansonsten sehr realen und spannenden Plot passt. Elwetritsche und Geister als ‚Lokalkolorit‘ lasse ich mir gefallen. Wenn sie aber aktiv ins Geschehen eingreifen und zur Realität erklärt werden, gar die Krimihandlung mitgestalten, dann ist das eindeutig zu viel der Esoterik.

Was bleibt wenn man von diesen Punkten absieht: Die Elwenfelsbücher gehören sicherlich zu den gelungeneren Regionalkrimis. Die Handlung ist sehr einfallsreich, nimmt immer wieder unerwartete Wendungen und man rätselt als Leser bis zum Schluss mit. Die Vorderpälzer Querköpfe sind liebenswert verschroben, bodenständig und haben einen oft umwerfenden Mutterwitz. Der Privatdetektiv Carlos Herb ist als Typ glaubwürdig und sympathisch.
Im ersten Band gerät Herb auf der Suche nach einem Vermissten direkt aus der Großstadt in das winzige Pfälzer Dörfchen Elwenfels. Das ist ein Kulturschock erster Güte und gibt Gelegenheit zu jeder Menge Wortwitz und Situationskomik, die dankenswerterweise selten zu sehr überzogen werden. In den ‚Ausländer‘ Carlos kann ich mich da bestens einfühlen. Man kann herzlich lachen ohne dass dabei die Spannung des Krimis leidet.
Im zweiten Band ‚Schorle für den Scharfschützen‘ ist es dem Ehepaar Habekost wieder gelungen, einen sehr originellen und doch glaubwürdigen Plot zu erdenken. Carlos kehrt nach Elwenfels zurück, um die Freunde, die er dort gewonnen hat, zu besuchen und platzt mitten in einen Mordfall hinein. Schnell hat die Polizei ihre Mordverdächtige in U-Haft und Carlos muss ihre Unschuld beweisen und den wahren Mörder überführen. Im Wald bei Elwenfels findet eine deutsch-amerikanische Militärübung statt und die Dörfler halten so gar nichts von den Uniformierten, die da durch ihren Wald streifen und erwarten, dass jeder ihrer Befehle befolgt wird. Da ist viel Raum für Ideenreichtum und zivilen Ungehorsam und jede Menge Spaß für den Leser. Und auch weitere Verdächtige finden sich in dieser Gemengelage. So bleibt es bis zum Schluss spannend und das Buch wird zum Pageturner.


Fazit:
Mein Fazit zu den Elwenfels-Krimis fällt sehr ambivalent aus. Einerseits bieten sie eine richtig gute Story, authentische Charaktere, witzige Dialoge und Spannung. Das Lokalkolorit ist stimmig und trifft die Mentalität der Pfälzer auf den Kopf. Andererseits ist die quasireligiöse Verehrung von Dubbeglas und Schorle schon teilweise extrem nervig. Vor allem aber wird hier eine tolle Idee ohne Not verschenkt und an die Wand gefahren wenn Dorfgeist und Pfälzer Fabelwesen ins Geschehen eingreifen.
Trotz der Kritikpunkte haben mich die Bücher sehr gut unterhalten. Und wer die Pfalz liebt wird auch diese Bücher mit Begeisterung verschlingen.

Note: 

Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
 Ray Bradbury (1920 - 2012)