Kati Naumann: Was uns erinnern lässt

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Offline Kathrin

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Kati Naumann: Was uns erinnern lässt
« am: 29. Mai 2020, 18:29:10 »
WAS UNS ERINNERN LÄSST - von Kati Naumann
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: HarperCollins; Auflage: 3 (1. März 2019)
ISBN-10: 3959672470
Preis: 20 Euro

Zitat
"Wo seid ihr als erstes hingefahren nach der Grenzöffnung? Paris? NewYork?
Christine und Andreas tauschten einen Blick und mussten lachen. "Also die anderen sind alle in den Westen gefahren. Bloß die Familie Dressel, die wollte unbedingt in die Sperrzone der DDR."
Und diese Entscheidung wird ihnen niemand verdenken können, der dieses Buch gelesen hat. Denn in dem 500 Meter breiten Schutzstreifen - zwischen den Welten, nicht im Westen aber auch nicht richtig im Osten - war ihr Zuhause: das Hotel Waldeshöh am Rennsteig.

Auch wenn ich über diverse Booktube-Kanäle im letzten Jahr viele neue Autoren, Bücher und auch Genres für mich entdeckt habe, so ist der Roman "Was uns erinnern lässt" von Kati Naumann auf dem klassischen Weg bei mir eingezogen: bei einem gemütlichen Bummel durch in meinem Heimatstädtchen. Ein schönes Cover, ein vielversprechender Klappentext und eine total begeisterte Buchhändlerin - die Buchhändlerin meines Vertrauens - haben mich das Buch ganz schnell kaufen lassen und als ich es im Februar 2020 gelesen hatte, war auch ich begeistert und hatte eines meiner Jahreshighlights gefunden.

Der Roman ist in zwei Erzählstränge aufgeteilt. Neben dem Erzählstrang in der Vergangenheit, der im April 1945 beginnt und das Leben der Familie Dressel zur Zeit der Teilung Deutschlands behandelt, lernen wir im zweiten Erzählstrang die alleinerziehende Mutter Milla kennen, die, auf der Suche nach Lost Places, bei einer Wanderung im Thüringer Wald auf die Überreste des Hotels Waldeshöh stößt, dessen Geschichte sie nicht mehr loslässt.

Auch mich hat die Geschichte, die in diesem Roman erzählt wird, lange Zeit nicht losgelassen. Mit absolut wunderbaren und liebenswerten, aber auch sehr eigenwilligen Charakteren (von denen ich eine ganz besonders in Herz geschlossen habe, deren Namen ich aber nicht nennen will um niemanden zu beeinflussen oder zu spoilern - jeder der das Buch gelesen hat, weiß eh, wen ich meine) und dem so wundervollen Setting am Rennsteig im Thüringer Wald hat mir Kati Naumann absolute Lese-Wohlfühlmomente geschenkt. Vor allem die Beschreibungen von "Dressels Forst" haben in mir den unbedingten Wunsch geweckt, jetzt sofort und ohne Umwege am Rennsteig auf den Spuren der Familie Dressel wandern zu gehen.

In diesem Buch steckt so viel mehr als nur der geschichtliche Part der Teilung Deutschlands. Es geht um Freundschaft, Liebe und Einsamkeit, um Familie, Zusammenhalt, Erinnerungen, Kindheit und Heimat, um Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Wiedergutmachung, Verzeihen. Ich hatte als echt hessisch Mädche trotz der nahegelegenen Rhön und Grenze zur ehemaligen DDR, nur sehr wenige Berührungspunkte zum "anderen Teil Deutschlands." Wanderungen in der Rhön und ein Urlaub am ungarischen Plattensee (Balaton), bei dem wir zwei junge Familien aus Thüringen kennenlernten, das war es im Prinzip für mich. In diesem Roman hatte ich aber das Gefühl ganz nah, "live" dabei gewesen zu sein, und mich würde sehr interessieren, wie das Buch auf Lesebegeisterte wirkt, die in der DDR aufgewachsen sind.

Es ist ein großartiges Buch mit vielen Gänsehautmomenten, das zwar eine fiktive Geschichte erzählt, in der aber mehr als nur ein Funken Wahrheit versteckt zu sein scheint!

Bewertung:
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Rock the Night!

Offline Inge78

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Re: Kati Naumann: Was uns erinnern lässt
« Antwort #1 am: 02. Juni 2020, 15:22:31 »
Oh, so viel Begeisterung

Schwupps, wandert das Buch wieder höher auf dem Wunschzettel
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.