Die Pilgerin - Iny Lorentz

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Offline Lannie

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Die Pilgerin - Iny Lorentz
« am: 22. März 2007, 17:22:01 »
Verlag: Knaur
ISBN: 3-426-66249-3
Seiten: 688
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 16,90
ET: 08.12.2006

[isbn]3426662493[/isbn]

Inhaltsangabe

Reichsstadt Tremmlingen 1368:

Hier führt die junge und schöne Tilla als Tochter eines wohlhabenden Kaufherrn ein behütetes Leben. Da stirbt ihr Vater - und verfügt in seinem Testament, dass sein Herz in Santiago de Compastela in der Nähe des Apostels Jakob begraben werden soll...
Tillas Bruder schert sich jedoch nicht um den letzten Willen seines Vaters und um dessen Wunsch, seine Tochter mit Damian, dem Sohn des Bürgermeisters, zu verheiraten. Stattdessen zwingt er seine Schwester zur Ehe mit seinem besten Freund, dem ärgsten Feind des Stadtoberhauptes. Doch noch in der Hochzeitsnacht stirbt Tillas ungeliebter Ehemann, und seine Verwandten wollen die junge Witwe in den Wahnsinn treiben. Tilla hat nur eine Chance: Sie muss fliehen! Als Mann verkleidet verlässt sie ihre Heimatstadt - im Gepäck das Herz ihres Vaters. Ihr Ziel heißt Santiago de Compostela....

Meine Meinung

„Die Pilgerin“ ist typischer Iny Lorentz-Roman: Eine junge Frau verkleidet sich als Mann, um ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen.
Dieses Mal geht die Reise ins weit entfernte Spanien, auf eine Pilgerfahrt zum Grab des Heiligen Jakobus.
Gerade die Beschreibungen dieser Reise, die Einzelheiten einer Pilgerfahrt der damaligen Zeit, haben mich unheimlich interessiert. Iny Lorentz hat die Strapazen und Gefahren, aber auch die Nähe zu Gott sehr glaubwürdig und bildlich dargestellt.

Die Geschichte um Tilla beginnt auch in diesem Roman der Autorin rasant und ist spannend geschrieben, so, wie man es von den bisher erschienen Büchern bereits gewohnt ist.
Den Roman zur Seite zu legen ist schwer, immer wieder zieht es einen auf den Jakobsweg zurück, genau das mag ich so sehr an den Iny Lorentz-Büchern.
Voraussehbar wurde der Roman erst auf den letzten 200 Seiten und das auch nur stellenweise.

Die Figuren sind überwiegend sehr facetten- und abwechslungsreich – allen voran Tilla. Allerdings viel mir bei „Die Pilgerin“ auf, dass einzelne Charaktere ein wenig stiefmütterlich behandelt wurden, so dass mir die ein oder andere Figur nur als Schemen vor meinem inneren Auge stand.

Stilistisch und sprachlich gab es keine Überraschungen. Auch im achten Roman bekommt der Leser die altbekannte und bewährte Qualität.
Einzig die derben Beschreibungen der männlichen Triebhaftigkeit gingen mir irgendwann ein wenig auf die Nerven, vor allem weil man sie einfach zu oft präsentiert bekommt.

Ein besonderes Bonbon bietet die Austattung des Buches, denn endlich hat sich der Verlag dazu durchgerungen, einem Iny Lorentz-Roman eine Karte zu gönnen, die die ausführlichen historischen Anmerkungen der Autorin, das Personenverzeichnis und das kleine Glossar wunderbar ergänzt.

Meine Bewertung

Note: 3+

« Letzte Änderung: 09. September 2008, 18:07:42 von Lannie »
Liebe Grüße
Lannie aka Cait

The Viewfinder

Offline Kathrin

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Re: Die Pilgerin - Iny Lorentz
« Antwort #1 am: 25. März 2007, 19:00:47 »
Ja, hier kann ich auch meine Rezi schon einstellen:

In ihrem Roman „Die Pilgerin“ erzählt Iny Lorentz die Geschichte von Tilla Willinger, die sich nach dem Tod ihres Vaters und ihres Gatten auf den Weg nach Santiago de Compostella zum Grab des Heiligen Jakobus macht, um dort das Herz ihres Vaters zu bestatten. Auf ihrem mehrmonatige Pilgerweg in das ferne Land wächst die zwölfköpfige Pilgergruppe um Vater Thomas, zu der Tilla und Sebastian, ein Freund aus Kindertagen, gehören, zusammen und steht gemeinsam Schwierigkeiten und Probleme durch.

