Maggie O´Farrell - Judith und Hamnet

Begonnen von Inge78, 26. August 2026, 09:14:54

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Inge78

ZitatAgnes sieht ihn und weiß: Das wird er sein. Dabei ist der schmächtige Lateinlehrer aus Stratford-upon-Avon noch nicht einmal achtzehn. Egal, besser, sie küsst ihn schnell. Besser, sie erwartet ein Kind, bevor ihr einer die Heirat verbieten kann. Vierzehn Jahre später sind es drei Kinder geworden. Doch wie sollen sie auskommen, solange ihr Mann wer weiß was mit diesen Theaterstücken treibt? Er ist in London, als der elfjährige Hamnet die Beulen am Hals seiner Zwillingsschwester Judith ertastet. Als Agnes im Blick ihres Sohnes den Schwarzen Tod erkennt.
Maggie O'Farrell entdeckt den bedeutendsten aller Dramatiker neu, als Liebenden und als Vater. Vor allem aber erzählt sie zum ersten Mal die unvergessliche Geschichte seiner eigensinnigen, zärtlich kühnen Frau: Agnes.


Mit ,,Judith und Hamnet" bin ich zunächst überhaupt nicht gut gestartet. Der Schreibstil war für mich ungewohnt und ich hatte anfangs Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Die sehr bildhafte und teilweise poetische Sprache hat mich eher auf Abstand gehalten, sodass ich mich erst einmal in den Roman hineinfinden musste.

Irgendwann hat die Geschichte mich dann aber doch gepackt. Maggie O'Farrell erzählt nicht in erster Linie die Geschichte von William Shakespeare, sondern richtet den Blick auf seine Familie und vor allem auf seine Frau Agnes und die Kinder. Im Mittelpunkt steht der Tod des elfjährigen Hamnet und die ganz unterschiedliche Art, wie die Familie mit diesem Verlust umgeht.

Je weiter ich gelesen habe, desto stärker konnte ich mich auf die besondere Erzählweise einlassen. Vor allem die Beziehung zwischen den Zwillingen Judith und Hamnet und die Schilderung der Trauer haben mich sehr berührt. Der Roman ist dabei nicht unbedingt spannend im klassischen Sinne, entwickelt aber eine unglaubliche Sogwirkung, sobald man sich auf das ruhige Erzähltempo und die vielen Bilder und Eindrücke eingelassen hat.

Besonders interessant fand ich auch den Blick auf das Leben im England des 16. Jahrhunderts. Shakespeare selbst bleibt dabei erstaunlich im Hintergrund. Statt den berühmten Dichter in den Mittelpunkt zu stellen, erzählt O'Farrell von den Menschen, die hinter ihm und seinem Leben standen.

Für mich war ,,Judith und Hamnet" deshalb ein Buch, das es mir anfangs nicht leicht gemacht hat, mich am Ende aber doch sehr für sich gewinnen konnte. Ich bin froh, dass ich drangeblieben bin, denn irgendwann war ich so in der Geschichte, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen wollte.

Ein ruhiger, berührender und außergewöhnlicher historischer Roman, für den man vielleicht ein bisschen Geduld braucht – der sich für mich aber definitiv gelohnt hat.

[note 2]

Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf