Michael Ondaatje - Kriegslicht

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Online Inge78

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Michael Ondaatje - Kriegslicht
« am: 01. Februar 2019, 15:14:00 »
Zitat
Nach Kriegsende wird der vierzehnjährige Nathaniel mit seiner Schwester Rachel von den Eltern in London zurückgelassen. Der geheimnisvolle „Falter“, der sie in Obhut genommen hat, und dessen exzentrische Freunde kümmern sich fürsorglich um sie. Wer aber sind diese Menschen wirklich? Und was hat es zu bedeuten, dass die Mutter nach langem Schweigen aus dem Nichts wieder zurückkehrt? „Meine Sünden sind vielfältig“, wiederholt sie, mehr gibt sie nicht preis. Als er erwachsen ist, beginnt Nathaniel die geheime Vergangenheit seiner Mutter als Spionin im Kalten Krieg aufzuspüren. Fünfundzwanzig Jahre nach dem „Englischen Patienten“ hat Michael Ondaatje ein neues Meisterwerk geschrieben.

Nathaniel und seine Schwester Rachel verbringen ihre Jugend bei Freunden ihrer Eltern. Diese sind mutmaßlich nach Singapur abgereist um dort, auf Zeit, zu arbeiten. Doch eines Tages entdecken die Jugendlichen den Koffer ihrer Mutter im Keller. Wo ist ihre Mutter? Und vor Allem stellt sich auch schnell die Frage: wer ist ihre Mutter?

Das Buch ist aus der Sicht von Nathaniel geschrieben, manchmal aus seiner kindlichen Sicht, dann wieder als Rückblick aus seiner Vergangenheit. Und manchmal scheint er wie der allwissende Erzähler. Wobei mir nicht immer klar wird, ob Nathaniel die Dinge, von denen er erzählt , herausgefunden hat oder ob er spekuliert  :kopfkratz:.

Ich kann das Buch genre-mäßig schlecht einordnen. Es ist eine Familiengeschichte, es geht um den 2.Weltkrieg, um Agenten im 2.Weltkrieg, um eine Jugend im Krieg und in der Nachkriegszeit, um Kriegstraumata. Erzählt wird die Geschichte in einzelnen Episoden, nicht chronologisch, sondern Nathaniel springt in den Zeiten. Das verwirrt und stört meinen Lesefluss.

Der Schreibstil ist poetisch-melancholisch. Die Geschicht entwickelt sich langsam und viele Episoden scheinen gar nicht zur eigentlich Story zu gehören. Es wirkt wie das Tagebuch eines Jugendlichen und jungen Erwachsenen, der wichtige Episoden seinen Lebens festgehalten hat.
Mir fehlt allerdings für ein Buch der Zusammenhang, der Sinn der erzählten Ereignisse für die Gesamtstory. Und teilweise ist es mir zu getragen, die Erzählung plätschert so dahin, es passiert eben nicht immer so viel. Es ist ein Buch der leisen Töne, manchmal hätte der Geschichte ein bisschen Action aber für mich durchaus gut getan.

Die Personen sind sehr skurril. Und teilweise gar nicht fassbar, bleiben blass, mir teilweise viel zu blass. Sogar Mutter und Schwester von Nathaniel. Und auch die Gefährten, die Nathaniel und Rachel begleiten sind so wunderbar in ihren Eigenheiten, aber bleiben Randfiguren.

Doch trotz meiner ganzen Kritik hat das Buch wirklich tolle Momente und eine interessante Thematik die mir nur zu wenig behandelt wurde. (Ich will da nicht näher auf die Thematik eingehen, sonst empfinde ich dass ich zuviel über die Handlung erzähle, das sollte man als Leser selber entdecken.)
Ich mag die Idee der Personen, nur fehlt es für mich etwas an Tiefe um ihnen wirklich richtig nahe zu kommen. Kriegslicht ist ein atmosphärisch dichter Roman auf den man sich wirklich einlassen muss und bei dem man Tempo herausnehmen muss, auch beim Lesen oder zuhören, um auch alle Zwischentöne und Graustufen zu erfassen.

Alles in Allem eine durchwachsene Meinung
Es ist auch mein erstes Buch von Michael Ondaatje, vielleicht liegt mir seine Art zu schreiben auch einfach nicht





« Letzte Änderung: 01. Februar 2019, 15:15:51 von Inge78 »
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Offline leseschnecke

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Re: Michael Ondaatje - Kriegslicht
« Antwort #1 am: 02. Februar 2019, 06:57:42 »
Zitat
Es ist auch mein erstes Buch von Michael Ondaatje, vielleicht liegt mir seine Art zu schreiben auch einfach nicht

Den“Englischen Patienten „ finde ich als Film großartig-mit dem Buch bin ich gar nicht zurechtgekommen, obwohl mehrfach versucht.
Ich verstehe, was du meinst.