Minette Walters - Die letzte Stunde

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Offline nirak

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Minette Walters - Die letzte Stunde
« am: 31. März 2018, 11:19:09 »
Minette Walters - Die letzte Stunde
ISBN: 978-3453271685
Seiten: 656

Dystopie im 14. Jahrhundert

Die Pest hat sich über England ausgebreitet und versetzt die Menschen in Angst und Schrecken. Lady Anne of Develish hat sich und ihre Leute so von der Außenwelt ausgesperrt, dass sie eine gute Chance haben, diese Krankheit heil zu überstehen. Dabei sind die Ansichten der Lady wohl schon sehr modern zu nennen. Sie hat gelernt, dass Sauberkeit immer ein gutes Mittel gegen Krankheiten ist. Auch weiß sie, dass man Kranke isolieren muss, um andere nicht anzustecken. Die Autorin begründet das Verhalten der Lady damit, dass diese im Kloster erzogen worden ist und die Nonnen dort dies eben alles schon praktiziert haben. Vermutlich wird es wohl wirklich so gewesen sein. Es klingt in jedem Fall schlüssig.

Mir hat gut gefallen, wie Lady Anne ihre Leute behandelt hat und durch ihren Einsatz viel dazu betrug, dass es ihren Bauern gut ging. Minette Walters erzählt eine eigentlich düstere Geschichte, aber auf so faszinierende Weise, dass ich das Buch nur schwer mal zur Seite legen konnte. Sie beschreibt die Pest mit allem was dazu gehört. Manchmal bedarf es schon starker Nerven, um die kleinen Details, auch lesen zu können. Die Autorin hat nichts beschönigt oder weggelassen.

Das Schicksal der Menschen von Develish hat mich einfach nicht losgelassen. Dazu beigetragen haben sicherlich die vielen unterschiedlichen Charaktere, die die Autorin einfach nachvollziehbar gestaltet hat. Walters zeigt, wie Menschen handeln können, wenn sie in einer extrem Situation sind, was aus ihnen werden kann, wenn niemand sie führt, und wie aus einem noch so kleinen Licht ein Held werden kann. Hier hat die Pest dafür gesorgt, dass die Menschen beginnen sich zu fragen, haben wir das verdient? Hat Gott uns verlassen? Und können wir selbst mehr tun, als nur zu sterben? Eindrucksvoll schildert die Autorin, wie die Menschen dieser kleinen Ortschaft zusammenhalten und so der Krankheit trotzen. Sie wachsen über sich selbst hinaus und hinterfragen gleichzeitig aber auch ihr eigenes Leben. Sie sind Leibeigene und Bauern, aber warum ist das so? Gut schildert die Autorin die Situationen der Menschen, ihr Denken und Handeln.

Ein Nachwort gibt es hier leider nicht und so bleibt die Frage, die mich am meisten interessiert, unbeantwortet, was von dieser Geschichte ist wahr und was entstammt nur Fantasie dieser Autorin. In irgendeiner Form wird es solche Menschen, wie den Leibeigenen Thaddeus und Lady Anne of Develish bestimmt gegeben haben und die große Pestwelle im 14. Jahrhundert gab es schließlich auch, also warum nicht auch Menschen, die um ihr Leben auf diese Weise kämpften, wie es die Bauern dieser kleinen Ortschaft getan haben? Ich hatte das Gefühl, so oder so ähnlich könnte es durchaus gewesen sein.

„Die letzte Stunde“ ist ein spannender historischer Roman aus der Mitte des 14. Jahrhunderts in England. Er hat die Pest als Thema, aber erzählt vielmehr von den Menschen, davon sich selbst zu helfen und zusammen zuhalten, um zu überleben. Einzig der Schluss wirft ein paar Fragen auf. Der letzte Satz erst weißt darauf hin, dass es eine Fortsetzung geben wird. Ich fand für mich, dass dies nicht zwingend nötig ist. Die Pest wird ein Ende finden und die Menschen in ihr altes Leben zurückkehren, ob es wirklich gut ist, diese Geschichte noch weiter auszubauen wage ich leicht zu bezweifeln. Lese würde ich sie vermutlich schon, einfach weil der Erzählstil von Minette Walters mitreißend, bildhaft und spannend ist.

Bewertung: 4 Sterne