Inside AfD - Der Bericht einer Aussteigerin Franziska Schreiber

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Offline nala11

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Inside AfD Der Bericht einer Aussteigerin
Franziska Schreiber
Hörbuch

In diesem Hörbuch berichtet Franziska Schreiber wie sie zur AfD kam und die Anfänge dieser umstrittenen Partei.
Sie ist gebürtige Dresdenerin, Jahrgang `90.
Sie erzählt, wie ihre Familie und das Umfeld ihrer Familie die Wende erlebt haben und was (in ihren Augen) in dieser Zeit politisch schiefgelaufen ist. Es wurde Zuwenig gemeinsam überlegt und zuviel über Köpfe hinweg beschlossen. Der Osten wurde „dazu geholt“, wurde aber nicht wirklich gefragt, ob das in dieser Konsequenz akzeptabel ist.
Das ist etwas, bei dem ich nachvollziehen kann, dass das Probleme nach sich zog. Diese Menschen haben dafür gekämpft eigenständig  denken zu dürfen und eigenständige Entscheidungen zu treffen. Haben genau das friedlich erreicht und werden nun „eingenommen“ .
Ihr seid nun Bürger der BRD, wir haben hier die Hymne, den Namen des Staates, in dem ihr lebt. Wir haben hier alles fertig, nehmt das mal so an. (Das sind meine Worte, so habe ich das schon oft gedacht und so kam es für mich von Seiten Franziska Schreibers rüber. Es wurde nicht wirklich in Erwägung gezogen, was neues Gemeinsames zu schaffen. Das schafft Frust.
Es gab in den ganz frühen Zeiten der AfD Ansätze, bei denen ich schon gedacht habe. „hm.. okay, das klingt interessant, mal sehen, was daraus gemacht wird, oder wie sie sich die Umsetzung vorstellen“.
Franziska Schreiber erzählt, wie sie sich in der JA (Jungen Alternative) engagiert und darin aufgeht, Frauke Petry kennenlernt und sich mit den Ansichten der Partei identifizieren kann.
Dass die Aussagen langsam aber sicher nach rechts driften, bemerkt sie schon, ist aber noch dabei.
Sie berichtet über die sogenannte Lügenpresse und dem Umgang der AfD mit eigenen (durch Auslassen oder Zufügen einzelner Worte aus dem Kontext gerissene Aussagen Anderer) Meldungen.
Der Kontakt mit der Identitären Bewegung, vermeintliche „Lichtgestalten“, deren Ansichten zur Homosexualität, Antisemitismus und der immer stärker werdende Rechtsschub werden hier ebenfalls thematisiert.
Das Alles erschreckt sie immer mehr und die AfD wird immer weniger ihre Partei.
Mittlerweile hat sie sich wegen ihrer Parteiangehörigkeit immer mehr von ihrer Familie entfremdet (was scheinbar nicht unüblich ist, es passiert im Dunstkreis der AfD wohl öfter).

Ich merke, während ich das schreibe, dass ich mit dem, was ich gehört habe, noch lange nicht fertig bin.
Vieles hat meine Vermutungen bestätigt und so Einiges hat mich erschreckt.
Was ich nicht mochte, war das Beweihräuchern von Frauke Petry. Das liegt aber auch daran, dass ich sie und auch einen Großteil ihrer Ansichten nicht mag.

Ich habe es gehört, weil ich mich (bin ja ehrlich) fürs Bingo mit einem Sachbuch beschäftigen wollte. Zum Lesen wäre es mir wohl zu zäh gewesen. Das Hören fiel mir da leichter, wenn es zu dröge wurde, habe ich mich ausgeklinkt.
Dass es mich darüber hinaus noch so doll beschäftigt, habe ich nicht erwartet.

Alles in Allem halte ich das für ein sehr aufschlussreiches und interessantes Buch.

 :Box1: :Box1: :Box1: :Box1: :Box_grau1:
« Letzte Änderung: 26. Januar 2019, 14:26:27 von nala11 »
Lesen ist nicht nur ein Hobby, es ist eine Lebenseinstellung.
Du misst das Jahr nicht in Wochen und Monaten, sondern in Büchern.

