Die Hüter der Rose von Rebecca Gable`

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Offline Annette B.

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Die Hüter der Rose von Rebecca Gable`
« am: 31. August 2007, 00:59:17 »
Hallo zusammen,

Ich bin mit der Leserunde soweit durch und habe auch eine Meinung zu dem Buch, die ich hier gern Kund tun möchte.  :zwinker:


[isbn]3404156838[/isbn]

Meine Meinung:


Ich könnte mich jetzt recht kurz fassen und sagen: „Einfach nur wieder Klasse! Ein Gable` wie man ihn kennt und liebt“!

Das wäre aber nicht fair, nachdem R. Gable` mich mit einer über 1000 Seiten langen, spannenden Geschichte, so hervorragend unterhalten hat.

Ich habe hier die Taschenbuchausgabe  von Bastei/Lübbe vorliegen und muss sagen, dieses Taschenbuch ist sehr liebevoll gestaltet.
Es gibt zu Beginn eine Karte und ein Personenregister, dass ist immer sehr hilfreich, wenn ein Roman in einer Zeit spielt in der die Entfernungen nur mit einer Pferdestärke oder gar zu Fuß, zurückgelegt werden mussten.
Zu  jedem neuen Zeitabschnitt, in dem die Geschichte gerade spielt, gibt es zusätzlich noch ein sehr passendes Bild im Buch, welches den Leser auf  die kommenden Ereignisse einstimmt. Sehr schön gemacht.

Der Schreibstil von Frau Gable` ist flüssig und lässt sich „flocken-locker“ weg lesen. Man merkt kaum, dass man mal eben 100 Seiten gelesen hat. Der Spannungsbogen ist immer spürbar gespannt, mal straffer und mal etwas lockerer! Jedoch nie so locker, dass man das Buch aus der Hand legen könnte.

Die Politik am englischen Königshof war um 1400 herum, alles andere als einfach. Intrigen und Machtgerangel ist für den englischen Adel auch vor 500 Jahren schon ein lebensgefährlicher Sumpf  gewesen. Diese ganzen politischen Wirren zu verstehen ist sehr schwer und an diesem Punkt hat Rebecca Gable` eine großartige Leistung vollbracht mit diesem Buch, denn sie hat genau diese Intrigen, Politik und Kriege, verständlich erklärt!

Respekt Frau Gable`!

Ich kann nur sagen, wenn jemand wissen will, wieso es zu den Rosenkriegen in England kommen konnte, dann sollte er „Das lächeln der Fortuna“ und dieses Buch lesen.

Auch wenn die Hauptdarsteller, die Ritter des Hauses Waringham, nur fiktive Figuren sind, so sind sie für den Leser doch sehr lebendig. Frau Gable` lässt so unglaublich viele kleine Informationen über das tägliche Leben im Mittelalter einfließen, dass der Leser keine Schwierigkeiten hat sich am damaligen Königshof oder in einer Burg- bzw. Dorfgemeinschaft zurechtzufinden.

Unser Hauptdarsteller, John of Waringham, zeigt in diesem Buch das er nicht ganz so perfekte Charakterzüge hat, wie sein Vater Robin in dem Buch „Das Lächeln der Fortuna“. John lässt auch mal seiner unbändigen Wut und seinem Zorn freien Lauf und nimmt seine ganz persönliche Rache. Ein menschlicher Wesenszug, der, nach allem was John erleiden muss, durchaus nachvollziehbar ist. 

Die Charaktereigenschaften der Frauen in diesem Buch sind auch sehr gut gezeichnet. Wir erleben starke, eigensinnige Frauen, aber auch niederträchtige und dumme Frauen. Die Mischung passt! Genauso wie auch bei den männlichen Hauptdarstellern der richtig fiese Typ und der super kluge Typ vorhanden ist. Ein paar echte „Originale“,  wie z.b. den Raubeinigen Owen Tudor, der unter der rauen Schale ein weiches treues Herz mit tiefen Gefühlen verbirgt, zaubert R. Gable` auch noch aus dem Hut!

