Nino Haratischwili: Juja

Begonnen von Kathrin, 24. Juli 2023, 13:49:02

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Kathrin

Juja von Nino Haratischwili:

Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Taschenbuch
Taschenbuch ‏ : ‎ 288 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3548287921

Inhalt:
Eine junge Frau ersteht in einem Pariser Antiquariat ein schmales Büchlein einer ihr unbekannten Autorin, »Die Eiszeit« von Jeanne Saré. Sie liest es in wenigen Stunden aus und fühlt sich danach um Jahre gealtert und auf verstörende Weise fundamental verändert. Wie sich herausstellt, ist sie nicht die Einzige, deren Leben nach der Lektüre ein anderes ist. Kurz nach seinem Erscheinen in den 70er Jahren hatte das Buch für Furore gesorgt, seine Autorin wurde zum Mythos: eine 17-jährige Selbstmörderin voller Hass und Sehnsucht, die die Veröffentlichung ihrer Texte nicht mehr erlebt hat. Die feministische Linke feiert sie als Märtyrerin, doch ein düsterer Sog scheint von den Worten Sarés auszugehen: 14 junge Frauen folgen der Autorin in den Freitod. Jahrzehnte später machen sich im Paris der Gegenwart ein paar Menschen auf, das düstere Geheimnis des Textes und seiner Wirkung zu ergründen. In ihrem fulminanten Debüt zeigt Nino Haratischwili auf kluge und schwindelerregende Weise die Kraft der Sprache und erzählt von der manchmal lebensverändernden Wirkung von Literatur.

Meine Meinung:
,,Juja" ist der hochgelobte und  preisgekrönte Debutroman der georgischen Autorin Nino Haratischwili und nicht wirklich das Buch der Autorin, das ich als Einstieg in Nino Haratischwilis Erzählkunst anderen Leser*innen empfehlen würde. Im Gegensatz zu ,,Das achte Leben – Für Brilka" oder ,,Das mangelnde Licht" kommt ,,Juja" sehr sperrig daher und es dauert, bis man Zugang zu dem hier Erzählten findet – zumindest mir ging es so.

,,Juja" setzt sich aus vielen verschiedenen Geschichten und Handlungssträngen zusammen, die zu verschiedenen Zeiten und Orten spielen, die aber alle mit ,,Die Eiszeit" verknüpft sind, dem einzigen Buch der  jungen Jeanne Saré, die sich im Alter 17 Jahren vor einen Zug am Bahnhof Gare du Nord in Paris wirft und ihrem Leben ein Ende setzt. ,,Die Eiszeit", dieses Buch im Buch, ist neben den unterschiedlichen Erzählperspektiven zentraler Bestandteil von Nino Haratischwilis Roman und nur schwer zu ertragen: der Text ist verstörend, destruktiv, beängstigend, verwirrend und abstoßend, hat aber auch auf mich von der ersten Seite an einen unwiderstehlichen Sog mit seiner Wortgewalt ausgeübt. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass die Veröffentlichung dieses Textes in den 70er Jahren fatale Auswirkungen auf 14 junge Frauen hat, die Jeanne Saré in den Freitod folgten.

So verwirrend wie Sarés Buch ist auch der Anfang von ,,Juja." Die Figuren der verschiedenen Geschichten waren lange Zeit für mich nicht greifbar und zwei der Erzählperspektiven sind für mich regelrecht ineinander verschwommen. Mir blieb daher nach dem ersten Drittel des Buches nichts anderes übrig, als alle bisher erzählten Passagen pro Erzählperspektive (Apidapi, Bruder, Frau, Olga und der Ich-Erzählerin) jeweils für sich und zusammenhängend (ohne Wechsel der Erzählperspektive) zu lesen. Erst als ich alle Personen für mich sortiert hatte und Apidapi sich mit einem ihrer Studenten auf die Spurensuche nach Jeanne Saré begibt, war ich richtig im Buch drinnen.

Aufgrund der Selbstmord-Thematik ist ,,Juja" sicherlich kein Buch für jede Leser*in, für jede Lebensphase und jede Stimmung und ich finde, dass man durchaus eine Triggerwarnung setzen sollte. Für mich persönlich kann ,,Juja" mit ,,Das achte Leben" oder ,,Das mangelnde Licht" nicht mithalten, schon allein, weil ich nicht so nah an die Figuren herankam, wie es vor allem bei den vier Freundinnen in ,,Das mangelnde Licht" der Fall war. Aber ,,Juja" schenkt seinen Leser*innen auch viel Hoffnung, Kraft und wundervolle Begegnungen, die dem Buch eine tolle Wendung geben und einen unschöne Situationen und auch das Leben selbst anders betrachten lassen. Die Hoffnung und Kraft, die das Buch gibt, die wundervolle Erklärung für den Buchtitel, die die Autorin erst ganz am Ende gibt, gepaart mit der wunderschönen, bildgewaltigen und poetischen Sprache von Nino Haratischwili machen ,,Juja" zu einem wundervollen Leseerlebnis für mich, auch wenn man sich darauf einlassen und die Zeit für das Buch reif sein muss.

Bewertung:
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