Gudrun Lochte - Au Revoir und Tschüss

Begonnen von Sagota, 14. Juni 2026, 16:54:46

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Sagota

Sprachurlaub oder die Reise zu sich selbst....

Bei "Au Revoir und Tschüss" von Gudrun Lochte handelt es sich um das Début der Autorin, die erst mit Ü60 begann, zu schreiben. Erschienen ist der Roman (in wirklich außergewöhnlich toller Aufmachung, hellblauer Farbschnitt und ein buntes Blatt in der Buchmitte, das den Markt von Uzès zeigt) im Vani-Verlag, 2026 (HC, geb., 319 S.).

Worum geht's?

Caro ist seit über 20 Jahren mit Holger verheiratet; anfangs waren beide glücklich, doch mit den Jahren und dem Alltag (die beiden Jungs sind inzwischen erwachsen) hat sich vieles verändert; Holger machte mehr und mehr Überstunden und Familienzeit war Mangelware: Das Paar lebte sich auseinander, wobei Holger als Karrierehengst dargestellt wird, der es am liebsten mag "wenn seine Frau sich um alles Übrige kümmert" und zu Hause ist. Caro arbeitet halbtags in einer Bibliothek, merkt jedoch, dass ihr Leben stagniert - sie sich selbst aus den Augen verloren hat und bucht (Freundin Holly kann es kaum glauben) eine Reise nach Südfrankreich, das sie von vielen Urlauben kennt, einen Sprachurlaub in Uzès.

Auf Verständnis oder Freude stößt sie bei ihrem Ehemann dabei nicht, jedoch reagieren die Jungs sehr positiv. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Uzès angekommen, stellt sie fest, dass der charmante und gut aussehende Mann, der ihr in Paris die gestohlene Tasche zurückgab, ihr Lehrer ist, der sie nun vier Wochen darin unterrichten wird, ihr Französisch zu perfektionieren. So reist man mit Caro (die es genießt, "endlich einmal was für sich selbst zu tun" - ohne Rücksicht auf die Familie nehmen zu müssen) nach Uzès und folgt interessiert dem Sprachunterricht, der mit vielen Außenterminen verbunden ist und bei lockerer Atmosphäre allen internationalen SchülerInnen jeglichen Alters viel Spaß macht - dem Lehrer Armand einbegriffen - in eine Gewürzmanufaktur, in ein Bistro, in einen Olivenhain usw., wo sich herausstellt, dass Armand und Caro sich zueinander hingezogen fühlen: Wird Caro einen Urlaubsflirt zulassen, ihr früheres Leben ausklammern können?

Meine Meinung:

Thematisch geht es um Mut, Lebensfreude und Selbstvertrauen. Caros Leben wurde in ihrer erstarrten Ehe eintönig und wenig glücklich: Mit Mitte 40 merkt sie, dass sie eigene Träume immer hinten angestellt hatte, sich selbst verloren hatte, um die Bedürfnisse ihrer Familie zu erfüllen (etwas, was sehr realistisch ist und worin sich so manche Frau wiederfinden dürfte). Im Gegensatz zu ihrer Freundin Holly, die geradeheraus ist und ihren Traum, ein exquisites Blumengeschäft zu eröffnen, längst verwirklichte, ist Caro sehr überlegt und braucht eine Zeit, um Entscheidungen zu fällen: Die Buchung des Sprachurlaub bedeutet ihr viel und sie nutzt die Zeit, um sich eigener Träume und Möglichkeiten zu erinnern, die sie glücklich machen. So reift in ihr der Gedanke, zurück in Deutschland einen kleinen Laden zu eröffnen, in dem sie die wunderbaren französischen Produkte der Provence verkaufen kann. Die "Stationen" die die Lerngruppe aufsuchte, fand ich sehr schön (besonders Gustave und Camille in der Gewürzmanufaktur) und vom südfranzösischen Flair ist atmosphärisch viel in diesem leichten Sommerroman zu spüren.

Die Kapitel sind kurz, leicht und sehr eingängig zu lesen; jedoch bleibt vieles trivial und auch leider vorhersehbar: Mir fehlte Tiefgang in der Handlung und den Dialogen; auch die im Grunde sympathischen Charaktere blieben flach. Es handelt sich (auch wenn ich das Thema sehr gut gewählt finde - eine Frau auf dem Weg zu sich selbst) um keine anspruchsvolle Literatur, jedoch um einen Roman, der warmherzig und atmosphärisch geschrieben wurde. Mir persönlich war alles zu vorhersehbar; die oft aufgezählten Belanglosigkeiten gefielen mir weniger und der Unterhaltungsfaktor ist m.E. sehr hoch.

Empfehlen könnte ich den Roman allenfalls Frauen in Caros Alter, die sich nicht zutrauen, neue und eigene Wege zu gehen: Den Mut zu haben, aus einem erstarrten und lieblosen Alltag oder einer Beziehung heraus neue Wege zu beschreiten. Die eigenen Bedürfnisse nicht zu vergessen und Selbstvertrauen zu entwickeln. Da es der erste Roman der Autorin ist, sehe ich jedoch durchaus Luft nach oben - denn es ist auch mutig, relativ spät zu beginnen, Bücher zu schreiben! Von mir gibt es für den Sommerroman mit französischem Flair 3*.

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