Da ich grundsätzlich der Meinung bin, dass Buch und Stimmung des Lesers zusammenpassen sollten und Tilla und ich vielleicht in einem ungünstigen Augenblick zusammengekommen sind, frag ich mich, ob es fair ist, das Buch jetzt zu bewerten. Aber leider muss ich sagen, dass Die Pilgerin und ich nicht wirklich miteinander warm geworden sind. Das finde ich grundsätzlich mehr als schade, weil ich dieses Gefühl bei meinen bisherigen 5-6 Iny-Lorentz-Büchern noch nie hatte. Tilla und Sebastian waren mir oft zu bockig und zickig und gingen mir damit teilweise sogar ein wenig auf die Nerven. Ich fühlte mich ein wenig durch die Ereignisse gehetzt und hätte vielleicht an der ein oder anderen Stelle lieber noch ein wenig ausgeharrt und mich zusammen mit der Pilgergruppe von den Strapazen der Reise erholt und ein Verschnaufspäuschen eingelegt.

Leider hat mich auch die Dauertriebigkeit der Männer in diesem Roman ziemlich genervt und dass nur wenige sich mal beherrschen können. Dazu kommen noch die gut erzogenen mittelalterlichen „Weibchen“, die willig sind, sich auf den Rücken legen, die Beine spreizen und sich beackern lassen. Das mag grad ein wenig hart und vielleicht auch extrem klingen, aber so ähnlich wurde es uns Lesern von der Autorin leider an vielen Stellen erzählt. Mir gefällt da zum einen die Sprache nicht und zum anderen nahmen mir die Sexszenen auch zu viel Raum ein. Hinzu kommt, dass selbst mir als Nicht-LiRo-Leserin hier auch ein Stück die Romantik und das Prickeln gefehlt haben. Ich will hier bestimmt keinen LiRo-Roman lesen, aber die Personen, vor allem Tilla und Sebastian und ihre Geschichte kamen einfach nicht bei mir an.

Ich glaube ich muss erst mal ein kleine Iny-Lorentz-Pause, die Bücher überraschen mich nicht mehr und im Falle von Tillas Geschichte hat es mich auch leider nicht gefesselt. Allerdings hege ich die leise Hoffnung, dass wir vielleicht irgendwann mal ein Wiedersehen mit Tillas Tochter und einer Nebenfigur der Pilgerin erleben dürfen. Das würde mich freuen, denn bei dieser Nebenfigur kam ich mir gut aufgehoben vor. Leider war die Szene viel zu kurz gehalten.

Bewertung:
Note: 3+


lg
kathrin
« Letzte Änderung: 26. März 2007, 01:24:56 von Steffi »
Rock the Night!

Offline Meike

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Re: Die Pilgerin - Iny Lorentz
« Antwort #2 am: 26. März 2007, 17:23:21 »
Hier meine kurze Rezi:

Mir hat "Die Pilgerin" sehr gut gefallen und ich hab mich sehr gefreut, dass das Ehepaar Lorentz einen historischen Roman über den Pilgerweg nach Santiago de Compostela geschrieben haben. Mich interessiert dieser Pilgerweg ungemein und ich würde ihn gerne auch mal eines Tages zumindest ein Stück gehen.

Dieser Roman hat mich in das Leben des 14. Jahrhundert zurückversetzt und ich habe wie immer viel Freude an den vielen historischen Fakten, dem gelungenen Erzählstil und der spannenden Geschichte gehabt. Ich war sehr fasziniert von dieser historischen Pilgerreise und habe, wie immer bei den Lorentz-Büchern, viel gelernt!

Der einzige Wehmutstropfen war für mich, dass es mir am Ende doch alles etwas schnell gegangen ist, zumindest mit Sebastian und Tilla. Ich hatte mir da auch ein bißchen mehr Romantik gewünscht, nachdem man so lange auf viele Ereignisse als Leser gewartet hat.

Wie immer war die tolle Begleitung von Gheron ein Hochgenuss und ich schwärme immer jedem vor, wieviel Zeit sich das Ehepaar Lorentz neben allem noch für seine Leser nimmt! Vielen, vielen Dank, lieber Gheron, für diese gelungene Leserunde!!! Es ist immer wieder toll mit dir zu diskutieren und soviel von eurem historischen Wissen zu lernen!

"Die Pilgerin" erhält von mir eine Bewertung von     


LG, Meike
"Du öffnest die Bücher und sie öffnen dich"
Tschingis Aitmatov

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