Eva Menasse - Dunkelblum

Begonnen von Esmeralda, 07. Februar 2022, 08:53:17

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Esmeralda

ZitatAuf den ersten Blick ist Dunkelblum eine Kleinstadt wie jede andere. Doch hinter der Fassade der österreichischen Gemeinde verbirgt sich die Geschichte eines furchtbaren Verbrechens. Ihr Wissen um das Ereignis verbindet die älteren Dunkelblumer seit Jahrzehnten – genauso wie ihr Schweigen über Tat und Täter. In den Spätsommertagen des Jahres 1989, während hinter der nahegelegenen Grenze zu Ungarn bereits Hunderte DDR-Flüchtlinge warten, trifft ein rätselhafter Besucher in der Stadt ein. Da geraten die Dinge plötzlich in Bewegung: Auf einer Wiese am Stadtrand wird ein Skelett ausgegraben und eine junge Frau verschwindet. Wie in einem Spuk tauchen Spuren des alten Verbrechens auf – und konfrontieren die Dunkelblumer mit einer Vergangenheit, die sie längst für erledigt hielten.

Mein Leseeindruck:
Ein sehr kompaktes und eindringliches Buch; aber keine leichte Lektüre, bei der man durch die Seiten fliegt.
Hier wird man als Leser gefordert und es braucht Konzentration,  Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen.
Erzählt wird aus der Vogelperspektive, da es keinen klar benannten Protagonisten gibt, verteilt auf sehr viele verschiedene Erzählstränge.
Und obwohl mich Eva Menasses brillanter Erzählstil und ihre eindringliche Sprache durchaus gepackt haben, hatte ich trotzdem meine Probleme mit den Unmengen an Figuren und immer wieder wechselnden Zeitebenen.
Darüber hinaus empfinde ich es als Kritikpunkt, dass sehr viele interessante Erzählstränge nicht zu Ende erzählt wurden.

Lesenswert ist "Dunkelblum" aber auf jeden Fall.

[note2]
Life is too short to read bad books. 

Kathrin

Danke Dir für Deine Meinung. Ich will das Buch auch bald lesen, evtl. sogar noch im Februar, wenn ich bei den Zwergen gut voran komme.
Rock the Night!

Inge78

Es klingt echt anstrengend und ich schiebe es gedanklich gerade eher nach hinten
Es steht bei mir auf der Hörbuchliste, weil die Autorin es selber liest
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf

nala11

Ich habe es auch noch auf meiner Hörliste..
Ich habe auch schon mal rein gehört und fand es etwas anstrengend, was auch daran liegt, dass mir der österreichische Akzent manchmal Probleme bereitet.
Ich probiere es noch einmal aus.
Lesen ist nicht nur ein Hobby, es ist eine Lebenseinstellung.
Du misst das Jahr nicht in Wochen und Monaten, sondern in Büchern.

Inge78

Hm, okay, also doch Akzent ... kann charmant sein, kann aber auch anstrengend sein
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf

Kathrin

Ihr wohnt zu weit im Norden, Ihr habt's echt nicht so mit Österreicher*innen, oder? Für mich ist das immer mit Urlaub und Wohlfühlen verbunden. :-)
Rock the Night!

Inge78

Zitat von: Kathrin in 09. Februar 2022, 10:35:34
Ihr wohnt zu weit im Norden, Ihr habt's echt nicht so mit Österreicher*innen, oder? Für mich ist das immer mit Urlaub und Wohlfühlen verbunden. :-)

Ich habe noch nie in Österreich Urlaub gemacht  :kopfkratz:
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf

Tara

Sometimes you just need to lay on the couch and read for a couple of years.

With freedom, books, flowers and the moon, who could not be happy? Oscar Wilde

Inge78

Ich bin mehr für Flachland und Wasser  :->
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Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf

Kathrin

Rock the Night!

Inge78

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Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf

Inge78

#11
" Wenn die Träume groß sind, werden es auch die Enttäuschungen."

Ein Tourist kommt in die Stadt und stellt Fragen, eine Leiche wird gefunden, ein jüdischer Friedhof wird restauriert, eine junge Frau verschwindet. Und die Dunkelblumer schützen ihre Geheimnisse, um jeden Preis.

