Reed, Ava: Alles.Nicht. Und ganz viel dazwischen

Verlag: Ueberreuter
erschienen:
2019
Seiten:
320
Ausgabe:
Hardcover
ISBN:
3764170891

Klappentext:

Der Abschluss. So viele Dinge, die zu tun sind.
Und danach? Ein Studium? Eine Ausbildung? Reisen?
Leni ist ein normales und glückliches Mädchen voller Träume. Bis ein Moment alles verändert und etwas in ihr aus dem Gleichgewicht gerät. Es beginnt mit zu vielen Gedanken und wächst zu Übelkeit, Panikattacken, Angst vor der Angst. All das ist plötzlich da und führt zu einer Diagnose, die Leni zu zerbrechen droht. Sie weiß, sie muss Hilfe annehmen, aber sie verliert Tag um Tag mehr Hoffnung. Nichts scheint zu funktionieren, keine Therapie, keine Medikation. Bis sie Matti trifft, der ein ganz anderes Päckchen zu tragen hat, und ihn auf eine Reise begleitet, die sie nie antreten wollte …

Rezension:

Es ist löblich, wenn sich Autoren mit ernsten Themen beschäftigen und sie dann sogar altersgerecht in einem Jugendbuch verarbeiten wollen. Tatsächlich habe ich mir von diesem Roman viel versprochen, weil die Autorin selbst unter einer Angsterkrankung und Depressionen leidet und somit weiß, wovon sie da schreibt. Und gerade deswegen finde den Roman an manchen Stellen so ärgerlich.

Ava Reed vermag immer dann zu überzeugen, wenn sie die Gefühle und Innenansichten ihrer Protagonistin beschreibt. Dann ist man ganz nah bei Leni und ihrer Verzweiflung, ihrer Angst und auch der Hoffnungslosigkeit. Das der Roman nicht gerade vor Handlung strotzt, finde ich bei diesem Thema legitim. Es geht hier nicht um wahnwitzige Wendungen, sondern darum, eine Erkrankung und ihre Begleiterscheinungen realistisch darzustellen.

Und hier kommen wir dann zur Kritik. Mir ist der Verlauf der Erkrankung bei Leni für ein Jugendbuch zu extrem. Nun höre ich den ersten Aufschrei, denn wenn etwas schlimm ist, dann soll man doch bitte auch nichts unter den Teppich kehren. Das ist natürlich richtig, aber Leni bekommt aus heiterem Himmel Angstattacken und entwickelt schließlich eine Depression. Ich finde es gut, dass die Autorin der Erkrankung keine billige Ursache andichtet, denn tatsächlich ist es so, dass viele Menschen mit Depressionen und Panikattacken gar nicht wissen, woher diese kommen, was sie ausgelöst hat oder was sie immer wieder triggert. Hier umschifft Reed gekonnt das Klischee vom missbrauchten oder sonstwie geplagten Opfer, was sich zum Beispiel in vielen New Adult Romanen wiederfinden lässt. Dafür auf jeden Fall ein großes Danke!

Dennoch finde ich die extreme und sehr schnell unfassbar schlimme Ausprägung von Lenis Ängsten ein bisschen zuviel des Guten, zumal sie vorher nie derlei Anzeichen gezeigt hat. Ich bin mir auch nicht sicher, ob das nicht so manche junge Leserin triggern wird, wenn sich ein Mädchen, das nicht weiß, was ihr fehlt, andauernd in der Öffentlichkeit übergibt. Natürlich sollte man Angst und Depressionen realistisch darstellen, aber mir fehlt in dem Buch die Aufklärung zu dieser Erkrankung und so werden Leser und Leserinnen mit all ihren Fragen und Ängsten allein gelassen. Der stationäre Klinikaufenthalt wirkt zudem manchmal wie Hanni und Nanni – nur halt mit Magersüchtigen und Co. Das wird man dem Thema einfach nicht gerecht und ehrlich gesagt, da als Nebenfiguren ein paar Jugendliche mit psychischen Erkrankungen einzubauen, die letztlich aber nur Stichwortgeber sind, finde ich irgendwie schäbig, zumal man das Buch ohne Probleme um 150 Seiten hätte verlängern können.

Richtig verärgert hat mich der Schluss. Natürlich ist ein gutes und hilfsbereites soziales Umfeld Gold wert und natürlich kann einem dieses Auftrieb geben, Hoffnung und Glauben zurückgeben und natürlich kann das manchmal der kleine Funke sein, der einen dazu bringt, nicht mehr zu flüchten und sich der Angst zu stellen, aber letztlich geschieht Heilung bei diesen Erkrankungen immer von innen heraus. Sie ist nicht von anderen abhängig und da haben für mich die letzten Seiten des Buches einiges versaut. Den dusseligen klebrigen Zuckerguss hätte es doch echt nicht gebraucht. Wenn man das Buch schon einfach so mitten drin enden lässt, dann kann man den Status Quo doch auch so stehen lassen und nicht einfach kurz den Regenbogen und die Einhörner auftreten lassen. DAS nimmt dem Thema nämlich wirklich die Ernsthaftigkeit.

Für mich hat “Alles.Nichts. Und ganz viel dazwischen” einfach keinen Mehrwert. Man lernt kaum was über Depressionen und Ängste, die Geschichte hat keinen richtigen Schluss, ist teilweise zu extrem und teilweise wieder erschreckend oberflächlich. Ich weiß einfach nicht, was mir Ava Reed mit dem Buch sagen wollte.

Gestalterisch hat mir das Buch sehr gut gefallen, weil immer wieder sehr schöne Tagebucheinträge von Leni eingestreut werden, die die Autorin selbst handschriftlich verfasst und verziert hat.

Note: 3-

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