Womit wir auch schon bei den historisch realen Persönlichkeiten wären. An diesem Punkt hat R. Gable` wirklich ganze Arbeit geleistet und sehr sorgfältig recherchiert um diese Figuren zum Leben zu erwecken.  Könige, Königinnen, Bischöfe und Adlige die damals tatsächlich gelebt haben, sind von ihr mit allen menschlichen Schwächen und Stärken beschrieben worden. Sie lässt die kummervollen und auch die fröhlichen Tage dieser hochrangigen Personen lebendig werden, indem sie diese Personen in Dialoge verwickelt mit viel „Biss und Witz“! Manche Gespräche sind wirklich köstlich.

Das ganze Buch wäre eine hervorragender Lesegenuss gewesen, wenn an manchen Stellen nicht mit grausamen gruseligen Kerkerszenen, Menschenverbrennung oder auch Voodooszenen, etwas zuviel Blut ins Spiel gekommen wäre. Bis zu einem gewissen Grad gehören diese Szenen bestimmt und unbedingt in einen historischen Roman, das weiß auch jeder Liebhaber von historischen Romanen.
Bisher hat Frau Gable` bei der Dosierung dieser Szenen immer ein gutes Händchen bewiesen und daher war ich doch etwas irritiert über die Vielzahl der Grausamkeiten in diesem Buch.
Auf der anderen Seite habe ich bei diesem Buch auch die eine oder andere prickelnden Liebesszene vermisst. Die Dosierung dieser Szenen ist in diesem Buch nicht so schön im Gleichgewicht, wie bei den anderen Büchern, die ich bisher von Rebecca Gable` gelesen habe. Das ist etwas schade.
 
Dennoch kann ich dieses Buch jedem Freund von historischen Romanen wärmstens empfehlen, denn diese kleine Schräglage bei Liebe,Tod und Teufel ist noch zu ertragen.

Ich freue mich schon riesig auf die Fortsetzung dieser Waringham Saga  in den Buch „Das Spiel der Könige“ !



Liebe Grüße
Annette
« Letzte Änderung: 06. Februar 2009, 21:04:32 von Annette B. »
Liebe Grüße Annette

Offline Kathrin

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Re: Die Hüter der Rose von Rebecca Gable`
« Antwort #1 am: 01. September 2007, 17:06:03 »
Und hier ist dann auch endlich mal meine Meinung und Rezi zu "Die Hüter der Rose"

In zweijähriger Vorfreude auf den dritten Teil der Waringham-Trilogie von Rebecca Gablé habe ich es mir in diesem Sommer nicht verkneifen können, ein komplettes Re-Read der Geschichte um die Waringhams und Lancasters zu durchzuführen. Zum einen weil man die wunderbaren Bücher von Rebecca Gablé vermutlich auch 100 mal lesen und trotzdem immer wieder genießen kann und zum anderen, um die Vorgeschichte zum neuen Gablé-Werk „Das Spiel der Könige“ wieder parat zu haben, d.h. die innen- und außenpolitischen Hintergründe und die Figuren, sowohl die fiktiven, vor allem aber auch die historisch belegten Persönlichkeiten.

Ich habe „Die Hüter der Rose“ direkt nach Erscheinen in 2005 zum ersten Mal gelesen und weiß noch sehr gut, dass ich relativ enttäuscht war von diesem historischen Roman von Rebecca Gablé. Ich fand ihn zwar damals weiß Gott nicht schlecht, er war immer noch bei den am besten bewerteten Bücher in meiner Liste, aber ich war nicht wirklich glücklich mit diesem Buch. Der Gesamteindruck hat sich allerdings mit dem jetzigen Re-Read geändert und ich bin so gut wie komplett versöhnt mit Gablé und diesem Buch. Allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, dass die Satanisten- und Voodoo-Szene am Ende völlig Gablé-unwürdig und überflüssig wie ein Kropf war. Ich hoffe, dass sie sich so etwas für den nächsten Teil gespart hat.