Ich liebe den Schreibstil von Eva Menasse. Sie kann mit ihren Worte Bilder malen, Gefühle lebendig werden lassen. Ihre Metaphern sind sehr oft großartig, ihre Vergleich treffend und oft wunderbar bissig. Mit viel östereichischem Lokalkolorit (für den es glücklicherweise ein Wörterbuch gibt) und einem tiefsinnigen scharfzüngigem Humor erzählt uns die Autorin von Dunkelblum, einem vermeintlich harmlosen kleinen Städtchen kurz an der Grenze zu Ungarn. Das Buch ist überladen von vielen verschiedenen Personen und ihren Geschichten ... und vor Allem ihren Geheimnissen. Zum Glück gibt es in den neuen Auflagen ein Personenregister, das ich regelmäßig zu Rate ziehen konnte ohne mich zu spoilern. Wir wechseln zwischen verschiedenen Erzählperspektiven und verschiedenen Zeitebenen, all dies erfordert eine hohe Konzentration beim Lesen. Und ein Mitdenken, was mich besonders begeistert hat. Ich hatte das Glück, das Buch mit zwei Mitleser*innen zu lesen und durch den regelmäßigen Austausch konnten wir gemeinsam miträtseln und Verbindungen ziehen, Menschen und Ereignisse verknüpfen und Vermutungen anstellen. Die Ereignisse im fiktiven Dunkelblum sind u.a. an ein reales östereichisches Dorf angelehnt und man merkt dem Buch in seiner Detailverliebtheit die große historische Recherche an. Bis zurück in die dunklen Zeiten des 2.Weltkrieges reichen die Wurzeln dieser Geschichte. Und Eva Menasse präsentiert uns mit der anstehenden Wende in der DDR im Sommer 1989 noch ein weiteres historisches Ereignis.
Die Personen sind vielschichtig, und auch wenn man eindeutige Verbrecher und einige "Scheinheilige" ausmachen kann, so sind doch viele Charaktere nicht eindeutig "gut" und "böse" was mir ziemlich gut gefällt. Und bei der Vielzahl der Personen gibt es nicht den einen Hauptcharakter, im Mittelpunkt steht die Kleinstadt Dunkelblum als Ganzes.
Viele Fragen werden aufgeworfen, viele lose Ende warten darauf, verknüpft zu werden und sobald man einen Hinweis entdeckt stellen sich direkt wieder neue Fragen. Und nicht alle Fragen werden am Ende beantwortet, so viel sei verraten. Denn im Roman geht es eher um die Geheimnisse, um das Schweigen, um ungesühnte Verbrechen, um Schuld und um Rache.
Die Autorin lässt die Charaktere selber erzählen, wie man in Dunkelblum mit Geheimnissen umgeht: "Dass dieses Gespräch niemals stattgefunden hatte, war klar, keine musste das aussprechen. Das war hier alte Tradition, damit waren sie bisher immer gut gefahren."
Ein paar Szenen sind nichts für zarte Gemüter wobei die Autorin niemals übertreibt in irgendwelchen Gewaltdarstellungen. Durch die vielen Rätsel gab es für mich im Roman eine dauerhaft anhaltende Spannung, die mich durch die Seiten gezogen hat. Das Ende kommt mit einem Knall und nach einem ersten Schrecken und dann großer Begeisterung, hätte ich das Buch am Liebsten direkt wieder von vorne begonnen. Wenn denn nicht noch so viele andere Bücher darauf warten würden, gelesen zu werden.
Man muss sich auf diesen Roman einlassen, man muss sich hineinfallen lassen in eine Geschichte, die Fragen aufwirft, in einen großen Mischtopf aus Menschen und Meinungen, aus Geheimnissen und Lügen. Nicht ganz einfach, man sollte aufmerksam lesen um nichts zu verpassen, um den Überblick zu behalten. Und man wird belohnt mit einer ganz besonderen Geschichte, die mich sicherlich noch lange beschäftigen wird.

[note1]
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf

Kathrin

Ich habe es auch beendet und mochte auch so, so sehr. Für mich auch [note1]
Rezi folgt, wenn ich irgendwann mal wieder Zeit für so was habe  :wuschig:
Rock the Night!

Esmeralda

Schön, dass Euch "Dunkelblum" so begeistern konnte.  :applaus1:
Wahrscheinlich empfindet man das Buch nochmal anders und intensiver, wenn man es in einer LR liest.
Als ich das Buch für mich alleine gelesen habe, hatte ich häufig Fragezeichen im Kopf und ein Austausch dazu hätte sicher geholfen.
Rückblickend empfinde ich das Buch dadurch auch als etwas anstrengend.
Life is too short to read bad books. 

Inge78

ZitatAls ich das Buch für mich alleine gelesen habe, hatte ich häufig Fragezeichen im Kopf und ein Austausch dazu hätte sicher geholfen.

Die Fragezeichen kann ich verstehen und der Austausch hat das Buch auf jeden Fall noch intensiver gemacht
Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore

Im finst´ren Förenwald, da wohnt ein greiser Meister. Er ficht gar furchtlos kalt sogar noch feiste Geister.
(aus "ES" von Stephen King)

Fiktion ist wie ein Spinnennetz, das, auch wenn nur vielleicht ganz leicht, an allen vier Ecke des Lebens befestigt ist.
- Virginia Woolf