Offline Inge78

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Re: Inside AfD - Der Bericht einer Aussteigerin Franziska Schreiber
« Antwort #1 am: 27. Januar 2019, 12:44:55 »
Das Thema klingt wirklich interessant. Wobei ich nicht weiß ob ich mit dem Stil des Buches klar komme
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Offline Christiane

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Re: Inside AfD - Der Bericht einer Aussteigerin Franziska Schreiber
« Antwort #2 am: 27. Januar 2019, 15:51:30 »
Vielen Dank für Deine Rezi, Nala! Ja, der Stil, den Du als so dröge beschreibst, schreckt mich da auch ab. Von daher: das wär vielleicht ein gutes Buch für eine Leserunde, denn zur Diskussion gibt es da sicher einiges und die hilft einem dann über diese Stilfrage hinweg.

Diese Gedanken zur 'feindlichen Übernahme' der ehemaligen DDR hab ich mir damals in etwa auch so gemacht. Als dort die friedliche Revolution in Fahrt kam, hab ich für die Menschen dort eigentlich gehofft, dass sie sich nun etwas Eigenes aufbauen können. Dass sie vieles besser machen können als zuvor in der DDR und vielleicht  mit Blick auf die BRD auch einiges besser machen als es hier ist, dabei aber gute Ideen durchaus übernehmen könnten - jugendliche Naivität und Traumdenken, wenn man so will  :rollen:.
Die Art wie die DDR dann hier sang-und klanglos 'eingemeindet' wurde, musste eigentlich zwangsläufig zu Problemen führen. Und da die Leute so lange unter linker Herrschaft gelebt hatten ist diese Ausrichtung nach rechts vielleicht irgendwie logisch?!

Ich frage mich dann weiterführend wie es kommt, dass auch so viele Westdeutsche dieser Partei ihre Stimme geben? Diese Herleitung aus der DDR-Vergangenheit kann nicht der einzige Grund für das Erstarken der Rechten sein.

Beweihräuchern von F. Petry würd mir auch gegen die Hutschnur gehe.

Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
 Ray Bradbury (1920 - 2012)

Offline nala11

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Re: Inside AfD - Der Bericht einer Aussteigerin Franziska Schreiber
« Antwort #3 am: 28. Januar 2019, 16:34:13 »
Zitat
Ja, der Stil, den Du als so dröge beschreibst, schreckt mich da auch ab. Von daher: das wär vielleicht ein gutes Buch für eine Leserunde, denn zur Diskussion gibt es da sicher einiges und die hilft einem dann über diese Stilfrage hinweg.
Hmm .. ja .. könnte sein.
Obwohl ich denke, dass ich es nicht noch lesen wollen würde...

Zitat
Die Art wie die DDR dann hier sang-und klanglos 'eingemeindet' wurde, musste eigentlich zwangsläufig zu Problemen führen. Und da die Leute so lange unter linker Herrschaft gelebt hatten ist diese Ausrichtung nach rechts vielleicht irgendwie logisch?
Ja, für mich klang das tatsächlich nachvollziehbar und logisch ...

Zitat
Ich frage mich dann weiterführend wie es kommt, dass auch so viele Westdeutsche dieser Partei ihre Stimme geben? Diese Herleitung aus der DDR-Vergangenheit kann nicht der einzige Grund für das Erstarken der Rechten sein.
Genau das habe ich beim Schreiben der Rezi auch überlegt. Und habe darüber auch mit meinem Mann geredet.
Wir haben da so die Idee, dass das im Westen die klassischen Protestwähler sind, di erst mal grunsätzlich gegen allsen sind und somit das Gefühl haben in der Wahlkabine einen "Bombenschuss" gegen die großen und etablierten Parteien abzulassen. Ob die sich en Detail mit dem Parteiprogramm beschäftigt haben und ob ihnen bewusst ist, sich vielleicht mit dieser Wahl selbst ins Knie zu schießen, wage ich zu bezweifeln.
Es ist nicht so, dass ich schon besonders viele Parteiprogramme gelesen hätte, aber ins das der AfD habe ich tatsächlich reingelesen und mir war echt übel..
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Offline Christiane