Wie wir verwöhnten Leser es gewöhnt sind, besticht auch dieser Roman wieder mit einer äußerst lebendigen und farbenfrohen Darstellung des 15. Jahrhunderts in England. Die geschichtlichen Hintergründe sind sehr gut und intensiv recherchiert und excellent mit dem Leben der Figuren vermengt. Die Grauen und Brutalität des 100jährigen Krieges wie auch die politischen Unruhen in England, die Intrigen und Machtspiele der hohen Herren, aber auch die tiefe Freundschaft zwischen John of Waringham, Owen Tudor und John of Somerset bringt die Autorin einfach unschlagbar gut rüber. Dies alles wird gemischt mit schönen Liebesgeschichten, die sich jedoch keineswegs in den Vordergrund drängen, und dem unvergleichlichen Gablé-Humor, der sich vor allem in den Dialogen und Diskussionen der handelnden Figuren wiederspiegelt.

Mit den Hauptfiguren des Buches (John of Waringham und Henry Beaufort) bin ich bei diesem Re-Read wesentlich besser zurechtgekommen, als beim ersten Mal, allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, dass Henry Beaufort nur ein Abklatsch seiner wundervollen Vaters John of Gaunt aus „Das Lächeln der Fortuna“ ist. Bei John hingegen finde ich, dass die Autorin gegenüber Robin of Waringham gelernt hat. Natürlich hatte auch Robin Höhen und Tiefen in seinem Leben, aber John geht mit den seinen härter ins Gericht, er lebt seine Rache aus, ist eine Mordmaschine im Krieg gegen die Franzosen und desöfteren graut es mir vor ihm. Auch wenn John mir etwas besser und realer gelungen scheint als Robin, so ist mein absoluter Liebling nach wie vor Raymond, Robins älterer Sohn und damit Johns großer Bruder. Raymond ist es einfach, mit all seinen Fehlern, die er hat, er ist mein Waringham-Held! Ich vermute, dass sein unehelicher Sohn Daniel in seine Fußstapfen treten wird, wenn Gablé ihn denn lässt und mir meine Lieblinge in ihrem neuen Buch nicht schon viel zu früh wegnimmt, was ich aber fast schon befürchte. Ebenso sehr habe ich Johns Freunde Owen Tudor und John of Somerset ins Herz geschlossen, so unterschiedlich sie auch alle sind. Aber das ist ja auch wieder das schöne an den Gablé-Büchern, ein bunter Blumenstrauß an schillernden, faszinierenden Figuren, auch wenn man den Waringhams schon anmerkt, wer sie gezeugt hat, aber das macht auch nix, denn Robin mochte ich ja auch  :flirt: Alles in allem sind mir aber sowohl Owen und seine Geschichte als auch John of Somerset zu kurz gekommen, wobei sich das bei Somerset durch seine jahrelange Haft erklärt, aber ich hab ihn einfach vermisst, wie blöd!!!  Und ja, auch eine 1100-Seiten dickes Buch kann zu dünn sein!!! Die „bösen“ Figuren des Buches waren mir fast schon ein wenig zu eindimensional böse. Die Gegenspieler sind der Autorin schon besser gelungen, beispielsweise in „Der König der purpurnen Stadt“.

Unbedingt hervorzuheben ist meiner Meinung nach die Gestaltung des Buches, ich habe das Hardcover vom Ehrenwirth-Verlag. Unabhängig von dem Personenregister und dem wunderbar langen Nachwort der Autorin, in dem sie vieles aus dem Buch noch mal aufgreift und erklärt, wieso sie Dinge so geschildert hat, wie sie es getan hat, ist dieses Buch einfach wieder wunderbar liebevoll gestaltet, mit Zeichnungen für die Teile und einer Landkarte von England und Frankreich im Buchdeckel. Da ich noch das ein oder andere wunderschöne Ehrenwirth-Hardcover habe von anderen Autoren/ Autorinnen, möchte ich an dieser Stelle dem Verlag einen großen Dank aussprechen für die Gestaltung der Bücher. Ich finde es immer wieder wunderbar, wenn Bücher nicht nur inhaltlich überzeugen, sondern im Bücherregal auch noch wunderbar aussehen!

Bewertung:
(eine glatte 1, für die 1 mit *** hat es durch die Voodoo-Szene wieder nicht gereicht!)

lg
kathrin
Rock the Night!