Picoult, Jodi: Kleine große Schritte

Originaltitel: Small Great Things
Verlag: C. Bertelsmann
erschienen: 2017
Seiten: 592
Ausgabe: Hardcover
ISBN: 3570102378
Übersetzung: Elfriede Peschel

Klappentext:

Ruth Jefferson ist eine äußerst erfahrene Säuglingsschwester. Doch als sie ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt. Die Eltern wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihren Sohn berührt. Als sie eines Tages allein auf der Station ist und das Kind eine schwere Krise erleidet, gerät Ruth in ein moralisches Dilemma: Darf sie sich der Anweisung widersetzen und dem Jungen helfen? Als sie sich dazu entschließt, ihrem Gewissen zu folgen, kommt jede Hilfe zu spät. Und Ruth wird angeklagt, schuld an seinem Tod zu sein. Es folgt ein nervenaufreibendes Verfahren, das vor allem eines offenbart: den unterschwelligen, alltäglichen Rassismus, der in unserer ach so aufgeklärten westlichen Welt noch lange nicht überwunden ist …

Rezension:

Was ich an Jodi Picoult unglaublich schätze ist, dass sie sich niemals wiederholt. Wo andere Autoren sich immer den gleichen Themen widmen, wird sie nicht müde immer wieder andere Missstände, schwierige Problematiken und ethische Grundfragen in ihren Romanen zu thematisieren. Amokläufe, Rassismus, Selbstbestimmung, es ließe sich noch einiges aufzählen. Dabei schafft sie immer den Spagat zwischen Unterhaltung und nötigem Ernst.

Genauso ist es auch in “Kleine große Schritte”. Manche Passagen sind wirklich schwer auszuhalten. Der unfassbar offene Rassismus der Bauers lässt einen unruhig im Lesesessel rumrutschen. Die offensichtliche Ungerechtigkeit, die Ruth erfahren muss, lässt Erinnerungen an “Wer die Nachtigall stört” wach werden und wer nur einen Funken Anstand im Leib hat, kann nur immer wieder wutentbrannt auf die Seiten starren (oder sogar hauen), das dies heute immer noch so möglich ist.

Im Laufe der Handlung wechselt Picoult mehrmals die Perspektive. Erzählt wird der Roman aus der Sicht von Ruth, ihrer Verteidigerin Kennedy und Turk Bauers, der von Jugend an in einer Spirale aus Rechtsextremismus und Gewalt gefangen ist. Gerade die verschiedenen Sichtweisen machen den Roman so facettenreich. Besonders mit Kennedy, der weißen Verteidigerin konnte ich mich identifizieren, denn sie erlebt eben aus einer privilegierten Position heraus die Ungerechtigkeiten, die Ruth widerfahren. Umso schwerer fiel es mir, mich in irgendeiner Art und Weise in Turk und Brittany Bauer hineinzuversetzen. Ich verstehe die Trauer und die Wut über den Tod ihres Kindes und auch, dass es ihnen helfen würde, für diese Tragödie einen Schuldigen zu finden, aber ihr extremer Rassismus, ihre Ansichten, die absolute Leugnung von Wahrheiten ist kaum zu ertragen.

Wichtig finde ich, dass die Autorin sich nicht auf die offensichtlichen Dinge beschränkt. Natürlich ist der Fall an sich wichtig für die Handlung, aber Picoult zeigt an vielen kleinen Beispielen wie schlimm Alltagsrassismus ist und bezieht auch immer wieder den Leser mit ein, der sich das ein oder andere Mal die Frage stellen muss, wie er/sie reagieren würde. Denken oder handeln wir nicht auch manchmal rassistisch, obwohl wir es gar nicht wollen, es aber nicht mal merken? Die Autorin sensibilisiert ihre Leser für dieses Thema und gerade das gefällt mir an Picoult. Sie bietet gute und spannende Unterhaltung mit Mehrwert und ich freue mich schon jetzt auf ihren neuen Roman.

Note: 1

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