Rumaan Alam - Inmitten der Nacht

Begonnen von Inge78, 24. Januar 2022, 07:20:05

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Inge78

ZitatIst dieses Ferienhaus noch ein sicherer Ort für ihre Familie? Was ist in New York wirklich los? Amanda und Clay wollen mit ihren beiden Kindern eine unbeschwerte Ferienwoche auf Long Island verbringen. Doch mitten in der Nacht steht dort plötzlich ein älteres, schwarzes Ehepaar vor der Tür. Die beiden behaupten, das Haus gehöre ihnen. Sie berichten, dass ganz New York im Dunkeln liege, das Leben an der Ostküste komplett lahmgelegt sei. Hier draußen jedoch, an diesem abgeschiedenen Ort, ohne Internet, Handy- oder Fernsehempfang, wissen Amanda und Clay nicht, was sie davon halten sollen. Können sie den beiden trauen?



"Das Besondere an der Finsternis ist ihre Seltenheit. Immer brennt irgendwo ein kleines Licht. Immer ist da ein Kontrast, damit man versteht: Hier ist es dunkel."

Das New Yorker Ehepaar Amanda und Clay verbringt gemeinsam mit ihren zwei Teenager die Ferien in einem abgeschiedenen ländlichen Haus, gebucht über AirBnB. In der zweiten Urlaubsnacht steht plötzlich ein schwarzes Ehepaar vor der Tür, das behauptet, das Haus gehöre ihnen. Sie erzählen von Stromausfällen in New York. Gleichzeitig bricht auch auf dem Land Fernsehen und Internet zusammen. Wem kann man trauen und wie passen all die unerklärlichen Ereignisse ins Bild?

Autor Rumaan Alam erzählt in seinem dystopischen Roman von der Hilflosigkeit seiner Charaktere angesichts von Isolation und dem Fehlen von Informationen und damit von Sicherheit. Dabei bringen vor Allem die immer wieder eingestreuten Hinweise und Andeutungen des auktorialen Erzählers ein Düsternis und Hoffnungslosigkeit in die Story die ich schlichtweg genial umgesetzt finde. Die ganze Zeit gärt eine unmerkliche Drohung, die quasi jede Handlung ad absurdum führt. Gerade diese unterschwellige Spannung hat das Buch für mich zu einem richtigen Pageturner gemacht. Ich konnte den Roman nicht aus der Hand legen und war gefühlsmäßig voll in der Geschichte abgetaucht. Die Personen sind mir allerdings dabei alle nicht ganz nah gekommen und die ein oder andere Verhaltensweise finde ich unlogisch. Das Ende hat mich überraschend erwischt und ich hätte noch gerne so 50- 100 Seiten mehr gehabt um mit der Situation auch gedanklich ins Reine zu kommen. Man muss mit vielen Fragen und wenig Antworten rechnen und mit einer Geschichte sie sich manchmal etwas in Details verliert aber wunderbar subtil mit vielen Zwischentönen erzählt wird. Ein sehr besonderer Roman der mich absolut gepackt hat

[note2+]
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf

Marja

Danke für die Rezi, Inge. Das wandert gleich auf meine Wunschliste. Dystopien sprechen mich immer an, vor allem, wenn sie nicht in einer fernen Zukunft spielen und einigermaßen realistisch klingen.