Ellin Carsta - Die ferne Hoffnung

  • 4 Antworten
  • 58 Aufrufe

Online Christiane

  • Kaminkehrer
  • Hero Member
  • *
  • Beiträge: 4077
Ellin Carsta - Die ferne Hoffnung
« am: 08. Januar 2019, 17:58:46 »
Inhalt:
Eine mächtige Familiendynastie auf dem Prüfstand der Geschichte.
Hamburg 1888: Als der Familienpatriarch Peter Hansen aus dem Leben scheidet, bleiben seine Söhne Robert, Karl und Georg mit einer großen Aufgabe zurück: Wie können sie in diesen turbulenten Zeiten den Fortbestand des hoch verschuldeten Familienunternehmens und die gesellschaftliche Stellung der Hansens sichern? Eine Plantage im fernen Kamerun bietet die einmalige Chance, die stark wachsende Nachfrage nach Kakao zu bedienen. Was von einem Teil der Familie als großes Abenteuer gesehen wird, ist für die anderen schon in der Vorstellung ein Albtraum.
Robert macht sich mit seiner Familie auf den Weg in das Land am Golf von Guineas. Seine Frau Elisabeth kehrt Hamburg nur sehr widerwillig den Rücken, und das Verhältnis zwischen den Eheleuten wird zusehends angespannt. Luise hingegen, ihre jüngste Tochter, findet das Leben auf der Plantage sehr aufregend. Nicht zuletzt, weil mit Hamza, dem Sohn des Vorarbeiters, zum ersten Mal ein Mann in ihr Leben tritt, für den sie starke Gefühle entwickelt...

Meine Meinung:
Dies Buch war, ich will es gleich sagen, nicht ganz so interessant wie ich es mir erhofft hatte. Der Untertitel ‘Die Hansen-Saga’ hat da bei mir doch recht hohe Erwartungen geweckt. Die Autorin hat jede Menge Ideen, was in so einer Familiensaga alles geschehen kann. Der Haken ist: sie wollte all ihre Ideen auf gerade mal knapp 360 Seiten und in einer Generation der Familie Hansen unterbringen. Und das ist dann doch etwas viel! Zudem sind da schon ganz schöne viele Klischees am Start.
Vom Schreibstil und auch vom Niveau, der Komplexität der Geschichte und der Charaktere liest sich das Buch in weiten Teilen wie ein Jugendroman. Das ist ja grundsätzlich nicht verkehrt, aber so war das Buch nicht beschrieben, so dass man einfach was anderes erwartet.

Wenn man sich an diese Einordnung gewöhnt hat, liest sich das Buch trotzdem zügig und locker weg. Ich hab glaub ich ganze drei Tage gebraucht und das spricht ja durchaus für das Buch :-).

Alles in allem gebe ich dem Buch eine gute drei.

Note:
Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
 Ray Bradbury (1920 - 2012)

Offline Nerolaan

  • Full Member
  • ***
  • Beiträge: 132
Re: Ellin Carsta - Die ferne Hoffnung
« Antwort #1 am: 08. Januar 2019, 20:04:29 »
Schade, das es wohl nicht hielt, was es verspricht. Klang von der Beschreibung her wirklich anders.  :nixweiss1:

Online Christiane

  • Kaminkehrer
  • Hero Member
  • *
  • Beiträge: 4077
Re: Ellin Carsta - Die ferne Hoffnung
« Antwort #2 am: 09. Januar 2019, 07:00:06 »
Nachdem das I-Net gestern Abend meine Antwort irgendwie 'gefressen' hat heute morgen ein neuer Versuch:

Ja, ich hatte mir von der Beschreibung auch anderes erhofft - deshalb stand das Buch ja auch auf meinem Wunschzettel. Also konntest Du das so auch nicht ahne. Und es ist ja auch nicht so, dass es ein Totalausfall wäre, es las sich ja letztlich ganz flott runter. Schreib 'Jugendbuch' drauf und alles ist gut  :zwinker:.

