Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche - Sabine Weigand

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Offline Kathrin

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Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche
Sabine Weigand
hist. Roman, England
12. Jahrhundert   
Seiten: 592

Meine Meinung:
In „Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche“ von Sabine Weigand erzählt die bereits 78-jährige Aliénor von Aquitanien ihrer Enkelin Blanca ihre Lebensgeschichte als Ehefrau zweier Könige und Mutter dreier Könige. Die dreizehn-jährige Blanca ist eine Prinzessin von Kastilien und auf dem Weg zu ihrer Hochzeit mit dem französischen Thronfolger, dem späteren Ludwig VIII.

Der Roman von Sabine Weigand ist in mehrere Erzählperspektiven unterteilt. Mal erzählt Aliénor ihrer Enkelin ihre Geschichte, mal sind wir als Leser quasi „live“ dabei. Diese „Live-Momente“ erleben wir mal aus Aliénors Sicht, mal aus der Sicht ihrer Ehemänner. Und auch aus der Sicht ihrer Söhne und das alles jeweils in der Ich-Form und im Präsenz.

Und da sind wir auch schon bei meinen beiden Hauptkritikpunkten. Ich bin wahrlich keine großer Freund der Ich-Form auch wenn ich mich da in der Regel schon mit abfinden kann. Aber bei mindestens sieben unterschiedlichen Erzählperspektiven ist mir das dann doch echt too much! Ggf. wollte die Autorin mit der Ich-Form eine besondere Nähe zu den Protagonisten erzeugen, bei mir ist ihr das jedoch nicht gelungen. Ich empfinde die Figuren als platt und eindimensional, verkrampft und übertrieben emotional. Und dabei könnten sie so spannend sein. Auch bei Aliénor und Henry blitzt die Faszination, die sie für mich als historische Figuren haben, leider zu selten auf. Ihre Gefühle sind zwar verständlich aber ich bin nicht wirklich bei ihnen oder freue mich bzw. leide mit ihnen mit. Letztlich war ich nur ein einziges Mal wirklich bei Aliénor, und das war relativ weit hinten im Roman, als Aliénor ihrem Ehemann Henry II mal so richtig die Meinung geigt.  Ich finde das sehr schade, denn mit dieser Szene hat mir die Autorin gezeigt, wie toll und mitreißend sie schreiben kann. Das hätte ich wirklich gerne öfter miterlebt.

Doch nun zum zweiten Hauptkritikpunkt, wie schon geschrieben, der Präsenz als Erzählzeit. Das geht für mich überhaupt nicht, und bei historischen Romanen, die ja in der tatsächlichen Geschichte spielen, schon gleich gar nicht! Zumal es auch bei den vermeintlich spannenden Momenten nichts, aber auch gar nichts zum Tempo beigetragen hat. Ich mag das einfach überhaupt nicht!

Leider ebenfalls überflüssig, wenn auch eine schöne Idee, war die Rahmenhandlung mit der Reise Aliénors und Blancas  von Kastilien nach Frankreich. Diese Reise hat es zwar tatsächlich gegeben, aber das was auf dem Weg passiert, entstammt der Phantasie der Autorin, wie sie in ihrem Nachwort selbst schreibt. Und dieser Showdown auf der Reise … da kann ich echt nur die Hände vor dem Kopf schlagen! Klischeehafter geht es leider nicht! Das war dermaßen grottig, dass ich das Buch 30 Seiten vor dem Ende fast abgebrochen hätte. Das hätte sich Sabine Weigand in meinen Augen wirklich alles schenken können und statt dessen mehr Zeit und Seiten auf andere Passagen in Aliénors Leben verwenden sollen. Denn eins ist klar, Sabine Weigand als promovierte Historikerin hat Ahnung von der Materie! Nur warum das Buch „Ich, Eleonore, Königin zweier Reiche“ heißt und nicht „Ich, Aliénor, Königin zweier Reiche“, das habe ich nicht verstanden. Denn im Buch selbst heißt die werte Dame immer nur Aliénor und da hilft auch das kurze Vorwort zur Verwendung des Namens nicht wirklich weiter.

Aber ich bin grundsätzlich – auch bei anderen Aliénor-Romanen – der Meinung, dass so ein bewegtes Leben nicht auf 500 oder wie hier 592 Seiten gepresst werden kann. Aber ich habe da wohl leicht reden, denn ich liebe die dicken 1000-Seiten-starken Schinken ja auch!

Ein wirkliches Highlight und leider auch das einzige Highlight sind für mich die vielen Zitate aus Chroniken, Briefen oder Liedern der damaligen Zeit. Das war großartig! Aber auch sie können meine Meinung zu dem Buch nicht wirklich positiv beeinflussen.

Bewertung:
Rock the Night!