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Re: Inside AfD - Der Bericht einer Aussteigerin Franziska Schreiber
« Antwort #4 am: 28. Januar 2019, 18:38:56 »
Ja, die Protestwähler vermute ich auch als einen Teil dieser Wählerschaft. Aber ich glaube, die sind es nicht allein. Da macht man es sich zu leicht, wenn man es nur darauf schiebt. Ich fürchte, es gibt viele verschiedene Gründe weshalb Menschen in diese schiefe Schiene geraten.
Einer ist m.E., dass viele Menschen - teils zurecht, teils aus reiner Einbildung - meinen, sie kommen zu kurz, es gehe ihnen schlecht, sie hätten keine Zukunftsperspektive. Und an dieser schrägen Weltsicht in einem Land, dem es vermutlich noch nie so gut ging, das noch nie so eine lange Phase des Friedens hatte, wird auch von den Medien befeuert. Wenn man früher die schlechten Nachrichten der nächsten drei Dörfer kannte, und dann vielleicht noch die ganz großen Katastrophen, so hört man inzwischen von jedem Sack Reis, der irgendwo auf der Welt umkippt. Und hat das Gefühl, dass alles immer schlimmer wird  :rollen:.
Diese unglaublich lange Friedensphase hat wohl auch zur Folge, dass unsere Generation und vor allem die, die noch jünger sind, sich wirkliche Not vielfach gar nicht mehr vorstellen können. Und da wird dann viel eher aus einer Mücke ein Elefant.

Und dann gibt es natürlich auch noch die Menschen, denen es trotz allen Wohlstands mitten in unserer Gesellschaft tatsächlich schlecht geht, denen die Bürokraten das Leben schwer machen statt ihnen zu helfen, dass sie wieder auf die Füße kommen.

Dazu gibt es sicher noch andere Gründe, aus denen heraus Menschen in die AfD abgleiten.
Staunt euch die Augen aus dem Kopf, lebt, als würdet ihr in zehn Sekunden tot umfallen. Bereist die Welt. Sie ist fantastischer als jeder Traum, der in einer Fabrik hergestellt wird.
 Ray Bradbury (1920 - 2012)

Offline Hans

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Re: Inside AfD - Der Bericht einer Aussteigerin Franziska Schreiber
« Antwort #5 am: 31. Januar 2019, 00:37:29 »
Und dann gibt es natürlich auch noch die Menschen, denen es trotz allen Wohlstands mitten in unserer Gesellschaft tatsächlich schlecht geht,
Und davon gibt es leider viel zu viele! - Denn davon dürfte es in der BRD eigentlich keinen einzigen geben, wenn man den Reichtum dieses Landes zugrunde legt.

denen die Bürokraten das Leben schwer machen statt ihnen zu helfen, dass sie wieder auf die Füße kommen.
Das Problem dabei ist ja, das die Überzeugungstäter darunter, also jene, die diese Gesetze machen, nach denen die Bürokraten handeln, diese Armut ja genau so wollen! - Das geben sie öffentlich zwar nicht zu, oder nur so verklausuliert, dass man es kaum versteht, wenn man deren Art von Neusprech nicht kennt; - aber das ist 'ne andere Baustelle.

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Meiner Ansicht nach haben es diejenigen, die in unserer Gesellschaft die Verantwortung für das Grosse Bild tragen, geschafft, vielen Menschen das (nach)denken über Zusammenhänge abzugewöhnen, oder vielen Jüngeren gar nicht erst beibringen zu lassen, weil die Schulen es nicht mehr leisten können. Etwa wegen Lehrermangel. Diese fallen dann auch Reihenweise auf die Stammtischparolen herein und merken gar nicht, dass sie sich damit selbst ins Knie schiessen.

Eine weitere Rezi zu dem Buch gibt es auch hier (5. Buch), falls es jemanden interessiert...


Hans


Man muß nicht alles wissen, aber man sollte wissen, wo es steht.
Zum Beispiel hier: Infoportal Deutschland & Globalisierung oder Nachdenkseiten