Ich kann ja im Spoiler mal genauer schreiben was da so alles in 360 Seiten gequetscht wurde:
Spoiler
Als erstes erschießt sich der Patriarch wegen misslungener Geschäfte und drohender Pleite. Die wenden die drei Sohne ratzfatz ab, indem sie in Wien einen Mann finden, der ihnen unbedingt zu besten Konditionen seine Kakaoplantage in Kamerun verkaufen will. So bleibt Georg im Hamburger Kontor, Robert übernimmt die Plantage und Karl gründet in Wien ein Kontor zum Verkauf des Kakaos. Roberts Frau findet Kamerun unsäglich, hat übelste Vorurteile gegen die 'dreckigen Neger'. Sie geht nach Hamburg zurück, sorgt dafür, dass ihre Schwägerin Vera in der Klapse landet und ihr Schwager Georg in ihrem Bett. Roberts jüngste Tochter liebt Kamerun und gleich auch den Sohn des Vorarbeiters, was natürlich gar nicht geht, denn der ist ja ein 'Neger'. Der junge Deutsche, der ihr als zukünftiger Ehemann angetragen wird, ist aber auch in eine Schwarze verliebt, während sein Vater übelste rassistische Vorurteile hat.
Und zu allem Überfluss heiratet Karl in Wien die junge Kaffeehausbesitzerin, die ihnen den Kontakt zu dem Plantagenbesitzer vermittelt hatte. Und er stellt fest, dass er seine Frau zwar liebt, aber eigentlich noch lieber mit deren Bruder zusammen wäre. Aber Homos...lität steht ja noch unter Strafe und gilt als abnormal. 
Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
 Ray Bradbury (1920 - 2012)

Offline nirak

  • Kaminkehrer
  • Hero Member
  • *
  • Beiträge: 1757
Re: Ellin Carsta - Die ferne Hoffnung
« Antwort #3 am: 09. Januar 2019, 08:32:31 »
Ich habe das Buch auch gelesen und auch den Folgeband und kann Christianes Meinung nur bestätigen.
Es hatte mich nicht wirklich gepackt, aber es war auch nicht so schlecht, dass man es nicht hätte lesen müssen.
Hier mal der Link zu meiner Rezension, (falls nicht gewünscht, weil anderes Forum, bitte löschen)

Histo-Couch

Online Christiane

  • Kaminkehrer
  • Hero Member
  • *
  • Beiträge: 4077
Re: Ellin Carsta - Die ferne Hoffnung
« Antwort #4 am: 09. Januar 2019, 09:29:17 »
Danke für den Link :-). Deine Rezi hast Du aber schon freundlicher formuliert als ich  :flirt:. Vor allem warst Du auch ausführlicher, da war ich etwas faul  :rollen:.
Hab dann auch noch in den weiteren Rezis gestöbert. Da war ich über die positive Resonanz schon etwas überrascht. Dies 'historisch gut recherchiert', das so betont wurde, mag ja vielleicht stimmen. Aber ich finde, dass gerade das Einbinden historischer Fakten arg kurz kommt. Das Leben auf der Plantage könnte man durchaus farbiger, ausführlicher schildern. Das Verhältnis der einheimischen Bevölkerung und der deutschen Einwanderer wird zwar skizziert, aber über eher platte Klischees geht es da ja kaum raus. Genau da, fand ich, verschenkt die Autorin viel Potential der Geschichte.

PS.: Ich hab das zwar hier unter 'Unterhaltung' eingeordnet, aber gewünscht hatte ich es mir weil es sich nach einem schönen Histo anhörte. Nun, da bin ich wohl von DG total verwöhnt - damit kann diese Autorin sich bei weitem nicht messen.
« Letzte Änderung: 15. Januar 2019, 13:32:57 von Christiane »
Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
 Ray Bradbury (1920 - 2012)