Monika Maron - Munin oder Chaos im Kopf

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Offline jaqui

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Monika Maron - Munin oder Chaos im Kopf
« am: 11. Mai 2018, 09:28:05 »
Inhalt: Mina Wolf soll für die Festschrift einer Kleinstadt einen Aufsatz über den 30-jährigen Krieg schreiben. Dazu muss sie sich erst mal in Ruhe einlesen. Denn sie hat von der Thematik im Grunde nicht wirklich eine Ahnung. Eine irre Nachbarin, die Tag für Tag, von morgens bis abends auf dem Balkon lautstark und talentfrei singt, zwingt sie nur noch Nachts zu arbeiten. Die kleine Straße gerät in Aufruhr aufgrund der täglichen Störung und in Minas Kopf vermischen sich der 30-jährige Krieg und die täglichen Nachrichten über Krieg und Terror mit der zunehmenden Aggression in der Nachbarschaft.
Als dann auch noch eine Krähe in ihre nächtliche Einsamkeit gerät, die sie Munin nennt, ist das Chaos in ihrem Kopf komplett.

Meine Meinung: Aufgrund einer Empfehlung habe ich mir das Buch gekauft und sofort mit dem Lesen begonnen und ich wurde nicht enttäuscht.

Marons Schreibweise finde ich sehr angenehm zu lesen. Ihre Sätze erzeugen sofort eine Stimmung bei mir und sie lässt einen das Brodelnde in der Bevölkerung förmlich spüren obwohl sie gar nicht so richtig darauf eingeht.

In Kapitel drei bringt sie die Thematik des Buches meiner Ansicht nach voll auf den Punkt:

"Einige Stunden zuvor hatte ich gelesen, dass im Irak wieder einmal eine amerikanische Geisel von islamistischen Terroristen enthauptet wurde.....Und nun saß ich in der Kaskade und sollte über Maßnahmen zur Herstellung des allgemeinen Friedens und Deeskalation der gegenwärtigen Lage in unserer Straße beraten. Wegen einer so armen, verwirrten Person wie der Sängerin..."

Unsere Welt ist so skuril. Auf der einen Seite der Welt flüchten die Menschen vor Terror und Krieg und wir regen uns wegen einer Frau auf die am Balkon singt.
Das sind echte Luxusprobleme.

Mina verlegt ihre Arbeit an der Festschrift also in die Nachtstunden, um den Gesang zu entgehen. Dadurch vermischt sich ihre Arbeit am 30jährigen Kieg mit den aktuellen Nachrichten immer mehr. Und sie bekommt dadurch auch nicht wirklich mit, dass die Stimmung in der Straße immer mehr kippt und der ganze angestaute Groll über Gott und die Welt sich gegen die Sängerin richtet.

Ich fand allerdings die Hervorhebung der jungen Männer die alle Frauen bedrohen als befremdlich. Sicherlich ist das subjektive Empfinden plötzlich ein anderes und sogar ich, die in einer Kleinstadt lebt, bemerke natürlich den Zuzug. Zumal wir im Ort einige Flüchtlinge/Migranten aufgenommen haben. Bedroht habe ich mich aber noch nie gefühlt.

Die Sängerin tut mir zwar leid, aber ich muss gestehen, dass ich im Laufe des Lesens auch einen kleinen Groll gegen sie gehegt habe. Es kann ja wirklich nicht sein, dass eine einzige Frau eine ganze Straße Tag für Tag nerven kann, ohne dass jemand was unternimmt. Aber ich gehe mal davon aus, dass es im wirklichen Leben nicht so weit gekommen wäre.

Alles in allem bin ich sehr froh, dass ich diesen Roman gelesen hab